„Hambacher Forst“ – und die „Schein-heilig-keit“ der Grünen //// „SPD“-Umweltministerin schützt GLYPHOSAT //// „General-Anwalt“ des „Europäischen Gerichtshofs“ gegen Prüfung der Risiken von „Gentechnik-Soja“ /// Ärzte fordern STOPP des hochgefährlichen „5G-Mobil-Funk“ //// „US“-Forschung – „Gentech-Biowaffen“ – DARPA – PENTAGON //// „Gen-TECH“ /// „Fragwürdige E-MOBILität“ – – – „Drecks-Schleudern“ – „KREUZ-FAHRT-SCHIFFE“ //// „Cum-Ex“: Der COUP des Jahrhunderts

 

siehe auch „Wind-Kraft und die Grünen“

siehe auch „BIENEN-GLYPHOSAT-KLÖCKNER“

Wissen die GRÜNEN NICHT dass WALD „CO2“ aufnimmt!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

https://www.welt.de/regionales/nrw/article182016678/Hambacher-Forst-Die-Scheinheiligkeit-der-Gruenen.html

Nordrhein-Westfalen

Hambacher Forst

Die Scheinheiligkeit der Grünen

Es geschah im März 2014: Umweltminister Johannes Remmel und Ministerpräsidentin Hannelore Kraft haben sich auf die Verkleinerung von Garzweiler II verständigt – und auf die Abholzung des Hambacher Forsts
Es geschah im März 2014: Umweltminister Johannes Remmel und Ministerpräsidentin Hannelore Kraft haben sich auf die Verkleinerung von Garzweiler II verständigt – und auf die Abholzung des Hambacher Forsts

Quelle: picture alliance / dpa

Die Grünen in NRW schwelgen im Hambi-Hype. Aber ist das nicht scheinheilig? Immerhin haben sie zu Regierungszeiten die Abholzung des Forsts mitbeschlossen. Auch wenn manch Grüner das jetzt leugnet.
In der Stimme von Monika Düker schwingt das Tremolo des Triumphs. Die Fraktionschefin der Grünen steht in der Debatte um den Hambacher Forst am Rednerpult des Düsseldorfer Landtags. Sie schaut sie auf die Regierungsbank und den in seinen Akten versunkenen Armin Laschet. „Krachend gescheitert“ sei die Regierung mit ihren Braunkohleplänen, ruft Düker dem CDU-Regierungschef zu, gescheitert an den Gerichten und der Zivilgesellschaft. „Sie haben Politik gegen die Mehrheit der Menschen gemacht.“ Schwarz-Gelb stehe vor einem Scherbenhaufen.

Tausende feiern Rodungsstopp am Hambacher Forst

Das Oberverwaltungsgericht Münster stoppte in letzter Minute die geplante Rodung des Hambacher Forstes. Für die Umweltschützer ein Etappensieg, für die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen und den Energieriesen RWE ein Debakel.

Quelle: WELT/ Dirk Schommertz

Tatsächlich steht die Landesregierung ziemlich blamiert da, seit das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster in der vorigen Woche die geplanten Rodungen des Hambacher Forstes im rheinischen Braunkohlerevier gestoppt hat. In den Wochen zuvor hatte Innenminister Herbert Reul (CDU) den Forst von teils militanten Waldbesetzern räumen lassen – mit einem der kostspieligsten Polizeieinsätze der NRW-Geschichte. Und nun das: Laut einer aktuellen WDR-Umfrage halten 79 Prozent der NRW-Bevölkerung die Rodung des 200 Hektar großen Waldes für nicht richtig – darunter auch 71 Prozent bekennende CDU-Anhänger. Da scheint es nur konsequent, dass die CDU bei der letzten Sonntagsfrage sieben Prozentpunkte verlor – und die Grünen gegenüber dem vorangegangenen Quartal um fünf Prozentpunkte auf 17 Prozent zulegten. Solche Werte hatte die Partei zuletzt nach der Reaktor-Katastrophe in Fukushima erzielt.

Anderseits ist das Umfragen-Hoch für die Grünen aber auch erstaunlich. Immerhin waren sie, die einst der Rodung des Waldstücks zur Braunkohleförderung zugestimmt hatten. Während die Partei heute im Hambacher Forst an vorderster Protestfront steht, verständigte sie sich zu ihrer Regierungszeit im Jahr 2014 mit dem sozialdemokratischen Koalitionspartner auf einen Deal. Der umstrittene Tagebau Garzweiler II sollte um etwa ein Fünftel der Abbaufläche verkleinert werden. Im Gegenzug gaben die Grünen für die Tagebaue Inden und Hambach eine Bestandsgarantie – und damit auch grünes Licht für die Rodung des Hambacher Forstes.

2016 führte diese Abmachung zu einer sogenannten Leitentscheidung, die von drei grünen Landesministern im Kabinett mitbeschlossen wurden. In dieser Leitentscheidung heißt es: „Der Braunkohlenabbau in den Tagebauen Garzweiler II, Hambach und Inden in Nordrhein-Westfalen ist zur langfristigen Energieversorgung weiter erforderlich.“ Zuvor hatten Bürger in einem Online-Beteiligungsverfahren zur Erarbeitung dieser Leitentscheidung auf eine Schonung des Hambacher Forstes gedrungen – vergeblich.

Rodungen statt Umsiedlungen

Im Rahmen der Abwägungen, mit denen maßgeblich auch der damalige grüne Umweltminister Johannes Remmel befasst war, entschied die Landesregierung, man wolle lieber die Umsiedlung von Menschen im Planungsgebiet von Garzweiler II verhindern als den Hambacher Forst erhalten. Schließlich seien Umsiedlungen „der schwerste mit dem Braunkohleabbau verbundene Eingriff“. Die Regierung bestätigte in ihrer Leitentscheidung den Bedarf an Braunkohle über das Jahr 2030 hinaus. Dies mache den Tagebau Hambach, in dem keine weiteren Umsiedlungen mehr erforderlich seien, in seinen „unveränderten Abbaugrenzen erforderlich“.

Greenpeace stellt Gutachten gegen Rodung des Hambacher Forsts vor

Die Rodung des Hambacher Forsts sei derzeit nicht nötig und dadurch nicht rechtens. So argumentiert die Umweltorganisation Greenpeace aufgrund eines neuen Gutachtens. Erfahren Sie hier alle Einzelheiten dazu.

Quelle: WELT

Genau das wird aber nun vom OVG-Urteil angezweifelt: Das Land und der Tagebaubetreiber RWE hätten dem Gericht „nicht substantiiert“ belegen können, dass eine sofortige Rodung für die Energieversorgung notwendig sei.

Auch sei nicht geprüft, ob der Wald wegen des Vorkommens der Bechsteinfledermaus nach der geltenden Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) überhaupt abgeholzt werden dürfe. Deshalb müsse die Entscheidung über die Rechtmäßigkeit des Hauptbetriebsplans für den Hambacher Tagebau zunächst abgewartet werden, um im Forst keine vollendeten Tatsachen zu schaffen.

Bis zu einer endgültigen Entscheidung kann es nach Einschätzung von Verwaltungsjuristen noch etwa zwei Jahre dauern. In dieser verfahrenen Lage denkt die Landesregierung jetzt über einen Plan B nach. NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) kündigte im Landesparlament vorsichtig eine Neujustierung der Kohlepolitik an: „Die Energiewende muss vom Kopf auf die Füße gestellt werden“, so sagte er.

„Es wurde über Hambach überhaupt nicht diskutiert“

Die Grünen schwelgen indessen im Hambi-Hype und wollen von ihrem früheren Agieren nichts wissen. Trotz eindeutiger Dokumentenlage beharrt Remmel als der damals zuständige Minister darauf, es habe keinerlei Abwägung zwischen den drei Tagebauen Garzweiler II, Hambach und Inden gegeben. „Das ist Quatsch. Zum Tagebau Hambach gab es 2016 keinen politischen Anknüpfungspunkt. Es wurde über Hambach überhaupt nicht diskutiert“, sagte Remmel in einem Interview mit der „taz“. „Nein, nein, nein!“, beteuerte Remmel, „es gab keinen Deal, wir bekommen die Verkleinerung von Garzweiler und verzichten auf etwas anderes.“

Seit 1978 mussten fast 35.000 Menschen dem Tagebau weichen

Rund 40 Millionen Tonnen Braunkohle fördert der Tagebau Hambach im Jahr, aus bis zu 370 Metern Tiefe. Seit 1978 arbeitet sich die Wanderbaustelle voran. Proteste gab es von Anfang an.

Quelle: WELT/ Perdita Heise

Doch Reiner Priggen, der ehemalige Fraktionschef der Grünen im Landtag, hat Remmel inzwischen Lügen gestraft. Auf dem jüngsten Landesparteirat am Rande des Hambacher Forstes bestätigte er, dass es seinerzeit sehr wohl einen Handel mit den Sozialdemokraten gegeben habe, um die drohende Umsiedlung von fünf Ortschaften mit über tausend Menschen im Planungsareal von Garzweiler II zu verhindern.

„Ich kann gerne zugeben“, so Priggen, „dass wir uns bei 1400 Leuten oder Wald für die Leute entschieden haben.“ Unterdessen inszenieren seine Parteifreunde weiter ihr Schauspiel der Scheinheiligkeit und erwecken den Eindruck, sie seien in ihrer Regierungszeit von 2010 bis 2017 für den Klimaschutz zuständig gewesen – und die SPD für den Kohleabbau.

Der Wald als Wahlkalkül

Es hat schon eine lange Tradition, dass die NRW-Grünen das Thema Braunkohle je nach Situation für ihre politische Konjunktur zu nutzen wissen. 1995 schafften sie den Wiedereinzug in den Landtag mit einem knallharten Nein zu Garzweiler II, dem europaweit größten Tagebau. Als ihnen dann 1998 wegen ihrer Verweigerungshaltung der Rausschmiss aus der Regierung von Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) drohte, entschieden sie sich gegen die Ökologie und für die Macht.

Noch im Wahlprogramm zur Landtagswahl 2017 war der Hambacher Forst den Grünen keine Silbe wert. Erst jetzt, nachdem sie bei dieser Landtagswahl vor allem wegen einer miserablen Schulpolitik abgewählt wurden, haben sie den Erhalt des Hambacher Forstes wieder auf ihre Agenda gesetzt.

Gaskraftwerke sollen Kohleausstieg ermöglichen

Kohlekraftwerke gelten wegen ihres hohen CO2-Ausstoßes als Klimasünder. Um die Pariser Klimaziele zu erreichen, plant die Bundesregierung deshalb den Kohleausstieg. Dafür sollen Gaskraftwerke eingesetzt werden.

Quelle: WELT/ Chrsitoph Hipp

Der einstige Koalitionspartner SPD hat für den Bruch der Ökopartei mit ihrer eigenen Regierungsverantwortung nur Hohn und Spott übrig. „Wenn die Grünen konsequent wären“, juxt ein führender SPD-Stratege hinter vorgehaltener Hand, „müssten sie jetzt gegen Remmel als damaligem Umweltminister einen Parteiausschluss beantragen.“

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PETITION – – -PETITION – – -PETITION – – -PETITION – – -PETITION – – –

https://www.change.org/p/bundeslandwirtschaftsministerin-kl%C3%B6ckner-bienensterben-glyphosat-schadet-bienen-jetzt-muss-das-herbizid-erst-recht-vom-acker?recruiter=522200648&utm_source=share_petition&utm_medium=email&utm_campaign=undefined

Bienensterben: Glyphosat schadet Bienen – jetzt muss das Herbizid erst recht vom Acker!

Das Bienensterben ist eines der drängendsten Umweltprobleme unserer Zeit. Glyphosat war dabei schon länger im Verdacht, aber es fehlten die Beweise.

Aber jetzt ist klar: Glyphosat schädigt und tötet Bienen.

Jahrzehntelang wollte uns Monsanto weismachen, dass Glyphosat für Menschen und Tiere ungefährlich sei. Eine jetzt veröffentliche Studie im renommierten Fachjournal PNAS zeigt jetzt aber deutlich: Glyphosat wirkt direkt auf die Bakterien im Darm der Bienen und verändert deren genau balancierte Zusammensetzung. Diese bakterielle “Mikroflora” ist entscheidend für die Gesundheit der Bienen, sie hilft u.a. Infektionen abzuwehren und Nahrung zu verdauen. Bienen, die mit realistischen Mengen von Glyphosat gefüttert werden, denen sie auch auf den Feldern ausgesetzt sind, sterben viermal häufiger an einer Infektion als unbehandelte Bienen. Ähnliche Effekte sind auch für Säugetiere und den Menschen zu befürchten.

In der letzten Risikobewertung für Glyphosat wurden solche Effekte nicht berücksichtigt und Glyphosat als ungefährlich für Bienen eingestuft. Dass die neuen Ergebnisse jetzt kommen zeigt auch, wie wenig wir auch nach Jahrzehnten über Glyphosat wissen und wie gefährlich der großflächige Einsatz von Pestiziden ist, selbst wenn sie als vermeintlich sicher gelten.

Angesichts dieser neuen Erkenntnisse und der großen Gefahr, die vom Bienensterben ausgeht, fordern wir, die Unterzeichnenden:

An Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner:

1. Holen Sie Glyphosat endlich vom Acker! Nach Ihrer Ankündigung eines “Minimierungsplans” im April 2018, folgten nur Alibi-Maßnahmen. Wir fordern, den Totalausstieg aus Glyphosat bis spätestens 2020.

2. Erlassen Sie Sofortmaßnahmen zum Schutz der Bienen und der Bevölkerung:

  • Glyphosat darf nicht mehr in öffentlichen Parks, Gärten und Spielplätzen eingesetzt werden;
  • Glyphosat muss für den Privatgebrauch sofort verboten werden und auch der Online-Verkauf gestoppt werden;
  • Glyphosat darf grundsätzlich nicht mehr vor der Ernte eingesetzt werden.

3. Legen Sie eine echte Pestizid-Reduktionsstrategie vor, damit nicht auf andere Pestizide ausgewichen wird. Zukunftsfähige Landwirtschaft geht auch ohne Gift, setzen Sie sich dafür ein!

An die EU-Kommission, die EU-Mitgliedsländer und das Europaparlament:

4. Reformieren Sie das Zulassungsverfahren ohne Verzögerung noch vor der Europawahl. Transparenz und der Schutz der Bevölkerung müssen immer vor ökonomischen Interessen einiger weniger Unternehmen stehen.

Mit hoffnungsvollen Grüßen,

Sven Giegold, Mitglied des Europäischen Parlaments

Martin Häusling, Mitglied des Europäischen Parlaments

Maximilian Fries, Dr. in Krebsbiologie und M.Sc. mit Schwerpunkt Mikrobiologie

Weiterführende Informationen

PNAS-Studie: http://www.pnas.org/content/early/2018/09/18/1803880115

Einschätzung im Fachjournal Science:  https://www.sciencemag.org/news/2018/09/common-weed-killer-believed-harmless-animals-may-be-harming-bees-worldwide?utm_source=newsfromscience&utm_medium=twitter&utm_campaign=beeguts-21623

Auswirkungen von Glyphosat auf Darmflora von Ratten: https://sven-giegold.de/glyphosat-ramazzini-studien/

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https://www.neopresse.com/politik/spd-umweltministerin-schuetzt-glyphosat-im-hobbygarten-und-damit-die-industrie/

SPD-Umweltministerin schützt Glyphosat im „Hobbygarten“ – und damit die Industrie

NEOPresse in D/A/CH

Glyphosat wird weder in der EU noch in Deutschland und noch nicht einmal im Hobby- oder Privatgarten verboten. Die Politik der GroKo führte auf EU-Ebene dazu, dass das umstrittene sogenannte Pflanzenschutzmittel jahrelang weiter genutzt werden kann. Nun ist es auch für den Privatgebrauch weiterhin auf dem Markt. Anders machen es Frankreich und Belgien.

Verbot bei den Nachbarn….

Frankreich und Belgien haben die Nutzung in privaten Gärten bereits untersagt. Glyphosat und Mittel, die Glyphosat „enthalten“, dürfen demnach nicht eingesetzt werden. Dies moniert beispielsweise die Partei der Grünen in Bezug auf die Ignoranz in Deutschland. Hier hat die SPD, die das Umweltministerium durch die Ministerin Svenja Schulze führt, sich selbst im Aktionsprogramm Insektenschutz“, das neu aufgelegt wurde, gegen eine solche Nutzung durchringen können.

 

Ohnehin hatte die Koalition in ihrem Vertrag zwar geregelt, dass Glyphosat möglichst schnell verboten werden solle. Aber der GroKo-Vertrag wird inzwischen auch in anderen Fragen, beispielsweise beim Export von Waffen und Rüstungsgütern an Länder, die in den Jemen-Krieg involviert sind, mit Füßen getreten, so Kritiker.

Das Umweltministerium sieht jetzt im „Aktionsprogramm“ vor, dass das Mittel eingesetzt werden kann, „wo und soweit dies absolut nicht anders geht“.

Diese Beschreibung ist allerdings in den Augen von Kritikern ein Windei. Da die Wirkung von Glyphosat auf die Gesundheit von Menschen nicht hinreichend abgeschätzt worden ist – in dem Sinne, dass es keine einheitlichen Befunde gibt –, lässt sich auch kaum beschreiben, ob ein Einsatz „nicht anders geht“. Denn Pflanzenschutz geht immer anders – die langfristige Wirkung hingegen müsste an messbaren Zielen festgestellt werden können.

Mit anderen Worten, so die Meinung dieser Redaktion, die SPD hat sich mit dem Umweltministerium in dieser Frage gar nicht vom Einsatz des Mittels verabschieden wollen und dient ganz offensichtlich auch dem Interesse der betreffenden Industrie. Würde Glyphosat privat abgeschafft, wäre der politische Druck auf die Industrie mit hoher Sicherheit größer.

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https://www.welt.de/kultur/plus181711960/Zivilisation-Das-Ende-der-Landschaft.html

Zivilisationskritik

Wir vergöttern die Welt. Und zerstören sie gleichzeitig

Sunrise on a field with hay bales, Jutland, Denmark
Als Bildschirmschoner funktioniert es: Die ideale Landschaft aus der jede Spur des Menschen getilgt ist

Quelle: Getty Images

Tagtäglich unterziehen sich die Heerscharen der Arbeiter an den globalen Datenflüssen vor dem ersten E-Mail-Check einem Reinigungsritual: Mit Bildern vermeintlich unberührter Landschaften, aus denen jegliche Spur von Menschen herausediert wurde, immunisieren sie sich gegen den Dauerbeschuss im digitalen Alltag.

Der Bilderalgorithmus, der uns auf den Bildschirmschonern von Apple oder Microsoft in unendlichen Variationen entgegenleuchtet, ist die Verheißung, dass irgendwo da draußen, jenseits der sieben Berge, heile Natur sei. Und zwar zuhauf.

Landschaft wird hier zum Kitsch, die Vereinfachung eines komplexen historischen und räumlichen In-der-Welt-Seins. Landschaft als Gegengift zum Alltag – eine globalisierte, austauschbare, rein visuelle Erfahrung, die nichts mehr mit der eigenen Lebenswelt zu tun hat.

In einer Zeit totaler Landschaftsvernutzung vor der eigenen Haustür wird uns die Verfügbarkeit von unendlicher Landschaft vorgegaukelt. Georg Simmel notierte vor über hundert Jahren in seiner „Philosophie der Landschaft“, dass uns Landschaften so faszinieren, weil jeder sich darin als Schaffender und Geschöpf zugleich empfinde – als Künstler, der ein Landschaftsbild komponiere, und als Teilhaber an einer Stimmung, die in einer bestimmten Landschaft kulturell aufgehoben sei.

Eine der großen Verlusterfahrungen unserer Tage

Landschaft ist eine der Formen, durch die wir uns in der Welt beheimaten – als autonome Wesen, die im produktiven Austausch mit ihrer naturräumlichen und kulturellen Bedingtheit stehen. In der willkürlichen Ersetzung von Landschaft durch visuelle Effekte wird diese mehrschichtige Dimension der Landschaftserfahrung ausradiert. Der Verlust des Vielsinnigen, Sinnlichen und Geschichtlichen im Alltag muss zu den ganz großen Verlusterfahrungen unserer Tage gerechnet werden.

Als Ende des 19. Jahrhunderts die Narben der radikalen Industrialisierungsschübe im Deutschen Reich unübersehbar waren, entspann sich eine breit angelegte gesellschaftliche Debatte über Landschaftsschutz, an der sich gerade das konservative politische Spektrum meinungsstark beteiligte. Heute ist davon nur wenig zu spüren.

Bei der Entkernung unserer Landschaften wurstelt das konservative Bürgertum mit missionarischem Weltverbesserungseifer mit. Im christsozialen Bayern gehört das Versiegeln von Fläche zur Staatsräson: Mehr als zwölf Hektar pro Tag verschwanden zwischen 2012 und 2015 unter Beton und Teer.

Auf Betreiben des damaligen Heimatministers und jetzigen Ministerpräsidenten Söder sollte Anfang 2017 das sogenannte „Anbindegebot“ so gelockert werden, dass ihn seine eigene Fraktion zurückpfeifen musste. Es ist aber immer noch locker genug, sodass Amazon und Ikea im Prinzip das dürfen, was kein Wohnmobil darf: sich einfach irgendwo hinstellen.

Ein Volksbegehren gegen den „Flächenfraß“ im Freistaat im Frühjahr war zwar erfolgreich und brachte das tiefe Unbehagen eines politisch heterogenen Spektrums an der ziellosen Bauwut zum Ausdruck. Das Referendum wurde aber vom Verfassungsgerichtshof aus formalen Gründen gestoppt, da es zu tief in die kommunalpolitische Planungshoheit eingreife. Beim derzeitigen Wahlkampf in Bayern spielt das Thema nur eine untergeordnete Rolle.

Sunset on Adamello Group and Natural Reserve of Pian di Gembro, Aprica, province of Sondrio, Valtellina, Lombardy, Italy
Als erfolgreiche Reise gilt diejenige, deren Fototrophäen den Verheißungen der perfekten Landschaften gleichen

Quelle: Getty Images

Landschaft lässt sich für die meisten Menschen immer weniger im Alltag erfahren, als Form der Auseinandersetzung mit der eigenen naturräumlichen und kulturellen Herkunft. Unter den Verlusten der Moderne, die der klassische Wertkonservatismus einst eloquent zu beklagen verstand, rangiert sie immer weniger prominent.

Der selbst erklärte „Konservative“ kauft heute ohne Gewissensbisse im Discounter auf der grünen Wiese ein, nennt die immergleiche Fruchtfolge im Agrobusiness „Arbeit an der Kulturlandschaft“ und fährt einmal im Jahr in die „Dom Rep“.

Vielleicht ist das der eigentliche Kern des Landschaftsverlustes, der nicht mehr als Verlust erfahren wird: unsere emotionale Abhängigkeit von Mobilität. Wir seien Opfer eines „kinetischen Expressionismus“ geworden, doziert Peter Sloterdijk.

Immer abhängiger von fossilen Brennstoffen

Und er hat recht: Unsere emotionale Abhängigkeit vom dauernden Standortwechsel ist zu einer ästhetischen Fixierung geworden. Man muss nur zuhören, wenn Backpacker über ihre Globetrotterei prahlen; oder wenn am Stammtisch das Allerheiligste der Mobilität angerufen wird, um dem Dieselmotor eine Gasse zu bahnen.

Denn mit unserer emotionalen und ästhetischen Verinnerlichung des Mobilitätszwangs geben wir nicht nur einen emotionalen und ästhetischen Bezug zur Landschaft auf, wir machen uns auch immer abhängiger von den fossilen Brennstoffen, deren Verfeuerung die Makrolandschaften der Erde, die Vegetationszonen, komplett verschieben wird.

Verlagerung des Heimatbegriffs

Unsere kulturelle Vernachlässigung der Landschaft wurzelt im trügerischen Eindruck, dass wir uns, kraft der fossilen Mobilität, losgelöst von natürlichen Gegebenheiten eine Heimat auf Erden schaffen könnten. Diese Illusion führt direkt in einen Selbstwiderspruch, der sich am besten am globalen Tourismus ablesen lässt.

Die Verlagerung unseres Heimatbegriffs von der Landschaft auf die Mobilität erweckt eine diffuse Sehnsucht nach authentischer Erfahrung, die auf Fernreisen gestillt werden soll. Auf diesen Reisen exportieren wir dann – nicht selten befeuert durch Bildschirmschonersehnsüchte – unsere Mentalität der Rastlosigkeit und zerstören damit genau das, was wir suchen.

Um uns herum wird alles immer einsinniger

Indem das Reisen immer weniger der Erfahrung anderer Formen des In-der-Welt-Seins und immer mehr einer Bestätigung des kinetischen Expressionismus dient, erfahren wir die Vereinheitlichung unserer Lebensräume kaum noch als Verlust. Als erfolgreiche Reise gilt diejenige, deren Fototrophäen den Verheißungen der perfekten Landschaften gleichen, die in unseren virtuellen Blasen endlos zirkulieren.

Psychologen sprechen hier von einem „Shifting baseline“-Syndrom. Der Referenzrahmen ändert sich: Wenn wir als Kinder nur noch drei Schmetterlingsarten kennenlernen und als Erwachsene Landschaften nur noch durch Windschutzscheiben sehen, dann bekommen wir gar nicht mehr mit, wenn um uns herum alles einsinniger wird.

Wenn die Düfte und Klänge aus unseren Wäldern und Wiesengründen verwehen. Wenn das Sonnenlicht eines Spätsommernachmittags sich nicht mehr mit zahllosen Insekten- und Vogelstimmen zu einer Hängematte knüpft, in der wir die Zeit vergessen können. Dann bleibt nur die Unfähigkeit zu trauern.

GEÄNDERTE FARBWERTE!!!! Dawn at Wooden Shoe Tulip Farm in Woodenville, Oregon.
Unsere Rastlosigkeit zerstört, was wir suchen. Und bleibt die Unfähigkeit zu trauern

Quelle: Getty Images

Wenn es uns nicht gelingt, unser Bedürfnis nach totaler Naturbeherrschung durch emotionale Weisheit und ökologische Klugheit zu zähmen, laufen wir, wie Adorno schreibt, sehenden Auges in die „Naturverfallenheit“.

Damit meint er, dass wir uns durch die totale Berechenbarkeit bestimmter Einzelaspekte der Natur zum Gegenspieler der Natur machen und damit anfälliger werden für die Unberechenbarkeit des Gesamtsystems Natur. An den „Kippmomenten“ des globalen Klimasystems und der Weltmeere erleben wir das momentan ganz konkret.

Für einen toten Wald einen lebenden zerhäckseln

Gut möglich, dass in Zukunft der Kampf um die verbliebenen 200 Hektar des Hambacher Forstes, die der fossile Heißhunger gerade in seinem Schaufelradgebiss zermalmt, in den Geschichtsbüchern unserer Kinder stehen wird – als nationales Symbol gegen die Totalisierung des kinetischen Expressionismus im Umgang mit Landschaft.

Um an einen toten Wald zu kommen, wird ein lebendiger Wald zerhäckselt. Für ein paar Wochen Leuchtreklame in unseren Städten werden Jahrhunderte Natur- und Kulturgeschichte auf eine Dimension reduziert: die der doppelten Buchführung.

Dass den Beteiligten die symbolische Bedeutung dieses Vorgangs nicht stärker bewusst ist, liegt an der Verwahrlosung unseres Verhältnisses zu Landschaft. Das, was mir vor der eigenen Haustüre abhandenkommt, hole ich mir eben durch einen Interkontinentalflug wieder. Aber diese Bilanz geht nicht so schön auf wie die eines Energieriesen im Quartalsbericht.

Energie-Besessenheit

Den Gegnern dieser Politik in den bundesdeutschen Leitmedien fällt allerdings meist auch nichts Besseres ein, als der Nation die völlige Überformung ihrer Küsten und Mittelgebirge mit Windkraft- und Solaranlagen zu verordnen. Das wird zu einem gewissen Grad erforderlich sein, aber die Fahrlässigkeit, mit der dieser Schritt zum Allheilmittel erklärt wird, macht dann doch stutzig.

Wer wird hier in wen verbaut? Die Energiegewinnung in die Landschaft oder die Landschaft in die totale energetische Transformation unseres Lebens?

Verluste nicht mehr als Verluste wahrnehmen

Manchmal wird man den Eindruck nicht los, dass es sich mit dieser Energie-Besessenheit verhält wie mit den zahllosen Bildern, die uns den Bezug zur Wirklichkeit verstellen: Sie sollen uns hinwegtrösten über Verluste, die wir gar nicht mehr als Verluste zu empfinden vermögen.

Niemand hat dies treffender zum Ausdruck gebracht als Botho Strauß: „Nie werden wir’s fassen können, das wilde Land, in dem wir einst waren, von dem nur der Schmerz noch weiß. Indem er aufbegehrt, erfahren wir allein durch ihn von der frühen Zeit – von einem jedes Jetzt durchbohrenden Einst.“

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siehe auch „Generalanwalt“ – „PRO-GEN-TECH-CRISPR/CAS“

auch „Crispr/Cas“

https://www.testbiotech.org/aktuelles/generalanwalt-des-europ-ischen-gerichtshofs-h-lt-genauere-pr-fung-der-risiken-von

Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofs hält genauere Prüfung der Risiken von Gentechnik-Soja für nicht notwendig

Entscheidung des EuGH erst in einigen Monaten

17. Oktober 2018 / Heute hat der Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) seine Stellungnahme zu einer Klage veröffentlicht, die Testbiotech gemeinsam mit dem Europäischen Netzwerk kritischer WissenschaftlerInnen (European Network of Scientists for Social and Environmental Responsibility, ENSSER) sowie dem Verein Sambucus eingereicht hatte (C-82/17P). Dabei geht es um die Risiken einer Gentechnik-Soja des Konzerns Monsanto (Bayer) mit dem Markennamen ‚Intacta‚. Nach Ansicht des Generalanwalts müssen die Risiken der GentechnikSoja nicht genauer untersucht werden. Das Gericht wird erst in einigen Monaten seine Entscheidung verkünden.

Im Erbgut dieser Pflanzen sind zwei Eigenschaften kombiniert: Sie produzieren ein Insektengift, ein sogenanntes Bt-Toxin, und sind gleichzeitig unempfindlich gegenüber dem Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat. Es ist die erste Soja-Pflanze mit einer Kombination dieser Eigenschaften.

Testbiotech hatte schon 2013 gegen die EUKommission geklagt, die diese Soja für den Import zugelassen hatte. Inzwischen sind auf Seiten der Kommission auch die Firma Monsanto, die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA und die Regierung von Großbritannien der Klage beigetreten.

Nach Auffassung der Kläger wurde die Soja vor der Zulassung nicht ausreichend auf gesundheitliche Risiken untersucht. Unter anderem geht es dabei um Wechselwirkungen der Herbizid-Rückstände mit dem von den Pflanzen produzierten Insektizid. Zudem besteht der Verdacht, dass mit dem Verzehr der Soja ein erhöhtes Risiko für Immunkrankheiten einhergeht. In der ersten Instanz (T-177/13) scheiterten die Kläger mit ihrem Anliegen, die Soja genauer auf gesundheitliche Risiken untersuchen zu lassen. In der zweiten Instanz geht es jetzt um die Klärung der Frage, wer die Beweispflicht hat zu zeigen, dass Gentechnik-Pflanzen als sicher beziehungsweise nicht sicher bewertet werden. Es handelt sich um einen Fall mit möglicher Präzedenzwirkung.

Bereits im März 2018 hatte Testbiotech in einem anderen Fall einen grundsätzlichen Erfolg erzielt: Das Gericht der Europäischen Union (EuG) hatte entschieden, dass Klagen gegen die EU-Importzulassungen gentechnisch veränderter Pflanzen grundsätzlich zulässig sind (T-33/16). Das Urteil ist inzwischen rechtskräftig, da die EU-Kommission keinen Einspruch eingelegt hat.

Kontakt:
Christoph Then, Tel. 0151 54638040, info@testbiotech.org

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aus dem TEXT:..Der Generalanwalt des EuGH, >>>“Michal Bobek“<<<,…

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/crispr-wann-ist-eine-gentechnik-pflanze-eine-gentechnik-pflanze-a-1196477.html

EuGH-Entscheidung

Wann ist eine Pflanze eine Gentechnik-Pflanze?

Mit moderner Gentechnik lassen sich unerkannt Mutationen in Organismen einschleusen, die auch natürlich auftreten. Der Europäische Gerichtshof muss nun entscheiden, ob so veränderte Pflanzen unter das GentechnikGesetz fallen.

Gentechnisch veränderter Maiskolben auf einem Feld (Archiv)
Montag, 05.03.2018 10:52 Uhr

 

Eine Weizensorte, die gegen die gefürchtete Pilzkrankheit Mehltau resistent ist oder stressresistente Maispflanzen: An der Entwicklung solcher und vieler anderer Kulturpflanzen arbeiten derzeit zahlreiche Pflanzenforscher. Viele nutzen dazu ein molekulares Werkzeug, das sich seit einigen Jahren in rasantem Tempo in den Labors rund um die Welt verbreitet: Crispr/Cas9, kurz Crispr.

Mit der Genschere ist es möglich, das Erbgut – und damit die Eigenschaften von Pflanzen und anderen Lebewesen – schneller, günstiger und präziser zu verändern als bisher. Viele Forscher sehen enormes Potenzial in der Technologie. Das Besondere: Die Schere hinterlässt außer der von ihr durchgeführten Veränderungen keine Spuren im Erbgut. Werden mit Crispr also Mutationen eingefügt, die auch natürlich auftreten können – etwa durch Züchtung – lässt sich im Nachhinein nicht mehr sagen, welche Methode angewendet wurde.

Gentechnik-Kritiker fürchten deshalb, dass mit Crispr eine Vielzahl gentechnisch veränderter Pflanzen geschaffen, schlimmstenfalls unkontrolliert angebaut und letztlich den Verbrauchern unwissentlich untergejubelt werden könnten.

Beide Seiten warten derzeit mit Spannung auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), der die entscheidende rechtliche Bewertung von entsprechenden Organismen liefern soll, die mit Crispr und vergleichbaren Techniken erzeugt wurden. Die Entscheidung wird in den kommenden Monaten erwartet.

Gentechnisch veränderter Organismus oder normale Zuchtpflanze?

Die Frage ist: Handelt es sich in den zur Debatte stehenden Fällen um gentechnisch veränderte Organismen (GVOs), die unter die strengen Auflagen des europäischen Gentechnikrechts fallen? Sie müssten in diesem Fall unter anderem ein Zulassungsverfahren durchlaufen und gekennzeichnet werden.

Oder sind viele Crispr-Produkte keine GVOs, weil sie nicht zu unterscheiden sind von Pflanzen, die natürlich entstanden sind oder mit konventionellen Züchtungsmethoden erzeugt wurden? In diesem Fall dürften sie ohne spezielle Prüfung und Kennzeichnung in den Verkehr und auf den Markt gebracht werden.

Der Generalanwalt des EuGH, Michal Bobek, legte im Januar dieses Jahres eine Stellungnahme zur rechtlichen Bewertung der Verfahren vor. Darin heißt es unter anderem, dass mit Crispr und vergleichbaren Verfahren erzeugte Organismen nicht als gentechnisch verändert anzusehen sind, solange die vorgenommenen Veränderungen auch auf natürliche Weise entstanden sein könnten.
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Zu einem ganz anderen Schluss kommt der Rechtsfachmann Ludwig Krämer. Er hat sich im Auftrag von Testbiotech – einer gentechnik-kritischen Lobbyorganisation – mit der Stellungnahme befasst. Seiner Ansicht nach fallen die neuen Verfahren sehr wohl unter den Geltungsbereich der EU-Freisetzungsrichtlinie, welche die Zulassung gentechnisch veränderter Organismen regelt. Pflanzen und Tiere, die damit verändert wurden, müssten in einem Zulassungsverfahren auf Risiken untersucht wer……….

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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ernaehrung-kloeckner-lebensmittel-1.4175526

Ernährung

Klöckners Kniefall vor der Lebensmittelindustrie

Viele Lebensmittel erhalten deutlich zu viel Fett und Zucker. Klöckners groß angekündigte Initiative wird an diesem Missstand wenig ändern.(Foto: REUTERS)

Weniger Fett, weniger Zucker: Die Ernährungsministerin will, dass Lebensmittel gesünder werden. Doch ihr fehlt der Mut für echte Reformen.

Kommentar von Silvia Liebrich

Die Deutschen sollen sich gesünder ernähren. Weniger Zucker, Salz und Fett im Essen, so lautet das erklärte Ziel der Bundesregierung, so steht es auch im Koalitionsvertrag. Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) hat nun geliefert. Diese Woche hat sie ihre Strategie vorgestellt, wie die Politik den überflüssigen Pfunden zu Leibe rücken will.

Gründe um endlich etwas zu bewegen, gibt es genügend: Jeder zweite Erwachsene bringt zu viele Kilos auf die Waage, als besonders gefährdet gelten Kinder und Jugendliche. Ernährungsbedingte Krankheiten nehmen drastisch zu. Experten schätzen, dass Dicksein das deutsche Gesundheitssystem jährlich mehr als 30 Milliarden Euro kostet.

