– – PETITION – – „BIENEN-Sterben“: GLYPHOSAT schadet Bienen – jetzt muss das Herbizid erst recht vom ACKER!!!!!!!! – – – Bayer versucht Bedeutung der „Bienen-Studie“ herunterzuspielen – Ohne Erfolg!!!!! //// FRANKREICH – Fehlbildungen bei Neugeborenen: Schädigen PESTIZIDE die Babys schon im Bauch???!!?! /// „Clostridium difficile“ /// KORRUPTION in MALTA – – – – – Wem gehört „17 Black“???!!!!!!!!!! //// „VERFASSUNGs-BESCHWERDE“ wegen „GEMEINSAMER HAFTUNG“ und Verhalten des BUNDESTAG ///// „Kinder-Armut“ in DEUTSCHLAND /// >>>“CDU“<<< kassiert knapp "700.000" Euro "Partei-SPENDE" //// ???? „Zukunfts-Technik“ – 5G ????

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https://www.change.org/p/bienensterben-glyphosat-schadet-bienen-jetzt-muss-das-herbizid-erst-recht-vom-acker/u/23471922?cs_tk=AWQyi3QozXKLBO9i1FsAnA5sEbhpUJ1ITVmeMwDCCQ%3D%3D&utm_campaign=04e26a49c40941c783f377739a579a23&utm_medium=email&utm_source=petition_update&utm