Klöckners groß angekündigte Initiative wird an diesem Missstand jedoch wenig ändern. Was sie vorgelegt hat, geht kaum über das hinaus, was bereits ihr Amtsvorgänger Christian Schmidt (CSU) angestoßen hat: unverbindliche Vereinbarungen, die wenig reformtauglich sind.

Zwar heißt es darin, dass der Gehalt an Zucker, Fetten und Salz in Fertiggerichten von 2019 bis 2025 schrittweise gesenkt werden soll. Was fehlt von Seiten der Politik sind jedoch konkrete Vorgaben, um wie viel der Anteil reduziert werden soll – und das ist schließlich entscheidend für die Frage, wie gesund oder ungesund ein Lebensmittel ist. Ausgerechnet diese wichtige Größe sollen die Hersteller selbst festlegen dürfen.

Das gleicht einem Kniefall vor der Industrie. Offenbar traut sich Klöckner nicht, die milliardenschwere Branche richtig in die Pflicht zu nehmen. Denn die muss um ihre Umsätze fürchten, wenn sie Rezepturen ändert. Zucker, Fett und Salz sind billige Inhaltsstoffe und wichtige Geschmacksträger. Weniger davon in Schokoriegeln oder Kartoffelchips könnte Käufer vergraulen. Der Anreiz etwas zu ändern, ist also gering. Umso wichtiger wären deshalb klare Reduktionsvorgaben.

Entsprechend harsch fällt die Kritik an Klöckners Initiative aus. Krankenkassen wie die AOK halten sie für viel zu lasch. Verbraucherschützer werfen ihr vor, sie befände sich auf Kuschelkurs mit der Industrie. Diese Vorwürfe sind berechtigt. Klöckner betreibt Klientelpolitik. Es drängt sich der Eindruck auf, sie wolle die guten Geschäfte der Lebensmittelindustrie keinesfalls durch strengere staatliche Vorgaben gefährden. Die Gesundheit der Bürger kommt offenbar an zweiter Stelle. Das lässt sich auch daran ablesen, dass sich das Ernährungsministerium in Berlin an die grundlegenden Voraussetzungen für eine gesündere Ernährung erst gar nicht heranwagt. Verbraucher können sehr wohl einschätzen, was gut für sie ist und was nicht. Doch dafür brauchen sie vor allem mehr Transparenz bei der Lebensmittelkennzeichnung. Informationen auf Verpackungen müssen leicht verständlich und eindeutig sein. Doch beides fehlt, weil sich die Politik davor drückt, hier härter einzugreifen.

Wie wenig unverbindliche Vereinbarungen bringen, zeigt das Beispiel Kindermarketing

Wie viel Zucker etwa in einem Müsli steckt, ist in der Regel schwer erkennbar. Versteckte Süßmacher gibt es in unzähligen Varianten. Hinzu kommt: Nährwertangaben werden an Portionsgrößen bemessen, die Hersteller selbst bestimmen dürfen. Portionen lassen sich so kleinrechnen, um die Kalorienbilanz zu schönen. Dass Klöckner nun den Verkauf von extragroßen Packungen, etwa bei Pizza unterbinden will, schafft da keine Abhilfe. Im Gegenteil, für Hersteller wäre dies nur eine Steilvorlage für versteckte Preiserhöhungen, nach dem Prinzip: Kleinere Pizza, aber zum gleichen Preis.

Wie wenig unverbindliche Vereinbarungen mit der Lebensmittelindustrie taugen, zeigt das Beispiel Kindermarketing. Schon vor Jahren haben sich Herstellerverbände verpflichtet, auf Werbung für Kinder zu verzichten, weil die deren vermeintliche Versprechen nicht einschätzen können. Tatsächlich sind die Kleinsten bis heute eine der wichtigsten Zielgruppen, wenn es um das Vermarkten von Softdrinks, Süßigkeiten oder Spielzeug geht, Verzicht sieht anders aus.

Dies alles macht deutlich, dass Vorgaben für die Lebensmittelindustrie künftig nicht allein in das Ressort des Ernährungsministeriums fallen dürfen. Echte Reformen wird es nur dann geben, wenn auch das Gesundheits- sowie das Verbraucherministerium mitentscheiden – für eine gesündere Ernährung, die das Gesundheitssystem entlastet und nicht zuletzt zum Schutz der Verbraucher.

©SZ vom 19.10.2018/jps

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https://www.neopresse.com/wissenschaft/aerzte-fordern-stopp-des-hochgefaehrlichen-5g-mobilfunk/

Ärzte fordern Stopp des hochgefährlichen 5G-Mobilfunk

NEOPresse in Wissenschaft

Mediziner des „Ärztearbeitskreises digitale Medien Stuttgart“ haben jetzt in einem offenen Brief den Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Andreas Scheuer, aufgefordert, den Ausbau des 5G Mobilfunknetzes zu stoppen. In dem Schreiben heißt es, dass der geplante Ausbau des 5G-Mobilfunknetzes Anlass zu großer Sorge bezüglich der Auswirkungen auf das Lebe elektrosensibler Patienten gebe.

Seit Mitte der neunziger Jahre zeige sich eine immer dramatischere Entwicklung hinsichtlich der drahtlosen Kommunikationstechniken: Zu den bereits installierten Dauer-Funk-Sender (GSM, UMTS, W-LAN, LTE etc.) soll die Bevölkerung nun einer weiteren Hochfrequenz dauerhaft ausgesetzt werden. Das geplante 5G-Netz sehe vor, Haushalte und Umwelt mit einer riesigen Flut von neuen Sendern auszustatten.

Große Gefahren für die Gesundheit

Obwohl es eine „erdrückend hohe“ Anzahl von Forschungsergebnissen gebe, dass Mobilfunkstrahlung zahlreiche physische und psychische Gesundheitsgefahren darstelle, plane man dennoch den Ausbau des hochgefährlichen 5G-Netzwerkes. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen sei die 5G-Strahlung gentoxisch und krebserregend.

Die erste Studie, die die Wirkungen der 5G-Frequenz untersuchte, fand besorgniserregende Effekte. Wissenschaftler warnen deshalb: 5G darf ohne einen Nachweis einer Gesundheitsverträglichkeit nicht eingeführt werden, denn zahlreiche Studien belegen, dass 5G-Strahlung kanzerogenes Potential hat. Auch die geplante lückenlose W-LAN-Versorgung hat vielfältige gesundheitsschädliche Auswirkungen auf Zellen, Kognition und Verhalten. Studien bestätigen schädigende Wirkungen auf das EEG und die Gehirnfunktionen, die Fruchtbarkeit, die Schilddrüse, das Zellwachstum, die Leber und viele mehr. Die Krebsentwicklung wird gefördert.

 

Mikrowellensyndrom

Umweltärzte stellen eine drastische Zunahme von Patienten fest, die einer Dauer-Massenbestrahlung durch Mobilfunk ausgesetzt sind. Die elektrohypersensiblen Patienten leiden unter dem sogenannten Mikrowellensyndrom. In hochfrequenten Feldern leiden sie unter folgenden Symptomen: Dauerkopfschmerzen, Migräne, Schwindel, Sehstörungen, Tinnitus, Epilepsien, Schlaflosigkeit, Konzentrationsstörungen, Nervosität, Aggressivität, Depressionen, restless legs, Herzrhythmusstörungen und vermehrter Infektanfälligkeit.

Es sei wissenschaftlich längst bewiesen, dass diese und viele andere Symptome durch Mobilfunkstrahlung ausgelöst werden. Die meisten jedoch, die darunter leiden, kennen oft die Ursache dafür nicht. Es dauere oft jahrelang, bis Patienten einen Zusammenhang zwischen ihren Beschwerden und der hochfrequenten Dauerbestrahlung entdecken. Meist dadurch, dass sie sich in funkarmen Gebieten aufhalten und dort ihre Symptome verlieren. Diese Patienten würden von Politik und Gesellschaft nicht ernst- und wahrgenommen, schlimmstenfalls psychiatrisiert werden.

Funkfreie Räume

Die Ärzte fordern von der Politik, dass funkfreie, sogenannte „weiße Zonen“ eingerichtet werden, in denen chronisch Kranke in funkfreien Räumen leben können. In Schweden wird dies bereits seit Jahren praktiziert. Denn nicht nur Elektrosensible sind betroffen, auch gesunde Organismen reagieren auf die schädigende Wirkung der Funkstrahlung mit einer Schwächung des Immunsystems und des Zellenergiestoffwechsels. Es sei dringend notwendig, funkfreie Bereiche in allen sozialen und medizinisch-therapeutischen Einrichtungen zu gewährleisten, ebenso in Kindergärten, Schulen, Universitäten, Altenheimen oder Zügen.

Es sei höchste Zeit, den stark zunehmenden Ausbau dieser gesundheitsgefährdenden Technologie zu stoppen und strahlungsfreie Zonen und Räume einzurichten. Die Kommunikation sei mit flächendeckender Glasfaserversorgung und dadurch viel geringerer Strahlung realisierbar. Daher fordern die Umweltärzte des „Ärztearbeitskreises digitale Medien Stuttgart“ den Minister Scheuer dazu auf, gemeinsam mit den Ärzten nach Lösungen zu suchen.

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https://www.keine-gentechnik.de/nachricht/33432/#gsc.tab=0

Wissenschaftler warnen vor US-Forschung an GentechBiowaffen

15.10.2018

Grashüpfer Foto: cocoparisienne, CCO
Grashüpfer Foto: cocoparisienne, CCO

Lassen sich mittels infizierter Insekten die Chromosomen von Nutzpflanzen auf den Feldern verändern? Zu dieser Frage wird derzeit im Auftrag des Verteidigungsministeriums in den USA geforscht. Europäische Wissenschaftler warnten im Fachmagazin Science, dass mithilfe der gewonnenen Erkenntnisse Biowaffen hergestellt werden können.

Schon der Name des Programms des US-Forschungsinstituts DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency) lässt aufhorchen: alliierte Insekten. Der Plan ist, mittels Grashüpfern oder Blattläusen Pflanzenviren auf Tomaten- oder Maispflanzen auf den Feldern zu transportieren. Dort sollen die Viren das Erbgut der bereits wachsenden Pflanzen gentechnisch verändern. Der Knackpunkt ist nun die Art der Veränderung: Sie könnte den Pflanzen zumindest vordergründig nützliche Eigenschaften verleihen wie eine bessere Widerstandskraft gegen Klimaeinflüsse. Sie könnte sie aber auch still und heimlich zerstören.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie in Plön sowie der Universitäten Freiburg und Montpellier wiesen jetzt im Fachmagazin Science darauf hin, dass ein solches System relativ leicht manipuliert und als biologische Waffe eingesetzt werden kann. „So könnten Gene beispielsweise funktionsuntüchtig gemacht werden – was in der Regel leichter ist als ihre Optimierung“, erläuterte Guy Reeves vom Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön. „Das Verfahren muss also nicht einmal weiterentwickelt werden, es reicht aus, es zu vereinfachen, um es als Waffe einsetzen zu können.“ Die Wissenschaftler befürchten, dass das amerikanische Beispiel andere Länder animieren könnte, ebenfalls in solche Forschung zu investieren. Bislang können Forscher das Erbgut von Pflanzen mit den neuen Technologien wie der „Genschere“ CRISPR-Cas (sogenannte Genomeditierung) nur im Labor verändern. Bereits auf dem Acker wachsende Pflanzen gezielt gentechnisch zu verändern, wäre eine neue Dimension. Die Forscher mahnen an, dass dieses Vorgehen öffentlich diskutiert werden muss.

Eine Rechtswissenschaftlerin der Universität Freiburg sieht darin sogar einen möglichen Verstoß gegen das Übereinkommen über das Verbot biologischer Waffen. Das Übereinkommen verbietet den 180 Vertragsstaaten die Entwicklung oder Produktion von Toxinen, „die nicht durch Vorbeugungs-, Schutz- oder sonstige friedliche Zwecke gerechtfertigt sind“. Nach Darstellung der DARPA sollen die Erkenntnisse aus dem Insect Allies-Programm vor allem in der Landwirtschaft eingesetzt werden, zum Beispiel um Nutzpflanzen vor Dürre, Frost, Überschwemmung, Pestiziden oder Krankheiten zu schützen. Doch genau das ziehen die Wissenschaftler in Zweifel.

Bereits Ende 2016 hatte die DARPA, die dem Pentagon untersteht, das auf vier Jahre angelegte Forschungsprogramm im Umfang von 27 Millionen US-Dollar öffentlich ausgeschrieben. Mitte 2017 gab nach Angaben des Max-Planck-Instituts das erste von drei Konsortien mehrerer amerikanischer Forschungseinrichtungen seine Teilnahme an dem DARPA-Programm bekannt. Ziel ist, die Technik so weit zu entwickeln, dass sie nach vier Jahren in großem Stil in Gewächshäusern eingesetzt werden kann. [vef]

 

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http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/forschungsprogramm-der-usa-untersucht-den-einsatz-neuer-biowaffen-15821541.html?premium

Virenverbreitende Insekten : Entwickelt Amerika neue Biowaffen?

Wenn Blattläuse bald offensiv als Biowaffen eingesetzt werden, helfen vielleicht nur noch Ameisen. Bild: dpa

Ein Forschungsprogramm des Pentagon untersucht den Einsatz von Insekten bei der Verbreitung von Viren. Deutsche und französische Wissenschaftler kritisieren das scharf und warnen vor unkontrollierbaren Risiken einer neuen Biowaffen-Generation.

Wenn es um die „Darpa“ geht, kommt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek schon mal ins Schwärmen. Die Darpa ist der wissenschaftliche Arm des amerikanischen Verteidigungsministeriums, ebenso berühmt wie berüchtigt für ihren radikalen Innovationsgeist. Für die deutsche Ministerin stand die Darpa Pate, als es darum ging, den deutschen Erfindergeist auf Trab und die neue Hundert-Millionen-Euro-„Agentur zur Förderung von Sprunginnovationen“ auf den Weg zu bringen.

Joachim Müller-Jung

Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

Deren Gründung hatte das Bundeskabinett im August beschlossen. Wo die Darpa mit ihrem prallen Dollarsäckel sät, schießen große Ideen und technische Revolutionen wie Pilze aus dem Boden. So jedenfalls geht die Legende.

Ob das auch für ein Darpa-Programm gilt, das jetzt von deutschen und französischen Wissenschaftlern in der angesehenen amerikanischen Zeitschrift „Science“ heftig attackiert wird, müssen die Verantwortlichen in Washington erst noch beweisen.

Bioterror ist eine aktuelle Gefahr

Das Forschungsprogramm trägt den Titel „Insect Allies“ – Insekten als Verbündete. Geleitet wird es von einem texanischen Biologen, der sich auf der Programm-Website damit brüstet, als Überlebenskünstler neben einem selbsternannten Schamanen in der „Tethered“-Reality-Show des Discovery Channel bekanntgeworden zu sein. 27 Millionen Dollar hat das Pentagon für „Insect Allies“ eingesammelt. Darin geht es, wie man in der Beschreibung des vor zwei Jahren gestarteten Programms nachlesen kann, um die Entwicklung „skalierbarer, leicht einsetzbarer und breit anwendbarer Gegenmaßnahmen für den Fall möglicher natürlicher und technisch erzeugter Gefahren für die Nahrungsversorgung und die amerikanische Landwirtschaft“.

Um Landesverteidigung gegen Bioangriffe von außen also soll es unter anderem gehen – vordergründig aber nur, behaupten jetzt die Biologen und Juristen um Guy Reeves vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Biologie in Plön und Silja Vöneky, Ko-Direktorin am Institut für Öffentliches Recht der Universität Freiburg. Als Rechtsethikerin und Mitglied des Deutschen Ethikrates hatte Vöneky vor wenigen Jahren an einer Stellungnahme zur Biosicherheit mitgearbeitet – ein Dokument, das man heute auf der Internetseite des Ethikrates lange suchen muss.

Anders, als diese Abgeschiedenheit vermuten lässt, und anders, als die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit nahelegt, ist die Bedrohung durch Bioterror ein aktuelles Thema. Das wurde nicht zuletzt durch das überraschende Treffen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vor wenigen Tagen mit Trumps Sicherheitsberater im Weißen Haus dokumentiert. Angriffe mit biologischen Waffen werden nicht erst nach den Rizin-Funden im vergangenen Sommer als transnationale Gefahrenquelle wieder ernst genommen.

Was Vöneky und Reeves jedoch dem amerikanischen Verteidigungsministerium in ihrem dreiseitigen „Science“-Aufsatz vorwerfen, ist nichts weniger als das Risiko der Entwicklung eigener Biowaffen-Potentiale durch den amerikanischen Staat. „Wir sagen nicht, dass die Darpa derzeit gegen die Biowaffen-Konvention verstößt, die ja ausdrücklich nur die Entwicklung von biologischen Methoden für friedliche Zwecke zulässt“, sagt Vöneky dieser Zeitung. Doch was man anhand der öffentlich zugänglichen Dokumente zu „Insect Allies“ sehen könne, so die Juristin, sei ein Forschungsprogramm, bei dem das Risiko besteht, dass es als Möglichkeit wahrgenommen werden kann, Agenzien und Einsatzmittel für feindliche Zwecke zu entwickeln.

Insekten sollen Viren verbreiten

Konkret geht es bei dem Projekt um im Labor erzeugte Viren, die schnell durch Insekten verbreitet werden und die am Ende das Genmaterial von Nutzpflanzen – versucht wird es zuerst an Maismanipulieren sollen. Durch den Biss der infizierten Insekten – wie Kleinzikaden, Schild- und Blattläuse – werden auf breiter Fläche die Pflanzen gentechnisch buchstäblich umprogrammiert. Auch die modernen „Gen-Scheren“ Crispr-Cas könnten dazu eingesetzt werden.

„Horizontal environmental genetic alteration agents“, HEGAAs, werden die von den Pflanzensaugern verbreiteten Viren genannt, eine Bezeichnung, die auf das biotechnische Verfahren abstellt. Die gewünschten, fremden Gene werden an Bord von Viren für die direkte und schnelle Genveränderung auf dem Acker, den „horizontalen Gentransfer in der Umwelt“, eingesetzt. So weit der Plan.

Nach den Buchstaben des Darpa-Programms geht es nun darum, die Getreidefelder mit solchen Methoden nach Naturkatastrophen oder Bioattacken zu schützen, also ohne den langwierigen Umweg über die klassische Pflanzenzucht im Labor, die Jahre dauern kann. Die Wissenschaftler haben da freilich erhebliche Zweifel. Sie haben die seit Sommer 2017 von „Insect Allies“ finanziell unterstützten drei Konsortien inhaltlich abgeklopft. Insbesondere die Verwendung von Insekten als Überträgern der Fremdgene in allen drei Konsortien weckt das Misstrauen der Gelehrten. Nach den Ausschreibungen sollen mit den Viren mehr als drei fremde Gene in die Nutzpflanzen eingeführt und so mit einem Schlag völlig neue Eigenschaften erzeugt werden.

 

Lässt sich die Verbreitung kontrollieren?

Warum aber Läuse und Zikaden als – ökologisch praktisch unkontrollierbare – Überträger eingesetzt werden, erschließt sich den Wissenschaftlern nicht. Denn das gleiche Ziel könnte durch klassisches Versprühen auf den Feldern erreicht werden. Bisher habe die Darpa keine robuste Erklärungen geliefert, warum für das Verfahren ausgerechnet die Ausbringung von Insekten vorsieht. „Daher ist unser Meinung“, schreiben die Autoren, „dass Insect Allies riskiert, weitreichend wahrgenommen zu werden als Versuch, die HEGAAs für offensive Zwecke zu entwickeln“.

Tatsächlich können Insekten als Verbreiter von Genmaterial sehr viel verdeckter eingesetzt werden als die üblichen Sprühtechniken. Nach Überzeugung der Wissenschaftler ist schon die Entwicklung von Insektenpopulationen als Viren- und Genüberträgern in Laboren und Treibhäusern fragwürdig: „Das Arbeitsprogramm zeigt, dass leichte Vereinfachungen des beschriebenen Programms genutzt werden könnten, um eine neue Klasse Biowaffen zu generieren.“

Noch haben offenbar die drei von der Darpa finanzierten Forschungskonsortien mit den eigentlichen Experimenten im Gewächshaus zwar nicht begonnen. Die Kritik mindert das aber keineswegs. Rechtsethikerin Vöneky und ihre Kollegen beklagen vor allem, dass die Darpa keinerlei Anstrengungen unternimmt, solche international noch völlig unregulierten Biotechniken ohne jede öffentliche oder biopolitische Debatte weiter voranzutreiben.

 

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https://www.keine-gentechnik.de/nachricht/33384/#gsc.tab=0

Gentechnik: 30 Jahre leere Versprechen?

11.09.2018

Dr. Angelika Hilbeck Foto: privat
Dr. Angelika Hilbeck Foto: privat

Höhere Erträge, bessere Nährwerte, klimaangepasste Sorten: Was für die neuentwickelten gentechnischen Verfahren prophezeit wird, hatte die Agrarindustrie schon vor 30 Jahren für die „alte“ Gentechnik versprochen. „Warum haben sie nicht geliefert?“, fragte die Biologin Angelika Hilbeck bei einer Podiumsdiskussion am Vorabend der 9. Konferenz der gentechnikfreien Regionen vergangene Woche in Berlin.

Gerade jüngst hatte Bundesagrarministerin Julia Klöckner darauf hingewiesen, dass neuen Technologien wie CRISPR/Cas & Co. trockenheitsresistente Pflanzen entwickelt werden könnten. „Es gibt einen trockenheitstoleranten Mais; der wurde aber konventionell gezüchtet“, konterte Hilbeck, die Vorsitzende des einladenden Wissenschaftlernetzwerks ENSSER (European Network of Scientists for Social and Environmental Responsibility) ist. Dass gentechnisch veränderte Pflanzen höhere Erträge bringen würden, sei durch Studien widerlegt worden. Und am sogenannten „goldenenReis, der mit selbst gebildetem Vitamin A mangelernährte Menschen in Entwicklungsländern angeblich vor dem Erblinden schützen soll, wird bis heute geforscht. Die „alte“ Gentechnik habe in den 30 Jahren, in denen mit ihr gearbeitet wird, keines ihrer Versprechen gehalten, kritisierte die Wissenschaftlerin der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich. Stattdessen führte die Agrarindustrie bei gentechnisch verändertem Saatgut meist nur zwei Eigenschaften ein: Herbizid-Resistenzen gegen die von ihr hergestellten Spritzmittel und Insektizide, die Pflanzen selbst produzieren können.

Bei CRISPR/Cas laute das Motto jetzt: neue Genschere, alte Versprechen. Und während in der Pflanze nur noch winzige Basen verändert werden (sogenannten Punktmutationen), werden die Verheißungen immer größer. Es werde Zeit, Wissenschaft von Science Fiction zu unterscheiden, forderte Hilbeck. Leben sei kein Baukasten, wie das wissenschaftlich-technische Konzept der Gentechnik schlicht annimmt: Aus Genen des Erbgutes werden demnach Proteine gebildet, die einem Organismus dann bestimmte Eigenschaften geben. Diese Sichtweise ignoriere jedoch den Einfluss der Umwelt auf das Erbgut. Die Gentechnik-Industrie bezeichne ihn als „Rauschen“. Dieses „Rauschen“ wird wissenschaftlich im Forschungsfeld der Epigenetik untersucht. Es beeinflusst die Ausprägung genetischer Merkmale wesentlich.

Epigenetische Merkmale seien nicht in der DNA kodiert, sondern würden der Erbinformation als kleine biochemische Moleküle angeheftet, erklärte Hilbeck. Sie verändern die DNA-Sequenz nicht, werden aber dennoch an die nächste Generation weitergegeben. Erst im Jahr 2001 entdeckte die Wissenschaft verwundert, dass der Mensch nur etwa 20.000 protein-kodierende Gene hat – weit weniger als die meisten Pflanzen. Jede Zelle trägt in ihrem Zellkern dieselben DNA-Informationen. Die Epigenetik reguliert, in welcher Zelle welche Gene abgelesen werden und welche nicht, und bewirkt so beispielsweise die Entwicklung verschiedener Zellarten wie Hautzellen, Leberzellen etc.

Diese Zusammenhänge werden in der Debatte um die Gentechnik oft vernachlässigt. Die Annahme, dass ausschließlich Gene die Eigenschaften eines Lebewesens bestimmen, ist nach Ansicht Hilbecks aber falsch. Und noch ein Faktor dürfe nicht vernachlässigt werden: die regulatorischen Ribonukleinsäuren (RNAs). Diese besonderen Formen der RNA regulieren unter anderem das An- und Abschalten von Genen und haben einen Einfluss, wie und wann bestimmte Gene ausgeprägt werden.

Auch in der anschließenden Diskussion in den Räumen der GLS-Treuhand wurde die vereinfachte, dogmatische Sicht der Biologie beim Thema Gentechnik kritisiert und ihre Grenzen aufgezeigt. So wurde die Frage aufgeworfen, ob man mit dieser Sichtweise die Risiken der neuen Techniken wirklich umfassend analysieren kann. Eine ausführliche Risikobewertung von Organismen, die mit neuen Gentechnikverfahren verändert wurden, ist nach Ansicht der brasilianischen Pflanzengenetikerin Sarah Agapito-Tenfen aber enorm wichtig. Daher dürfe bei allen Diskussionen nicht vergessen werden, so der neuseeländische Molekularbiologe Jack Heinemann, die Methoden zur Sicherheitsüberprüfung weiter zu entwickeln. Denn die Sicherheit der Umwelt und des Menschen sollte an erster Stelle stehen. [kk/vef]

Mitveranstalter waren die Zukunftsstiftung Landwirtschaft und die Vereinigung deutscher Wissenschaftler (VdW).

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http://www.faz.net/aktuell/wissen/kuenstliche-befruchtung-das-risiko-der-retortenkinder-15828193.html?premium

Künstliche Befruchtung : Das Risiko der Retortenkinder

  • Von Martina Lenzen-Schulte
  • Aktualisiert am

Mit der ICSI-Methode wird das Spermium in die entnommene Eizelle injiziert. Bild: dpa

Wenn der Kinderwunsch unerfüllt bleibt, ruht die Hoffnung vieler Paare auf künstlicher Befruchtung. Die damit verbundenen Gefahren für den Nachwuchs waren lange ein Tabu. Nun lassen sich die Hinweise nicht länger ignorieren.

Vierzig Jahre nachdem das erste Retortenbaby der Welt in England geboren wurde – Louise Brown –, sieht sich die Reproduktionsmedizin mehr denn je massiver Kritik von anderen Fachdisziplinen ausgesetzt. Die jüngsten Vorwürfe entlarven eine Verleugnungsstrategie, der nach und nach die Argumente ausgehen: „Die Reproduktionsmediziner haben lange Zeit lieber den Kopf in den Sand gesteckt“, umschreibt der Herzspezialist Urs Scherrer vom Inselspital Bern den Sachverhalt. Er und andere Forschergruppen widmen sich Erkrankungen unter den künstlich gezeugten Kindern, die nun dank hartnäckiger Forschung erstmals richtig wahrgenommen werden. Sie werfen damit Fragen auf, die die Disziplin mehr als alles andere fürchtet. Denn im Kern geht es darum, ob die Manipulationen an der Eizelle, den Spermien und dem Embryo im Labor per se einen Schaden hervorrufen, ob also die künstliche Befruchtung als solche die Erkrankungen der Kinder mitverursacht. Das ist ein äußerst wunder Punkt, dessen bloße Erwähnung in der Vergangenheit stets massive Abwehrreaktionen hervorgerufen hat.

Die Reflexe waren immer die gleichen. Man erinnere sich nur, als bereits in der Frühphase der Reproduktionsmedizin auffiel, dass Retortenkinder überdurchschnittlich häufig mit Missbildungen zur Welt kamen, zum Beispiel mit einem falsch liegenden, zu frühen Austritt der Harnröhre am Penis, mit Herzfehlern, Lippen-Kiefer-Gaumenspalten oder ohne einen Darmausgang. Dass dies so war, ließ sich irgendwann nicht mehr abstreiten. Aber die Erklärung dafür lautete, dass Eltern, die nicht oder eingeschränkt zeugungsfähig sind, eben kränker sind als andere. Deshalb würden diese Kinder nun mal häufiger mit Defekten geboren. Oder man verwies darauf, die Mütter von künstlich gezeugten Kindern seien eben älter, auch dies trage dazu bei, dass deren Kinder nicht so gesund geboren würden wie ihre natürlich gezeugten Altersgenossen.

Louise Brown ist 40: Anlässlich Ihres Geburtstages im Sommer gab es eine große Feier für das erste Retortenkind (das noch ohne ICSI gezeugt wurde).
Louise Brown ist 40: Anlässlich Ihres Geburtstages im Sommer gab es eine große Feier für das erste Retortenkind (das noch ohne ICSI gezeugt wurde). : Bild: dpa

Bald waren auch einschlägige Studien zur Hand, um mögliche Vorwürfe zu entkräften. Ein Beispiel ist die Deutsche ICSI-Studie. Unter ICSI versteht man eine besonders eingreifende Befruchtung, bei der eine einzige Samenzelle in die Eizelle injiziert wird. Wegen gravierender methodischer Mängel dieser Studie zog das renommierte Mainzer Fehlbildungsregister von der Universitätskinderklinik seine Beteiligung an dieser Studie zurück. Gleichwohl fühlten sich die ICSI-Anwender in den Folgejahren darin bestärkt, die Eltern mit dem beruhigenden Fazit der Studie zu beschwichtigen: Die derzeitige Datenlage spreche dafür, dass sich die vermehrte Missbildungsrate mit der verminderten Fruchtbarkeit der Eltern erklären lasse. Ob die künstliche Befruchtung als solche damit etwas zu tun habe, sei unklar – so oder so ähnlich lauteten die unangreifbaren Formulierungen, die der Entlastung der Reproduktionsmedizin dienten. Die zwar nie so gefühllos geäußerte, aber letztlich darin enthaltene Botschaft war die folgende: Wer Kinder will, aber keine bekommen kann, muss die Risiken für die Defekte seiner Nachkommen bei sich selbst suchen, wir waren es jedenfalls nicht.

Vorzeitig alternde Gefäße

Zu denen, die echte wissenschaftliche Fakten liefern, wenn auch höchst beunruhigende, gehört die Arbeitsgruppe um Scherrer. In Bern begleiten die Forscher seit mehreren Jahren eine Gruppe von Teenagern und jungen Erwachsenen, von denen 15 mittels normaler In-vitro-Fertilisation (IVF) und 39 mittels ICSI gezeugt worden sind. Unter IVF versteht man eine künstliche Befruchtung, bei der die Eizelle von vielen Spermien umgeben ist und selbst aktiv – also ohne Assistenz mit einer Spritze wie bei ICSI – von einer dieser Samenzellen durchbohrt und befruchtet wird. Bereits vor Jahren beobachteten die Schweizer Forscher an den Kindern, dass mit diesen beiden künstlichen Befruchtungsverfahren eine verfrühte Alterung der Blutgefäße einhergeht. Dies hat sich nun verschlimmert, wie die jüngste Auswertung belegt. Die Blutdruckmessung bei den völlig gesund wirkenden IVF- oder ICSI-Kindern zeigt, dass ihr Risiko für einen Bluthochdruck um das Sechsfache höher liegt als in der Kontrollgruppe der natürlich gezeugten Studienteilnehmer („JACC“ Bd. 72 [11], S. 1267). „Hochdruck in diesem Alter ist eine ernste Diagnose“, so Scherrer. „Wir können somit belegen, dass die von uns schon früher festgestellten Symptome einer vorzeitigen Gefäßalterung tatsächlich krank machen“, bekräftigt er.

ICSI-Behandlung im Kinderwunschzentrum Magdeburg.
ICSI-Behandlung im Kinderwunschzentrum Magdeburg. : Bild: dpa

Seine Beobachtungen lassen sich nicht beschönigen. Zwar ist bekannt, dass andere Faktoren, Frühgeburten zum Beispiel, ebenfalls gehäuft mit einem überhöhten Blutdruck einhergehen. Aber die in der Schweiz untersuchten Probanden stammen aus einem Kollektiv, bei dem solche Risikofaktoren ausgeschlossen wurden. „Es ist plausibel anzunehmen, dass die zu schnell alternden Gefäße irgendetwas mit der künstlichen Befruchtung zu tun haben“, so das Fazit von Scherrer, mit dem er nicht alleinsteht. Laut einer Veröffentlichung von britischen Wissenschaftlern um den Embryologen Tom Fleming in der Fachzeitschrift „Lancet“ ist es unwahrscheinlich anzunehmen, dass die Fragilität der Blutgefäße, aber auch bereits erkennbare Schwachstellen im Zuckerstoffwechsel bei den Retortenkindern auf das Konto der Eltern gehen (Bd. 391, S. 1842). Nicht nur genetische Veränderungen, die man bei ihnen findet und die zu den beobachteten Schwächen passen, lassen dies vermuten. Man weiß auch, dass bei den Kindern jener Frauen mit verminderter Fruchtbarkeit, die sich zunächst in der Kinderwunschsprechstunde vorstellten, dann aber doch natürlich schwanger wurden, solche Defekte nicht so häufig vorkommen. Und schließlich belegen Beobachtungen an vollkommen gesunden, fruchtbaren Tieren, dass deren künstlich gezeugte Nachkommen ebenfalls vermehrt an Bluthochdruck leiden und frühe Anzeichen für einen Diabetes entwickeln.

Undurchsichtige Nährmedien

Mehrere Experten spekulieren infolgedessen darüber, ob neben den mechanischen Manipulationen, die an den Keimzellen und am Embryo vorgenommen werden, womöglich die Nähr- und Aufzuchtmedien eine der Ursachen für die sich häufenden Erkrankungen sein könnten. Bei diesen Medien handelt es sich um eine in jeder Hinsicht undurchsichtige, trübe Brühe. Bei den kommerziell vertriebenen Kulturmedien für reproduktionsmedizinische Labore fehle es an Transparenz, räumten denn auch Wissenschaftler einer Arbeitsgruppe der Europäischen Vereinigung der Reproduktionsmediziner, der ESHRE, bereits vor zwei Jahren ein, man müsse das Problem endlich ernst nehmen, lautet der Appell („Human Reproduction“ Bd. 31; S. 2174). Das heißt im Klartext: Weder die Ärzte, geschweige denn die Eltern wissen wirklich, worin ihre Embryonen in den ersten Lebenstagen eigentlich schwimmen und was dies womöglich für Folgen hat. Nur, was wird tatsächlich unternommen, um dies zu ändern, warum laufen die Geschäfte mit den vorgefertigten Nährmedien weiter?

Eizellen werden in einer Kinderwunschpraxis präpariert. : Bild: dpa

Als vor zwei Jahren in dieser Zeitung erstmals über die – damals noch nicht so dramatischen – Resultate der Berner Forschungsgruppe berichtet wurde, fühlte sie sich von Seiten der Reproduktionsmedizin bis dahin weitgehend ignoriert. Seither lädt man Scherrer immerhin zu den Kongressen der Zunft ein. Praktische Konsequenzen zeitigt dies gleichwohl bisher nicht. „Eigentlich müsste längst bei jeder Krankengeschichte auch die Information erhoben werden, wie ein Kind gezeugt wurde“, verlangt der Kardiologe. Nur so könnten Kinderärzte und andere Spezialisten frühzeitig dafür sorgen, dass die bei einigen der Kinder unvermeidlich gegebenen Handicaps sich nicht langfristig zu schwerwiegenden Erkrankungen entwickelten. Gezieltes Vorbeugen ist nur möglich, wenn der Arzt um die Risiken weiß. Zudem lässt sich nur durch einen systematischen Abgleich von Erkrankungen mit dem Zeugungsmodus erkennen, was den Kindern im Laufe des Älterwerdens noch alles droht und woran es womöglich gelegen hat.

Trotzdem versuchen sich andere weiter im Appeasement. Ebenfalls in diesem Sommer hat eine schwedische Gruppe eine Vergleichsstudie veröffentlicht, die die Schulleistungen von neun Jahre alten Kindern nach künstlicher Befruchtung und diejenigen ihrer natürlich gezeugten Altersgenossen zum Gegenstand hatte („Human Reproduction“ Bd. 27, S. 303). Zunächst ergab die Grobanalyse, dass die Retortenkinder besser abschnitten. So formulierte man auch das Hauptresultat, das nun zitiert und den Kinderwunschpaaren präsentiert werden kann. Die Forscher räumen indes selbst ein – jedoch lediglich ergänzend zur ersten Aussage –, dass eigentlich die natürlich gezeugten Kinder bessere Leistungen erzielten, wenn man ihre schlechtere Ausgangsposition in Betracht zieht und die Ergebnisse danach berechnet. Die Retortenkinder stellten nämlich eine ausgesucht günstige Gruppe dar, ihre Mütter rauchten nur halb so oft in der Schwangerschaft, ihre Eltern waren deutlich besser ausgebildet und verfügten über weitaus mehr Geld – alles Faktoren, die sich bekanntermaßen in einer erfolgreicheren Schulkarriere niederschlagen. Eigentlich hätte die Botschaft lauten können: Retortenkinder, und hier besonders die Mädchen, bleiben in ihren Schulleistungen erkennbar unter den Möglichkeiten ihrer sozioökonomischen Klasse, aber eine solche Schlagzeile ist verständlicherweise unerwünscht.

Wie viel Kunst in der Reproduktionsmedizin?

Erst vor wenigen Wochen zweifelte ein internationales Expertenteam im BJOG, einem der weltbesten Journale für Geburtshilfe, daran, ob Reproduktionsmedizin wirklich als Wissenschaft oder eher als Kunst betrieben werde: „Still more ART than science?“ – in Anspielung auf das üblicherweise verwendete Kürzel ART oder assisted reproductive technologies. Das ist in Zeiten der evidenzbasierten Medizin so etwa das Despektierlichste, das man einem Fach bescheinigen kann. Kritisiert wird überdies, dass man sich nicht an die offiziellen Empfehlungen der zuständigen Fachgesellschaften hält. Oftmals würde viel zu früh eine nicht notwendige, eingreifende Therapie initiiert. So ist zum Beispiel völlig unstrittig, dass eine ICSI längst nicht bei jeder künstlichen Befruchtung angebracht ist, sondern nur, wenn die Unfruchtbarkeit beim Mann liegt. Gleichwohl gibt es Länder, die ICSI bei fast 100 Prozent der Behandlungen anwenden, weil sie deutlich mehr Geld bringt, mitunter ein Plus von mehreren tausend Euro. Die Kliniken und Praxen machen sich meist nicht einmal die Mühe, den Grund für eine ICSI anzugeben, sie setzen sich schlicht über eine solche Anforderung hinweg.

1978 in Oldham, Großbritannien: Louise Joy Brown, der erste durch In-Vitro-Fertilisation gezeugte Mensch, kurz nach ihrer Geburt.
1978 in Oldham, Großbritannien: Louise Joy Brown, der erste durch In-Vitro-Fertilisation gezeugte Mensch, kurz nach ihrer Geburt. : Bild: dpa

Außerdem sind viele Männer und Frauen, die eine Kinderwunschpraxis aufsuchen, nur vermeintlich unfruchtbar, sie können auch ohne Hilfe Kinder bekommen. Im Rahmen einer künstlichen Befruchtung setzen sie diese unnötigerweise den Risiken einer Laborzeugung aus. Bei rund der Hälfte der Paare mit dem Label „infertil“, so heißt es in dem Fachjournal, kündige sich im Laufe von einem Jahr nach der „Diagnose“ der Nachwuchs an. Das sind just diejenigen Eltern, die auch bei einer künstlichen Befruchtung die besten Chancen auf Nachwuchs haben. Infolgedessen sind die scheinbar unfruchtbaren Paare die liebsten Kandidaten der Fertilitätskliniken für eine Laborzeugung, denn mit ihren guten Erfolgsaussichten schönen sie die Statistiken.

„Recht auf Ausprobieren“

Die wenig schmeichelhaften Schlussfolgerungen des BJOG-Artikels überraschen letztlich nicht. Die Autoren werfen ihren Kollegen vor, mit der Forderung nach einem „Recht auf Ausprobieren“, ihren potentiellen Kunden einen Bärendienst zu erweisen. Sie böten einer äußerst verletzlichen Klientel – Kinderwunschpaare leben am Rande des Nervenzusammenbruchs – Therapien an, die auf Spekulation basierten. Es sei mitnichten klar, ob dies irgendjemandem Vorteile brächte außer denen, die sie verkauften.

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http://www.spiegel.de/plus/warum-diese-e-autos-in-wahrheit-besonders-umweltschaedlich-sind-a-00000000-0002-0001-0000-000159904530

Der Volkswagen-Konzern hat ein Elektroauto entwickelt, das schneller beschleunigt als ein Formel1-Rennwagen. Das Einzelstück leistet 500 Kilowatt und hat auf einer amerikanischen Bergrennstrecke eine neue Bestzeit aufgestellt.

Markenvorstand Frank Welsch bezeichnete die Rekordfahrt als „Erfolg von langfristiger Bedeutung“. Und wer sich an dieser Stelle fragt, ob Europas größter Autokonzern noch nicht verstanden hat, worauf es bei einer ökologischen Verkehrswende ankommt, kann diesen Zweifel gleich auf die gesamte heimische Branche ausdehnen.

Deutschlands Autokonzerne streben nach dem Elektroauto der Superlative – stark, schnell und wuchtig. Das Vorbild heißt Tesla, und die etablierten Konzerne sind kurz davor, den amerikanischen Pionier um sein Monopol zu bringen.

Noch in diesem Jahr wird der Audi e-tron 55 quattro in den Handel kommen, ein Elektro-SUV mit 300 Kilowatt Leistung, Allradantrieb und einem Riesenakku, der mehr als 400 Kilometer Reichweite garantieren soll. Daimler folgt im nächsten Jahr mit dem E-Modell EQC, das ähnliche Eckdaten aufweist; es wird bereits als „Mercedes unter den Elektroautos“ angepriesen – was insofern einleuchtet, als der Stuttgarter Hersteller auch ein großer Anbieter von Lastwagen ist. Der Stromkoloss wiegt zweieinhalb Tonnen.

So soll sie aussehen, die neue Welt der emissionsfreien Mobilität: fahren wie bisher, mit großen, starken, schweren Autos, nur eben ohne Sünde. In dieser Illusion kann sich jeder wiegen, der die Dinge nicht kritisch hinterfragt.

Dass auch Autos ohne Auspuff Umwelt- und Klimaschädlinge sein können – und große Exemplare eben auch große Schädlinge –, wurde von einer Untersuchung des schwedischen Umweltinstituts IVL mit sehr eindrucksvollen Zahlen belegt. Pro Kilowattstunde, so die Expertise, entsteht bei der Produktion der Batteriezellen derzeit eine Klimagasemission, die bis zu 200 Kilogramm Kohlendioxid entspricht.

E-Mobile nach Tesla-Vorbild speichern bis zu 100 Kilowattstunden. Das heißt: Noch ehe sie den ersten Kilometer fahren, hat ihre Herstellung das Klima so belastet wie der fossile Spritverbrauch eines sparsamen Benzin-Kleinwagens, der schon über 200.000 Kilometer gefahren wurde.

Der „ökologische Rucksack“, wie Fachleute das Akkuproblem nennen, ist ein praller Tornister, der auch ethische und humanitäre Probleme enthält: Kobalt, ein wichtiger Rohstoff für Batterien, wird in Zentralafrika unter üblen Arbeitsbedingungen, häufig mit Kinderarbeit, gewonnen. Lithium kommt oft aus Salzseen in Südamerika. Der Abbau ist ein empfindlicher Eingriff in den Wasserhaushalt der Regionen.

Was die Klimabelastung durch die Batterieproduktion angeht, fällt der enorme Energieverbrauch ins Gewicht. Stromspeicher sind am Anfang ihres Daseins zunächst große Stromfresser.

In der Gemeinde der Elektroenthusiasten schlug die IVL-Expertise ein wie die Widerlegung eines Gottesbeweises. Proteststürme fegten durch Internetforen, und auch die Bundesregierung stand unter Rechtfertigungsdruck. Schließlich ist Elektromobilität der Schlüssel ihrer geplanten Energiewende im Verkehrssektor.

Audi e-tron 55 quattro: Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h wird der Elektro-Allradwagen (408 PS) abgeregelt. Reichweite: über 400 Kilometer.
Uli Deck / dpa

Audi e-tron 55 quattro: Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h wird der Elektro-Allradwagen (408 PS) abgeregelt. Reichweite: über 400 Kilometer.

So nahm bald das Freiburger Öko-Institut Stellung, das häufig im Dienste des Umweltministeriums solche Fragen untersucht. Es kommt zu einem Schluss, der auf den ersten Blick wie ein Freispruch klingt für das E-Mobil: „Elektrofahrzeuge haben bereits heute eine positive Klimabilanz“, resümiert das Öko-Institut, „selbst wenn dazu die Stromproduktion und die Fahrzeugherstellung berücksichtigt werden.“

Auch das Umweltbundesamt teilt diese Einschätzung und liefert eine Modellrechnung: Nach dieser kann das Elektroauto den höheren Energiebedarf für seine Herstellung gegenüber dem konventionellen Pkw „bei einer mittleren Lebensfahrleistung von 168.000 km etwa ausgleichen“.

Also bestenfalls Gleichstand, und das auch erst gegen Ende eines Autolebens. Und wer sich die Umweltbilanz noch genauer anschaut, stellt schnell fest, dass das E-Mobil derzeit weit entfernt ist von der Öko-Absolution und dass zwischen der schwedischen IVL-Studie und den Einschätzungen der deutschen Umweltexperten kein relevanter Unterschied besteht.

Selbst den langen Weg zur besseren Klimabilanz schafft nur ein Fahrzeug mit sehr kleinem Akku. Protagonist der behördlichen Modellrechnung ist ein E-Mobil, dessen Stromspeicher maximal 100 Kilometer Reichweite ermöglicht; das wäre ein Akku mit rund 20 Kilowattstunden.

Der E-Lieferwagen, den die Post in Eigenregie gebaut hat, ist in diesem Sinne ein mustergültiges Batteriefahrzeug – der Tesla hingegen ein Horror.

Nun aber wollen die deutschen Hersteller nicht den Postlaster bauen. Sie wollen den Tesla-Jäger bauen – das vollwertige Auto mit Stromantrieb, reisetauglich, prestigeträchtig, stark und schnell.

Mit einer Blaupause der Tesla-Architektur, „Modularer Elektrifizierungsbaukasten“ genannt, will Volkswagen in die Massenproduktion gehen: Kernstück aller Modelle wird ein großer, flacher Akku im Wagenboden sein. Schon die kleinste Version soll eine Reichweite von 330 Kilometern garantieren, muss also ein ziemlich großer Akku sein.

Doch die Batteriezellen, versichert VW-Markenvorstand Thomas Ulbrich, sollen befreit sein von der ökologischen Erbsünde. Sie würden, erklärte er kürzlich auf einer Pressekonferenz, „mit grüner Energie“ produziert.

Das klingt erst einmal beruhigend: Wird das E-Mobil nicht nur mit Ökostrom betankt, sondern auch gleich mit solchem hergestellt, ist alles gut und grün. Doch kann das in der Praxis gelingen?

Mercedes EQC: Der Elektro-SUV (408 PS) soll auf eine Reichweite von 450 Kilometern kommen und beschleunigt in 5,1 Sekunden von 0 auf 100.
Picture Alliance / dpa

Mercedes EQC: Der Elektro-SUV (408 PS) soll auf eine Reichweite von 450 Kilometern kommen und beschleunigt in 5,1 Sekunden von 0 auf 100.

VW produziert nicht selbst Batteriezellen. In ganz Europa gibt es keinen Industriekonzern, der das in großem Stil macht. Die führenden Lieferanten sitzen in Südkorea, Japan und China. Die Kontrolle über die Schlüsseltechnik der Elektromobilität haben die westlichen Autoproduzenten längst verloren.

Volkswagen wird die Akkuzellen für seine E-Offensive von den führenden südkoreanischen Herstellern Samsung und LG beziehen. Diese eröffnen für die westliche Kundschaft Werke in Osteuropa, wo sich günstig produzieren lässt, weil dort billiger Strom fossiler Herkunft aus der Leitung kommt. Wird Samsung wirklich einen Windpark vor der schmutzigen Fabrik aufbauen, um die Spezifikationen ökobeflissener Einzelkunden zu erfüllen?

„Wir sind mit unseren nominierten Batteriezellen-Lieferanten dazu aktuell im engen Austausch“, versichert VW-Sprecher Christoph Adomat. Er bittet jedoch um Verständnis, „dass wir erst nach jeweiligem Vertragsabschluss inhaltlich näher darauf eingehen werden“. Verbindlich vereinbart ist also noch nichts.

Wesentlich weiter ist BMW: Der Münchner Hersteller legt sich seit dem Produktionsstart seiner Elektromodelle eine freiwillige interne Zertifizierung auf, die vom TÜV Süd beglaubigt wird. Ein Elektroauto seiner Produktion muss in der Summe aus Herstellung und Betrieb eine geringere Klimabelastung darstellen als ein Vergleichsfahrzeug mit konventionellem Antrieb.

„Wir haben nicht nur aus Kostengründen, sondern auch aus ökologischen Überlegungen heraus am Anfang auf große Reichweiten verzichtet“, sagt Jury Witschnig, Leiter der Nachhaltigkeitsstrategie bei BMW. BMW wird derzeit von Samsung beliefert und kann sich noch nicht mal aussuchen, ob die Zellen in einem südkoreanischen oder einem chinesischen Werk gefertigt werden.

Immerhin, sagt Witschnig, bekomme er von Samsung eine Dokumentation des fossilen Energieverbrauchs aus der Zellherstellung mitgeliefert. Allein mit dieser Anfrage habe er „keine offenen Türen eingerannt“. Die Werte sind so hoch, dass BMW bisher nur Autos mit kleineren Batteriekapazitäten anbietet.

Erst mit dem iNext will BMW ab 2021 große Reichweiten realisieren. Der Strom-SUV soll Zellen aus einem Werk bekommen, das der chinesische Lieferant CATL in Thüringen errichten wird. Hier soll vorwiegend mit regenerativer Energie produziert werden.

Die Ernsthaftigkeit, mit der BMW sich solchen Fragen stellt, ist umso löblicher, als der Gesetzgeber dies weder fordert noch honoriert. Elektroautos gelten grundsätzlich als emissionsfrei. Sie werden für die Hersteller wertvolle Kompensatoren sein, wenn ab 2021 unzulässig hohe Flottenverbrauchswerte mit empfindlichen Strafzahlungen belegt werden.

Ein E-Mobil, das klimaschädigend produziert wurde, wird dann nach seiner Zulassung auch noch die Verbreitung schluckstarker konventioneller Autos erleichtern – also doppelt schädlich sein.

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über die GRÜNE „WILL-KÜR“ – HANDELN der GRÜNEN und „EIN-SCHREITEN“: ?FEHL-ANZEIGE?

https://www.zeit.de/2017/36/kreuzfahrtschiffe-co2-ausstoss-dreck

CO2-Ausstoß: Kreuzfahrt mit Schwefel

Der Wahrheitscheck in der Wirtschaft: Verursachen die 15 größten Seeschiffe mehr Dreck als alle Autos der Welt?
Kreuzfahrtschiff Verbrauch: Postkartenidylle mit Luftverschmutzer
Postkartenidylle mit Luftverschmutzer © Plainpicture

Seeschiffe sind Dreckschleudern, Kreuzfahrten eine Pest für die besuchten Städte. Gerne wird diese Behauptung mit einem Vergleich garniert: Die 15 größten Schiffe machen mehr Dreck als alle Autos der Welt zusammen. Das klingt spektakulär, aber stimmt es auch?

Die Behauptung geht auf ein Zitat zurück, das der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) schon 2012 verbreitet hat, zum Auftakt seiner Kampagne „Mir stinkt’s – für eine saubere Kreuzschifffahrt“. Es lautete wörtlich: „Die 15 größten Seeschiffe der Welt stoßen jährlich mehr schädliche Schwefeloxide aus als alle 760 Millionen Autos weltweit.“ In den sozialen Medien hat die Behauptung gerade mal wieder Konjunktur, angeheizt von der Debatte um schmutzige Dieselautos. Die Einschränkung auf Schwefeloxide ging verloren, stattdessen ist jetzt oft allgemein von Schadstoffen die Rede, in manchem Debattenforum sogar von CO₂. Doch am weltweiten Ausstoß dieses wichtigsten Treibhausgases hat der Schiffsverkehr nur einen Anteil von drei, der Straßenverkehr aber von 17 Prozent. Und pro Passagier oder nach transportiertem Gewicht erzeugt kein Verkehrsmittel weniger CO₂ als ein Schiff.

Und wie steht es – Missverständnisse beiseite – um die ursprüngliche Behauptung des Nabu? Sie enthält einen offensichtlichen Fehler: 2012 gab es weltweit nicht 760 Millionen, sondern deutlich über eine Milliarde Autos, inzwischen sind es rund 1,25 Milliarden. Trotzdem hat der Nabu recht: Schiffe sind tatsächlich für einen größeren Teil der Schwefeloxid-Emissionen verantwortlich als Autos. Allerdings macht der Vergleich wenig Sinn.

Denn seit der Jahrhundertwende wird an Tankstellen zunehmend schwefelarmer, seit 2008 in der EU, den USA und Japan nur noch schwefelfreier Treibstoff angeboten. In China und Indien läuft die Umstellung derzeit. Schon in wenigen Jahren werden Schwefeloxide deshalb im Straßenverkehr praktisch keine Rolle mehr spielen – so wie das Blei, das Ende der 1980er Jahre mit der Umstellung auf bleifreies Benzin aus den Autoabgasen verschwand. Insgesamt sind die Schwefeldioxid-Emissionen in Deutschland seit 1990 um über 90 Prozent gesunken. Es ist ein großer Erfolg schärferer Umweltgesetze. Neben schwefelarmen Kraftstoffen hat vor allem die Stilllegung oder Nachrüstung von Industrieanlagen und Kraftwerken mit Entschwefelungsanlagen dazu beigetragen. Sauren Regen, der infolge hoher Schwefelemissionen entsteht und noch vor 30 Jahren große Waldschäden anrichtete, gibt es in Europa kaum noch.

Bei Seeschiffen verläuft der Abschied vom Schwefel deutlich langsamer. Noch immer fahren sie auf dem offenen Ozean meist mit Schweröl, einer dreckigen Pampe, die auf dem Boden der Raffinerien zurückbleibt und bis zu 3,5 Prozent Schwefel enthalten darf. Das ist 3500-mal mehr, als an Land in Benzin und Diesel erlaubt ist. In europäischen und nordamerikanischen Küstengewässern ist der Schwefelanteil im Schiffstreibstoff seit 2015 zwar auf 0,1 Prozent begrenzt, das ist allerdings noch immer 100-mal mehr als im Straßenverkehr. Deshalb eignen sich Schwefeloxide so gut für einen drastischen Vergleich.

Relevanter für Umwelt und Gesundheit sind allerdings andere Schadstoffe. Neben dem Treibhausgas CO₂ sind das vor allem Stickoxide und Feinstaub. Auch dabei schneiden Seeschiffe schlecht ab, allerdings ist der Unterschied zum Auto weit weniger krass als beim Schwefel. Auch dazu hat der Nabu Zahlen veröffentlicht und im Rahmen seiner Kampagne zu einer schmackigen These zusammengefasst: „Ein einziger Ozeanriese stößt auf einer Kreuzfahrt so viele Schadstoffe aus wie fünf Millionen Pkw auf gleicher Strecke.“

Dieser Vergleich wird häufig zitiert und verkürzt. Ein Kreuzfahrtschiff macht so viel Dreck wie fünf Millionen Autos, heißt es dann. Das ist genauso falsch wie die These, die der Nabu aus den eigenen Zahlen ableitet. Für das Vergleichsjahr 2012 geht es dort nämlich gar nicht um „Schadstoffe auf gleicher Strecke“, sondern um „Schadstoffe pro Tag“. Und pro Tag legt ein durchschnittliches Kreuzfahrtschiff mehrere Hundert Kilometer zurück, ein deutsches Auto aber nur 36. Dabei transportiert das Auto im Schnitt 1,5 Menschen, ein großes Kreuzfahrtschiff aber bis zu 9.000. Bezogen auf die Passagierkilometer schrumpft die Vergleichszahl von fünf Millionen auf weniger als hundert.

Hundertmal mehr Schadstoffe – auch das wäre ein krasser Unterschied. Allerdings interpretiert der Nabu seine eigenen Zahlen falsch. In den Originaldaten unterscheidet er die „Schadstoffe pro Tag“ korrekt in Schwefeloxide, Stickoxide, Feinstaub und CO₂. Der Vergleich fällt je nach Stoff extrem unterschiedlich aus: Ein Schiff produziert demnach so viel CO₂ wie 84.000 Autos und so viel Schwefeloxid wie 376 Millionen. Die propagierten fünf Millionen tauchen nirgendwo auf. „Die Zahl haben wir gewichtet nach der Bedeutung der Schadstoffe grob als Quersumme ermittelt“, erläutert Dietmar Oeliger, Leiter der Nabu-Abteilung Verkehrspolitik. Man hat also Äpfel, Birnen, Kirschen und Tomaten irgendwie zusammengezählt und durch vier geteilt. Oeliger weiß, dass so etwas unseriös ist. Man verwende das Ergebnis deshalb auch nur, „wenn Medien eine plakative, einfach zu verwendende Zahl möchten“.

Den Faktencheck kann so etwas nicht bestehen. Daraus zu schließen, dass Schiffe gar nicht so dreckig sind, wäre genauso falsch. Sowohl an Bord als auch in den Häfen erzeugen sie gesundheitsschädliche Feinstaub- und Stickoxidemissionen, die weit über den Grenzwerten liegen, die im Straßenverkehr gelten. Dass sich die Schifffahrt so lange gegen Umweltauflagen wehren konnte, liegt vor allem an ihrer Internationalität. Grenzwerte können nur global durchgesetzt werden, und das ist besonders schwierig. An fehlender Technik liegt es nicht. Schwefelfreier Treibstoff, Katalysatoren und Abgasfilter sind längst erprobt und auf vielen Schiffen schon erfolgreich im Einsatz.

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https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2018-08/edward-burtynsky-fotograf-ausstellung-national-gallery-of-canada-fs

Edward Burtynsky: Verwundete Erde

Tiefgreifend verändert der Mensch den Planeten. Er baggert, gräbt und flutet, um Kohle, Erz und Salz zu fördern. Unberührte Natur? Gibt es kaum, wie Luftaufnahmen zeigen.

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https://www.zeit.de/2018/43/cum-ex-steuerbetrug-aktiengeschaeft-europa-finanzpolitik/komplettansicht

Cum-Ex: Der Coup des Jahrhunderts

Ganz Europa wurde von Steuerräubern geplündert. Auch weil Deutschland die Partnerländer erst viel zu spät warnte, entstand ein Schaden von mindestens 55 Milliarden Euro.
Cum-Ex: "Es handelt sich um den größten Steuerraub in der Geschichte Europas", sagt Christoph Spengel, Steuerprofessor an der Universität Mannheim.
„Es handelt sich um den größten Steuerraub in der Geschichte Europas„, sagt Christoph Spengel, Steuerprofessor an der Universität Mannheim. © Stephanie F. Scholz für DIE ZEIT

Der Vernehmungsraum im Landeskriminalamt Düsseldorf ist ungefähr acht Quadratmeter groß. Die Fenster dort sind vergittert, ihre Scheiben so milchig, dass man nicht hinausschauen kann. In der Mitte des Raumes steht ein großer Tisch. Dort warten bereits zwei Hauptkommissare und drei Staatsanwälte auf Benjamin Frey. Sie ermitteln im größten Steuerraub aller Zeiten, einem Jahrhundertcoup, der allein den deutschen Staat viele Milliarden Euro gekostet hat. Frey, ein hochintelligenter, asketisch wirkender Mann, ist einer der Hauptbeschuldigten. Er gehörte zum innersten Zirkel der Steuerräuber, hat an den Geschäften zulasten des deutschen Gemeinwesens rund 50 Millionen Euro verdient. Der Staat, so sagt er, war für ihn der Feind.

Nun, im Vernehmungsraum, sitzt er dessen Strafverfolgern gegenüber.

Es ist der 7. November 2016. „Schön, dass wir uns persönlich kennenlernen“, sagt die Staatsanwältin Anne Brorhilker, die das Verfahren leitet. So wird sich Frey später erinnern. Brorhilker ist Anfang 40, wirkt aber jünger. Man kann sie sich als eine Art weiblichen Columbo vorstellen: leicht zu unterschätzen, aber schwer abzuschütteln.

Die Staatsanwältin untersucht seit Jahren spezielle Aktiendeals, mit denen der Staat geplündert wurde und die unter den Namen Cum-Ex und Cum-Cum bekannt geworden sind. Bei diesen Deals geht es darum, sich Steuern zu Unrecht vom Staat erstatten zu lassen. Die Staatsanwältin jagt nun die beteiligten Banker, Anwälte und Berater. Überall auf der Welt hat sie Büros und Wohnungen durchsuchen lassen, auch die von Frey. Gemessen an der Zahl der Beschuldigten haben sich ihre Untersuchungen zum wohl größten steuerstrafrechtlichen Ermittlungsverfahren aller Zeiten ausgeweitet.

Der Kronzeuge

Benjamin Frey gehörte zum innersten Kreis der Steuerräuber. Eigentlich heißt er anders und sieht auch anders aus. Das Foto zeigt ihn mit einer Maske, die ihm für ein Fernsehinterview aufgetragen wurde. © Ivo Mayr/Correctiv

Was Brorhilker bis zu diesem Tag noch fehlt, ist ein Kronzeuge, der aus der Phalanx der Steuerräuber ausbricht. Nur wenn Frey auspackt, kann sie die anderen überführen. Frey, dessen ganzes Leben sich ums Geld gedreht hat, weiß, er kann sich nicht freikaufen. Ihm droht Gefängnis. Mindestens sieben Jahre.

Mehr als ein Jahr lang wird Frey anschließend immer wieder vernommen, tagelang, mehr als ein Dutzend Mal. Später wird er sagen, dass dies die schlimmste Zeit seines Lebens gewesen sei. Erst räumt er nur ein, was er einräumen muss, nach einem halben Jahr aber brechen alle Dämme. Frey legt eine Lebensbeichte ab. Er ist der erste Steuerräuber, der aus Angst vor dem Gefängnis seine Komplizen von einst verpfeift und damit Panik unter ihnen auslöst. Bei Brorhilker melden sich nun weitere Steuerräuber, die ebenfalls Kronzeugen werden wollen.

Bereits im vergangenen Jahr berichteten die ZEIT, ZEIT ONLINE und das ARD-Magazin Panorama über Cum-Ex- und Cum-Cum-Geschäfte. Sie beschrieben, wie Banker, Berater und Anwälte über Jahrzehnte den deutschen Staat plünderten. Wie der es sich gefallen ließ. Und erst eine hartnäckige Sachbearbeiterin aus dem Bundeszentralamt für Steuern sich schließlich weigerte, das Geld auszuzahlen.

Nach den Berichten meldeten sich Journalisten aus Dänemark. Sie sagten, dass ihrem Land etwas ganz Ähnliches widerfahren sei. Es war der Auftakt einer internationalen Kooperation. Sie zeigt nun, dass Finanzjongleure sich nicht nur am deutschen Staat bedienten, sondern die öffentlichen Haushalte in halb Europa angezapft haben.

Alle Berichte der europäischen Medienpartner finden Sie, wenn Sie auf das Bild klicken. © Correctiv

Unter Leitung des Recherchezentrums Correctiv haben sich 19 Medien aus zwölf Ländern zusammengetan, um gemeinsam das ganze Ausmaß dieses Steuerraubs zu recherchieren. Dazu gehören neben der ZEIT, ZEIT ONLINE und Panorama auch die Nachrichtenagentur Reuters, die Zeitungen Le Monde aus Frankreich, La Repubblica aus Italien, das Online-Magazin El Confidencial aus Spanien sowie das öffentlich-rechtliche Fernsehen aus Dänemark, Schweden und Finnland. Gemeinsam haben sie mehr als 180.000 Seiten vertrauliche Akten, interne Gutachten von Banken und Kanzleien sowie E-Mails ausgewertet. Zudem wurden Interviews mit Insidern und verdeckte Recherchen in der Finanzindustrie durchgeführt.

Die Ergebnisse werden ab dem 18. Oktober unter dem Titel „Cum-Ex-Files“ veröffentlicht. In mindestens zehn weiteren europäischen Staaten haben sich die Finanztrickser bedient. In einigen ist das der Öffentlichkeit noch nicht bekannt. Der Schaden durch Cum-Ex- und Cum-Cum-Geschäfte beträgt mindestens 55,2 Milliarden Euro. „Es handelt sich um den größten Steuerraub in der Geschichte Europas“, sagt der Steuerprofessor Christoph Spengel von der Universität Mannheim.

Wieso können die Steuerräuber ein Land nach dem anderen plündern, ohne dass ihnen jemand Einhalt gebietet? Und was sind das überhaupt für Geschäfte, bei denen Aktien für Milliarden Euro innerhalb weniger Tage hin und her geschoben werden?

Kreaturen der Tiefsee

Stößt man in die Welt der Steuerräuber vor, ist es ein bisschen wie beim Tiefseetauchen: Je näher man dem Grund kommt, desto unglaublicher werden die Kreaturen, die man entdeckt. Bei den sogenannten Cum-Cum-Deals geht es darum, Steuererstattungen zu ergattern, die einem eigentlich nicht zustehen. Man kann sich die Akteure als gefräßige Raubfische vorstellen, die nur einmal zubeißen und dann erst mal satt sind. Weiter unten begegnen einem besonders aggressive Geschöpfe, die Cum-Ex-Geschäfte betreiben. Eine einmal abgeführte Steuer wird dabei doppelt zurückerstattet. Diese Geschöpfe beißen also gleich zweimal zu. Tief unten, in dunklen Gewässern, haben sie sich rasend schnell vermehren können.

Mittlerweile sind auch Mischformen entstanden. Und noch aggressivere Mutationen, für die es noch keine Namen gibt. Gemeinsam haben alle diese Konstrukte, dass sie zu einem einzigen Zweck erschaffen wurden: aus den öffentlichen Kassen das Geld jener Menschen zu erbeuten, die Steuern bezahlen.

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Kurz erklärt – Wie der Cum-Ex-Steuerskandal abgelaufen ist Es ist der wohl größte Steuerskandal der deutschen Geschichte. Wie Banken und Anwälte Milliarden entwendeten, zeigen wir in diesem Video. © Foto: Kerstin Welther

Um Benjamin Frey zum Auspacken zu bewegen, hat sich die Staatsanwältin Brorhilker an einer Methode orientiert, die sonst vor allem bei der amerikanischen Bundespolizei FBI beliebt ist: Die Ermittler sammeln belastendes Material gegen einzelne Beteiligte und setzen sie damit unter Druck. Diese haben dann die Wahl, als Kronzeuge glimpflich davonzukommen, wenn sie alles gestehen, ihre Beute zurückgeben und ihre Komplizen verpfeifen – oder eben angeklagt zu werden.

Frey bekommt diese Methode schon am zweiten Vernehmungstag zu spüren. Gleich zu Beginn halten Brorhilker und ihre Kollegen ihm Dokumente vor, die nach Ansicht der Staatsanwältin nicht zu seinen Aussagen vom Vortag passen. Sie habe ihm „viel Angst eingejagt“, wird Frey später sagen. Im Februar 2017 fliegt Frey sogar für drei Tage nach Dubai, um dort weitere Steuerräuber zum Auspacken zu bewegen.

Schnell deuten Freys Aussagen darauf hin, dass Deutschland nur eines von vielen ausgeraubten Ländern ist. Für Brorhilker steht das nicht im Zentrum ihrer Ermittlungen. Schließlich ist sie eine deutsche Staatsanwältin. Die Reporter der Recherche-Kooperation aber wollen ihn treffen, um mehr zu erfahren.

Ein europäischer Raubzug

In einem Kölner Loft gibt der Kronzeuge Benjamin Frey das erste ausführliche Interview. © Ivo Mayr/Correctiv

Nach langen Verhandlungen kommt es zu einem Treffen. Die Bedingung: Man darf seinen echten Namen nicht nennen. Frey heißt nur in diesem Artikel so. In einem Kölner Loft gibt er das erste, ausführliche Interview. Man sitzt einem 47-jährigen Mann gegenüber: gescheitelte Haare, glatt rasiert, hohe Stirn, volle Lippen, Brille. Doch das Gesicht, in das man schaut, ist nicht seines. Frey trägt eine Maske, die ihm für das Interview, das von Kameras aufgezeichnet wird, von zwei Maskenbildnerinnen aufgetragen wurde. Die Mimik, sein Lachen, das alles ist echt, der Rest nicht wiederzuerkennen.

Frey sagt, er habe Angst vor seinen früheren Komplizen. Deshalb dürfe man ihn nicht erkennen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass er bereits dabei ist, sich eine neue Existenz als seriöser Anwalt aufzubauen. Die Geschichte des Steuerräubers soll sie nicht beschmutzen. Zwei volle Tage wird das Interview dauern. Frey wird darin auch erklären, wie es dazu kam, dass ganz Europa geplündert wurde. Und er wird Namen nennen: von denen, die Länder ausnehmen, dabei kühl von Märkten sprechen – und bis heute auf freiem Fuß sind.

Freys Erzählung beginnt in der Provinz. Dort, wo er aufgewachsen ist, sei man „entweder Arbeiter, Landwirt oder Arbeitsloser“ geworden. Er will sich damit nicht abfinden, studiert Jura, legt einen herausragenden Abschluss hin. Dann fliegt er nach London, eine große Kanzlei hat ihn dorthin eingeladen, ins prachtvolle Queen Victoria and Albert Museum, zu ihrem Jahrestreffen. Die Kanzlei will Frey anwerben. Fast zweitausend Anwälte aus aller Welt sitzen an langen Tischen, inmitten von Ausstellungsstücken des Museums. Wenn Frey nach oben schaut, blickt er in eine große Kuppel. Es ist das Jahr 2001. Frey kann die Sterne leuchten sehen.

„Meine Gier war so groß“

Kurz darauf fängt er bei der Kanzlei an, arbeitet jeden Tag zwölf oder auch vierzehn Stunden. Oft geht es darum, die Steuerlast reicher Kunden zu drücken. „Wir hatten alle dieses Bild vor den Augen: Der Feind ist der Staat“, sagt Frey. Wenn ihm doch einmal der Gedanke kommt, dass dieser Staat ihm seine Ausbildung finanziert hat, drückt er ihn weg. Er weiß, dass Zweifel seiner Karriere schaden würden. „Meine Gier war so groß“, sagt er, „da habe ich mich mit Moral nicht aufgehalten.“

Dann, 2004, lernt Frey Hanno Berger kennen. Dieser gilt als begnadetster Steuertrickser Deutschlands. Frey, das Provinzkind, bewundert Berger, den Sohn eines Pfarrers, für dessen Intellekt, humanistische Bildung, die Latein- und Griechischkenntnisse. Bei den Cum-Ex-Geschäften, die Berger laut der Ermittler seit spätestens 2006 einfädelt, ist Frey von Anfang an mit dabei. Zusammen arbeiten sie im 32. Stock des Skyper, eines gläsernen Turms im Frankfurter Bankenviertel. „Wenn Sie runtergeguckt haben auf die Straße, auf die Taunusanlage, dann haben Sie nur noch ganz kleine Menschen gesehen“, so Frey. „Das war die Welt, die normale Welt, zu der gehörten wir nicht mehr. Wir waren da ganz oben. Wir haben aus dem Fenster geguckt und gedacht: ‚Wir sind die Schlauesten, wir sind Genies, und ihr seid alle doof.'“

Wie funktioniert ein Cum-Cum-Geschäft?

Vereinfachte Darstellung eines Geschäfts auf Kosten des Staates, bei dem eine einfache Steuerrückerstattung ergattert wird

© ZEIT-Grafik

Cum-Ex ist aus ihrer Sicht ein Geniestreich. Es geht nicht mehr nur darum, Steuern möglichst auf null zu drücken. Man holt sich auch noch das Geld derer, die so blöd sind, Steuern zu zahlen.

Der deutsche Staat merkt zunächst gar nicht, dass er geplündert wird. 2007 versucht er zum ersten Mal, den Steuerraub zu unterbinden, doch Berger und Frey sind klüger, finden einen neuen Weg, den Staat auszutricksen. Die Konstruktionen werden immer komplizierter. Schließlich, ab 2011, wollen sie ihn mithilfe von amerikanischen Ein-Mann-Pensionsfonds ausnehmen, die Aktien im Wert von Milliarden Euro handeln. Es ist ein irres Spiel. Berger und Frey scheffeln Millionen um Millionen.

Ein Ärgernis aber gibt es: Cum-Ex funktioniert in Deutschland nur einmal im Jahr, rund um den Tag, an dem die Besitzer von Aktien ihre Dividende ausgeschüttet bekommen, in Deutschland liegt er meist in den ersten Monaten des Jahres. „Wir hatten eine Teufelsmaschine kreiert“, sagt Frey, „sie lief aber immer nur im Frühjahr.“ Das war aus Sicht der Steuerräuber zu wenig. „Also ist man auf die Idee gekommen, eine Ganzjahresmaschine zu kreieren„, sagt Frey. „Und dafür boten sich Aktien anderer Länder an.“ In ihnen nämlich werden Dividenden bis zu viermal im Jahr ausgeschüttet.

Das Bild, das die Recherchen der Medienpartner ergeben, ist das eines europäischen Raubzugs. In Belgien, Dänemark, Österreich, Norwegen und der Schweiz bestätigen die Behörden offiziell oder im Hintergrund, dass auch ihre Länder Opfer von Cum-Ex wurden. In Spanien und Finnland zeigen Dokumente und Insider-Aussagen, dass Cum-Ex-Geschäfte geplant wurden. In Spanien wollen die Behörden weder bestätigen noch dementieren, dass es zu doppelten Steuererstattungen gekommen ist. Die finnischen Behörden gehen davon aus, dass Cum-Ex bei ihnen kein Problem darstellt. Einfache Erstattungen (Cum-Cum) flossen in beiden Ländern.

Einfache Erstattungen – das klingt harmlos, ist es aber nicht. Auch in Frankreich, Italien und den Niederlanden erzeugten sie massive Schäden. Das Spiel funktioniert im Kern so: Inländischen Aktionären steht eine Steuererstattung zu, ausländischen nicht. Banken haben daraus ein Geschäft gemacht. Sie kaufen die Aktien ausländischer Kunden kurz vor Auszahlung der Dividende und verkaufen sie danach sofort zurück. Die so ermogelte Steuererstattung wird aufgeteilt, der Staat ärmer. Zwar sind Cum-Cum-Geschäfte nicht per se illegal. Wenn das einzige Ziel ein steuerlicher Vorteil ist, stellen aber auch sie einen Gestaltungsmissbrauch dar. Deutsche, französische und italienische Behörden sind sich da einig.

Der Schaden

Für Steuerprofessor Spengel sind Cum-Ex und Cum-Cum zwei Spielarten rein steuergetriebener Geschäfte. „Die Banker, Händler und Juristen haben die Steuersysteme der einzelnen Länder analysiert, geguckt, was geht, und dann die entsprechenden Strukturen aufgesetzt.“

Bereits im vergangenen Jahr hatte Spengel berechnet, dass dem deutschen Fiskus zwischen 2001 und 2016 mindestens 31,8 Milliarden Euro entgangen sind. Im Zuge der Cum-Ex-Files kommen nun in Frankreich mindestens 17 Milliarden, in Italien 4,5 Milliarden, in Dänemark 1,7 Milliarden, in Belgien 201 Millionen Euro dazu. Für die anderen betroffenen Länder liegen keine offiziellen Zahlen oder belastbaren Marktdaten vor.

Wie und wann sich die Geschäfte in Europa ausgebreitet haben, lässt sich nicht eindeutig nachvollziehen. Cum-Cum-Geschäfte wurden in Deutschland, Frankreich oder Italien bereits seit den 1990er-Jahren getätigt. Cum-Ex-Geschäfte gab es seit 2001 in Deutschland, seit 2006 in der Schweiz und seit 2012 in Dänemark. Auch die Behörden der Länder reagierten unterschiedlich. Während die Schweiz Cum-Ex-Geschäfte 2008 unterband, gelang Deutschland das erst 2012. In Dänemark reichen die untersuchten Fälle bis 2017.

Fast alle Banken waren beteiligt

An den Geschäften waren fast alle Banken auf die eine oder andere Art beteiligt, darunter Deutsche Bank und Commerzbank sowie große amerikanische Investmentbanken. Viele unterhielten Abteilungen, deren Mitarbeiter intern als „Tax Trader“ bezeichnet wurden. Es handelt sich also nicht um das Versagen Einzelner, sondern um ein branchenweites Phänomen. Als „organisierte Kriminalität in Nadelstreifen“ bezeichnet Frey, der Kronzeuge, die Geschäfte. „Jeder, der Kredite geliefert hat, der als Aktienhändler mitgewirkt hat, der als Depotbank nur Aktien verwahrt hat, jeder Anleger, der Geld zur Verfügung gestellt hat, wusste im Kern, dass man hier Rendite aus dem Steuersäckel holt.“

Im Zentrum des europäischen Raubzugs steht eine Gruppe von Londoner Aktienhändlern. Einer von ihnen ist Salim Mohamed. Zunächst arbeitete er für die Investmentbank Goldman Sachs. Später heuerte er bei einem Hedgefonds an. Mohamed arbeitete auch mit Berger und Frey zusammen. So schildert es Frey. Am Anfang habe man sich gut verstanden. Doch als Mohamed sich 2009 selbstständig machte und laut Frey einen Großteil der Gewinne für sich haben wollte, sei es zu Streit gekommen. Berger habe Mohamed daraufhin nur noch den „dreckigen Inder“ genannt. So sagt es Frey gegenüber Brorhilker aus. Berger bestreitet die Aussage ebenso wie die Zusammenarbeit mit Mohamed. Es habe lediglich „ein oder zwei Gespräche“ gegeben.

Mit seiner Firma EQI, so geht es aus den Ermittlungsakten und weiteren Dokumenten hervor, handelte Mohamed nicht nur deutsche, sondern auch spanische, österreichische, belgische und finnische Aktien. 2010 etwa kauft er über eine Firma in Malta 6,9 Millionen Aktien des spanischen Energieversorgers Endesa, ein Jahr später über einen irischen Fonds 10,6 Millionen Aktien der Telekom Austria AG. In allen fünf Ländern beantragte der irische Fonds im Jahr 2011 Rückerstattungen. Warum nur ein Land plündern, wenn es auch woanders geht?

Finanzministerium warnte viel zu spät

Während die EU europaweite Datenbanken betreibt, um Flüchtlinge zu erfassen oder Informationen über Terroristen zu teilen, gibt es so etwas für Steuergeschäfte nicht. Fragt man bei der EU-Kommission nach, ob Cum-Ex-, Cum-Cum- oder verwandte Geschäfte auf europäischer Ebene diskutiert wurden, lautet die Antwort: „Das fällt in die Kompetenz der Nationalstaaten.“ Deren Steuerbehörden aber denken vor allem an sich, kommunizieren kaum miteinander. Das Prinzip: Wer etwas weiß, sagt es nicht weiter. Wer nicht nachfragt, erfährt nichts.

Die Bundesregierung hält Cum-Ex bis heute für ein deutsches Problem. Michael Sell, der zum Zeitpunkt eines Gesprächs mit den Reportern in diesem Sommer noch die Steuerabteilung im Finanzministerium leitete, mittlerweile aber pensioniert wurde, hält die Geschäfte für eindeutig illegal. Er hat sogar von „organisierter Kriminalität“ gesprochen. Doch aus seiner Sicht ist das Problem seit einer Gesetzesänderung von 2012 gelöst. Damals änderte man das System zur Abführung der Kapitalertragsteuer so, dass Cum-Ex nicht mehr funktioniert.

Wie funktioniert ein Cum-Ex-Geschäft?

Vereinfachte Darstellung eines Geschäfts auf Kosten des Staates, bei dem eine doppelte Steuerrückerstattung ergattert wird

© ZEIT-Grafik

Im Büro von Sell hängt eine große Weltkarte, auf der alle Länder orange eingefärbt sind, mit denen Deutschland ein Doppelbesteuerungsabkommen geschlossen hat. Dass auch viele von ihnen Opfer sein könnten, ist ihm aber nie in den Sinn gekommen. Später wird das Finanzministerium keine Zitate aus dem Gespräch mit Sell autorisieren. In dem Gespräch wird aber deutlich, dass es sich der europäischen Dimension von Cum-Ex nicht bewusst ist.

Die einzige Organisation, die sich überhaupt um einen systematischen internationalen Austausch bemüht, ist die OECD. Seit 2007 führt die Industrieländerorganisation ein „Aggressive Tax Planning Directory“. Über diese Datenbank können ihre Mitgliedsländer Steuertricks an alle anderen OECD-Staaten melden. Allerdings, sagt Achim Pross, der Chef der zuständigen Abteilung, funktioniere sie nur, wenn sie auch regelmäßig gelesen und befüllt werde. Hier liegt das Problem. Sucht man in der Datenbank den Begriff „Cum-Ex“, gibt es nur einen Treffer. Die Meldung kommt aus Deutschland. Doch sie ist von 2015. Zu diesem Zeitpunkt weiß das Finanzministerium seit 13 Jahren von Cum-Ex, hat die Praxis selbst seit drei Jahren unterbunden. Das Ministerium dementiert auf Anfrage nicht, die Partner erst ab 2015 gewarnt zu haben, teilt aber generell mit, dass man „in der Vergangenheit diverse Staaten, unter anderem auf deren Nachfrage hin, über die Verfahrensweise bei Cum-Ex-Geschäften informiert“ habe.

Für die europäischen Partner kommt die Warnung viel zu spät. Sie wurden längst ebenfalls geplündert.

Es gibt auch Meldungen aus weiteren Ländern: Irland, Spanien und sogar aus dem fernen Australien. Sie aber arbeiten mit anderen Begriffen, beschreiben meist Cum-Cum-Geschäfte oder Varianten davon. Auch das macht es schwer, die Geschäfte zu unterbinden. Es entstehen immer neue Kreaturen. Salim Mohamed etwa benutzt eine Methode, von der Frey erst in den Vernehmungen durch Brorhilker erfährt. Danach, sagt er, sei er erst mal fünf Minuten sprachlos gewesen. „Ich habe einfach nur gestaunt.“

Bei Cum-Ex-Deals ist es normalerweise wie beim Goldschürfen: Es müssen enorme Mengen umgewälzt werden, damit richtig was hängen bleibt. Man braucht also sehr viel Kapital, muss sich Millionen oder sogar Milliarden Euro von Banken leihen. Salim Mohamed hat einen anderen Weg gefunden: den „Looping“. Vereinfacht gesagt werden Aktien dabei so schnell im Kreis gehandelt, dass der Eindruck entsteht, es wären viel mehr, als es tatsächlich sind. Mit einer Aktie lassen sich auf diese Weise drei, fünf oder auch zehn Steuerbescheinigungen generieren. Einer der Beschuldigten sagt gegenüber Brorhilker aus, der Looping sei ab 2009 bei Geschäften auf Kosten Deutschlands zum Einsatz gekommen.

Versucht man Mohamed zu kontaktieren, antwortet er nicht. Doch es scheint ihm gut zu gehen. 2015 hat er beim „Powerman“ im schweizerischen Zofingen, einem Lauf- und Radfahrwettbewerb, eine respektable Zeit hingelegt. Man entdeckt ihn auch auf der Website der Esher Church School, einer kirchlichen Schule in der Grafschaft Surrey, etwas südwestlich von London. Mohamed, der Steuerräuber, gehört dort zum Leitungsstab der Schule.

Abwehrschlacht

Kein einziger der Beteiligten sitzt bisher im Gefängnis. Das muss aber nicht so bleiben. Brorhilkers Ermittlungen richten sich gegen mehr als 100 Personen. Zu ihnen gehört auch Salim Mohamed. Noch in diesem Jahr könnte Brorhilker die ersten Anklagen erheben.

Allerdings hat die Staatsanwältin einen Gegenspieler. Von einem Schweizer Bergdorf aus arbeitet er an der juristischen Abwehrschlacht, die ihre akribische, jahrelange Arbeit mit einem großen Knall zunichte machen soll. Es ist Hanno Berger, der frühere Mentor ihres Kronzeugen Frey. Nach einer Durchsuchung seiner Kanzlei Ende 2012 hat er sich in die Schweiz abgesetzt. Besucht man ihn zu Hause in seiner Eigentumswohnung schräg gegenüber einem Skilift, wo er mit seiner Frau und seinem Enkel wohnt, erlebt man einen Mann, der sich bis heute im Recht fühlt, der am hölzernen Esstisch endlos darüber dozieren kann, warum Cum-Ex-Geschäfte legal gewesen seien. Das Problem ist für ihn der Staat, der Leute wie ihn zu Unrecht verfolge. In abgehörten Telefonaten spricht er sogar von einem „Vernichtungsfeldzug“. Auch gegen Berger wird seit Jahren ermittelt. Er wirkt müde. Doch er will kämpfen. Die Abwehrschlacht ist zu seinem Lebensinhalt geworden.

Der König der Steuerräuber

Vordergründig geht es dabei um einen jener seltsamen Ein-Mann-US-Pensionsfonds, die für Cum-Ex-Geschäfte genutzt wurden. Er nennt sich „KK Law Firm Retirement Plan Trust“. 2011 beantragte er eine Steuerrückerstattung beim Bonner Bundeszentralamt für Steuern (BZST). Das Amt aber hatte bereits den Verdacht, es könnte sich um Betrug handeln, und lehnte die Auszahlung ab. Nun klagt KK Law vor dem Finanzgericht Köln darauf, 28 Millionen Euro erstattet zu bekommen. Nach Ansicht des BZST wurden sie nie abgeführt. Die Klage ist nicht bloß dreist. Sie ist der Versuch, das gesamte Wirtschaftsstrafverfahren von Brorhilker zu torpedieren.

Berger wollte mehrere Inhaber der Ein-Mann-Pensionsfonds zum Klagen bewegen. Die meisten wollten nicht. Einen von ihnen bezeichnet Berger in einem abgehörten Telefonat als „Arschloch“. Nun aber klagt KK Law. Berger hat den Pensionsfonds beraten. Doch der Prozess ist teuer. Top-Anwälte müssen bezahlt werden. Deshalb gibt es einen weiteren Fonds, millionenschwer, der die Abwehrschlacht finanziert. Dort haben nach Aussage von Insidern mehrere Steuerräuber eingezahlt. Sollte KK Law gewinnen, so sieht es Berger, würde Cum-Ex von einem Gericht für legal erklärt, die Steuerräuber wären fein raus. Ähnlich sieht es auch Steuerprofessor Spengel: „Wenn KK Law tatsächlich recht bekommen sollte, wäre das für die strafrechtliche Verfolgung von Cum-Ex-Geschäften ein herber Rückschlag.“ Das Urteil wird wohl Anfang nächsten Jahres gefällt.

Die alte Cum-Ex-Garde kämpft ihren letzten Kampf. Was aber ist aus ihren Schülern geworden? Sind sie noch immer im Geschäft?

Verdeckte Recherche

Um das herauszufinden, verwandeln sich zwei der Reporter in Felix und Otto. Felix, so lautet die Legende, ist der arrogante Sprössling einer deutschen Milliardärsfamilie, die aus Steuergründen in der Schweiz residiert. Er ist das, was man in der Szene eine „young gun“ nennt: Er will seiner Familie beweisen, dass er Geschäfte machen kann, Millionengeschäfte mit sagenhaften Renditen. An seiner Seite ist Otto, der ältere Halbbruder. Er ist stets skeptisch, achtet mit Argusaugen auf das Vermögen der Familie. Mit Cum-Ex und Cum-Cum haben Felix und Otto vor ein paar Jahren bereits gut verdient. Nun wollen sie wieder in das Geschäft einsteigen, einen dreistelligen Millionenbetrag investieren.

Felix und Otto erhalten einen Tipp aus Dubai. Über eine Briefkastenfirma nehmen sie Kontakt zu einem Händler auf, ein Treffen in London wird vereinbart. Dort mieten sie für 2500 Euro eine Suite im 37. Stock des Hochhauses The Shard. Durch die bodentiefen Fenster schaut man rechts auf die Tower Bridge, links auf die St. Paul’s Cathedral. Felix trägt eine Breitling-Uhr. Otto hat sich bei einem hanseatischen Herrenausstatter eingekleidet. Alles, damit die Legende glaubwürdig erscheint.

Das Treffen ist für 14 Uhr vereinbart. Um 13.51 Uhr läutet das Telefon. Der Händler ist zu früh. Felix und Otto lassen ihn warten. Erst in 15 Minuten werden sie ihn abholen lassen. Von ihrer Assistentin, die in Wahrheit die Ehefrau eines Kollegen ist.

Der Mann, der unten wartet, ist ein Schüler von Sanjay Shah, einem Mann, der mit seinen Cum-Ex-Geschäften noch einmal alles übertroffen hat, was bis dahin denkbar schien. Für manche ist er der König der Steuerräuber. Mehrere europäische Länder soll er mit Cum-Ex geschädigt haben. Allen voran Dänemark. Hier geht es um1,3 Milliarden Euro. Das ist selbst für Frey kaum zu fassen. Fast ehrfurchtsvoll spricht er von dem Briten. Trotzdem hätten er und Berger nie mit ihm zusammengearbeitet. Zu „dubios“. Selbst unter Steuerräubern habe es Tabus gegeben, keine moralischen, aber solche, die das Risiko begrenzen sollten. Shah kannte keine Grenzen. Er habe „autistische Züge“, sagt Frey.

2011 kommt Shah zum ersten Mal die Idee, aus seinem Hedgefonds Solo Capital eine Art Generalunternehmen für Cum-Ex-Geschäfte zu schmieden. So geht es aus einem 14-seitigen Lebenslauf hervor, den Shah handschriftlich für einen seiner Berater verfasst hat. Normalerweise braucht man mehrere Partner für Cum-Ex-Geschäfte, Banken, Händler, Broker. Shah aber will alles unter einem Dach bündeln, mit niemandem teilen, wird dafür Miteigentümer der Hamburger Bank Varengold. Am Ende, so Frey, konnte Shah sich die Steuerbescheinigungen quasi selbst ausstellen. In der Szene heißt es: „He only used a printer.“ Er habe nur einen Drucker gebraucht.

Shahs Angriff auf Dänemark beginnt 2012, exakt in jenem Jahr, in dem Cum-Ex in Deutschland unterbunden wurde. Dänemark bemerkt ihn erst 2015, als es von britischen Behörden darauf hingewiesen wird. Da lebt Shah längst in Dubai, auf der künstlich angelegten Inselgruppe Palm Jumeirah, wo er mehrere Häuser besitzt. Er feiert Partys auf seiner Luxusjacht, lässt Popstars wie Lenny Kravitz und Snoop Dogg für Charity-Veranstaltungen nach Dubai einfliegen. „Er galt unter den Cum-Ex-Aktienhändlern als verrückter Hund“, sagt Frey.

Hätte Deutschland rechtzeitig gewarnt, wären die Dänen wohl gar nicht ausgeplündert worden.

Mittlerweile kann Shah Dubai nicht mehr verlassen. Staatsanwaltschaften in Europa ermitteln, die dänische, die norwegische, die belgische, die britische und die deutsche. Als Frey ihn im Februar 2017 zum Auspacken zu bewegen versucht, versteht Shah aber gar nicht recht, was die Deutschen überhaupt von ihm wollen. „Ich habe doch nur 50 Millionen von denen“, sagt er. So erinnert sich Frey. Auf schriftliche Fragen der Reporter antwortet Shah nicht.

Nun, im Londoner Wolkenkratzer, betritt einer seiner Schüler die Suite. Er ist Anfang 30, hat einen dunklen Teint, trägt ein weißes Hemd mit Manschettenknöpfen. Dabei hat er eine gebundene Präsentation. Felix, der arrogante Milliardärssprössling, ignoriert ihn erst einmal, tut so, als würde er am Telefon einen Mitarbeiter zusammenstauchen. Dann wird der Shah-Schüler von Felix und Otto abgeklopft. Direkt nach der Universität, erzählt dieser, habe er bei der Maple Bank angefangen, die den Staat mit Cum-Ex-Geschäften um mehrere Hundert Millionen geprellt hat. Später sei er dann für Shahs Hedgefonds tätig gewesen, dort habe er die „Ecken und Kanten des Geschäfts“ kennengelernt, Beziehungen aufgebaut. Gerade noch rechtzeitig, bevor er ins Visier der Ermittler geraten konnte, habe er den Absprung geschafft. Nun sei er dabei, etwas Neues aufzubauen.

Felix gefällt das. Seine Familie habe ja bereits gute Erfahrungen mit Cum-Ex-Geschäften gemacht, suche nun nach Möglichkeiten, wieder in den Markt einzusteigen. „Was können Sie uns anbieten?“

Der Shah-Schüler blättert durch seine Präsentation. „Ich mag es nicht Cum-Ex oder Cum-Cum nennen“, sagt er. Was er beschreibt, klingt aber nach dem bekannten, rein steuergetriebenen Aktienhandel rund um den Dividendenstichtag. Auch Gerhard Schick, Bundestagsabgeordneter und Finanzexperte der Grünen, interpretiert die Präsentation später so. „Ich verstehe das als direkte Fortsetzung von Cum-Ex und Cum-Cum.“ Der Shah-Schüler selbst benutzt lieber einen anderen Namen. Er sagt: „Wir nennen es Corporate Action Trading.“ Die drei „Hauptmärkte“ seien Frankreich, Italien und Spanien. Norwegen, Finnland, Polen und die Tschechische Republik seien aber auch kein Problem und bereits getestet. Er erwähnt seine Kontakte zu großen Investmentbanken. Sie seien nach wie vor im Geschäft.

Und was ist mit Deutschland? „So wie es mit Deutschland gerade steht“, sagt der Shah-Schüler, „würde ich noch mindestens ein Jahr warten, bevor ich wieder reingehe. Es gibt Leute, die Deutschland handeln. Verstehen Sie mich nicht falsch, das ist ihr gutes Recht. Aber ich würde noch ein Jahr warten.“ Wurden Cum-Ex- und Cum-Cum-Geschäfte denn in Deutschland nicht unterbunden? Der Shah-Schüler grinst. „Es gibt Möglichkeiten, das zu umgehen.“

Dann wird noch ein wenig gefachsimpelt. Über „Counterparties“ und „Trading-Level“. Bis Otto sagt: „Komm schon, wir müssen nicht um den heißen Brei herumreden, das Geld kommt von der Steuer.“

„Ja, klar“, sagt der Händler.

Der Fernsehbeitrag „Der Jahrhundertcoup – Angriff auf die Steuerzahler“ im ARD-Magazin Panorama läuft am Donnerstag, den 18. Oktober, um 21.45 Uhr, ein Radiofeature um 20.30 Uhr bei NDR Info. Die Beiträge aller Recherchepartner werden auf der Projektseite www.cumex-files.com zusammengeführt.

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Jahrhundertcoup: Angriff auf Europas Steuerzahler | Panorama | NDR

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https://www.neopresse.com/finanzsystem/aufgedeckt-so-haben-die-cum-ex-tricks-deutschland-um-milliarden-gebracht/

AUFGEDECKT: So haben die „Cum-Ex“-Tricks Deutschland um Milliarden gebracht

NEOPresse in Finanzsystem

Der Fiskus in Deutschland verzichtet seit vielen Jahren auf viel Geld. „Cum-Ex“ nennt sich ein Steuertrick, mit dem sehr vermögende Menschen im In- und Ausland Steuerrückzahlungen organisiert haben für Steuern, die sie gar nicht gezahlt hatten. Deutschland weiß seit mindestens gut 12 Jahren Bescheid. Reagiert hat im Kern niemand. Die MERKEL-Regierung ist verantwortlich. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

Merkel-Deutschland lässt Steuerparadiese entstehen

Dabei geht es in erster Linie um die Erträge aus Aktien, die aus Gewinnausschüttungen bestehen. In diesem komplizierten Geflecht entstehen Rückerstattungsansprüche, wenn ein Steuerzahler zu viel Steuern auf die Erträge der Unternehmen selbst bezahlt hat. Dies ist weidlich ausgenutzt worden. Denn die Unternehmen haben teils höhere Erstattungsansprüche entstehen lassen als sie real hätten entstehen dürfen.

Damit eröffneten sich für Steuerzahler in Deutschland, darunter ein bekannter Vermögens-Vertriebs-Unternehmer, die Möglichkeiten, nicht gezahlte Steuern als Aufwand gegenüber dem Finanzamt zu deklarieren, weil die Informationen über den tatsächlichen Abfluss der Steuern nicht grenzüberschreitend weiter gereicht werden.

 

Deutschland wusste zumindest im Jahr 2005 darüber Bescheid. Die Regierung hat über viele Jahre nichts unternommen. Sie hat es sogar versäumt, ihre Erkenntnisse den anderen betroffenen Staaten wie zum Beispiel Frankreich oder Italien weiterzureichen. Dort sind gleichfalls Milliardenschäden entstanden. In Deutschland selbst wurde der Skandal mit vielen Jahren Verspätung aufgedeckt. Angeblich sollen die Schlupflöcher gestopft worden sein.

Tatsächlich möchte die EU nun sogar die Steuererstattung „erleichtern“ lassen. Dies kann die Risiken auf Steuermindereinnahmen in der EU eher vergrößern.

Die MERKEL-Regierung arbeitet seit 13 Jahren an diesem Fall – oder auch nicht. Sehr viel spricht dafür, dass dies kein Zufall ist. Diejenigen, die jetzt an der Lösung mitwirken sollen, gelten als Lobbyisten der Bankenbranche. Auch dies ist kein Zufall. Die GroKo leistet ganze Arbeit.

 

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https://www.neopresse.com/finanzsystem/aufgedeckt-wer-das-bargeld-abschaffen-will/

AUFGEDECKT: Wer das Bargeld abschaffen will….

NEOPresse in D/A/CH

Bargeld ist das Medium von Kriminellen und Steuerhinterziehern, lassen Politiker gerne so oder ähnlich durchblicken und versuchen, uns das elektronische Geld schmackhaft zu machen. Sie werden unterstützt oder angetrieben durch Allianzen, die einen regelrechten Krieg gegen das Bargeld inszenierten, so Dr. Norbert Häring, der ein bemerkenswertes Buch dazu geschrieben hat („Schönes neues Geld“. Die Organisationen, die hinter der angestrebten Abschaffung des Bargeldes stecken, sind mächtig.

Allianz – „besser als Bargeld“

Diese Allianz ist ein Bündnis, das in erster Linie eigene Interessen oder jedenfalls die vermuteten eigenen Interessen vertritt. Sie nennt sich im Original „Better than Cash Alliance“. Sie ist Teil eines Verbundes verschiedener Organisationen, die weltweit das Bargeld zurückdrängen wollen.

Zunächst die hier Beteiligten: Die „Bill and Melinda Gates Foundation“, die Citibank, Kreditkartenunternehmen wie Mastercard oder Visa und auch das US-Außenministerium. Ein illustres Netzwerk also.

Sinn und Zweck der Bargeldzurückdrängung dieser Organisationen ist schlicht die Kontrolle über das Geld allgemein und die Geldverwendung der Menschen, deren Verhalten also, speziell. Wer das Verhalten „kontrolliert“, wird es am Ende auch steuern können. So, wie es die Chinesen derzeit mit Wohlverhaltenspunkten bereits teils ausüben.

 

Die „Kontrolle“ funktioniert jedoch nur, wenn das – scheinbare – Geld in elektronischer Form auf Konten gehalten wird. Banken schöpfen aus dem E-Geld wie aus dem Nichts neues Geld. Jeder Euro (bei uns) Guthaben kann in etwa zu 90 Cent ein neuer Kredit werden. Aus diesen 90 Cent wiederum können weitere 80 Cent Kredit geschöpft werden und so fort.

Kreditkartenunternehmen wiederum verdienen an der Geldzirkulation. Allerdings naturgemäß nur dann, wenn das Geld auch in E-Form, also unbar, gehandelt wird. Staaten wiederum könnten bei Währungskrisen jede Form der elektronischen Geldhaltung nutzen, um ganze Währungsreformen zu veranlassen. Staaten können über die Kontrolle der Verwendung auch den Zutritt zu bestimmten Leistungen verweigern. Und Staaten können direkt die Besteuerung des Geldvermögens – fast beliebig – veranlassen.

Testfelder für die Arbeit der „Better than Cash Alliance“ sind beispielsweise Schweden oder Indien, das fast über Nacht Bargeld faktisch vom Markt nahm. Gerade Drittwelt-Länder werden zwar mit neuen Zahlungssystemen „beglückt“, um sie angeblich an die moderne Welt anzuschließen. Faktisch jedoch sind diese Versuche mit Bedingungen verknüpft. Sie dürfen nicht – sie müssen.

Die schöne neue Welt – von der wir hier kaum etwas erfahren. Bis die Bargeldfunktionen von „Better than Cash Alliance“ auch hier noch weiter zurückgedrängt werden.

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<<„VERSCHWÖRUNGs-THEORIE“ >><<„VERSCHWÖRUNGs-THEORIE“ >>  WISSENSCHAFTLICHE UNTERSUCHUNG – – – DEFINITION: ein erfundener BEGRIFF der als „ANTI-WAHRHEITS-MUND-TOT-WERKZEUG“ FUNGIERT

aus dem TEXT: ….Christian Lindner begründet die Notwendigkeit eines Bamf-Untersuchungsausschusses mit dem Hinweis ….. (<<<WÄRE am „BAMF-SKANDAL“ auch am „NSU“ nicht ETWAS „OBER-FAUL“ WÄRE es MÖGLICH das GANZE EINFACH und ÖFFENTLICH aufzu-KLÄREN>>>)“WER DECKT WEN???!!!?!“

……Diesen Schauder muss auch der Publizist „Jakob Augstein“ spüren, wenn er bei allem Nachdenken über die globale Wirrnis zum Ergebnis kommt, die Welt leide an einer „ISRAELISIERUNG“…..(siehe auch  „NETANYAHU und Jitzchak Rabin“  

https://www.zeit.de/kultur/2018-06/verschwoerungstheorien-politik-israel-afd/komplettansicht

Verschwörungstheorien: Das geheime Dahinter

Ach, wie erleichternd, wenn aus dem Nichts plötzlich eine dunkle Erklärung auftaucht! Die Verschwörungstheorie ist zum mentalen Ausweg aus der Krise geworden.
Verschwörungstheorien: Der Verschwörungstheoretiker glaubt oft an eine düstere, einfache Wahrheit.
Der Verschwörungstheoretiker glaubt oft an eine düstere, einfache Wahrheit. © Wil Stewart/Unsplash

Als die Menschen noch Windows benutzten, in grauer Vorzeit also, landeten sie regelmäßig im „abgesicherten Modus“. Im abgesicherten Modus standen weniger Funktionen zur Verfügung, alles war folglich einfacher und klarer. Meist wechselte das Betriebssystem in den abgesicherten Modus, wenn sonst nichts mehr ging.

Es scheint, als sei der abgesicherte Modus zurückgekehrt in die analoge Welt, in den politischen Diskurs einer verhedderten Welt. Köpfe fahren nicht mehr ordnungsgemäß hoch. Sie landen in einem Modus, der weniger grafisch ist und weniger komplex, im Modus der Verschwörungstheorie. Dieser Modus ist deshalb so attraktiv und verbreitet, weil er mehrere Vorgänge, die üblicherweise einzeln zu berechnen wären, zu einem zusammenfasst.

Die Verschwörungstheorie ist nicht mehr der Modus der Verrückten, die in der Fußgängerzone stehen und predigen, sie lässt sich nicht mehr an den Rand exotisieren. Sie ist mentaler Ausweg der Mitte, existiert im Kopf einflussreicher Publizisten, im Bundestag. Nicht nur bei der AfD. Christian Lindner begründet die Notwendigkeit eines Bamf-Untersuchungsausschusses mit dem Hinweis, man müsse Verschwörungstheoretikern die Grundlage entziehen. Womit er sich zwar vordergründig gegen Verschwörungstheorien stellt, sie aber gleichzeitig adelt. Offenbar hält Lindner die Theorie, hinter dem amtlichen Durchwinken von Flüchtlingen stehe ein politischer Großplan, für widerlegenswert.

Je komplexer der Weltabdruck in unserer Wahrnehmung, desto höher ist die Gefahr, dass der Kopf auf den abgesicherten Modus umschaltet. Wenn in Syrien ein Bürgerkrieg ausbricht, der von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr komplizierter wird, unter Beteiligung des Iran, Russlands, der USA, Terroristen, Islamisten, Salafisten, Kurden, wenn sich Hunderttausende auf die Flucht machen, manche religiös, manche nicht, der eine nett, der andere nicht, jeder mit eigener Biografie – wenn diese Menschen abgerissen über Felder marschieren und plötzlich vor uns stehen, als herausfordernde Tatsache, als Mosaik der Millionen Geschichten, dann ist es verlockend, dahinter einen Generalplan zu vermuten. Zum Beispiel das Vorhaben Angela Merkels, die deutsche Bevölkerung komplett auszutauschen. Soll doch erst mal jemand beweisen, dass es nicht so ist!

Im Abwärtsstrudel

Wie erleichternd, wenn aus dem Nichts plötzlich die sinistre Wahrheit auftaucht. Fans von Star Wars kennen das: diesen warmen Schauder, der einen überkommt, wenn sich Darth Vader endlich zu seiner Vaterschaft bekennt.

Diesen Schauder muss auch der Publizist Jakob Augstein spüren, wenn er bei allem Nachdenken über die globale Wirrnis zum Ergebnis kommt, die Welt leide an einer „Israelisierung“. Der israelische Ministerpräsident Netanjahu gehöre „auf traurige Weise“ zu den erfolgreichsten Politikern der Welt. Der Westen habe sich, so schrieb Augstein neulich auf Spiegel Online, auf einen „israelischen Weg“ begeben. Frankreich trage, nach israelischem Vorbild, inzwischen die Züge eines Polizeistaats. Statt den sichtbaren Grund zu nennen für mehr Sicherheitsvorkehrungen zwischen Paris und Nizza, nämlich islamistische Anschläge mit Hunderten Toten, insinuiert Augstein ein Dahinter, etwas metaphysisch Existierendes, eine geheimnisvolle Kraft. Von da ist es nicht mehr weit zum Klassiker der Verschwörungstheorie, zum jahrhundertealten Glauben an das „Weltjudentum“, dem man seit dem Mittelalter unterstellt, weltweit die Fäden in der Hand zu halten.

Dieser Glaube beseelte auch jene kahlköpfigen Männer, die letztes Jahr mit Fackeln durch Charlottesville in Virginia zogen. „Jews will not replace us“, brüllten sie. Was doch merkwürdig ist. Man dachte ja, Trump-Amerika fühle sich existenziell von Maschinen bedroht, vielleicht noch von deutschen Autos und Chinesen. Aber weshalb denn von Juden? Der metaphysische Verschwörungsglauben ist offenbar tröstend fürs eigene Versagen. Eine Erklärung, die auch dem türkischen Präsidenten gefällt. Im Abwärtsstrudel der Inflation brüllt Erdoğan seinem Volk entgegen, die „Zinslobby“ sei schuld an der Misere. Er glaubt da möglicherweise wirklich dran.

Der Flüchtling als Trojanisches Pferd

Das wäre alles zu verdrängen und wegzuschieben und irgendwie zu ignorieren, hätte die Verschwörungstheorie mit der AfD nicht eine Repräsentanz im Bundestag, der Glaube an Islamisierung, Bevölkerungsaustausch, EU-Diktatur, Neue Weltordnung, und schickte sich nicht gerade eine „linke Sammlungsbewegung“ an, ganz ähnliche Denkmuster zu vertreten. Peter Boehringer, AfD, mächtiger Vorsitzender des Haushaltsausschusses, glaubt an eine globale Elite, die im Hintergrund an der „Neuen Weltordnung“ arbeitet. Was keine Verschwörungstheorie ist, die er sich ausgedacht hat. Sie zirkuliert seit dreißig Jahren in den USA, auch unter globalisierungskritischen Linken.

Wie würde es wohl enden, wenn er sich auf ein Bier mit Oskar Lafontaine treffen würde? Was wäre der Konsens des Abends? Könnte man sich möglicherweise darauf einigen, dass es eine „unsichtbare Regierung gibt, die in Wirklichkeit die Geschicke dieser Welt bestimmt“? Exakt das hat Lafontaine im vergangenen Jahr auf einer Friedenskundgebung behauptet. Darauf müsste man sich also einigen können.

Seine Frau, Sahra Wagenknecht, legte vor knapp zwei Wochen in der ZEIT dar, warum Deutschland eine „linke Sammlungsbewegung“ brauche. Ihr Aufruf ist getragen von der Überzeugung, die Flüchtlingswelle sei ein neoliberaler, durch Moral abgesicherter Angriff auf den kleinen Mann. Der Flüchtling als Trojanisches Pferd der Globalisierung – kein Wunder, dass die Sammlungsbewegung um Attac wirbt. Das Problem ist dabei nicht, dass Wagenknecht konkurrierende Interessen am unteren Ende der Gesellschaft anspricht. Nein, das ist okay. Das Problem ist, dass Wagenknecht insinuiert, es gebe einen Profiteur der Flüchtlingskrise, den viel gescholtenen „Neoliberalismus„. Oder sogar einen Plan hinter der Krise.

Finstere Pläne

Während Wagenknecht mit ihrem roten Dolch noch im Trüben stochert, zielt man in Ungarn längst präziser. Der Regierungschef Viktor Orbán hat den Schuldigen für das große Chaos gefunden: George Soros, US-amerikanischer Milliardär mit ungarischen Wurzeln. Soros würde „vor der Öffentlichkeit verborgen“ mit enormen Geldern die illegale Einwanderung fördern. Orbán ließ in Ungarn Fotomontagen plakatieren, die Soros und ungarische Oppositionspolitiker zeigten, wie sie gemeinsam Grenzzäune zerschneiden. Es ist also nicht die verworrene Realität von Krieg und Flucht, die da einbricht. Nein, es ist ein jüdischer Milliardär mit finsteren Plänen.

Die Qual der Einzelvorgänge, der losen Enden, der sich überlagernden Bilder, die Last der Komplexität, des achtfachen Bodens, Aleppo, Fassbomben, Staub, Balkan, Zelte, Bahnhof Budapest, geht auf in einem heilsamen Glauben an eine höhere Kraft. Die Metaphysik der Verschwörungstheorie ist umgekehrte Religiosität. Aus dem Glauben an eine Kraft, die beschützt, wird der Glaube an eine Kraft, die bedroht. Auch das hat etwas Tröstendes. Auch das bekämpft, was Heidegger als das „Hineingehaltensein ins Nichts“ bezeichnete, jenes Gefühl der tiefen existenziellen Weltleere, in der die Dinge ohne jeden Sinn kreuz und quer schießen. Je greller, lauter, je quälender sich diese Weltleere offenbart, desto größer wird offenbar der parareligiöse Wunsch, eine höhere Macht sei für diesen Schlamassel verantwortlich.

Würde dieser Glaube Gottesdienst feiern, er würde ein berühmtes Kirchenlied umkehren und es mit düsterer Beschwingtheit ins Nichts schmettern – Boehringer, Augstein, Lafontaine, den Kriegen entgegen, den Flüchtlingen, dem elenden Durcheinander: „Von schlechten Mächten unsichtbar umgeben, erwarten wir getrost, was kommen mag. Böses ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

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Das Mikrobiom – – – Das „Darm-Milieu“ – – Wie falsche Ernährung den Darm zerstören kann – – – „Bt-Toxine“ schädigen „Magen-Schleim-Haut“ //// WIESO REAGIERT „KLÖCKNER“ „CDU“ NICHT???!!!?! – – – Wie MONSANTO das „MIKRO-BIOM“ ANGREIFT und MANIPULIERT und UNS SOMIT KRANK MACHT – – – PETITION – – – PETITION – – – PETITION – – – Glyphosat und die Immunschwäche der Bienen ///// „GENE-DRIVE-Moskitos“ /// KREIDE-ZÄHNE – – – Glyphosat //// DEMO – CETA /// EPI-GENETIK – – – „Vitamin-D“ //// „San Francisco“ – „US-Militär“ testete „BIOLOGISCHE WAFFEN“ an der EIGENEN Bevölkerung – – – „Serratia marcescens“ und „Bacillus globigii“ //// Der Moor-Brand vom Emsland – Bundeswehr mit RADIO-AKTIVEM Skandal? /// „ROBO-SCHROTT“

 

 

siehe auch „WIND-KRAFT und NATUR-ZERSTÖRUNG“

siehe auch „Wenn KINDER verGIFTet werden“

siehe auch „Aus Teufels Topf“ – „Lebens-Mittel-Industrie“ 

siehe auch „Gefährliche Mahl-Zeiten“

http://www.spiegel.de/plus/wie-falsche-ernaehrung-den-darm-zerstoeren-kann-a-4010f2f1-caf5-495c-8674-e873c52e654a

Dieser Beitrag wurde von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) mit dem Journalistenpreis 2018 ausgezeichnet.

Schleim erleichtert das Leben, im Grunde macht er es erst möglich. Er bürgt dafür, dass der Mensch essen, riechen, schmecken, atmen und Sex haben kann. Die Augen bleiben feucht und die Gelenke beweglich, weil die gallertartige Masse zu Diensten ist; und ohne den Glitsch wäre jeder Stuhlgang ein stundenlanger Kraftakt.

Doch seit einiger Zeit sei es bei vielen Menschen um die Schleimhaut im Darm nicht mehr allzu gut bestellt, sagt Mahesh Desai, 36, Mikrobiologe am Luxembourg Institute of Health in Esch-sur-Alzette. Gemeinsam mit Kollegen erforscht Desai jenen Teil des Verdauungsorgans – und stellt nun die bange Frage: Ruiniert die in den Industriestaaten üblich gewordene Ernährungsweise den Darmschleim?

Viel stünde auf dem Spiel: Industriell verarbeitete, ballaststoffarme Nahrung könnte Löcher in den Darmschleim schlagen und auf diese Weise „Einfallstore für krank machende Mikroorganismen“ schaffen, sagt Desai. Die Folgen wären chronische Entzündungen des Darms wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa und ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs.

Der Ursprung aller Krankheiten, befand der griechische Arzt Hippokrates vor mehr als 2000 Jahren, liege im Darm – jetzt schauen sich Mediziner dessen schleimige Auskleidung genauer an: den intestinalen Mucus, so nennen Wissenschaftler das gelartige Material.

Werden Ärzte schon bald daran ablesen können, ob sich ein Mensch richtig ernährt, sein Immunsystem gut arbeitet, ob er gesund bleiben wird?

In dem Sekret, das von einzelligen Drüsen, den Becherzellen, abgesondert wird, finden sich bestimmte Schleimstoffe, die Muzine. Das sind fadenförmige Moleküle; sie fügen sich zu einem Netz, in dessen Maschen Wasser eingelagert wird.

Würde man sämtliche Schleimhäute des Körpers auseinanderdröseln und ausbreiten, überzögen sie Hunderte Quadratmeter. Das Sekret bildet einen zähen Film, der den Körper vor Schadstoffen und Krankheitserregern schützt. So bewahrt die Schleimhaut des Magens das Organ vor der eigenen Säure.

Je nach Erfordernis hat der Schleim in den unterschiedlichen Körperregionen eine ganz bestimmte Konsistenz. Kleine Abweichungen führen zu großen Problemen. Wenn es in der Tränenflüssigkeit an Muzinen fehlt, nerven die trockenen Augen. Ein weiteres Beispiel ist die Stoffwechselstörung Mukoviszidose: Weil das Gen für einen Chlorid-Ionen-Kanal verändert ist, sind die Sekrete zu klebrig. Der Mucus verkleistert die Lungen. Er muss durch Abklopfen gelöst und abgehustet werden, damit der betroffene Mensch besser atmen kann.

Eine besondere Rolle spielt der Schleim im Darm. Dort hilft er nämlich nicht nur als fabelhaftes Abführmittel, sondern er bildet die Grenze zwischen dem menschlichen Körper und Billionen von Bakterien, die im leben. Diese Grenze ist einige Hundert Mikrometer dünn und besteht aus zwei Schichten. Die innere liegt direkt auf den Darmzellen und ist so zäh, dass kein Bakterium in sie eindringen kann. Die äußere Schicht dagegen ist weicher und stellt eine Art Mixed Zone für Bakterien dar.

In diesem gemischten Bereich geschieht etwas Wunderliches. Immunzellen des Körpers lernen hier, Gut und Böse zu unterscheiden. Als nützlich erkannte Bakterien werden im Schleim geduldet. Schädliche werden auf Abstand gehalten, etwa durch Antikörper und giftige Peptide. „Der Mucus dient zum einen als Abwehrmittel gegen Mikroben und zum anderen als Nährboden für freundliche Bakterien“, konstatiert das Fachblatt „Nature“.

Aber welcher Faktor entscheidet darüber, ob ein bestimmtes Bakterium willkommen ist? Eine Antwort könnte lauten: Es ist die Fähigkeit, für den Menschen unverdauliche Nahrungsbestandteile zu verwerten. Diese Hilfe benötigt der Mensch insbesondere mit den Ballaststoffen. Sie bestehen in Lebensmitteln zum größten Teil aus Polysacchariden, großen Molekülen, die Zellwände oder andere Strukturen in Pflanzen und Pilzen bilden.

Bestimmte Bakterienstämme können diese großen Moleküle nun in immer kleinere Einheiten spalten, die sie wiederum in kurzkettige Fettsäuren umwandeln. Diese werden direkt von den Dickdarmzellen des Menschen aufgenommen und als Botenstoff oder Energiequelle genutzt. Auch die Bakterien profitieren: Sie leben von der Energie, die beim Spalten der Polysaccharide frei wird.

Nur: Wie erkennt der menschliche Körper Bakterien, die über die gewünschte Spaltkraft verfügen? Womöglich, vermuten Wissenschaftler, wird die Auslese im Mucus getroffen – der enthält nämlich ebenfalls Polysaccharide. Bakterien also, die im Mucus überleben, bestehen damit den Aufnahmetest: Ganz offenbar sind sie dazu in der Lage, Ballaststoffe zu verwerten.

Die Symbiose zwischen Darmbakterien und Darm ist im Lauf der Evolution erstaunlich weit vorangeschritten, wie Forscher aus Göteborg herausgefunden haben. Sie untersuchten Mäuse, die unter sterilen Bedingungen auf die Welt gekommen und aufgewachsen waren und aus diesem Grund keine Darmbakterien hatten. Die sonst so zäh verschlossene erste Mucusschicht war bei diesen Tieren durchlässig für Perlen von der Größe eines Bakteriums. Dann wurden diese Mäuse mit Mikroorganismen kolonisiert. Nach sechs Wochen hielt der Schleim dicht. Das könnte bedeuten: Damit der Mucus normal heranreifen kann, müssen bestimmte Mikroben anwesend sein.

Um dem Körper perfekt dienen zu können, sollten die winzigen Helferlein das richtige Futter vorgesetzt bekommen. Menschen, die noch als Jäger und Sammler leben, nehmen bis zu zehnmal so viele Ballaststoffe zu sich wie Mitglieder der heutigen Industriegesellschaft; ihre Darmflora ist ungewöhnlich artenreich. Viele Bewohner der Industriestaaten dagegen ernähren sich zu einem großen Teil von industriell verarbeiteten Nahrungsmittelprodukten und haben eine verarmte Flora.

Hängt das eine mit dem anderen zusammen? Das Forscherpaar Erica und Justin Sonnenburg von der Stanford University School of Medicine wollte das herausfinden. Gemeinsam mit Kollegen kolonisierten sie junge Mäuse mit den Darmbakterien eines gesunden Menschen und gaben ihnen sechs Wochen lang Futter voll pflanzlicher Ballaststoffe. Sodann teilten sie die Tiere nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen. Die Tiere in der einen Hälfte bekamen nun sieben Wochen lang eine ballaststoffarme Kost und anschließend sechs Wochen lang wieder das ballaststoffreiche Futter. Die Mäuse in der anderen Hälfte fraßen ohne Unterbrechung das ballaststoffreiche Futter.

Im Zuge des Experiments untersuchten die Forscher die Zusammensetzung der winzigen Lebewesen im Darm, der Mikrobiota. Das Ergebnis war eindeutig: Nachdem die Mäuse auf ballaststoffarme Diät gesetzt worden waren, sank die Zahl der Bakterien dramatisch; am Ende fehlten 60 Prozent der Arten. Als die Tiere wieder das ballaststoffreiche Futter bekamen, erholte sich die Darmflora nicht mehr vollständig. Bei den Mäusen der Kontrollgruppe dagegen blieb alles normal.

Die ballaststoffarme Kost hatte also etliche der nützlichen Bakterien dauerhaft vertrieben. Als die Forscher die davon betroffenen Mäuse züchteten und das Futterexperiment über vier Generationen wiederholten, gingen immer mehr Bakterien verloren. Es traf jene Arten, die Polysaccharide verwerten.

Beim Menschen könnte es genauso sein, befürchten die Sonnenburgs. Die ballaststoffarme Ernährung ramponiere offensichtlich die Darmflora der Menschen in den Industriestaaten. Mehr noch: Die Daten zeigten, dass ein „weiterer Verfall der westlichen Mikrobiota möglich“ sei.

Dies wiederum schädige den Mucus, vermutete der Luxemburger Forscher Desai. Um das zu testen, verabreichten er und seine Kollegen Mäusen Futter ganz ohne Ballaststoffe. Wie erwartet, wurden dadurch viele nützliche Mikroben vergrämt.

Zwei Bakterienstämme machten sich gar daran, die Polysaccharide aus dem Darmschleim zu fressen. Diese eigentlich freundlichen Mikroben seien „wütend“ geworden, sagt Desai. Sie hätten regelrechte Löcher in die innere Mucusschicht gefräst, sodass die Darmzellen ihren Schutz verloren. Nun brachte man in einem weiteren Experiment die so geschwächten Mäuse mit einem Krankheitserreger in Kontakt – sie konnten ihm nichts entgegensetzen. Mäuse, die ein Futter mit 15 Prozent Ballaststoffen bekommen hatten, waren gegen die Übertragung gefeit.

„Wenn der Schleim im Darm dauernd und übermäßig von Bakterien verzehrt wird, weil Ballaststoffe fehlen, dann wird unsere Fähigkeit, Krankheitserreger zu bekämpfen, geschwächt“, warnt Desai – daher das höhere Risiko für Darmerkrankungen oder sogar Darmkrebs.

Allerdings sei es für die SchleimSanierung noch nicht zu spät und das Rezept ganz einfach: jeden Tag mehr als 35 Gramm Ballaststoffe zu sich nehmen, aus möglichst vielen Quellen wie Vollkorngetreide, Obst und Gemüse. Dann geht wieder alles wie geschmiert.

 

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https://www.keine-gentechnik.de/nachricht/33393/#gsc.tab=0

Tierversuche: Bt-Toxine schädigen Magenschleimhaut

24.09.2018

Mais
Mais (Foto: Ozzy Delaney, corn / flickr, bit.ly/28LWvcy, creativecommons.org/licenses/by/2.0)

Bt-Toxine, die von gentechnisch veränderten Pflanzen produziert werden, verändern bei Ratten und Mäusen die Schleimhaut im Verdauungstrakt. Sie können möglicherweise auch zu Krebs führen, ergaben zwei Studien aus Australien und Mexiko. Nur für ein Fünftel von 47 relevanten Gentech-Pflanzen mit Glyphosatresistenz und Bt-Toxinen liegen demnach Fütterungsstudien vor.

Australische Wissenschaftler hatten Ratten sechs Monate lang mit einem Stacked-Trait-Mais gefüttert, also einer Sorte, die das Erbgut von drei gentechnisch veränderten Maislinien enthält: MON810, MON863 und NK603. Dadurch ist der Mais resistent gegen Glyphosat und produziert gleichzeitig die Bt-Toxine Cry1Ab und Cry3Bb1 zur Abwehr von Schädlingen. Die Forscher verglichen die Mägen der Tiere mit denen einer Kontrollgruppe, die gentechnikfreien Mais erhalten hatte. Der Gentech-Mais hatte bei den Tieren die Magenschleimhaut verändert. Sie war durchlässiger geworden und wies krankhafte Veränderungen auf. Diese könnten unter Umständen auch zu Krebs führen, schrieben die Wissenschaftler. Insgesamt glichen die beobachteten Veränderungen denen einer Magenentzündung, die durch Chemikalien wie Aspirin hervorgerufen werde. Weitere Studien seien notwendig, um das gesundheitliche Risiko zu untersuchen, das sich daraus ergebe. „Unsere Ergebnisse stützen andere Forschungsarbeiten, wonach die Bt-Proteine, die von gentechnisch verändertem Mais produziert werden, nicht so sicher sind wie ursprünglich angenommen“, lautete das Fazit der australischen Wissenschaftler.

Sie verwiesen auf eine Studie an Schweinen von 2013, bei denen die verfütterten gentechnisch veränderten Sojabohnen und Maiskörner ebenfalls zu Magenentzündungen geführt hatten. Kritisch merkten die Forscher an, dass nur für ein Fünftel von 47 relevanten Gentech-Pflanzen mit Glyphosatresistenz und Bt-Toxinen überhaupt Fütterungstudien mit Ratten vorlägen. Die meisten davon seien von geringer Qualität.

Eine aktuelle Studie mexikanischer Wissenschaftler befasste sich speziell mit dem von Gentech-Pflanzen hergestellten Bt-Toxin Cry1Ac. Sie untersuchten die Auswirkungen des Insektengiftes auf den Verdauungstrakt von Mäusen und stellten dabei fest, dass Cry1Ac allergen wirken kann – von der Nahrungsmittelallergie bis hin zum anaphylaktischen Schock. Außerdem veränderte das Toxin die Darmschleimhaut der Tiere. Diese sogenannte lymphatische Hyperplasie des Darms wird mit entzündlichen Darmerkrankungen und Darmkrebs in Verbindung gebracht. [lf]

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aus dem TEXT:…. „Shikimate“-Stoffwechselweg….(<<siehe unten „Monika Krüger“ – „Mikro-Biologin“

…Denn sobald diese Keime, die sich im Darm der Jungbienen ansiedeln, stark beeinträchtigt und damit reduziert werden, vermehren sich plötzlich andere Bakterien im Darm ungewöhnlich stark: >>>>>>Serratia marcescens<<<<<<<< etwa, ein praktisch überall vorkommendes Enterobakterium, das meist harmlos ist, bei immungeschwächten Menschen aber zu Entzündungen der inneren Organe, des Gehirns oder der Lunge etwa, bis hin zur Sepsis führen kann.………(<<<siehe unten „US“-Militär sprüht „biologische Waffen“ auf die eigene Bevölkerung“>>>>>>)

http://www.faz.net/aktuell/wissen/glyphosat-und-die-immunschwaeche-der-bienen-15805798.html

Pestizid verändert Mikroflora

Glyphosat und die Immunschwäche der Bienen

Honigbienen werden nicht nur als Bestäuber gebraucht. Bild: © Picstudio _ Dreamstime.com

Ein weiterer Rückschlag für die Glyphosat-Verteidiger: In einer Studie hat man überzeugende Hinweise gefunden, wie das Unkrautvernichtungsmittel auch Honigbienen schädigt – und was Darmprobleme damit zu tun haben.

Dass ein nützliches Gift gerne gekauft, häufig versprüht und für unbedenklich – jedenfalls für den Menschen – erklärt wird, reicht nicht aus für einen toxikologischen Persilschein. Als Chemieproduzent der ersten Stunde könnte man das wissen. Der deutsche Chemiekonzern Bayer hat aber offenbar genau das angenommen. Schon lange vor der Übernahme des Glyphosat-Herstellers Monsanto gab es etliche wissenschaftliche Hinweise, dass das sehr wirksame Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat so spezifisch auf unerwünschteUnkräuter“ im Feld, wie man das gerne hätte, gar nicht wirkt. Ökologische Kollateralschäden wurden registriert, wohl aber als bedeutungslos abgehakt.

Joachim Müller-Jung

Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

Das rächt sich jetzt. So wie es sich immer rächt, wenn man die Hartnäckigkeit von Forschern unterschätzt, die auf begründete Fragen keine plausiblen Antworten bekommen. Im Fall des Totalherbizids Glyphosat hat diese Suche nach Antworten jetzt auf eine Spur geführt, die abermals zu Lasten des Pestizidherstellers gehen dürfte. Glyphosat, heißt es in einer Veröffentlichung der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften, schädigt die Mikroflora im Verdauungstrakt von Honigbienen. Die Folge: Schon junge, frisch geschlüpfte Bienen torkeln buchstäblich geschwächt durch die Luft. Ihr Immunsystem, das wie bei allen Tieren – einschließlich des Menschenvon einer intakten Darmflora abhängt, erleidet regelrecht Schiffbruch.

Opportunistische Keime übernehmen

Eine ausgewachsene Immunschwäche also. Ähnlich wie bei Aids, aber auch ähnlich wie bei Chemotherapie-Patienten, deren Immunsystem durch Zellgifte beziehungsweise durch Viren gestört ist, gedeihen anstelle der nützlichen Darmbakterien-Stämme plötzlich ganz andere –  sogenannte opportunistische und damit oft schädliche – Mikroben im Darm. Ein lebenswichtiges System kippt. So zumindest beschreiben Erick Motta und Nancy Moran von der University of Texas in Austin die Befunde, die sie nach Experimenten mit Glyphosat in ihren Bienenstöcken gesammelt haben.

Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein.
Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein. : Bild: Reuters

Damit also geht es plötzlich nicht mehr nur um das umstrittene Krebsrisiko für Menschen, vielmehr rückt auch das vielbeklagte Massensterben der Honigbienen in der Causa Glyphosat nach oben.

Aufmerksam hätte man in der Chemieindustrie schon spätestens 2015 werden müssen. Damals waren Bienen-Experimente publiziert worden, die bestätigten, was manchen Imkern bereits am Rande intensiv bewirtschafteter Felder aufgefallen war: Viele der wertvollen Bestäuber, auch die jungen Arbeiterinnen, die normalerweise von Geburt an über einen prächtigen Orientierungssinn, ein ausgeklügeltes inneres Navigationssystem und darüber hinaus über eine beeindruckende Kommunikationskultur verfügen, fliegen in der Nähe der Felder mehr oder weniger orientierungslos in der Landschaft herum und vergeuden damit wertvolle, unter Umständen lebenswichtige Energie.

Monsantos Unkrautvernichter Roundup

Krebs durch Glyphosat : Monsanto muss Millionen zahlen

Video: afp, Bild: AFP

In den ersten Experimenten zeigte sich bald, dass die fleißigen Bienen tatsächlich durch die Einwirkung von erhöhten, aber nichttödlichen Glyphosat-Konzentrationen ihre Orientierung teilweise einbüßen. Im selben Jahr, 2015, war auch bekannt geworden, dass das Reproduktionsvermögen von Regenwürmern unter der Einwirkung von erhöhten Glyphosatmengen leidet. Letztlich entscheidend aber als Hinweis für die neuen Befunde an der Texas-Universität  waren Befunde, die sogar bis ins Jahr 1984 zurückreichen: Glyphosat, so hatte man bald zeigen können, wirkt keineswegs nur auf Wildkräuter, wo der Wirkstoff, den für Pflanzen typischen (aber Tieren fehlenden) „Shikimate“-Stoffwechselweg stört.

Nein, auch einige Mikroalgen und Bakterien im Boden und im Wasser werden von Glyphosat in ihrer Vermehrung beeinträchtigt. Nicht alle haben dieselbe Schwachstelle wie das Unkraut, wie sich ergab. Doch spätestens seit 2016 war klar: Viele Mikrobenstämme verfügen durchaus auch über jenes EPSPS-Enzym als zentrale Einheit des Shikimate-Stoffwechsels, das von den Glyphosat-Entwicklern als der entscheidende Angriffspunkt ausgemacht worden war. Heute weiß man auch: Die Schwachstelle findet sich in vielen der ungemein nützlichen Darmbakterien von Bienen.

Acht Bakterienstämme im gesunden Bienendarm

Im Verdauungstrakt ausgewachsener Honigbienen lebt normalerweise eine Mikroben-Gesellschaft, die sich aus acht Bakterienstämmen zusammensetzt. Geboren werden Bienen freilich ohne jede Darmbakterien. Erst durch das soziale Miteinander und das Füttern im Bienenstock, nehmen die jungen Honigbienen die lebenswichtigen Darmmikroben auf. Einer dieser Keime, Snodgrassela alvi, reagieren dabei offenbar besonders sensibel auf den GlyphosatWirkstoff, und ausgerechnet der nun scheint geradezu systemrelevant für die Mikrobenflora zu sein.

Denn sobald diese Keime, die sich im Darm der Jungbienen ansiedeln, stark beeinträchtigt und damit reduziert werden, vermehren sich plötzlich andere Bakterien im Darm ungewöhnlich stark: Serratia marcescens etwa, ein praktisch überall vorkommendes Enterobakterium, das meist harmlos ist, bei immungeschwächten Menschen aber zu Entzündungen der inneren Organe, des Gehirns oder der Lunge etwa, bis hin zur Sepsis führen kann.

Nach Überzeugung der texanischen Wissenschaftler dürfte, auch wenn dafür die letzten Beweise unter Freilandbedingungen fehlen, die chemiebedingte Verschiebung des Mikrobenspektrums am Ende dazu führen, dass die jungen Bienen rasch an Gewicht verlieren und dass sie anfälliger werden für Parasitenbefall und Folgeinfektionen.

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PETITION – – -PETITION – – -PETITION – – -PETITION – – -PETITION – – –

https://www.change.org/p/bundeslandwirtschaftsministerin-kl%C3%B6ckner-bienensterben-glyphosat-schadet-bienen-jetzt-muss-das-herbizid-erst-recht-vom-acker?recruiter=522200648&utm_source=share_petition&utm_medium=email&utm_campaign=undefined

Bienensterben: Glyphosat schadet Bienen – jetzt muss das Herbizid erst recht vom Acker!

Das Bienensterben ist eines der drängendsten Umweltprobleme unserer Zeit. Glyphosat war dabei schon länger im Verdacht, aber es fehlten die Beweise.

Aber jetzt ist klar: Glyphosat schädigt und tötet Bienen.

Jahrzehntelang wollte uns Monsanto weismachen, dass Glyphosat für Menschen und Tiere ungefährlich sei. Eine jetzt veröffentliche Studie im renommierten Fachjournal PNAS zeigt jetzt aber deutlich: Glyphosat wirkt direkt auf die Bakterien im Darm der Bienen und verändert deren genau balancierte Zusammensetzung. Diese bakterielle “Mikroflora” ist entscheidend für die Gesundheit der Bienen, sie hilft u.a. Infektionen abzuwehren und Nahrung zu verdauen. Bienen, die mit realistischen Mengen von Glyphosat gefüttert werden, denen sie auch auf den Feldern ausgesetzt sind, sterben viermal häufiger an einer Infektion als unbehandelte Bienen. Ähnliche Effekte sind auch für Säugetiere und den Menschen zu befürchten.

In der letzten Risikobewertung für Glyphosat wurden solche Effekte nicht berücksichtigt und Glyphosat als ungefährlich für Bienen eingestuft. Dass die neuen Ergebnisse jetzt kommen zeigt auch, wie wenig wir auch nach Jahrzehnten über Glyphosat wissen und wie gefährlich der großflächige Einsatz von Pestiziden ist, selbst wenn sie als vermeintlich sicher gelten.

Angesichts dieser neuen Erkenntnisse und der großen Gefahr, die vom Bienensterben ausgeht, fordern wir, die Unterzeichnenden:

An Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner:

1. Holen Sie Glyphosat endlich vom Acker! Nach Ihrer Ankündigung eines “Minimierungsplans” im April 2018, folgten nur Alibi-Maßnahmen. Wir fordern, den Totalausstieg aus Glyphosat bis spätestens 2020.

2. Erlassen Sie Sofortmaßnahmen zum Schutz der Bienen und der Bevölkerung:

  • Glyphosat darf nicht mehr in öffentlichen Parks, Gärten und Spielplätzen eingesetzt werden;
  • Glyphosat muss für den Privatgebrauch sofort verboten werden und auch der Online-Verkauf gestoppt werden;
  • Glyphosat darf grundsätzlich nicht mehr vor der Ernte eingesetzt werden.

3. Legen Sie eine echte Pestizid-Reduktionsstrategie vor, damit nicht auf andere Pestizide ausgewichen wird. Zukunftsfähige Landwirtschaft geht auch ohne Gift, setzen Sie sich dafür ein!

An die EU-Kommission, die EU-Mitgliedsländer und das Europaparlament:

4. Reformieren Sie das Zulassungsverfahren ohne Verzögerung noch vor der Europawahl. Transparenz und der Schutz der Bevölkerung müssen immer vor ökonomischen Interessen einiger weniger Unternehmen stehen.

Mit hoffnungsvollen Grüßen,

Sven Giegold, Mitglied des Europäischen Parlaments

Martin Häusling, Mitglied des Europäischen Parlaments

Maximilian Fries, Dr. in Krebsbiologie und M.Sc. mit Schwerpunkt Mikrobiologie

Weiterführende Informationen

PNAS-Studie: http://www.pnas.org/content/early/2018/09/18/1803880115

Einschätzung im Fachjournal Science:  https://www.sciencemag.org/news/2018/09/common-weed-killer-believed-harmless-animals-may-be-harming-bees-worldwide?utm_source=newsfromscience&utm_medium=twitter&utm_campaign=beeguts-21623

Auswirkungen von Glyphosat auf Darmflora von Ratten: https://sven-giegold.de/glyphosat-ramazzini-studien/

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VERSAGEN oder ABSICHT?! – die inkompetente Klöckner bricht ihr VERSPRECHEN sich um die BIENEN zu kümmern – KEIN WORT zu den BEWEISEN GEGEN den KONZERN „MONSANTO-BAYER“ der für „ANTI-LEBEN“ steht

KLÖCKNER – und die „HIGH-TECH-MONSATAN-BAYER-CDU-CSU“

https://www.welt.de/debatte/kommentare/article181788466/Erntedankfest-Landwirtschaft-in-Zeiten-des-Melkroboters.html

Erntedankfest

Landwirtschaft in Zeiten des Melkroboters

Die Autorin ist Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft. Die studierte Theologin und Politikwissenschaftlerin ist stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende

Quelle: ZDF

Wer weiß noch, dass am Sonntag Erntedankfest ist? In unseren Breiten sind Lebensmittel jederzeit verfügbar. Wir brauchen ein neues Bewusstsein für die Herkunft unseres Essens, schreibt Ministerin Julia Klöckner in einem WELT-Gastbeitrag.

 

…. Sie muss sich einbringen in eine in die Zukunft gerichtete Agrarpolitik.

Und einen Fehler sollten wir gleich zu Beginn abstellen: das romantisierende Bild von Acker, Stall und Bauer. Weg mit den potemkinschen Streichelbauernhöfen in unseren Köpfen. Landwirtschaft ist heute Hightech. Mit Satellit, Drohne und Traktor, mit präziser digitaler Technik. Wenn in einem Auto die neueste Technik steckt, gibt uns das ein Gefühl von Sicherheit.

Aber wenn im Lebensmittel Technik steckt, wenn Milchkühe von Robotern gemolken und täglich vom Computer überwacht werden, dann haben wir schnell ein Gefühl von Entfremdung. Busse sollen autonom fahren, aber die Bäuerin mit der Milchkanne über den Hof hüpfen. Warum eigentlich? Es ist unsere Sehnsucht nach heiler, nicht komplexer Welt.

Moderne Landwirtschaft nutzt Mensch und Tier

Aber es hilft ja nichts: Realitätssinn ist gefragt – in den Schulbüchern, in der Werbung, in den Medien. Diesen Bewusstseinswandel müssen wir erreichen. Wir müssen es schaffen, dass zu Erntedank nicht nur der Kürbis gehört, sondern auch Melkroboter und Ackerdrohne. Wir müssen vermitteln, dass Technik auch in der Landwirtschaft für Sicherheit und Innovationen steht.

Für Modernität, die den Tieren und den Böden dienlich ist. Dass sie sogar für mehr Tierwohl sorgen kann – und für den Verbraucher sichere und hochwertige Produkte garantiert. Dass Tierwohl und Umweltschutz dort auch drin sind, wo es außen auf der Verpackung steht. Dass die moderne Landwirtschaft eine Landwirtschaft ist, der man vertraut, weil man ihr etwas zutraut: Weiterentwicklung, Transparenz, Modernität, Präzision.

Und Erntedank? Kann man nicht feiern, wenn wir im Alltag nicht die Verbindung herstellen zwischen dem eigenen Wohlergehen, den Lebensmitteln und dem Wissen über ihre Herkunft. Mit einem Landwirtschaftsbewusstsein, in dem sich Nachhaltigkeit und Modernität bedingen, statt sich auszuschließen, geht das. Bewusster zu essen, kurz innezuhalten, sich zu freuen. Daraus entsteht das nächste Erntedankfest.

Ich will verhindern, dass Erntedank komplett vergessen wird. Wir brauchen nicht nur Artenschutz für unsere Insekten. Wir brauchen auch Artenschutz für unser Erntedankfest. Denn wenn wir Erntedank vergessen, dann vergessen wir das, was uns am Leben hält. Erntedank ist deshalb nicht nur heute. Wenn wir es wollen, ist es jeden Tag.

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SYMPTOM: KREBS – – – URSACHE: MONSATAN!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

siehe auch „Klöckner“ -„Bienen“

siehe auch „Klöckner“ – „Bienen“ – „System-relevant“

aus dem TEXT:..Die grünen Europaabgeordneten Sven Giegold und Martin Häusling nahmen die Studie zum Anlass, auf der Plattform <<<< change.org eine Petition zu starten >>>>>. ..<<<<<Petition: Glyphosat schadet Bienen – jetzt muss das Herbizid erst recht vom Acker!<<<<<

https://www.keine-gentechnik.de/nachricht/33404/#gsc.tab=0

Neue Studie: Glyphosat schädigt Bienen

27.09.2018

Biene

Der Herbizidwirkstoff Glyphosat ändert die Darmflora von Bienen und macht die Tiere anfälliger für Infektionen. Das haben Wissenschaftler der Universität von Texas herausgefunden. Bisher galt Glyphosat als ungefährlich für Bienen. Jetzt müsse das Herbizid erst recht vom Acker, fordert eine Petition auf change.org.

Die texanischen Forscher entnahmen einem Bienenvolk Arbeiterinnnen und fütterten sie fünf Tage lang mit glyphosathaltigem Zuckersirup. Dabei entsprachen die Konzentrationen des Wirkstoffs mit fünf und zehn Milligramm je Liter solchen, die in der Umwelt vorkommen und denen Bienen beim Sammeln ausgesetzt seien, schrieben die Forscher. Auch die erlaubten Glyphosathöchstmengen für Getreide in Futter- und Lebensmitteln liegen übrigens in dieser Größenordnung. Die Wissenschaftler beobachteten, dass sich durch die Glyphosataufnahme die Zusammensetzung der Darmflora bei den Bienen deutlich änderte und ein als besonders nützlich angesehenes Bakterium drastisch reduziert wurde. Sie infizierten die Bienen mit einem in Bienenstöcken weit verbreiteten Krankheitserreger und stellten fest, dass die Glyphosat-Bienen viermal häufiger an der Infektion starben als unbehandelte Bienen. Auch den Wirkmechanismus konnten sie erklären. Glyphosat blockiert in Pflanzen ein Enzym namens EPSPS, das für die Synthese bestimmter Aminosäuren benötigt wird. Dadurch welken die Pflanzen und sterben ab. Auch einige Darmbakterienarten brauchen dieses Enzym in ihrem Stoffwechsel und reagieren deshalb empfindlich auf Glyphosat.

Die Studie belege, dass die Anwendung von Glyphosat zum weltweiten Rückgang von Honig- und Wildbienen beitragen könnte, schrieb die Universität von Texas in einer Mitteilung. Darin forderten die Forscher strengere Vorgaben für die Anwendung von Glyphosat: „Bisher gingen die Richtlinien davon aus, dass das Herbizid Bienen nicht schadet. Unsere Arbeit hat gezeigt, dass das nicht stimmt.“ Da Hummeln ein vergleichbares Verdauungssystem haben wie Bienen, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass Glyphosat auch ihre Gesundheit beeinträchtigt. Bereits im Juli erschien eine chinesische Studie, die zeigte, das Bienenlarven langsamer wuchsen und häufiger starben, wenn sie mit dem Futter Glyphosat erhielten. Schon länger bekannt ist, dass Glyphosat den Orientierungssinn von Bienen beeinträchtigt. Gegenüber der britischen Zeitung The Guardian sagte der Glyphosathersteller Bayer/Monsanto, Behauptungen, wonach Glyphosat Bienen schädige, seien falsch.

Die grünen Europaabgeordneten Sven Giegold und Martin Häusling nahmen die Studie zum Anlass, auf der Plattform <<<< change.org eine Petition zu starten >>>>>. Sie wendet sich an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und fordert von ihr „den Totalausstieg aus Glyphosat bis spätestens 2020.“ Sofortmaßnahmen wie ein Verbot, Glyphosat vor der Ernte einzusetzen, sollen bis dahin die Bienen schützen. [lf]

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aus dem TEXT:…. Es hemmt das Enzym EPSPS, das eine wichtige Rolle bei der Herstellung bestimmter Aminosäuren spielt. Als Folge können Bakterien wie Pflanzen lebenswichtige Proteine nicht mehr bilden und sterben. Im Körper von Tieren und Menschen kommt das Enzym EPSPS dagegen gar nicht vor. Sie brauchen es nicht, weil sie die betroffenen Aminosäuren, zum Beispiel Tryptophan und Phenylalanin, nicht selbst herstellen müssen, sondern mit der Nahrung aufnehmen. (<<<<siehe unten „Monika Krüger“ – Mikro-Biologin„>>>>)

https://www.sueddeutsche.de/wissen/insektensterben-macht-glyphosat-die-bienen-krank-1.4144093

Insektensterben

Macht Glyphosat die Bienen krank?

Eine neue Studie hat nun herausgefunden, dass Bienen zumindest indirekt von Glyphosat beeinträchtigt werden.(Foto: Roland Weihrauch/dpa)
  • Ein Experiment hat gezeigt, dass Glyphosat Bienen auf indirektem Weg beeinträchtigt: Das Unkrautvernichtungsmittel dezimiert Mikroorganismen im Darm der Insekten.
  • Am empfindlichsten reagierte ein Bakterium, das nicht nur für die Verdauung eine wichtige Rolle spielt, sondern auch für die Abwehr von Krankheitserregern.
  • Glyphosat ist jedoch sicherlich nicht die einzige Ursache für das Sterben der Honigbienen und vieler anderer Insekten.
Von Tina Baier

Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat wird schon länger verdächtigt, ein Grund für das weltweite Bienensterben und den Rückgang vieler anderer Insekten zu sein. Allerdings konnte bislang nicht nachgewiesen werden, dass die vergleichsweise niedrigen Konzentrationen, denen Bienen beim Sammeln an Blüten ausgesetzt sind, den Tieren direkt schaden. Ein Team um den Biologen Erick Motta von der University of Texas in Austin hat jetzt aber gezeigt, dass Glyphosat Bienen auf indirektem Weg beeinträchtigt – und zwar, indem es Mikroorganismen im Darm der Insekten dezimiert. Die Bienen brauchen diese Bakterien unter anderem, um ihre Nahrung effektiv zu verwerten und um Krankheitserreger abzuwehren (PNAS).

In ihrem Experiment fütterten die Wissenschaftler Arbeiterinnen fünf Tage lang mit einer Zuckerlösung, die fünf oder zehn Milligramm Glyphosat pro Liter enthielt. „Diese Konzentrationen entsprechen denen, die in der Umwelt vorkommen und denen Bienen beim Sammeln ausgesetzt sind“, betonen die Forscher.

Die Versuchsbienen wurden mit farbigen Punkten markiert und wieder in ihren Stock zurückgebracht. Drei Tage später untersuchten die Biologen dann die Darmflora ihrer Testtiere: Vier der acht wichtigsten Bakterienarten im Darm der Bienen waren stark dezimiert. Am empfindlichsten reagierte das Bakterium Snodgrassela alvi, das nicht nur für die Verdauung eine wichtige Rolle spielt, sondern auch für die Abwehr von Krankheitserregern.

Glyphosat schädigt die Bakterien nach dem gleichen Prinzip wie die unerwünschten Pflanzen, gegen die es in der Landwirtschaft eingesetzt wird: Es hemmt das Enzym EPSPS, das eine wichtige Rolle bei der Herstellung bestimmter Aminosäuren spielt. Als Folge können Bakterien wie Pflanzen lebenswichtige Proteine nicht mehr bilden und sterben. Im Körper von Tieren und Menschen kommt das Enzym EPSPS dagegen gar nicht vor. Sie brauchen es nicht, weil sie die betroffenen Aminosäuren, zum Beispiel Tryptophan und Phenylalanin, nicht selbst herstellen müssen, sondern mit der Nahrung aufnehmen.

Das ist auch einer der Gründe, weshalb Glyphosat lange Zeit als unbedenklich für Tiere und Menschen galt. Nicht aber für Mikroorganismen, von denen viele das gleiche EPSPSEnzym haben wie Pflanzen. Motta und sein Team konnten zeigen, dass einige der wichtigen Bakterien im Darm von Bienen zu dieser Kategorie der Glyphosatsensiblen Bakterien gehören. Das dürfte auch die Erklärung dafür sein, dass die Bakterien im Darm von Bienen, die das Herbizid gefressen hatten, dezimiert wurden.

Um herauszufinden, ob und welche Konsequenzen es für die Insekten haben kann, wenn ihre Darmflora durch Glyphosat gestört ist, infizierten die Biologen einige der Testtiere mit dem Krankheitserreger Serratia marcescens. Als Kontrolle wurden auch Insekten infiziert, die mit Glyphosat nie in Kontakt gekommen waren.

Das Ergebnis war eindeutig: Nach acht Tagen waren 90 Prozent der Arbeiterinnen, die das Herbizid gefressen hatten, tot. Von den Kontrollbienen überlebten hingegen 50 Prozent die Infektion. „Unsere Ergebnisse zeigen einen möglichen Mechanismus auf, über den Glyphosat die Gesundheit von Bienen beeinträchtigen kann“, schreiben die Forscher in PNAS.

Glyphosat – weltweit das am häufigsten eingesetzte Herbizid überhaupt – ist mit Sicherheit nicht die einzige Ursache für das Sterben der Honigbienen und vieler anderer Insekten. Die neue Untersuchung legt aber nahe, dass das Herbizid eine weitere Belastung für die Insekten ist, von denen viele ohnehin schon ums Überleben kämpfen.

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https://www.neopresse.com/gesellschaft/bundesweite-demos-gegen-ceta-freihandelsabkommen/

Bundesweite Demos gegen CETA-Freihandelsabkommen

NEOPresse in D/A/CH

Am Wochenende fanden in über 30 Städten bundesweit mindestens 35 Aktionen unter dem Motto „CETA stoppen – Für einen global gerechten Welthandel“ statt. Aktivisten protestierten gegen das Freihandelsabkommen auf Demonstrationen, Infoveranstaltungen, Protestkundgebungen und bei kreativen Aktionen.

Die Medien berichteten kaum, dass sich vor allem die SPD in der Großen Koalition für den Freihandel einsetzen wollte. Bereits im Sondierungspapier hieß es: „Wir wollen freien und fairen Handel in der Welt. Protektionismus lehnen wir ab und setzen vorrangig auf multilaterale Vereinbarungen“. Dabei wurde das Freihandelsabkommen CETA genannt. Das Abkommen zwischen der EU und Kanada hebelt stetig die Rechte der EU-Bürger aus. Bereits Ende September 2017 trat das Abkommen teilweise still und leise in Kraft. Obwohl es immer noch höchst umstritten ist, werden Teile des Abkommens bereits umgesetzt.

Obwohl noch nicht alle EU-Staaten das Abkommen ratifiziert haben, trat es dennoch in Kraft. Das Netzwerk Attac hatte das Inkrafttreten des Abkommens bereits scharf kritisiert. „CETA werde auf undemokratische Art in Brüssel durchgepeitscht“. Das Abkommen stärkt in Wirklichkeit nur die Macht der Exekutive und den Profit von multinationalen Großkonzernen. Vor allem aus Kanada und den USA. Die EU-Mitgliedsstaaten und die EU-Bürger aber sind am Ende die Verlierer. Denn mit der undemokratischen Durchsetzung des Abkommens werden unabsehbaren Gefahren für EU-Firmen, Verbraucher und Umwelt gegen das Interesse der Mitgliedstaaten und der Bevölkerung geschaffen.

 

CETA hat wie TTIP massiven Protest von Umwelt- und Verbraucherschützern, Gewerkschaften, Globalisierungskritikern und von Millionen von Bürgern ausgelöst. Zu Recht, denn CETA untergräbt die Demokratie, den Umweltschutz, und die Rechte von Verbrauchern und EU-Firmen massiv. CETA dient in Wirklichkeit den großen Konzernen und bedient lediglich die Interessen von Wirtschaftslobbyisten, die beim Verfassen der CETA-Verträge erheblichen Einfluss auf die Formulierungen und Regelungen genommen haben. Und dies völlig ohne die Zustimmung von Öffentlichkeit und Parlamenten. Im Klartext bedeutet dies noch mehr Privatisierung und Deregulierung für große Konzerne. Kontrollorgane und Behörden können nicht mehr schützend eingreifen.

Die SPD jedoch stellte das Freihandelsabkommen CETA als große Errungenschaft für die Arbeitnehmerrechte der EU-Bürger heraus. Gerade die SPD tat sich in der Vergangenheit allerdings schwer, CETA zuzustimmen. Besonders die Parteibasis verweigerte die Zustimmung. Mit Zustandekommen der Großen Koalition kippte die SPD ihre Bedenken über CETA einfach über Bord.

Die Protestkundebungen am Wochenende richteten sich kurz vor den Landtagswahlen in Bayern und Hessen besonders gegen die dortigen Landesparteien Grüne und die Linke. Diese sollen im Falle einer Regierungsbeteiligung auch auf Landesebene an der Anti-Haltung gegen das neoliberale Handelsabkommen festhalten und garantieren, dass man sich bei einer etwaigen Abstimmung im Bundesrat entweder enthalte oder die Zustimmung ablehne. In Bayern hatten sich mögliche Koalitionspartner der CSU bereits klar gegen CETA ausgesprochen und angekündigt, im Bundesrat eine Zustimmung Bayerns zu verhindern. Mit den Protestaktionen am Wochenende wollten die CETA-Gegner in Bayern nochmals an dieses Versprechen erinnern und die Ablehnung der Zivilgesellschaft gegen diese Art von neoliberalen Handelsabkommen verdeutlichen.

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com/watch?v=jL-fGc7PTS4

Glyphosat tötet gesundheitsfördernde Bakterien

 

Rinder-Sterben

Prof „Monika Krüger“ – ab Minuten 7:00  – Clostridium botulinum – gesundheitsfördernde Bakterien werden abgetötet

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GLYPHOSAT wirkt „ANTI-BIOTISCH“ – US patent „7,771, 736 B2“ (2010) _“Hensel“ -„BfR“

„Mikro-Biologin“ – „Monika Krüger“ – aus dem VIDEO unten: ab Minuten 26:44 –  Glyphosat – Hemmung des „Shikimate-Pathway“ (Shikimisäure-Stoffwechselpfad)„Pflanzen-Stoff-Wechsel“ (Bakterien, Pilze, Algen, Protozoen) und blockiert  somit die Bildung von  „Drei essentiellen Amino-Säuren“ (Tryptophane – Phenylalanine – Tyrosine z.B. „Vitamin E“) welche  Menschen und Tiere nicht selbst produzieren können  – „Mikro-Organismen“ die sich im „Magen-Darm-Trakt“ des Menschen befinden haben ebenfalls diesen „Stoff-Wechsel-Weg“ –  z.B. entsteht dadurch „Vitamin K – Mangel“ bei Rindern ist die Folge „Nasen-Bluten“

Link für die Unterlagen zu diesem Vortrag:   http://www.havelland.de/fileadmin/dateien/amt66/Bilder/Klimaschutz/Regionale_Aktivitaeten/Humustage_2016/Krueger_Glyphosat_2016_96dpi.pdf

Monika Krüger: Das Umweltgift Glyphosat und Glufosinat Herbizide mit Nebenwirkungen

Kraft-Futter ist mit „Gen-Tech“ kontaminiert – „chronischer Botulismus“„Ursachen-Forschung“ „Neuro-Toxin“ „Lähmung des Zwerchfells“
„chronischer Botulismus“: Tiere sterben verzögert
„Agro-Chemie“
Amino-Säure wird Phosphon-Säure
ab Minuten 26:00 – Glyphosat blockiert „Pflanzen-Stoff-Wechsel“ (Bakterien, Pilze, Algen, Protozoen) und blockiert  somit die Bildung von  „Drei essentiellen Amino-Säuren“ (Tryptophane – Phenylalanine – Tyrosine z.B. „Vitamin E“) welche  Menschen und Tiere nicht selbst produzieren können
„Chorismate“:  „Vitamin K-MANGEL“?!
Glyphosat – herbizider Wirkungsmechanismus – Hemmung des „Shikimate-Pathway“ (Shikimisäure-Stoffwechselpfad)Behindert alle Proteine und Wirkstoffe, die die „drei aromatischen Aminosäuren“ benötigen: Tannin, Lignin, Flavonoide etc, Wuchsstoffe
Vitamin-Mangel“ (auch Vitamin B 6/B12) wird durch Glyphosat verursacht
ab Minuten – 29:40 – Spuren-Element-Mangel wegen Glyphosat: – Glyphosatwirkung –  Starker Chelator (Fänger) , bindet zweiwertige Kationen –  bindet wichtige Spuren-Elemente wie: Mg, Ca, K, Zn, Co, Mn, Fe usw (Zink, Mangan, Kobalt ,Kupfer, Eisen usw.) – (bildet Komplexe mit Kationen ) – Kationen sind Spuren-Elemente (Mangel-Erscheinungen – Krankheiten)
Einfluss von Glyphosat auf Mikronährstoffaufnahme und Nährstofftranslokation in Pflanzen (Sonnenblumen)
„2013“: Einfluss von Glyphosat auf „Spuren-Element-Gehalt“ im Blutserum von Kühen (DK): Kobalt – Mangan (Aktivität der Mitochondrien) – Zink (z.B für Gehirn) – Selen

ab  Minuten 33:50 – Wirkung auf Mikro-Organismen
US patent „7,771, 736 B2“ (2010) es wirkt Anti-Mikrobiell  die „guten“ Bakterien werden vom Glyphosat attackiert (massive Störung des Gleich-Gewichts)

Bakterien besitzen 2 Formen von EPSPS
Klasse I: sensibel für Glyphosate in mikromolaren Konzentrationen
Sensibel
Lactobacillus spp.
Enterococcus spp.
Bifidobacterium spp
Bacillus spp
Klasse II: noch aktiv in Gegenwart von Glyphosat
Resistent
Salmonella Typhimurium
Salmonella Enteritidis
Salmonella Gallinarum
Clostridium tetani
Clostridium perfringens
Clostridium botulinum
Fusobacterium necropho
Einfluss von Glyphosat auf Boden-Mikro-Organismen – Fusarien

ab Minuten 48:37 – Toxizität von Glyphosat und Roundup auf HT29 – MTX Zellen – (48h) – Zytostatikum – „RoundUP“ ist 125 mal toxischer als der Wirkstoff „Glyphosat“

ab Minuten 55:30 – „USA“ extrem hohe Werte von Glyphosat im Urin (4mal bis 5mal so hohe Werte als in Europa) – „Kalifornien“

ab Stunden 1:09 – „Sri-Lanka“ hat Glyphosat verboten – USA „RoundUP“  – Thailand – „Brust-Krebs“ – „WHO“ –  „EPA“ (1985 Glyphosat krebseregend – 1991 wieder geändert?! )

ab Stunden 2:06 – ?POLITIK? – Deutschland – „MAIS-LANDSCHAFTEN“(BIO-GAS) – „MONO-Kulturen“ – „Futter-Mittel“ vom „Aus-Land“?! („?Gen-tech-Futter?“)

Glyphosat: Mangel an „aromatischen Aminosäuren“
1. Tryptophan: Serotonin – Melatonin
2. Tyrosin: Dopamin, Adrenalin, Melanin, Schilddrüsen-Hormon
3. Zerstörung der Cytochrome P450 (CYP)- Enzymen:
Aktivierung von Vitamin D, Abbau von Retinsäure (Abbauprodukt von Vit. A)
– Galleproduktion
– Detoxifizierung von Umweltgiften
– Stabilisierung von Blut (Hämorrhagien vs. Koagula)
Beeinflussung der Fruchtbarkeit
1. Aromatase ist ein CYP 450 Enzym, das Testosteron zu Östrogen
umwandelt (Fruchtbarkeit)
2. Spermien hängen von Cholesterolsulfat für Dekapitation und Fertilisation ab
3. Cholesterolsulfat-Synthese hängt von Cytochrom P450 (CYP)- Enzymen ab

4. Glyphosat zerstört die CYP-Enzymfunktion

Maßnahmen:

Bindung von Glyphosat durch „Huminsäuren“
Humin-Säuren: Natürliche Stoffe im Boden, die durch Abbau von Pflanzenmaterial sowie Metabolismus von Mikroorganismen entstehen
1. Langfristige Ziele
Wiederherstellung der Funktionalität der Kreislaufsysteme „Boden-Pflanze-Tier-Mensch“ durch Reduktion, besser Beseitigung der Glyphosat-Einträge in die Systeme.
2. Kurz-mittelfristige Ziele

Neutralisierung der G-Wirkung in den einzelnen Systemen durch geeignete Maßnahmen bei Tieren und Menschen (Einsatz von Huminsäuren/ Pflanzen – Kohle) Boden: Stoppen des G-Einsatzes, Ausbringen von Huminsäuren und PF-Kohle

 

„ÖKOLOGISCHE NAHRUNGs-MITTEL bevorzugen“

 

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be.com/watch?v=JWMdFfH1LRQ

Gift im Essen –  Missbildungen durch Glyphosat – ARD Fakt – „12 11 2013“

„Monika Krüger“

„der Robinson-Bericht“

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https://www.testbiotech.org/node/2271

Gene-Drive-Moskitos: Mit Gentechnik natürliche Populationen verändern

Neues Testbiotech-Video
Montag, 17. September 2018

Ein neues Video von Testbiotech klärt über sogenannte „Gene Drives“ auf. Mithilfe dieser Gentechnik sollen natürliche Populationen verändert werden. Dazu werden Organismen so in ihren Genen manipuliert, dass sich der Prozess der gentechnischen Veränderung in jeder Generation von selbst wiederholt. So sollen sich die veränderten Gene möglichst rasch ausbreiten. Im Resultat sollen natürliche Populationen so ersetzt oder sogar ausgerottet werden. In diesem Zusammenhang kommt der Gen-Schere CRISPR/Cas eine entscheidende Rolle zu.

Bei der Anwendung von Gene Drives werden also nicht nur genetische Eigenschaften, sondern auch die Mechanismen der Vererbung verändert. Der Prozess der gentechnischen Manipulation wird nicht mehr im Labor durchgeführt. Er wird zu einem sich selbst organisierenden Vorgang gemacht, der zwar vom Menschen angestoßen wird, sich dann aber ohne menschliche Kontrolle in der Umwelt vollzieht. Das bedingt eine ganz neue Dimension von Risiken.

Die Vorbereitungen für Gene-Drive-Freisetzungen sind bereits in vollem Gange: Die nationale Behörde für Biosicherheit in Burkina Faso hat im August 2018 die Freisetzung von bis zu 10.000 gentechnisch veränderten Moskitos im Rahmen des Projekts „Target Malaria“ genehmigt. Es wird die erste Freisetzung gentechnisch veränderter Tiere in Afrika sein. Die Moskitos sind jedoch noch nicht mit einem Gene Drive ausgestattet – und sollen nach Angaben der Projektleiter auch nicht in der Umwelt überleben. Vielmehr gehe es zunächst darum, die Akzeptanz solcher Forschung bei Behörden und der lokalen Bevölkerung zu fördern.

Das Thema Gene Drive ist derzeit auch ein Thema für die Politik: In Deutschland wird über gesetzliche Vorschriften für Laboratorien diskutiert, in denen mit Gene-Drive-Organismen experimentiert wird. Im November werden die Vertragsstaaten des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) über dieses Thema beraten.

Das Video beschreibt ein mögliches Zukunftsszenario einer Freisetzung von Gene-Drive-Mücken, die in der Umwelt überdauern können. Dabei werden fiktionale Inhalte von den bekannten Fakten getrennt dargestellt. Im Clip werden Mücken gentechnisch manipuliert, damit sie keine Malaria mehr übertragen können. Das Ziel: Die natürlichen Moskito-Populationen, die die Malaria-Krankheit übertragen, durch gentechnisch veränderte Moskitos zu ersetzen.

Das Beispiel berührt komplexe ethische Fragestellungen. Die Bekämpfung der Malaria-Krankheit ist ein drängendes Problem. Doch eine unkontrollierte Freisetzung von Gene-Drive-Mücken wirft erhebliche Risiken und somit auch ethische Fragen nach unserer Verantwortung für kommende Generationen auf. Dieses Dilemma versucht das Video auf spielerische Art und Weise anschaulich zu machen.

Auf ähnliche Weise hat sich Testbiotech bereits in einem vorangegangenen Videoclip mit dem Thema neue Gentechnik und der Gen-Schere CRISPR am Beispiel eines nicht bräunenden Pilzes befasst.

Kontakt:

Christoph Then, Tel 0151 54638040, info@testbiotech.org

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https://www.testbiotech.org/node/2274

Die wahren Kosten der Gentechnik-Soja

Studie: Anbau hat drastische Folgen für Mensch und Umwelt in Südamerika – über 90 Prozent der Sojapflanzen sind gentechnisch verändert
Donnerstag, 4. Oktober 2018

Eine heute veröffentlichte Studie von Testbiotech und der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch zeigt ein erschreckendes Ausmaß von Umweltschäden, die mit dem Anbau von Gentechnik-Soja in Südamerika verbunden sind: Diese reichen von der Zerstörung der biologischen Vielfalt und von Wasserkreisläufen über Schäden an Böden und Klima bis hin zu schwerwiegenden Auswirkungen auf die Gesundheit der ländlichen Bevölkerung. Zwischen 2005 und 2014 stieg die Sojaanbaufläche in Brasilien, Argentinien und Paraguay um 40 Prozent oder 15,5 Millionen Hektar, meist auf Kosten von ökologisch wertvollem Weideland, Savannen und Regenwald. Das Geschäft machen dort vorwiegend Großgrundbesitzer sowie Handels- und Chemiekonzerne.

„Auf insgesamt rund 10 Mio. Hektar wird quasi nur für die EU produziert, denn 29 Millionen Tonnen Soja pro Jahr werden in die EU exportiert“, erklärt Tobias Reichert von Germanwatch. „Die Soja dient fast ausschließlich als Tierfutter. Die industrielle Massentierhaltung bei uns wirkt sich also direkt und massiv auf Menschen und Natur in Südamerika aus“, ergänzt Christoph Then von Testbiotech.

Über 90 Prozent der in Südamerika angebauten Soja ist gentechnisch so verändert, dass sie gegen das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat resistent ist. Das erleichtert die schnelle Ausweitung des Anbaus, da alle konkurrierenden Pflanzen auf neu umgebrochenen Flächen einfach weggespritzt werden können. Dabei muss das Herbizid jedoch immer höher dosiert werden, weil immer mehr Unkrautarten resistent gegen Glyphosat werden. Konkret werden in Brasilien und Argentinien mittlerweile oft mehr als 4,5 Kilogramm Glyphosat pro Hektar eingesetzt – dreimal so viel wie bei Einführung der Gentechnik-Soja vor rund 20 Jahren. Wegen der Resistenzen werden weitere Herbizide eingesetzt, die zum Teil noch wesentlich giftiger sind als Glyphosat. Die Gefahren für die Gesundheit der ländlichen Bevölkerung und die Umweltschäden werden billigend in Kauf genommen.

„Die EU bleibt von den negativen Folgen nicht unberührt“, so Tobias Reichert. „Die durch Importsoja ermöglichte Massentierhaltung führt auch in Europa regional zu erheblichen Umweltschäden, zum Beispiel Gewässerbelastung durch Gülle.“ Die Studie weist zudem darauf hin, dass Sojabohnen mit Rückständen der Spritzmittelmischungen belastet sind, die gesundheitsschädigend sein können. In Stichproben von Testbiotech wurden im Jahr 2013 Rückstandsmengen von über 100 Milligramm Glyphosat pro Kilogramm Soja gefunden. Das ist das Fünffache des Grenzwerts, der nach Einschätzung von Testbiotech und Germanwatch ohnehin sehr hoch angesetzt ist. Gleichwohl finden in der EU keine systematischen Untersuchungen der Importsoja statt. Die Organisationen weisen darauf hin, dass die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA selbst einräumt, keine ausreichenden Daten zu haben, um die gesundheitliche Risiken bewerten zu können.

„Es gibt offensichtlich ganz extreme Belastungen für die Umwelt in den Anbaugebieten und gleichzeitig keine ausreichenden Daten, um die gesundheitlichen Risiken der Verfütterung der Gentechnik-Soja zu bewerten. Diese Produktionsprozesse sind völlig aus dem Ruder gelaufen“, so Christoph Then. Die Alternative kann auch nicht darin bestehen, die Gentechnik-Soja einfach aus den USA zu importieren. Auch dort bestehen demnach erhebliche Probleme wie stetig steigende Pestizidmengen.

Tobias Reichert fordert: „Die EU muss neue Vereinbarungen mit den südamerikanischen Regierungen treffen. Dabei muss es auch darum gehen, den Handel in anderen Bereichen zu stärken, um die einseitige Abhängigkeit dieser Länder vom Sojaexport zu verringern. Insgesamt muss die europäische Landwirtschaftspolitik eine Kehrtwende weg von der industriellen Massentierhaltung machen. Dadurch würde die Nachfrage nach Soja deutlich sinken.“

Kontakt:

Christoph Then, Tel. 0151 54638040, info@testbiotech.org.
Tobias Reichert, Tel. 0178 2125803, reichert@germanwatch.org

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siehe auch „Die Gen-Schere“ – „CrispR-Cas“ – „Genome – Editing“ – „Crispr-Pilz“ – „Crispr-Cas“ und KREBS

ube.com/watch?v=q4uzSoo8chc

Der DARM be-einflusst fast alles – Prof. „Michaela Axt-Gadermann“ -| SWR1 – Leute

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„EPI-GENETIK“ – „Wechsel-Wirkung“ mit der  „UmWelt“ – Wenn die „UM-WELT“ KRANK  gemacht wird  (VER-GIFTET) dann wirkt  sich das auf die GENE aus

Die „MANGEL-ERNÄHRUNG“

tube.com/watch?v=xEU7Hb8KrpM

„Vitamin D“ – „Hype oder Hope“ – Vortrag von Prof. Dr. „Jörg Spitz“

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ube.com/watch?v=8MbpuxMZNik

Dr. „Dietrich Klinghardt“ – Epigenetik/Transgenerationales Trauma/Pränatales Trauma

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tube.com/watch?v=545-9Ehd2Z0&feature=youtu.be

GAPS – „Gut“ and „Psychology Syndrome“ – „Natasha Campbell – McBride“

 Der Darm – Das „Mikro-Biom“ – „AUTISMUS HEILEN“

MILCH – ?“PASTEURISIERUNG“? – ?“HOMOGENISIERT“?

„VITAMIN-D – MANGEL“

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vor KRANKHEIT schützen – mit  „ÖKOLOGISCHER NATÜRLICHER ERNÄHRUNG“
AUTISMUS – „VAXXED“ – KINOTOUR DEUTSCHLAND – IMPF-SCHÄDEN

Was ist „GAP“?

http://www.spektrum.de/lexikon/biochemie/gap/2369

http://www.spektrum.de/lexikon/biochemie/gtpase-aktivierende-proteine/2684

GTPase-aktivierende Proteine

GTPase-aktivierende Proteine, GAP, im Ras-Zyklus (Ras-Proteine) wirkende Proteine, die sich an Ras- oder Ras-verwandte GTP-bindende Proteine anlagern und die intrinsische GTPase-Aktivität dieser Proteine erhöhen. Dadurch wird GTP in GDP und anorganisches Phosphat gespalten und es kommt zu einer Inaktivierung der GTP-bindenden Proteine. Die Säuger-GAPs umfassen u. a. das gut untersuchte p120RasGAP und Neurofibromin (NF1, Mr 290 kDa), dessen Expression zum größten Teil in neuralen Geweben erfolgt.

GAP

 

Dr. „Natasha Campbell-McBride“Food is the Best Medicine

http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/mikrobiom-wie-der-mensch-von-seinen-bakterien-abhaengt-1.3544344

16. Juni 2017, 12:01 Uhr

Mikrobiom

Wie der Mensch von seinen Bakterien abhängt

Im menschlichen Darm siedeln besonders viele Mikroben wie diese Kolibakterien.(Foto: National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID))

Jeder von uns beherbergt Billionen Mikroben. Mehr und mehr zeigt sich, dass diese Untermieter nahezu alle körperlichen Regungen beeinflussen.

Von Hanno Charisius

 

Was haben Menschen und Korallen gemeinsam? Beide sind niemals wirklich alleine – beide sind Organismen, die aus mehreren, eng kooperierenden und auf einander angewiesenen Lebewesen bestehen. Korallen sind Lebensgemeinschaften aus Nesseltieren und Algen, die Ersteren bieten Behausung, die Letzteren Nahrung. Und der Mensch wird erst zum Menschen durch die unzähligen Bakterien, die in und auf seinem Körper leben. Die amerikanische Biologin Lynn Margulis schlug Anfang der 1990er-Jahren den Begriff „Holobiont“ für alle Lebewesen vor, die in enger Gemeinschaft und wechselseitig anhängig mit anderen Kreaturen leben. Die Holobionten Mensch und Koralle sind dabei in guter Gesellschaft: Der Blauwal ist ebenfalls einer, genauso wie der Regenwurm, die Mücke, der Fuchs, die Sonnenblume oder die Kartoffel. Andere Wissenschaftler bezeichnen den Menschen auch als Superorganismus oder gleich als wandelndes Ökosystem.

Hilfestellung für Immunzellen gibt es nur, wenn die Bakterien die richtige Nahrung bekommen

Praktisch alle mehrzelligen Lebewesen werden von einem Schwarm mikroskopisch kleiner Mitbewohner begleitet, die wichtige Aufgaben übernehmen. Lange galten die Bakterien im menschlichen Darm nur als simple Verdauungshelfer, die zersetzen, was der Darm mit seinen Enzymen und Muskelkontraktionen nicht selbst klein bekommt. Doch seit einigen Jahren zeigt sich immer deutlicher, wie stark der menschliche Organismus mit der mikrobiellen Lebensgemeinschaft verflochten ist. „Tatsächlich scheinen die Darmmikroben praktisch jede körperliche Regung zu beeinflussen“, schreiben die Immunologen und Mikrobiologen Thomas Postler und Sankar Ghosh von der Columbia University in New York in einem aktuellen Übersichtsartikel im Fachjournal Cell Metabolism. Dazu zählen der Energiehaushalt genauso wie das HerzKreislaufSystem oder die Immunabwehr, mit der sich die beiden Spezialisten in ihrem Text eingehend befassen.

Die Zellen des menschlichen Immunsystems seien abhängig von verschiedenen Substanzen, die das Bakterienvolk im Darm herstellt, schreiben Postler und Ghosh. Ohne die mikrobiellen Mitbewohner würde sich das Immunsystem nicht normal entwickeln. Die Hilfestellung für die menschlichen Immunzellen können die Mikroben aber nur liefern, wenn ihr Wirt sie mit der richtigen Nahrung versorgt, so viel ist bereits heute sicher. Unklar ist jedoch noch immer, woraus die ideale Mikrobennahrung besteht.

Die Unsicherheit isst mit

Quinoa ist gesund und Weizen macht krank? Ernährung ist weit komplexer. Forscher erkennen nur langsam die Mitspieler in diesem Geschehen. Der neueste unter ihnen: die Darmbakterien. Von Berit Uhlmann mehr …

Studien an Mäusen haben gezeigt, wie schöpferisch die Mikroben im Verdauungstrakt der Nager sind – und beim Menschen dürfte es ähnlich sein. Von den 179 Metaboliten, die Forscher im Darminhalt von Mäusen ausmachen konnten, waren 48 nicht im Futter der Labortiere enthalten. Sie mussten also von den Bakterien hergestellt worden sein oder vom Verdauungssystem der Mäuse. Weitere Experimente zeigten, dass 13 dieser Substanzen wahrscheinlich ausschließlich von Bakterien produziert wurden.

Einige der Stoffe sorgen dafür, dass sich die Zellen der Darmwand regenerieren können und diese zuverlässig als Barriere funktioniert, die Bakterien davon abhält, aus dem Darm ins Innere des Körpers zu schlüpfen. Denn so hilfreich und gut die Mikroben im Darm auch sein mögen, im Blutkreislauf können sie gefährlich werden. Deshalb lauern im Darm auch viele Immunzellen und versuchen, die Bakterienbrut in Schach zu halten. Die Mikroben wiederum müssen sich vor den Attacken der Abwehrzellen schützen. So hat sich im Lauf der gemeinsamen Evolution von Mensch und Mikroben ein Gleichgewicht eingestellt, das alle Beteiligten permanent neu justieren.

Manche Darmbakterien wandeln unverdauliche Pflanzenfasern in kurzkettige Fettsäuren wie Acetat, Propionat und Butyrat um, die im Darm Entzündungen entgegenwirken. In kleineren Studien halfen diese Substanzen manchen Patienten mit entzündliche Darmleiden. Andere Mikroben benutzen Gallensäuren, die von der Leber hergestellt werden, um daraus Stoffe herzustellen, die angriffslustige Abwehrzellen beschwichtigen oder das Darmgewebe stabilisieren. Bakterien der Art Bacteroides fragilis wiederum stellen eine Zuckerverbindung her, die ebenfalls Entzündungsreaktionenunterdrückt. Von vielen weiteren Substanzen ist bereits lange bekannt, dass sie einen positiven Einfluss auf das Immunsystem haben, doch wie sie das machen, ist noch immer rätselhaft.

Postler und Ghosh betonen, dass bislang erst der kleinste Teil jener chemischen Stoffe, die Darmbakterien herstellen, untersucht und verstanden wurde, „die wahren Ausmaße der Verbindung zwischen Darm und Immunsystem sind noch nicht abzusehen“. Die beiden Forscher hoffen auf neue Untersuchungsmethoden, um die feinen Details des Zusammenlebens von Menschen und Bakterien auszumessen. Das werde nicht nur helfen, das Immunsystem besser zu verstehen, sondern auch Krankheiten zu heilen, die entstehen, wenn das Ökosystem im Verdauungstrakt aus dem Gleichgewicht gerät.

Viele Krankheiten entstehen, weil das Mikrobiom aus dem Gleichgewicht gerät

Bislang zeichnet sich vor allem ab, wie komplex der Holobiont Mensch ist. Denn das Immunsystem ist nur ein Bereich, in dem Mikroben und menschlicher Organismus einander beeinflussen. Die Untermieter mischen auch im Stoffwechsel mit, spielen wahrscheinlich beim Wachstum einiger Krebstumore eine Rolle und können HerzKreislauf-Leiden begünstigen oder verhindern – je nach dem, wie man sie hegt und pflegt. Sogar die Psyche des Menschen könnte unter dem Einfluss der Darmbewohner stehen.

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Darm-Hirn-Achse

‚Eine psychische Störung beginnt im Darm

Menschen mit psychischen Erkrankungen leiden oft auch unter Darmproblemen. Das ist kein Zufall, meint Aletta Kraneveld, Professorin für Pharmakologie an der niederländischen Universität Utrecht. Immer mehr Studien deuteten darauf hin, dass bei Autismus, Parkinson und Depressionen auch das so genannte Mikrobiom im Darm eine Rolle spielt. Die Forschung stecke allerdings noch in den Kinderschuhen.
Hände auf Bauch

Um psychische Störungen zu verstehen, untersuchen Wissenschaftler heute mehr als nur das Gehirn. Warum ist jetzt der Darm an der Reihe?

Die Idee ist nicht neu. Der Mediziner James Parkinson, der die gleichnamige Krankheit als Erster beschrieb, bemerkte schon 1871, dass seine Patienten auch an Darmbeschwerden wie Verstopfungen und Bauchschmerzen litten. Dennoch konzentrierte sich die Wissenschaft damals allein auf das Gehirn. Das Immunsystem, das uns vor Krankheitserregern beschützt, befindet sich aber überall im Körper. Wenn solche Erreger mit dem Essen oder über die Hände in unserem Mund landen, dann spielt der Darm bei der Abwehr eine wichtige Rolle. Würde man ihn entfalten und seine Oberfläche ausmessen, dann hätte er die größte Fläche aller menschlichen Organe. Die Wissenschaft widmet sich jedoch erst seit ungefähr zehn Jahren wirklich der Kommunikation zwischen Darm und Gehirn.

Wie kann man überhaupt untersuchen, auf welchen Wegen Gehirn und Darm miteinander kommunizieren?

Das ist schwierig. Oft greift man auf Ratten und Mäuse zurück, um zu untersuchen, was sich bei Menschen mit einer psychischen Störung im Darm und im Gehirn abspielt. Der irische Forscher John Cryan verpflanzt dazu den Stuhlgang von Menschen, die beispielsweise unter Depressionen leiden, in den Darm von Ratten – eine so genannte Fäkaltransplantation. Auf diese Weise erhalten die Ratten ein ähnliches Darmmikrobiom wie depressive Menschen. Es beinhaltet alle Bakterien, Schimmelpilze, Viren und andere Einzeller, die den Darm eines Menschen besiedeln; einige davon sind gutartig, andere krankheitserregend. Ratten, denen der Stuhl depressiver Menschen eingeschleust wurde, zeigten daraufhin depressionsähnliches Verhalten. Eine solche Stuhltransplantation ist aber nur der erste Schritt. Darüber hinaus untersuchen Forscher zum Beispiel einen bestimmten Entzündungsstoff im Blut oder einen Rezeptor (ein Zellprotein, das die Andockstelle für die Kommunikation zwischen Zellen bildet, Anm. d. Red.). So entfernten wir in Versuchstieren, die an Parkinson erkrankt waren, den so genannten Toll-like-Rezeptor-4, der eine wichtige Rolle bei der Aktivierung des angeborenen Immunsystems spielt. Die Tiere entwickelten danach seltener Darmentzündungen und litten auch weniger an den für Parkinson typischen motorischen Problemen.

Aletta Kraneveld, Professorin für Pharmakologie an der Universität Utrecht
Aletta Kraneveld | Die Wissenschaftlerin ist Jahrgang 1964, studierte Pharmazie an der Universität Amsterdam sowie der Universität Utrecht und promovierte 1994. Nach einem Forschungsprojekt an der Harvard Medical School in Boston kehrte sie zurück an die Universität Utrecht und ist dort seit 2002 Professorin für Pharmakologie am Institute for Risk Assessment Studies. Sie untersucht das Zusammenspiel von Darm, Immunsystem und Gehirn unter anderem bei Patienten mit Parkinson, Autismus, Nahrungsmittelallergien und chronischen entzündlichen Darmerkrankungen.

Bisher scheint unklar zu sein, wie genau die Kommunikation zwischen Darm und Gehirn abläuft. Welche Wege wären hierbei denkbar?

Sie könnten zum einen über den Vagusnerv kommunizieren, den zehnten Hirnnerv. Diese große Nervenbahn läuft vom MagenDarm-Trakt zum Hirnstamm. Ich bin jedoch kein großer Fan dieser Hypothese. Denn diese Nervenbahn steht nicht mit dem gesamten Dickdarm in direkter Verbindung. Dort befinden sich aber die meisten Bakterien. Um die Hypothese zu überprüfen, könnten wir den Vagusnerv bei Versuchstieren durchtrennen und untersuchen, was daraufhin in jenen Hirnarealen passiert, die wir mit bestimmten Störungen in Verbindung bringen. Zum anderen könnte die Kommunikation auch über die Blutzirkulation verlaufen. Ich vermute, eine Veränderung der Darmflora schlägt sich in der Aktivität des Immunsystems nieder. Ein aktiviertes Abwehrsystem sorgt dann dafür, dass sich vermehrt Zytokine – Proteine, die eine wichtige Rolle bei Entzündungsreaktionen spielen – im Blut anreichern. Diese gelangen vielleicht auch ins Gehirn, wo sie biologische Prozesse an den Synapsen, den Verbindungsstellen zwischen Nervenzellen, beeinflussen könnten. Nur ist es noch schwer vorstellbar, wie die Zytokine die Blut-Hirn-Schranke durchdringen sollen.

Was weiß man bisher darüber, wie Parkinson mit dem Darm zusammenhängt?

Die Darmflora von Parkinsonpatienten unterscheidet sich von der gesunder Menschen: Das Gleichgewicht zwischen guten Bakterien und jenen, die Entzündungen verursachen, ist bei ihnen gestört. Hinzu kommt, dass Menschen, die an Parkinson erkrankt sind, oft eine durchlässigere Darmschleimhaut haben. Dadurch können Krankheitserreger leichter eindringen und eine Darmentzündung verursachen. Bakterien und andere Entzündungsstoffe gelangen so wiederum leichter ins Blut und in das Gehirn. Bei Parkinsonpatienten kommt es auch im Gehirn zu entzündlichen Prozessen; das Alpha-Synuklein-Eiweiß häuft sich dann in den Nervenzellen zu so genannten Lewy-Körpern an. In der Folge sterben bestimmte Nervenzellen ab, die Dopamin herstellen, so dass ein Dopaminmangel im Gehirn entsteht. Dieser führt zu den motorischen Symptomen der Krankheit: Muskelzittern, stockende Bewegungen und instabile Körperhaltung. Wenn wir Parkinson-Mäuse auf eine Diät mit gesunden Fetten und Ballaststoffen setzen, von denen wir wissen, dass sich gutartige Bakterien von ihnen ernähren, bewegen sich die Nagetiere daraufhin besser.

Wie sieht es bei Autismus aus?

Ähnlich wie bei Parkinson: Sowohl Menschen als auch Mäuse mit autistischen Verhaltensweisen haben eine andere Darmflora als gesunde Lebewesen. Nicht nur das Gleichgewicht der Darmflora ist bei Autismus gestört, sondern man findet auch weniger vielfältige Bakterien. Allerdings weiß man von keinem speziellen Bakterienstamm, der für die Erkrankung verantwortlich wäre. Andere Studien zeigen, dass sich Mäuse mit Kuhmilchallergie autistisch verhalten: Sie verbringen weniger Zeit mit Artgenossen, waschen sich in einer neuen Umgebung öfter und bewegen sich dabei merkwürdig. Außerdem beobachten wir eine Zunahme eines bestimmten Eiweißes im Gehirn von autistischen Mäusen ebenso wie im Gehirn von Mäusen mit einer Kuhmilchallergie. Dieses Eiweiß, mTOR, beeinflusst das Zellwachstum und die Zellfunktion. Hier wissen wir jedoch wieder einmal nicht, ob das Problem zuerst im Darm oder im Gehirn einsetzt.

Und was ist über den Zusammenhang zwischen Darmflora und Depressionen bekannt?

In einem Experiment mit Ratten gelang es, depressionsähnliches Verhalten über eine Entzündung in der Bauchfalte auszulösen. Die Entzündung setzte Zytokine im Blut frei. Bei dieser Studie hatten die Forscher eine Kanüle, eine Art Schlauch mit kleinen Elektroden, in den Nucleus accumbens der Ratten eingepflanzt – das Belohnungszentrum des Gehirns. Wenn die Nager an einem Rad drehten, erhielten sie einen Stromschlag, was ein angenehmes Gefühl bei ihnen auslöste. Die Ratten mit der Bauchfaltenentzündung drehten schneller an dem Rädchen als gesunde Ratten. Bei diesen Tieren sorgten die Zytokine offenbar dafür, dass Nervenzellen ausgeschüttetes Serotonin schneller wiederaufnahmen, so dass weniger davon im synaptischen Spalt übrig blieb. Ein solcher Mangel geht mit depressiven Stimmungen einher, weswegen die betroffenen Ratten vermehrt versuchten, sich angenehme Gefühle über Stromschläge zu verschaffen. An dieser Stelle setzen auch Antidepressiva an; sie bremsen die Wiederaufnahme von Serotonin ab.

Können wir denn davon ausgehen, dass diese Mechanismen bei Menschen ähnlich ablaufen wie bei den Versuchstieren?

Das ist anzunehmen. Das Immunsystem von Ratten und Mäusen ähnelt dem des Menschen sehr stark. Es gibt auch schon Versuche mit Stuhltransplantationen beim Menschen. Und tatsächlich weisen Humanstudien ebenfalls darauf hin, dass depressive Symptome mit einer Zunahme an Entzündungsstoffen Hand in Hand gehen. Der Vorteil von Versuchstieren ist, dass wir die Rolle einzelner Rezeptoren oder Entzündungsstoffe genauer unter die Lupe nehmen können.

Wo läuft zuerst etwas schief: im Gehirn oder im Darm?

Im Darm. Unserer Vermutung nach steht am Anfang einer Erkrankung wie Parkinson eine genetische Veranlagung. Die Betroffenen haben also ein erhöhtes Risiko zu erkranken. Dazu kommen ungünstige Lebensumstände wie Stress, Luftverschmutzung oder eine ungesunde Ernährung. Sie können die Darmflora stören und dafür sorgen, dass genetisch vorbelastete Menschen tatsächlich krank werden. Eine ungesunde Ernährung ist ein Garant für ungesunde Darmbakterien. Gesunde Kost hingegen kann die Symptome verringern, aber das müssen die Patienten langfristig durchhalten, sonst kommen die krank machenden Bakterien wieder zurück.

Mit welcher Ernährung hält man den Darm gesund?

Hören Sie auf mit Pizza und anderem Fastfood, ernähren Sie sich ausgewogener. Essen Sie frische Lebensmittel, verbannen Sie Fertiggerichte vom Speiseplan. Zu viel gesättigte Fettsäuren führen zu Entzündungen: Im Fettgewebe von Menschen mit Übergewicht etwa befinden sich viel mehr Entzündungsstoffe als im Fettgewebe gesunder Menschen. Wir sind noch immer Urmenschen, daran gewöhnt, alle Energie, die wir kriegen, für schlechte Zeiten zu speichern. Außerdem ist es wichtig, nicht zu viel zu essen und sich mehr zu bewegen.

Könnte es auch helfen, den Stuhl gesunder Menschen in den Darm eines Kranken verpflanzen?

Bis jetzt wirkt das nur bei einigen bestimmten Entzündungen. Forscher am Amsterdamer Krankenhaus AMC stellten zwar keine statistisch bedeutsamen Verbesserungen bei Menschen mit chronischen Darmentzündungen fest. Nichtsdestotrotz wirkte die Transplantation bei einer kleinen Gruppe Menschen relativ gut. Möglicherweise wirkt eine Stuhltransplantation nur bei Familienmitgliedern, weil sich deren Darmbakterien stärker ähneln.

Was bewirken Lebensmittelzusätze wie Milchsäurebakterien, die angeblich zu einer gesunden Darmflora beitragen?

Man war sehr lange davon überzeugt, dass diese Mikroorganismen, so genannte Probiotika und Präbiotika, den Kontakt mit der Magensäure nicht überleben. Wie jüngere Befunde jedoch zeigen, profitieren manche Menschen gesundheitlich von diesen Nahrungsmitteln. In unserer eigenen Forschung haben wir gezeigt, dass Präbiotika die Abwehr des Darms verbessern. Präbiotika sind bestimmte Zucker, auf denen gutartige Bakterien gedeihen.

Dieses Interview ist eine leicht gekürzte Version des Artikels „Een psychische stoornis begint in de darmen“, der im Original im belgischen Wissenschaftsmagazin „Psyche&Brein“ erschienen ist.

Und doch zweifeln viele Fachleute, dass diese Mittel etwas bringen. Warum?

Die Skepsis ist berechtigt. Zu den bekannten Bakterienfamilien zählen die Bifidobakterien und die Laktobazillen. Aber daneben gibt es noch unglaublich viele weitere Sorten. Bei vielen von ihnen wissen wir nicht, was sie genau bewirken und ob sie zu den guten oder den schlechten Sorten gehören. Wahrscheinlich ist vor allem das Gleichgewicht zwischen den Arten von Bedeutung. Doch wir brauchen mehr Übersicht über die Zusammenhänge: Das eine Bakterium kann beispielsweise von einem anderen abhängig sein, um ein Produkt herzustellen, welches das Immunsystem unterstützt.

Ihre Forschung wird von Getränkeherstellern wie Nutricia und Friesland Campina sowie ein paar Pharmafirmen mitfinanziert. Wie gehen Sie mit möglichen Interessenkonflikten um?

Indem ich genaue Absprachen treffe. Ich beginne mit einer Studie nur dann, wenn ich die Ergebnisse auf jeden Fall publizieren darf – auch wenn sich die Ergebnisse als negativ für das Produkt meines Geldgebers erweisen. Das habe ich selbst auch schon einmal gemacht. Ich finde es angenehm, mit der Wirtschaft zusammenzuarbeiten, weil man an Produkten arbeitet, die möglicherwiese in Kürze auf den Markt kommen können. Als Wissenschaftler ist man aber für die eigene Integrität verantwortlich. Wenn ein Geldgeber jemals sagen sollte, dass ich etwas nicht publizieren darf, dann streike ich.

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http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin-ernaehrung/darmflora-reagiert-empfindlich-auf-arzneimittel-15502484.html?premium

DarmMikroben : Mein Bauch ist mein Palast

Keime beherrschen unser Immunsystem genauso wie unser Nervensystem. Bild: obs

Myriaden Mikroben halten unseren Körper und Geist zusammen, aber auf Arzneien reagieren die Darmbakterien empfindlich. Wird bald nur nach Keimtests verschrieben?

Salahedin Faraji behandelt in seiner Arztpraxis Autisten, viele Kinder, „leider werden es immer mehr“, und dabei folgt er seit vielen Jahren beharrlich einer Spur, die lange belächelt worden war. Er führt Statistiken und fragt die Patienten nach Essgewohnheiten und Lebensumständen, er fordert Stuhlproben und lässt die Verdauungsrückstände nach „Aussehen und Defiziten“ untersuchen, nach Indizien für einen Fettsäuren– oder Vitaminmangel etwa. Der Wetzlarer Arzt ist überzeugt: „Autisten sind beim Psychiater nicht an der richtigen Adresse.“ Autismus sei auch für ihn eine neurologische Erkrankung, keine Frage, trotzdem behandelt er sie in vielen Fällen mit Probiotika, Säften und Kapseln, die Zusatznahrung enthalten. Faraji lässt vom Labor mit jedem Patienten neu nach „Leitkeimen“ fahnden. Nach Bakterien im Darm, die er für mindestens mitverantwortlich hält an den sozialen und leider oft auch kognitiven Defiziten, die seine Patienten und ihre Eltern beklagen.

Joachim Müller-Jung

Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

In den sechziger Jahren schon, vor nicht weniger als fünfzig Jahren also, waren die ersten Thesen aufgetaucht, die Autismus mit Ernährungs- und Verdauungsproblemen in Verbindung brachten. Heute gilt Autismus, zumindest einige schwere, sich früh entwickelnde Formen, als Klassiker für eine folgenschwere Störung der „Darm-Gehirn-Achse“. Auch Depressionen, Angststörungen und chronischer Schmerz hat das „Journal of Neuroscience“ bereits vor drei Jahren als Krankheiten des Geistes aufgelistet, deren diagnostischer Fokus sich gewissermaßen aus der Psychiatrie in die Gastroenterologie verlegt. Seelenleiden können demnach auch Signalkrankheiten sein. Ursache ist dann eine gestörte Kommunikation zwischen der Darmflora und dem Gehirn.

Genauso lange, wie es solche Ideen gibt und Sprüche vom „Gehirn im Bauch“, genauso lange freilich hadert man mit der sich daraus ergebenden Hyperkomplexität. Ist das Gehirn im Kopf mit seinen unzählbaren elektrochemischen Verästelungen und Netzwerken schon für sich undurchschaubar, sind die biochemischen Wechselwirkungen der geschätzten hundert Billionen Keime in unserem Körper zueinander und zum Hirn erst recht ein unentwirrbares Geflecht. Die Forschung allerdings konnte das kaum bremsen. Zu viele Fragen, vor allem medizinische Fragen, drängten sich auf. In den Zweitausender-Jahren entwickelte sich die Mikroflora des Menschen innerhalb kurzer Zeit von einem Nebenschauplatz zu einer der großen Arenen der molekularen und biomedizinischen Forschung. Plötzlich scheinen uralte Konzepte wie Gesundheit oder Krankheit kaum mehr diskutabel ohne Berücksichtigung des „Mikrobioms“, wie die Gesamtheit der nützlichen und schädlichen Keime bezeichnet wird. Mancher philosophisch geneigte Experte auf dem Felde ist inzwischen bereit, die Wirkung „melancholischer Mikroben“ zu beklagen, und hält den Menschen gar für ein nützliches, wenn auch bedauernswertes Vehikel der zahllosen Keime, die unseren Körper gehackt haben und deren Herrschaft bis in die entlegensten Winkel des Körpers reicht.

Die Individualität in unserem Bauch

So weit muss man nicht gehen, um die heimliche Herrschaft der Keime zu erkennen. Eine Macht, die das Immunsystem genauso betrifft wie das Nervensystem. In den vergangenen Monaten allein sind Dutzende, in hochrangigen Wissenschaftsjournalen erschienene Studienresultate präsentiert worden, die das belegen. Medizinisch relevante Befunde wie die einer kanadischen Gruppe etwa, die in „Cell“ darüber berichten, wie ein von BaceroidesKeimen aus dem Darm produziertes Protein das Immunsystem in die Irre führen und zum Ausbruch von Autoimmunkrankheiten führen kann – indem es weiße Blutzellen zum Angriff auf eigene Körperzellen anstachelt. In „Frontiers in Psychiatry“ hat der an der Universität Regensburg tätige Mediziner Juan Lima-Ojeda die vielen möglichen hormonellen, nervösen und immunologischen Verbindungen zwischen Darm und Geist skizziert. In einigen Fällen, so etwa bei bestimmten Autismus-Formen oder Depressionen, berichtet der Regensburger Arzt, seien „die Interaktionen womöglich noch wichtiger als sonst während der Entwicklungsphasen des Kindes, in denen sich das Nervensystem ausbildet“. Das weist auf einen entscheidenden Befund der Mikrobiom-Forschung hin: Wie die Darmflora wirkt, ist nicht nur eine Frage von Menge und Zusammensetzung der Keime, sondern ist auch vom Zustand ihres Trägers abhängig. Maßgeschneiderte Diagnosen und Therapien, oft als personalisierte oder individualisierte Medizin bezeichnet, lassen sich ohne den Status des Mikrobioms kaum sinnvoll planen.

Das „Gehirn im Bauch“? Noch bergen die komplexen Vorgänge in unserem Darm einige ungelöste Rätsel für die Wissenschaft.
Das „Gehirn im Bauch“? Noch bergen die komplexen Vorgänge in unserem Darm einige ungelöste Rätsel für die Wissenschaft. : Bild: Getty

Eine israelische Medizinergruppe des Weizmann-Instituts in Rechovot hat das in „Nature“ mit Blick auf die molekulare Revolution der vergangenen Jahrzehnte auf einen brisanten Punkt gebracht: Bakterien konkurrieren mit den Genen. „Für die meisten unserer klinischen Messungen, ob Cholesterin, Gewicht, Blutzuckerspiegel oder andere Parameter, waren die Assoziationen zum Bakteriengenom mindestens genauso groß wie zum Genom des Menschen, manchmal größer.“ Die Forscher hatten die physiologischen Reaktionen der Probanden auf eine maßgeschneiderte Nahrung ermittelt. In der Mikroflora verbirgt sich also ein Großteil unserer Individualität. Das Dilemma der Forscher ist dabei allerdings immer dasselbe: Man kann Zusammenhänge erkennen, aber was genau passiert im Körper, bleibt im Dunkeln. In der Zeitschrift „Science“ hatten schon 2015 die französische Onkologin Laurence Zitvogel vom Gustave Roussy Campus in Villejuif gezeigt, wie die Zusammensetzung der Darmflora bei Mäusen die Wirkung moderner Krebsmittel, sogenannter Checkpoint-Hemmer, beeinträchtigt – oder eben fördert. Inzwischen hat sie mit ihren Kollegen Hunderte behandelter Lungenkrebs-, Nieren– und Blasenkrebspatienten untersucht und immerhin nachweisen können, dass bei Patienten, die aus irgendeinem Grund keimzerstörende Antibiotika vor oder während der Krebstherapie erhalten hatten, die Krebsmedikamente viel öfter versagten. Erklären können die Mediziner den Zusammenhang freilich noch immer nicht.

EHEC-Kolibakterien aus dem menschlichen Darm isoliert.
EHEC-Kolibakterien aus dem menschlichen Darm isoliert. : Bild: Reuters

Ganz ähnliche Erfahrungen hatte, etwa zur gleichen Zeit, der Heidelberger Bioinformatiker und Mikrobiom-Spezialist Peer Bork mit dem Diabetesmittel Metformin gemacht. Bork und seine Kollegen haben am Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) inzwischen gut zehntausend Stuhlproben analysiert. Vor drei Jahren haben sie gezeigt, dass das Standardmedikament gegen Diabetes die Zusammensetzung der Darmflora erheblich stärker beeinflusst als die Pankreaszellen selbst, die die Zuckerkrankheit hervorrufen. Sollte das Mittel also womöglich gar nicht auf die Pankreaszellen wirken, sondern vielmehr durch die Aktivität der Darmflora?

Escherichia-coli-Bakterien an der Darmwand.
Escherichia-coli-Bakterien an der Darmwand. : Bild: dpa

Der Befund, dass NichtAntibiotika die Darmflora so markant veränderten, habe „die Gemeinde aufgerüttelt“, sagt Bork. Folgen allerdings hatte das fürs Erste nicht. Nicht für die Diabetiker und nicht für die Medizin, sehr wohl aber für Bork. Mit einem weiteren Befund, den er Anfang dieser Woche zusammen mit seinen EMBL-Kollegen Kiran Patil und Athanasios Typas in „Nature“ (doi: 10.1038/nature25979) präsentierte, könnte sich das Blatt nun wenden. Die Wissenschaftler haben sich nicht weniger als 1197 Arzneimittel vorgenommen, die man praktisch in jeder Apotheke bekommen kann – von Antibiotika, antiviralen Medikamenten und Schmerzmitteln bis hin zu Antipsychotika –, und haben deren Wirkung auf die Darmflora untersucht. Nicht auf alle möglichen Bakterien; im Darm leben allein geschätzt tausend unterschiedliche Arten von Bakterien und vermutlich ein Vielfaches unterschiedlicher Bakterienstämme. Getestet wurden vielmehr vierzig repräsentative Darmbakterienstämme, die man inzwischen zuverlässig auch im Labor vermehren kann. Tatsächlich krankt die Mikrobiomforschung daran, dass ein großer Teil der im Körper gefundenen Bakteriengemeinschaften in der Petrischale nicht zu simulieren ist, zumal sich jeder Mensch in Zusammensetzung und Zahl der Keime praktisch vom Nachbarn unterscheidet – und individuelle Charakteristika zeigt. Von den vier unterschiedlichen Escherichia-coli-Subtypen etwa, die man kennt, hat jeder Mensch nur einen – den aber häufig sehr lange.

Die Testreihe der Heidelberger Forscher war also in vieler Hinsicht ein Schnappschuss und nicht zu verallgemeinern. Doch der entscheidende Befund hat es in sich: Von den weit mehr als tausend getesteten Substanzen beeinträchtigten nicht weniger als 27 Prozent die Darmbakterien. Der Großteil – 24 Prozent – zählte zu den handelsüblichen Medikamenten, die nicht etwa wie Antibiotika gegen Erreger gerichtet sind, sondern eigentlich auf die menschlichen Zellen im Körper. „Wie viele und wie deutlich diese Arzneien auf die Darmflora wirken, hat uns überrascht“, sagt Bork. Dabei wirkten die Mittel nicht nur direkt auf die Mikroben, die Mikroben vermochten auch die Verstoffwechselung der Arzneimittel ihrerseits zu modulieren – Prozesse, die potentiell die Arzneiwirkung verstärken können oder sie neutralisieren. Schlimmer noch: Einige Arzneien provozierten molekulare Veränderungen in Mikroben, die sie gegen Antibiotika resistent machen. „Das sind Nebenwirkungen, die man bisher nicht beachtete“, sagt Bork, „die jedoch über Therapieerfolge mit entscheiden.“ Man müsse künftig wohl darüber nachdenken, vor der Verschreibung eines Medikamentes einen MikrobenScreen des Patienten durchzuführen. „Wir müssen die Pharma-Testung anpassen“, meint Bork, auch der Pharmaindustrie werde inzwischen klar, dass die Darmflora der entscheidende Hebel sein könnte, wenn Medikamente versagen. Um am Ende die Therapien anzupassen, könnte es dann irgendwann nötig werden, mit Stuhltransplantationen die passende Mikroflora aufzubauen. Tatsächlich ist das auch schon in kleinen klinischen Studien etwa an Autisten versucht worden, wie auch der Wetzlarer Arzt Faraji weiß, und siehe da: die Symptome verbesserten sich häufig. Für Bork ist das nicht genug. Die Rolle der Bakterien müssten molekular verstanden werden, und: „Wir benötigen mehr aussagekräftige Daten aus großen klinischen Studien.“

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NATÜRLICH ist nicht GLYPHOSAT derCHELATOR“ und „MINERALIENFÄNGERdafür VERANTWORTLICH!!!!

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/kreidezaehne-zahnaerzte-warnen-vor-neuer-volkskrankheit-mih-a-1209122.html

Kreidezähne bei Kindern

Zahnärzte warnen vor neuer Volkskrankheit

Deutsche Zahnärzte schlagen Alarm: Immer mehr Kinder leiden unter porösen Zähnen, bei den Zwölfjährigen ist jeder Dritte betroffen. Die Ursachen der Kreidezähne geben Rätsel auf.
© Christian O. Bruch/ laif

Leichte (links) und schwere (rechts) Form der MIH

Norbert Krämer

Leichte (links) und schwere (rechts) Form der MIH

Frontzähne mit MIH

Von Irene Berres

Norbert Krämer

Frontzähne mit MIH
Donnerstag, 24.05.2018 12:12 Uhr

 

Lange Zeit war Karies das größte Problem in den Mündern der Schüler in Deutschland. Mittlerweile aber gibt Zahnärzten ein ganz anderes Krankheitsbild Grund zur Sorge: Immer mehr Kinder leiden unter porösen Zähnen, bei denen sich der Zahnschmelz nicht richtig ausgebildet hat. In einer aktuellen Pressemitteilung warnt die Deutsche Gesellschaft für Zahn- Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) vor einer neuen Volkskrankheit.

Bei der sogenannten Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation – kurz MIHbahnen sich die Zähne bereits mit Schäden ihren Weg durch den Kiefer in die Mundhöhle. Bei manchen Kindern zeigt sich die Störung anfangs nur durch Flecken auf der Oberfläche der Zähne. Andere leiden zusätzlich unter Hitze- und Berührungsempfindlichkeit. Im schlimmsten Fall sind die Zähne so porös, dass ein Teil bereits beim Durchdringen des Kiefers abbricht.

Laut aktuellen Untersuchungen entwickeln etwa zehn bis 15 Prozent aller Kinder in Deutschland die Krankheit. Bei den Zwölfjährigen beträgt die Quote der Deutschen Mundgesundheitsstudie zufolge sogar mehr als 30 Prozent. „Bezogen auf die Mundgesundheit und die Lebensqualität der Kinder ist MIH mittlerweile ein größeres Problem als Karies in dieser Altersgruppe“, sagt Norbert Krämer von der Universität Gießen.

Erst seit 1987 bekannt

Am häufigsten betrifft MIH einen oder mehrere Backenzähne. Seltener tritt der poröse Schmelz aber auch bei Schneide- oder Milchzähnen auf. Um die Krankheit zu diagnostizieren, reicht ein geschulter Blick in den Mund. Kreidezähne haben weißlich-cremefarbige bis gelblich-braune Flecken. Je dunkler die Farbe ist, desto poröser ist der Schmelz. Gelangt ein Zahn gesund in die Mundhöhle, besteht keine Gefahr mehr.

Obwohl die Zahl der Betroffenen wächst, wissen Mediziner bislang nur wenig über die Krankheit. Wissenschaftlich beschrieben wurde sie erstmals 1987, einen einheitlichen Namen trägt sie erst seit einer Konferenz im Jahr 2001. „Es handelt sich noch um eine sehr junge Erkrankung“, sagt Krämer. „Als ich in den Achtzigerjahren ausgebildet wurde, war eher das Thema, ob jemand solche Zähne schon einmal gesehen hat.“ Heute seien Kreidezähne allgegenwärtig.

Trotzdem werde das Problem oft ignoriert, sagt Krämer. „Es müsste dringend geforscht werden. Doch es gibt immer weniger Lehrstühle für Kinderzahnmedizin in Deutschland.“ Vor allem die Ursache der porösen Zähne gibt bis heute Rätsel auf. Sicher ist nur, dass sich der Zahnschmelz der betroffenen Zähne im Zeitraum zwischen dem achten Schwangerschaftsmonat und dem vierten Lebensjahr entwickelt. Das erste Lebensjahr scheint für die Fehlbildung entscheidend zu sein. Dann müssen wahrscheinlich mehrere Faktoren zusammenkommen, damit MIH entsteht.

Stoffe aus Plastik als Auslöser?

„Jüngste Untersuchungen deuten darauf hin, dass Bisphenol A bei der Entstehung eine große Rolle spielt“, sagt Krämer. Bei Versuchen mit Ratten entwickelten die Tiere nach der Gabe des Stoffs poröse Zähne. Bisphenol A steckt als Weichmacher in Plastik, in Babyflaschen ist es seit 2011 verboten. „Für mich wären Stoffe aus Plastik als Auslöser auch sehr plausibel“, sagt Krämer mit Blick auf die junge Geschichte der Krankheit. „In dieser Hinsicht hat sich unser Verhalten in den vergangenen Jahren gewandelt. Heute ist selbst die Bio-Gurke in Plastik verpackt.“

Noch handele es sich dabei aber nur um Verdachtsmomente, schränkt der Experte ein. Daneben seien unter anderem Infektionskrankheiten, Antibiotika, Windpocken, Einflüsse durch Umweltgifte wie Dioxin, Probleme während der Schwangerschaft oder Erkrankungen der oberen Atemwege als mögliche Auslöser denkbar.

Das Problem: Solange Ärzte die genaue Ursache nicht kennen, können sie auch nicht vorbeugen. Welche Folgen das hat, musste Krämer, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde, schon in der eigenen Familie beobachten: Bei seiner Enkelin entdeckte der Mediziner poröse Backenzähne – schon im Milchgebiss.

Karies vermeiden, Zähne erhalten

Hat ein Kind MIH, zielt die Behandlung aktuell vor allem darauf ab, Karies abzuwenden. In der porösen Oberfläche der betroffenen Zähne können sich schädliche Bakterien besonders gut einnisten. Hinzu komme, dass sich die raue Oberfläche schlechter reinigen lasse und berührungsempfindlich sei, schreibt Stefan Zimmer, Professor an der Universität Witten/Herdecke und Präsident de Deutschen Gesellschaft für Präventivzahnmedizin in einem Statement. Das erschwere die Mundhygiene.

Um die Zähne vor Karies zu schützen, rät der Experte vor allem zu Fluorid   (<<<< ?FLOURID? ist ein „RATTEN-GIFT“ und schädigt die ZIRBEL-DRÜSE???!!!>>>) – in Form von Zahnpasta, angereichertem Speisesalz, speziellem Lack oder Mundspülungen. Das Spurenelement kommt auch natürlich im Zahn vor. Es sorgt dafür, dass sich Mineralien in den Schmelz einlagern und legt sich wie ein Film auf den Zahn. Daneben können Zahnärzte die Furchen der Zähne mit Kunststoff versiegeln. Sind die Zähne extrem angegriffen und Stücke abgebrochen, können Kronen notwendig werden.

Ob ein Kind unter MIH leidet, lässt sich am besten im Alter von acht Jahren untersuchen. Zu diesem Zeitpunkt hat der Körper in der Regel alle Backen- und Schneidezähne vollständig in die Mundhöhle geschoben. Bei schweren Formen können sich die Probleme jedoch auch schon früher bemerkbar machen, wenn die Zähne den Kiefer durchbrechen.

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siehe auch „Monika KRÜGER“

siehe auch „Monika Krüger“ –  Hemmung des „Shikimate-Pathway“ (Shikimisäure-Stoffwechselpfad) „Pflanzen-Stoff-Wechsel“   –  „Prof. Dr. Maria Finckh“ 

siehe auch „Monsanto“ – „Krebs-Risiko“ – „Clostridium botulinum“

siehe auch „ZIVIL-PROZESS“ gegen „MONSANTO-BAYER“

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Wirkungen von Glyphosat

Glyphosat in „Back-Waren“

GLYPHOSAT ist einCHELATORund somit „MINERALIENRÄUBER

„Monika Krüger“ (Tier-Ärztin und Mikro-Biologin) – „Glyphosat“ ist ein Chelator – ein „Spuren-Elemente-Fänger“ (RÄUBER)

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siehe auch „GLYPOSAT“ im BIER und EIS  – SCHADEN am MIKRO-BIOM

 

ube.com/watch?v=bN3LXjigjIg

Dr. „Thierry Vrain“-  Former „Pro-GMO Scientist“ –  „Speaks Up Against „Glyphosate“

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siehe auch „Climate und GEO-ENGINEERING“

http://www.faz.net/aktuell/wissen/erde-klima/wenn-die-klimarettung-zum-gefaehrlichen-abenteuer-wird-15747702.html

Geoengineering : Klimarettung, das gefährliche Abenteuer

  • Von Horst Rademacher
  • Aktualisiert am

Der Ausbruch des Pinatubo auf den Philippinen am 12. Juni 1991 Bild: dpa

Das Klima steuern, den Klimawandel mit Großtechnik stoppen – die Pläne wollen einfach nicht vergehen. Doch das Geoengineering bleibt Größenwahn, wie der Blick in die Vergangenheit zeigt.

Bisher war der Mensch bei seinen Versuchen, Vorgänge in der Natur in seinem Sinn zu steuern, oft kläglich gescheitert. So kommt es nur selten zu ergiebigem Niederschlag, wenn von Flugzeugen aus zusätzliche Kondensationskeime in feuchte Luftmassen versprüht werden, um gezielt Regen auszulösen. Und die Ansiedlung der giftigen Aga-Kröten in Australien war ein vollkommener Flop. Statt wie erhofft Schädlinge in Zuckerrohrplantagen zu fressen, machten sich die liebestollen Amphibien über heimische Tierarten her. Sie vermehrten sich dabei so schnell, dass sie zur Plage geworden sind.

Dass all diese Versuche des Geo- und Bioengineering immer wieder versagen, liegt nicht an der mangelnden Vorstellungskraft des Menschen. Vielmehr unterliegen die meisten Vorgänge in der Natur der Stochastik: So fällt längst nicht aus jeder dicken Wolke Regen, und die Vorliebe von Kröten kann sich urplötzlich ändern. Dementsprechend sind auch alle Vorschläge mit äußerster Vorsicht zu genießen, den fortschreitenden Klimawandel von außen zu stoppen oder wenigstens zu verlangsamen.

Historische Vulkanausbrüche – eine Warnung

Eine gutgemeinte Idee ist es beispielsweise, die Meere mit Eisen zu düngen. Plankton, so die Logik hinter diesem Vorschlag, nimmt bei der Photosynthese Kohlendioxid auf, das schließlich zusammen mit den abgestorbenen Organismen auf den Meeresgrund sinkt und damit in der Atmosphäre keinen Treibhausschaden mehr anrichten kann. Stimuliert man das Wachstum des Planktons mit mineralischen Nährstoffen wie Eisen wächst es üppiger und nimmt dabei mehr CO2 auf. Aber spätestens seit vor einigen Jahren ein entsprechendes Experiment vor der kanadischen Pazifikküste außer Kontrolle geriet, betrachtet man die Eisendüngung mit großer Skepsis. Deshalb hat das Bundeskabinett auch beschlossen, alle Bestrebungen, die Meere zu kommerziellen Zwecken zu düngen, vollständig zu untersagen.

Ein dichter Schleier von Aerosolen umhüllte die Erde nach dem Ausbruch des Pinatobo 1991. Die Folge waren Missernten in vielen Teilen der Welt, wie Computersimulationen bestätigen. : Bild: Jonathan Proctor and Solomon Hsiang

Ein anderes Allheilmittel gegen die Erderwärmung sehen viele Geoingenieure in zusätzlichen Aerosolen, die man in der Atmosphäre verteilt. Das Ansinnen dahinter: Gelangen diese winzigen Schwebeteilchen in die Stratosphäre, streuen sie einfallendes Sonnenlicht. Ein Teil der Sonnenstrahlung wird dabei in den Weltraum zurückgeworfen. Dieser Anteil kann nicht die Treibhausgase in der Troposphäre erreichen und deshalb unseren Planeten nicht noch weiter aufheizen. Vulkane sind natürliche Aerosolschleudern, denn das von ihnen ausgeschleuderte Schwefeldioxid gelangt häufig bis in die obersten Atmosphärenschichten.

Verheerende Folgen von Vulkanausbrüchen

So verringerte das vom Ausbruch des Vulkans Pinatubo 1991 stammenden Aerosol die Intensität der Sonnenstrahlung am Erdboden um 2,5 Prozent. Allerdings haben die Schwebeteilchen des Pinatubo aber auch zu beträchtlichen Ernteausfällen bei Mais, Sojabohnen, Reis und Weizen geführt, wie amerikanische Geoforscher jüngst in der Zeitschrift „Nature“ berichteten.

Spritzt man also Aerosol in die Stratosphäre mag es zwar kühler werden, gleichzeitig gehen aber auch die Erträge zurück. Und gibt es zu viel Aerosol kann sogar schon einmal ein Sommer ausbleiben wie nach dem Ausbruch des Tambora im Jahre 1815. Welche Folgen „dieses Jahr ohne Sommer“ hatte, ist bekannt.

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aus dem TEXT:…..Die damals rund 800.000 Einwohner atmeten Millionen von Bakterien der Typen >>>>>>Serratia marcescens und Bacillus globigii<<<<<<<<< ein – harmlose Typen, wie man damals dachte. Heute ist klar, dass Serratia marcescens Krankheiten beim Menschen hervorrufen kann und für immungeschwächte Personen durchaus gefährlich ist.

https://www.focus.de/panorama/videos/attacken-gegen-us-buerger-us-militaer-testete-biologische-waffen-an-der-eigenen-bevoelkerung-in-san-francisco_id_4814917.html

14.07.2015, 10:51 | 01:30 Min. |

Attacken gegen US-Bürger

US-Militär testete biologische Waffen – an der eigenen Bevölkerung in San Francisco

.com/watch?v=0oio6DYNHxQ&feature=youtu.be

Es klingt wie eine Verschwörungstheorie – aber die USA haben biologische Waffen an der eigenen Bevölkerung getestet. Die Militär-Forscher sorgten sich darum, welche Wirkung diese Waffen haben. Sie sollten es bald erfahren.

Es begann mit Tests auf Militärbasen. Soldaten und ihre Familien wurden Mikroben ausgesetzt, später, im Kalten Krieg, sollen die Versuche erweitert worden sein. In einem der größten Experimente versprühte die US-Navy mit gigantischen Schläuchen Bakterienwolken vor der Küste von San Francisco.

Die Forscher wollten herausfinden, wie sich die Stoffe verbreiten, berichtet „Iflscience.com“. Die Folge: Die damals rund 800.000 Einwohner atmeten Millionen von Bakterien der Typen Serratia marcescens und Bacillus globigii ein – harmlose Typen, wie man damals dachte. Heute ist klar, dass Serratia marcescens Krankheiten beim Menschen hervorrufen kann und für immungeschwächte Personen durchaus gefährlich ist.

Mindestens ein Todesfall lässt sich auf die Experimente zurückführen. Bekannt ist auch, dass das US-Militär hunderte solcher Tests durchgeführt hat.

Sogar an der englischen Küste lässt sich ein derartiges Bio-Waffen-Experiment nachweisen. Verantwortlich dafür war allerdings das britische Militär. Das wahre Ausmaß der Angriffe auf die eigene Bevölkerung lässt sich also nur erahnen.

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ube.com/watch?v=FsZjUiD_CsQ

Feinstaubalarm in Stuttgart – Geo Engineering über Deutschland – 2017 !

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http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/forschungsprogramm-der-usa-untersucht-den-einsatz-neuer-biowaffen-15821541.html

Virenverbreitende Insekten : Entwickelt Amerika neue Biowaffen?

Wenn Blattläuse bald offensiv als Biowaffen eingesetzt werden, helfen vielleicht nur noch Ameisen. Bild: dpa

Ein Forschungsprogramm des Pentagon untersucht den Einsatz von Insekten bei der Verbreitung von Viren. Deutsche und französische Wissenschaftler kritisieren das scharf und warnen vor unkontrollierbaren Risiken einer neuen Biowaffen-Generation.

Wenn es um die „Darpa“ geht, kommt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek schon mal ins Schwärmen. Die Darpa ist der wissenschaftliche Arm des amerikanischen Verteidigungsministeriums, ebenso berühmt wie berüchtigt für ihren radikalen Innovationsgeist. Für die deutsche Ministerin stand die Darpa Pate, als es darum ging, den deutschen Erfindergeist auf Trab und die neue Hundert-Millionen-Euro-„Agentur zur Förderung von Sprunginnovationen“ auf den Weg zu bringen.

Joachim Müller-Jung

Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

Deren Gründung hatte das Bundeskabinett im August beschlossen. Wo die Darpa mit ihrem prallen Dollarsäckel sät, schießen große Ideen und technische Revolutionen wie Pilze aus dem Boden. So jedenfalls geht die Legende…..

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siehe auch „FAKTEN und KEINE LÜGEN mehr“ – „9/11“

„WDR“ verbotener Film – Aktenzeichen 11/9 ungelöst Lügen und Wahrheiten zum „11 September 2001“

?Osama bin Laden? – Flug 93 (kein Flugzeug)Flight 93 (no airplane)

„nur ein Loch“ – „Boing 757“ –  kritische Nachfragen „unerwünscht“ Geheimhaltung war das Gebot der Stunde
„Tom Flocco“ – „Catherine Austin Fitts“ (unanswered questions.org)
?Afghanistan?
ab 12:30 Minuten: ?“Henry Kissinger“?
„Meinungs-Freiheit“ – „Internet-Zensur“ –  – Passagierlisten ohne die Namen der Entführer (noch am Leben) – „Pakistan – CIA“
ab 19:11  Jagd auf „Osama Bin Laden“ (saudische Bau-dynasty) – „Steck-Brief“ (Osama bin Laden wird nicht wegen 9/11 gesucht)
„offizielle Version stimmt nicht“
ab 23:12 Minuten –  Pentagon – „Abschuss-Vorrichtung“
es wurde DRUCK ausgeübt – den Familien wurde verboten darüber zu sprechen – „kein Tropfen Blut“ (?Identifikaktion der Toten?) – „L.L. Lemnitzer“ (Oberbefehlshaber der NATO) – 1962:  „Operation Northwood“ – „James Bamford“ (Body of Secrets) – geplante TERROR-AKTE gegen das eigene VOLK
„neue Welt-Ordnung“ – „Paul Wolfowitz“
ab 39:00 Minuten –  >>>>>>>>>>>„Briefe mit Milz-Brand-Erreger“ (Militär-Labor aus den USA – „Barbara Hatch Rosenberg“ 2002)<<<<<<<<<
„Patriot-Akt“ – „Kyle Hence“ – „Domestic Security Enhancement Act of 2003″

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https://www.neopresse.com/umwelt/der-moorbrand-vom-emsland-bundeswehr-mit-radioaktivem-skandal/

Der Moorbrand vom Emsland – Bundeswehr mit radioaktivem Skandal?

NEOPresse in Umwelt

Der „Moorbrand vom Emsland“, verursacht durch die Bundeswehr, könnte noch einen ganz anderen Skandal hervorbringen. Nach einem Bericht der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ muss die Bundeswehr nun eine Belastung durch radioaktive Bestrahlung sowie durch Quecksilber prüfen. Die Medien schweigen weitgehend über den neuerlichen Skandal.

Entwarnung durch die Bundeswehr zu früh

Die Bundeswehr hatte für den Moorbrand „gesorgt“. Allerdings sind nunmehr weitere Details aufgetaucht, die bis dato offenbar verschwiegen worden sind. Kaum vorstellbar, so die Beobachter dieser Vorgänge, dass die Bundeswehr darüber nicht gewusst haben soll.

 

Im Emsland befindet sich ein sogenanntes „Waffentestgelände“. Dort sind Sprengkörper getestet worden, die etwa aus den Beständen der NVA, der Nationalen Volksarmee der DDR, entnommen worden sind oder sein könnten. Zudem sei dort auch die Möglichkeit gegeben, dass Nato-Munition verwendet wurde. Diese wäre dann ggf. uranhaltig. Auch ist jetzt bekanntgeworden, dass auf dem Testgelände sogenannte „Wuchtmunition“ eingesetzt wurde. Dies enthält wiederum „giftige Schwermetalle“, wie es in dem Bericht heißt.

Der Moorbrand, der sich in den vergangenen Wochen ereignet hat, könnte diese Gifte und Belastungen nun freigesetzt haben, heißt es. Dort war es zum Ausstoß großer Mengen an und von Rauch gekommen.

Jetzt prüft auch die Bundeswehr. Zunächst geht es nur darum, die Gefährdung der Einsatzkräfte der Armee selbst zu testen. Hintergrund der Aktivitäten ist ein Raketentest vom 3. September. Dabei war ein Großfeuer entstanden. Dieses schwelt noch heute. Die Bundeswehr hat es bis zum heutigen Tag nicht komplett unter Kontrolle bekommen. Insofern ist bereits ein Monat vergangen, und die Situation hat sich eher verschlimmert als verbessert. Bis dato hat sich die politische Führung der Bundeswehr weitgehend bedeckt gehalten. Die Berichterstattung dürfte in den kommenden Wochen deutlich zunehmen. Der Skandal weitet sich aus.

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DRECKS-ILLUSION

Wer Braucht diesen „RESOURCEN-und ENERGIE-FRESSENDEN PLASTIK-ROBOTER-DRECK“ – HIER hat absolut NICHTS mit einem MENSCHEN zu TUN

ERBÄRMLICH: SCHLECHTE KOPIE und IMITATION

https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2018/10/03/banken-setzen-menschliche-roboter-der-kundenberatung-ein/

Banken setzen menschliche Roboter in der Kundenberatung ein

Das Start-up „Soul Machines“ entwickelt menschenähnliche Roboter für die Kundenberatung.

Ein humanoider Roboter. (Foto: Soulmachine)

Ein humanoider Roboter. (Foto: Soulmachine)

Das neuseeländische Start-up „Soul Machines” entwickelt menschenähnliche Roboter, die von Banken zur Kundenberatung eingesetzt werden. Wie die „Nikkei Asian Review“ berichtet, hat das Unternehmen mit Sitz in Auckland bislang 15 Humanoiden gebaut, die in neuseeländischen, australischen und britannischen Geldhäusern zum Einsatz kommen. Innerhalb der nächsten sechs Monate will Soul Machines nach China und Japan expandieren, innerhalb von drei Jahren sollen weltweit tausende der Roboter verkauft werden. Dann sollen die Roboter auch in Branchen wie dem Gesundheits- und dem Bildungswesen sowie in der Autoindustrie Kunden beraten. Die Kosten für einen Roboter betragen etwas unter einer halben Million Dollar.

Die Roboter sehen Menschen täuschend ähnlich. Sie sind mit Künstlicher Intelligenz ausgestattet – unter anderem mit dem Programm „Watson“ von IBM – und beherrschen mehrere Sprachen sowie verschiedene englische Akzente. Damit sie sich menschenähnlicher verhalten, verfügen sie über künstliche Gehirne und Nervensysteme, die von Neurowissenschaftlern entwickelt wurden, sowie über künstliche Hormone wie Adrenalin und Oxytocin. Letzteres spielt bei echten Menschen unter anderem beim Geburtsprozess eine wichtige Rolle. „Wir sind ununterbrochen dabei, unsere Roboter noch intelligenter zu machen, noch lernfähiger und noch geübter im sozialen Umgang“, sagt der Chief Business Officer von Soul Machine, Greg Cross. Um ihre Humanoiden noch menschenähnlicher gestalten zu können, suchen die Neuseeländer eine Partnerfirma für die Entwicklung einer Technologie, die noch realistischere Gesichtsbewegungen – wie durch Gesichtsmuskeln –  ermöglicht.

Der Gründer von Soul Machine ist der Wissenschaftler Mark Sagar, der für die Filme „King Kong“ und „Avatar“ jeweils den Academy Award in den Bereichen Wissenschaft und Technik gewann.

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siehe auch „ROH-STOFF-RAUB“ – „Lithium“ – Folgen der DIGITALEN Energie-Fressenden ILLUSION – „Seltene Erden“

http://www.faz.net/aktuell/wissen/erde-klima/die-folgen-des-tiefseebergbaus-erscheinen-dramatisch-15805089.html

Folgenreicher Tiefseebergbau : Das Gedächtnis des Meeres

  • Von Horst Rademacher
  • Aktualisiert am

Manganknollen enthalten außer Mangan noch Kupfer, Kobalt, Nickel und zahlreiche andere Metalle. Bild: Bloomberg

Die Rohstoffvorkommen in der Tiefseeboden wecken Begehrlichkeiten. Doch das Schürfen am Meeresgrund könnte ungeahnte ökologische Folgen haben.

Welche langfristigen Folgen der mögliche Tiefseebergbau für die Umwelt auf dem Meeresgrund hat, war bisher weitgehend unbekannt. Eine Gruppe europäischer Forscher hat nun Ergebnisse einer Langzeituntersuchung aus dem Südostpazifik veröffentlicht, nach der ein bergmännischer Eingriff über lange Zeit schwere Wunden im Tiefseeleben hinterlässt. Mehr als ein Vierteljahrhundert später gab es in dem betroffenen Gebiet deutlich weniger kalkbildende Organismen und eine drastische Reduktion der filtrierenden Meeresfauna. Eine Rekultivierung, wie sie im Bergbau an Land, beispielsweise in den verschiedenen Braunkohlerevieren in Deutschland, betrieben wird, ist in der Tiefsee nahezu unmöglich.

Diese bislang einzigartige Langzeitstudie beruht auf einem Experiment Hamburger Meeresforscher, die im Jahre 1989 mit dem Forschungsschiff „Sonne“ den Südostpazifik im Peru-Becken südlich der Galápagosinseln kreuzten. Ziel dieser Forschungsfahrt war es damals, den Tiefseebergbau in einem in knapp 4200 Meter Wassertiefe gelegenen Meeresgebiet zu simulieren. In dieser Region ist der Meeresgrund voller Manganknollen, jenen bis zu Dezimeter großen, blumenkohlförmigen Brocken, die neben Mangan auch Kupfer, Kobalt, Nickel und zahlreiche andere Metalle enthalten. Damals gab es in vielen Ländern ernsthafte Überlegungen, diese nicht nur im Pazifik, sondern auch im Atlantischen und im Indischen Ozean vorkommenden Manganknollen großräumig abzubauen

Rekolonisierung deutlich zu langsam

Um solche bergmännischen Eingriffe zu simulieren, schleppte die „Sonne“ damals einen Tiefseepflug hinter sich her, der ein etwa elf Quadratkilometer großes rundes Areal auf dem Meeresboden systematisch umwühlte. Die Manganknollen wurden dabei untergepflügt und das Meeressediment und die darauf lebende Fauna und Flora großräumig zerstört. In vier Folgeexpeditionen wurde anschließend untersucht, ob und wie die Lebenswelt den umgepflügten Meeresboden rekolonisierte.

Manganknollen in der Clarion-Clipperton-Zone in mehr als 4000 Metern Wassertiefe. In wenigen Jahren könnten die ersten Staaten Abbaulizenzen für Manganknollen bei der Internationalen Meeresbodenbehörde ISA beantragen.
Manganknollen in der Clarion-Clipperton-Zone in mehr als 4000 Metern Wassertiefe. In wenigen Jahren könnten die ersten Staaten Abbaulizenzen für Manganknollen bei der Internationalen Meeresbodenbehörde ISA beantragen. : Bild: ROV-Team/Geomar

Weil aber das Interesse am Abbau von Manganknollen im Laufe der Zeit nachließ, wurden diese Untersuchungen nach sieben Jahren eingestellt. Im Sommer 2015 kehrte die „Sonne“ schließlich noch einmal in das Seegebiet zurück. Mit Hilfe des autonomen Forschungsunterseebootes nahmen Meeresforscher abermals  den Bestand an Fauna und Flora auf dem nahezu drei Jahrzehnte vorher umgepflügten Meeresgrund auf.

Dabei stellte sich heraus, dass die Rekolonisierung des Tiefseebodens erheblich langsamer verläuft als bisher angenommen. Wie die Forschergruppe um Tanja Stratmann vom Königlich Niederländischen Meeresforschungsinstitut jetzt in der Zeitschrift „Biogeosciences“ schreibt, haben sich vor allem jene Lebewesen, die ihre Nahrung durch das Filtrieren von Meerwasser beziehen, kaum erholt. Sie sind im umgepflügten Areal etwa nur ein Fünftel so häufig anzutreffen wie im ungestörten Nachbargebiet. Auch bei den kalkbildenden Organismen hinterließ der bergmännische Eingriff tiefe Narben. Im Vergleich zu den Nachbarbereichen beträgt ihre Masse im umgepflügten Bereich nur wenig mehr als die Hälfte. Lediglich die vom Meeresboden fressende Fauna, wie zum Beispiel Seegurken oder die zu den Krebsen gehörenden Scherenasseln, hatte sich weitgehend erholt.

Quelle: F.A.Z.

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http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/weltnaturschutzunion-iucn-rohstoffabbau-fuer-smartphones-gefaehrdet-tiefsee-a-1218651.html

Rohstoffe für Smartphones

Umweltschützer warnen vorm Schürfen in der Tiefsee

Für Smartphones brauchen Hersteller Kupfer, Aluminium und Kobalt. Die Rohstoffe könnten bald aus der Tiefsee kommen, auch Deutschland hat Abbaulizenzen. Doch Umweltschützer sind besorgt.
Seeanemone der Gattung Relicanthus an einer Bruchzone im Zentralpazifik

Seeanemone der Gattung Relicanthus an einer Bruchzone im Zentralpazifik
Smith und Amon/ABYSSLINE Project/University of Hawaii at Manoa /dpa

Seeanemone der Gattung Relicanthus an einer Bruchzone im Zentralpazifik
Montag, 16.07.2018 11:01 Uhr

 

Bereits in wenigen Jahren soll die Tiefsee als Abbaugebiet für Rohstoffe genutzt werden. Dadurch drohe jedoch schwerer Schaden für die Meereslebewesen, warnt die Weltnaturschutzunion (IUCN). Den Ozeanboden mit Maschinen aufzureißen komme dem Abholzen von Wäldern gleich, schreibt die Organisation in einem am Montag veröffentlichten Bericht zum Abbau von Tiefseerohstoffen.

Die Tiefsee umfasst Regionen mit mehr als 200 Metern Wassertiefe – nach IUCN-Angaben etwa 65 Prozent der Erdoberfläche. Dort gibt es unter anderem Kupfer, Aluminium und Kobalt. Der Bedarf an den Metallen wächst. Die Hightech-Industrie braucht sie für Produkte wie Smartphones. Auch „grüne Technologien“ befeuern den Bedarf, etwa für Speicherbatterien.

Die 1994 gegründete Internationale Meeresbodenbehörde (ISA) will an ihrem Sitz in Jamaika einen Verhaltenskodex ausarbeiten. Die IUCM warnt jedoch: „Die Regeln, die gerade zum Management des Rohstoffabbaus in der Tiefsee entwickelt werden, reichen nicht aus, um unwiderruflichen Schaden von den Ökosystemen der Meere und den Verlust einzigartiger Arten abzuwenden.“

Abbau ab 2025

Der kommerzielle Abbau von Rohstoffen aus der Tiefsee soll etwa 2025 beginnen. Dabei geht es unter anderem um bestimmte schwefelhaltige Salze (Sulfide). Die Meeresbodenbehörde ISA hat nach eigenen Angaben bereits 29 Vertragspartnern Lizenzen für die Suche nach polymetallischen Sulfiden und kobaltreichen Krusten erteilt – darunter auch an der mehr als 20.000 Kilometer langen Gebirgskette Mittelatlantischer Rücken im Atlantik. Auch Deutschland hat seit 2015 eine Lizenz.

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) will Sulfide im Indischen Ozean südöstlich von Madagaskar bis in eine Tiefe von 3000 Metern erforschen. Sie enthalten nach BGR-Angaben neben Schwefel auch Blei, Kupfer, Zink, Gold und Silber sowie Spurenelemente wie Kobalt, Nickel und Selen.

Wenn Sedimente am Meeresboden aufgewirbelt werden, kann das laut IUCN einige Tiere ersticken und anderen die Orientierung nehmen. Lebewesen würden zudem gestört durch Lärm, Vibrationen, Licht und Schiffe. Außerdem bestehe die Gefahr, dass giftige Stoffe durch Lecks ins Meereswasser gelangen. Dringend nötig seien mehr Studien, weil die tiefen Meeresregionen bislang gar nicht genug erforscht seien.

„Artenreiche Leben in der Tiefsee für immer zerstören.“

„Was wir bislang wissen, reicht nicht, um Meeresflora und -fauna vor Bergbauaktivitäten effektiv zu schützen“, sagt Carl Gustaf Lundin, Direktor der IUCN-Abteilung für Meeres- und Polargebiete. Rohstoffe mit den Technologien, die heute zur Verfügung stehen, aus dem Meeresboden zu holen, könnte das artenreiche Leben in der Tiefsee für immer zerstören.“

Die IUCN ist das weltweit größte Netzwerk staatlicher und nichtstaatlicher Umweltorganisationen. Unter den mehr als 1300 Mitgliedern sind etwa die Umweltstiftung WWF und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

jme/dpa

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https://www.sueddeutsche.de/digital/killerroboter-wenn-maschinen-ueber-leben-und-tod-entscheiden-1.4108992

Killerroboter

Wenn Maschinen über Leben und Tod entscheiden

Der Protest gegen Killerroboter in London erinnert an den charmanten C-3PO.(Foto: AFP)
  • In Genf diskutieren die UN über die Entwicklung und den Einsatz autonomer Waffensysteme.
  • Kritiker fürchten, dass „Killerroboter“ bald selbstständig Entscheidungen über Leben und Tod treffen.
  • Befürworter argumentieren, dass Maschinen weniger Fehlentscheidungen träfen und besser geeignet seien, Menschenleben zu schonen.
Von Paul-Anton Krüger

Eine Armee von Killerrobotern, die federnden Schrittes wie eine Horde Tyrannosaurus Rex auf eine Großstadt zustürmen. Maschinen außer Kontrolle, mit rot leuchtenden Elektroaugen, die entfesselt wehrlose Menschen niedermähen. Was seit Jahrzehnten als Motiv in Horror- und Science-Fiction-Filmen von „Terminator“ bis „Transformers“ auftaucht, könnte durch den technischen Fortschritt in einigen Jahren der Realität zumindest nahekommen. Etliche Länder, unter ihnen die USA, Russland und China, aber auch Großbritannien, Südkorea oder Israel arbeiten an der Entwicklung tödlicher autonomer Waffensysteme, weitere Länder haben zumindest ein Interesse daran.

Autonome Waffensysteme sind an sich nichts Neues: Eine Landmine löst aus, ohne dass ein Kommandeur den Befehl dazu gibt, vor allem aber ohne Unterscheidung, wenn das nötige Gewicht auf den Zündmechanismus ausgeübt wird. Auch die Selbstschussanlagen an der innerdeutschen Grenze feuerten automatisch, einmal scharfgemacht.

Der Unterschied zu modernen Militärrobotern ist, dass diese durch die Fortschritte in der Sensor- und Computertechnik, vor allem bei der Entwicklung künstlicher Intelligenz, künftig komplexe Entscheidungsabläufe auf dem Schlachtfeld übernehmen könnten, ohne dass Menschen noch in diese Prozesse eingreifen.

Aufstand gegen die Killerroboter

Tesla-Gründer Elon Musk gibt mit tausenden Forschern das Versprechen, keine autonomen Waffen zu entwickeln. Einer anderer Unterzeichner hält etwas anderes für gefährlicher: den Menschen. Von Marvin Strathmann mehr …

Von der dritten Revolution in der Kriegsführung nach der Erfindung des Schießpulvers und der Atomwaffen ist die Rede – Kritiker solcher Waffensysteme knüpfen daran ihre Warnung und Forderungen nach einer Regulierung oder gar einem Verbot. Zugleich macht sie das für Streitkräfte attraktiv: Technologischer Vorsprung in diesem Bereich soll in den USA dazu beitragen, die militärische Überlegenheit gerade im Vergleich mit Russland und China zu wahren. Andere Staaten, nicht zuletzt China, die stark in künstliche Intelligenz investieren, erhoffen sich, ihren Rückstand zu verkürzen. Unter der Ägide der Vereinten Nationen beraten derzeit in Genf Delegationen aus mehr als 75 Staaten über den Umgang mit diesen futuristischen Waffen.

Schon die Definition ist umstritten: Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), das über die Einhaltung des humanitären Völkerrechts wacht, stellt auf die „Autonomie in kritischen Funktionen“ ab, also, dass ein Waffensystem Ziele sucht, verfolgt, identifiziert und auswählt und sie ohne Zutun eines Menschen attackiert.

Es gibt bereits heute Luftabwehr- und Nahbereichsverteidigungssysteme, die semiautonom arbeiten – allerdings in eng eingegrenzten Bereichen. Das amerikanische MK-15 Phalanx etwa, auch auf Schiffen der Bundesmarine im Einsatz, soll anfliegende Raketen mit einer Maschinenkanone abwehren, und wird von Menschen nur noch überwacht. Russland verfügt mit dem Pantsir-System über ähnliche Fähigkeiten. Die Armee setzt es in Syrien zur Sicherung ihrer Stützpunkte ein.

Was bedeutet es, wenn Maschinen über den Einsatz tödlicher Gewalt entscheiden?

Geforscht aber wird an unbemannten Kampfjets – eine Fortentwicklung der ferngesteuerten Drohnen, bei denen immer noch ein Mensch den Knopf am Joystick in einem Kommandostand drückt, um Waffen abzufeuern. Mit landgestützten Systemen experimentiert das US-Militär auch bereits seit einiger Zeit: der Crusher ist eine Technologie-Studie eines unbemannten Kampffahrzeugs von 2006, sechs Tonnen schwer, auf drei Achsen, geländegängig, testweise mit einer Maschinenkanone bestückt.

Warum autonome Waffen wohl nicht verboten werden

In Genf verhandeln 75 Nationen, um Killerroboter zu regulieren. Eine Einigung ist unrealistisch, weil einige Staaten eigene Interessen verfolgen. Von Paul-Anton Krüger mehr …

China entwickelt ebenfalls autonome Fahrzeuge für das Militär. Eigenständig agierende Waffensysteme zum Einsatz auf See, unter Wasser oder gar im Weltall wecken ebenfalls Interesse von Streitkräften weltweit, zumal bei menschenleeren Gefechtsfeldern, wo die ethisch-moralischen und rechtlichen Probleme leichter zu überwinden sein könnten.

Die Schlüsselfrage ist, was es bedeutet und welche Folgen es hat, wenn Roboter basierend auf Algorithmen ohne das Zutun eines Menschen Entscheidungen über den Einsatz tödlicher Gewalt treffen. Zwar gibt es bislang keine Rechtsnormen, die den Einsatz solcher Systeme spezifisch regeln. Vertreter der in Genf verhandelnden Staaten seien sich aber im Prinzip einig, dass auch autonome Waffensysteme mit dem humanitären Völkerrecht vereinbar sein müssen, sagte der Vorsitzende der UN-Verhandlungsrunde, der indische Botschafter Amandeep Singh Gill, am Montag in Genf.

Deutschland fordert, dass Waffen menschlicher Kontrolle unterliegen müssen

Das heißt, dass etwa die zwingend vorgeschriebenen Abwägungen über die Notwendigkeit und die Verhältnismäßigkeit beim Einsatz von Gewalt getroffen werden müssen. Auch zwischen Kombattanten und Zivilisten muss strikt unterschieden werden; Entscheidungen über die Tötung von Menschen oder die Zerstörung von Sachen müssen zudem zurechenbar bleiben, also auf einen Menschen als Verantwortlichen zurückzuführen sein.

Kritiker aus Menschenrechtsorganisationen, aber auch Vertreter vieler Regierungen bezweifeln, dass diese Grundsätze auf Dauer bei autonomen Waffensystemen gewahrt bleiben können. Die Regierungsfraktionen in Berlin haben sich im Koalitionsvertrag darauf verständigt, autonome Waffensysteme abzulehnen, „die der Verfügung des Menschen entzogen sind“. Zusammen mit Frankreich hat Deutschland in Genf eine politische Erklärung vorgeschlagen, wonach alle Waffen stets menschlicher Kontrolle unterliegen müssen.

Der aktuelle Stand der Technologie wirft Fragen auf

Aktivisten fordern jedoch, bereits die Entwicklung autonomer Waffensysteme zu verbieten. Denn selbst die besten selbstlernenden Roboter könnten nie ethisch und moralisch handelnde Wesen sein. Die Entscheidung über die Tötung eines Menschen im Krieg an eine Maschine zu delegieren, verletze den Kern der Menschenwürde und entwerte menschliches Leben.

Stattdessen würden Killerroboter es erlauben, „bewaffnete Konflikte in nie gekanntem Ausmaß zu führen und schneller, als Menschen sie begreifen können“, wie Hunderte Fachleute für künstliche Intelligenz 2015 in einem offenen Brief warnten. Zu den Unterzeichnern gehörten Tesla-Chef Elon Musk, der Apple-Co-Gründer Steve Wozniak oder der Physiker Stephen Hawking.

Tatsächlich drängen sich beim derzeitigen Stand der Technologie große Fragen auf: Immer wieder gibt es Unfälle etwa mit autonom fahrenden Autos. Die bewegen sich aber in einer relativ geordneten Umgebung: Straßenmarkierungen, Ampeln, Schilder bieten Informationen, es gibt keine Faktoren, die gezielt darauf hinwirken, dass Funktionieren von Sensoren oder Rechnern zu sabotieren. Dagegen herrscht in Gefechtssituationen der „Nebel des Krieges“, von dem schon der preußische Militärtheoretiker Carl von Clausewitz schrieb. Die Situation ist ständig im Fluss, die Informationen unvollständig, der Feind darauf bedacht, mit Beschuss, Täuschung, Sabotage den Gegner zu behindern.

Was, wenn der Gegner die Rechner der Roboter hackt?

Gerade das führen Befürworter autonomer Waffen als deren großen Vorteil an: Sie könnten präziser und schneller als Menschen eine Situation erfassen und beurteilen, unbeeindruckt von Stress, Angst und anderen menschlichen Gefühlen, die Fehlentscheidungen begünstigten.

Sie würden sich im Zweifel nicht aus einem Selbsterhaltungstrieb heraus für einen Angriff entscheiden, sondern unbeeindruckt kalkulieren. Sie seien besser geeignet, Menschenleben zu schonen – nicht zuletzt die der eigenen Soldaten. Und die Öffentlichkeit reagiert gegenüber defekten Killerrobotern sicherlich weniger sensibel, als wenn Zinksärge nach Hause geflogen werden.

Was aber, wenn der Gegner nicht Granaten feuert, sondern die Rechner der Roboter hackt? Und kann man wirklich Programmierer und Konstrukteure einer Maschine in gleichem Maße für tödliche Fehler zur Verantwortung ziehen wie einen Kampfjet-piloten, der eine Bombe ausklinkt, fragen die Kritiker. Sie fürchten, dass alle Debatten über einen rechtlichen Rahmen schon bald von der Realität überholt werden und es dann zu spät ist, dem Einsatz von Killerrobotern noch Grenzen zu setzen.

Krieg steckt in der DNA des Silicon Valley

Im Geschäft mit dem Tod stecken Milliarden US-Dollar. Auch Google erlag der Verlockung, eng mit dem US-Militär zu kooperieren. Doch der Protest vieler Mitarbeiter führte nun zum Ausstieg aus einem Großprojekt. Von Jannis Brühl mehr…

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https://www.sueddeutsche.de/wissen/materialforschung-akkus-gefahr-im-handgepaeck-1.4089411

Materialforschung Akkus: Gefahr im Handgepäck

Brandgefahr: Experten warnen vor überhitzten Akkus von Computern und Smartphones an Board.(Foto: Jack Catalano/unsplash)
  • Batterien sind gefährlich, weil sie sehr viel Energie in sehr kleinen Raum verpacken.
  • Im Normalbetrieb geben die Akkus ihre Energie dosiert ab, die Elektronen fließen kontrolliert. Wird die Batterie aber zu sehr strapaziert, gequetscht oder zerstört, kann der Kreislauf außer Kontrolle geraten.
  • Etwa drei Mal im Monat verzeichnen allein die amerikanischen Behörden derzeit einen Zwischenfall, bei dem ein elektronisches Gerät im Flugverkehr überhitzt, raucht, explodiert oder Feuer fängt.
Von Christoph von Eichhorn

Zum Beispiel Flug 2981, von Seattle nach Salt Lake City. Da sprühte ein iPhone plötzlich Funken in der Kabine. Oder Flug 90, von Newark nach Tel Aviv, als ein iPad sich zwischen zwei Sitzen verkeilte, sehr schnell sehr heiß wurde und zu qualmen anfing. Oder ein Flug von Houston nach Havanna im März: Da explodierte in einem Rucksack ein Powerpack, eine Ersatzbatterie für Elektronik, und es kam zu einem kleinen Brand an Bord.

Die Fälle hat die amerikanische Flugbehörde FAA zusammengetragen, sie stammen alle aus dem laufenden Jahr. Die drei Unfälle gingen glimpflich aus, doch die Liste solcher Vorfälle wird schnell länger. Etwa drei Mal im Monat verzeichnen allein die amerikanischen Behörden derzeit einen Zwischenfall, bei dem ein elektronisches Gerät im Flugverkehr überhitzt, raucht, explodiert oder Feuer fängt. In Deutschland zählte das Luftfahrtbundesamt 2017 drei solche Überhitzungen.

Praktisch immer ist die darin verbaute Lithium-Ionen-Batterie der Auslöser, also die Energiequelle des Geräts. Die Batterien sind deshalb so gefährlich, weil sie sehr viel Energie in sehr kleinen Raum verpacken. Im Normalbetrieb geben die Akkus ihre Energie dosiert ab, die Elektronen fließen kontrolliert von der Anode zur Kathode der Zelle, um das Gadget mit Strom zu versorgen. Wird die Batterie aber zu sehr strapaziert, gequetscht oder zerstört, kann der Kreislauf außer Kontrolle geraten.

„Das Überhitzen kann unterschiedliche Ursachen haben, zum Beispiel, wenn man aus Versehen auf das Gerät tritt“, sagt der Elektrochemiker Falko Schappacher vom Batterieforschungszentrum MEET der Universität Münster. Bringt die Deformation die beiden Elektroden miteinander in Kontakt, könne das einen Kurzschluss auslösen. „Dann fließt plötzlich ein sehr großer Strom, der hohe Temperaturen bewirkt“, sagt Schappacher. Eine Folge kann das gefürchtete „thermische Durchgehen“ sein: Die Erwärmung beschleunigt chemische Reaktionen in der Zelle, was wiederum die Temperatur in die Höhe treibt. Dieser sich selbst verstärkende Prozess kann den Akku in Millisekunden in Brand setzen oder gar explodieren lassen, wenn die Batterie zusätzlich Wasserstoffgas freisetzt.

Besonders gefährlich ist es, wenn der Akku eines Gerätes im Frachtraum explodiert

So ein Risiko besteht natürlich auch am Boden, potenziert sich jedoch zur Gefahr für viele, wenn der Brand in 10 000 Meter Höhe ausbricht. Dabei sind Zwischenfälle in der Passagierkabine sogar noch das geringere Übel – dort lässt sich das außer Kontrolle geratene Gerät erfahrungsgemäß entdecken und notdürftig kühlen. Weit gefährlicher sei nach Ansicht von Experten ein Batteriebrand im Gepäckraum des Flugzeugs.

Bei Flugsicherheitsexperten steht das Thema derzeit weit oben auf der Agenda, seit Tests der FAA zu beunruhigenden Ergebnissen kamen. Die Flugsicherheitswächter hatten gezielt Laptops überhitzt, um einen Brand in einem Gepäckraum zu simulieren. In den meisten Fällen konnte das automatische Löschsystem das Feuer mit Halon ersticken. Kritisch wurde es aber, als die Tester den Laptop neben einem Druckbehälter platzierten, vergleichbar mit einem Deospray. 40 Sekunden nach dem thermischen Overkill der Batterie „trat ein schnell wachsendes Feuer auf, und die Dose explodierte“, heißt es in einem Bericht dazu. Die Löschanlage war dann nicht mehr in der Lage, das Feuer schnell genug zu ersticken und es an der Ausbreitung zu hindern.

„Das könnte dann ein Problem verursachen, welches das Flugzeug gefährdet“, sagte der Sicherheitsexperte Duane Pfund von der US-Materialaufsicht PHMSA kürzlich auf einer Konferenz amerikanischer Piloten. Ein Laptop könnte also, falls er zu nah an Kosmetikprodukten gepackt ist und seine Batterie zu sehr belastet wird, einen Passagierjet zum Absturz bringen. Die PHMSA warnt zudem davor, dass Batterien häufig ohne Gefahrgutkennzeichnung auf Passagierflügen als kommerzielle Fracht transportiert würden.

Die batteriebeheizten Socken fingen in einem Koffer an zu schmoren

Schon im November 2017 beriet die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) der Vereinten Nationen über die Gefahren von Lithium-Ionen-Akkus. Die Regeln der ICAO sind in der Regel weltweit bindend. Zur Debatte stand 2017 auch ein Verbot sämtlicher persönlicher elektronischer Geräte im aufgegebenen Gepäck. Jedoch konnte sich das Gremium trotz hitziger Diskussionen um die Gefahren nicht zu einer Entscheidung durchringen und vertagte das Thema. Unter anderem deshalb, weil unklar war, was überhaupt als elektronisches Gerät gelten sollte.

Die Frage wird kniffliger, da in immer mehr Alltagsgegenständen Elektronik steckt, und damit auch Batterien. Die amerikanische Luftfahrtbehörde schildert einen Fall, bei dem „batteriebeheizte Socken“ in einem Koffer zu schmoren anfingen. Glücklicherweise bemerkte die Flughafencrew in Salt Lake City den Brandgeruch schon beim Einladen des Gepäcks, sodass die brennenden Socken nicht mit dem Flieger abhoben.

Airlines schlagen sich mittlerweile mit einer Vielzahl solcher Gadgets herum – Hoverboards, Drohnen, E-Zigaretten – die alle ganz unterschiedlich gebaut sind. Auch „smartes Gepäck“ kommt derzeit in Mode. Diese Koffer enthalten selbst batteriebetriebene Elektronik, etwa zum Aufladen anderer Geräte oder als Diebstahlschutz. Koffer aus dem Kofferraum des Flugzeugs auszusperren, würde die Sache wohl völlig ad absurdum führen. Fluglinien handhaben den Transport von Elektronik teilweise unterschiedlich. Die Lufthansa erlaubt im aufgegebenen Gepäck Elektronik mit einer Batteriekapazität von 100 Wattstunden (Wh). Ersatzbatterien müssen ins Handgepäck, für Powerpacks gilt eine Obergrenze von 160 Wh.

Das Problem wächst: Zukünftig wird noch mehr Elektronik in der Luft unterwegs sein

Lässt sich das Problem technisch lösen? „Konstruktiv kann man die Sicherheit deutlich erhöhen“, betont Batterieforscher Falko Schappacher. Wissenschaftler suchen beispielsweise nach neuen Elektrolytflüssigkeiten für das Innere von Lithium-Akkus, die nicht mehr so leicht entflammbar sind wie bisherige organische Substanzen. Auch an der Kathode ließe sich „durch neue Materialien, die thermisch stabiler sind, die Entflammbarkeit heruntersetzen“, sagt Schappacher. Solche Vorkehrungen sind auch für Batterien von Elektroautos wichtig. Bei Fahrzeugen gibt es allerdings einen Vorteil: Platz. Ingenieure können dort die Batterie mit einem zusätzlichen Gehäuse sichern, sie mit Sensorik überwachen oder eine Kühlung einbauen. Dieser Raum geht Gadgets ab, die tendenziell immer kleiner werden müssen.

Selbst große Firmen wie Samsung sind anfällig für den Platzsparzwang: Beim Smartphone Galaxy Note 7 hatten die Ingenieure unter anderem einen zu dünnen „Separator“ in den Akku eingebaut. Diese Schutzschicht trennt die beiden Kammern der Batteriezelle. Um Platz zu sparen, war der Separator beim Galaxy Note 7 nur wenige Mikrometer dick, was das Handy feueranfällig machte. Samsung zog es daraufhin 2016 aus dem Verkehr. Unter prominenten Marken ist solcher Pfusch jedoch selten. Batterieforscher sehen das Problem für den Flugverkehr eher bei No-Name-Herstellern, die Gadgets ohne große Qualitätskontrollen zusammenschrauben.

Prognosen deuten jedenfalls darauf hin, dass künftig viel mehr Elektronik in der Luft unterwegs sein wird als bislang. Vielleicht bekommen Fluggäste ja bald die Warnung zu hören: „Explodierende Socken bitte nur ins Handgepäck.“

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Wo der SMARTE DIGITALE ROBO-SCHROTT LANDET

https://www.zeit.de/digital/2018-09/globalisierung-kai-loeffelbein-dokumentarfotografie-kapitalismus-fs

Elektroschrott: Wo der alte Bildschirm landet

Ständig kommt das neueste Smartphone, das nächste Gadget auf den Markt. Aber was passiert mit den alten Geräten? Diese Fotos zeigen die Folgen des Elektrokonsums.

Etwa 44,7 Millionen Tonnen Elektroschrott sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen 2016 auf der Welt angefallen. Viele alte Geräte, auch aus Deutschland, landen auf Deponien in Afrika oder Asien. Was mit ihnen passiert, dokumentiert Kai Löffelbein. Der Fotograf reist seit Jahren um die Welt, um die Folgen der Globalisierung mit Bildern festzuhalten. Im Rahmen des Europäischen Monats der Fotografie zeigt die Berliner Kunstgalerie FeldbuschWiesnerRudolph Löffelbeins Bilder in der Ausstellung Global Total vom 21. September bis zum 28. Oktober 2018.

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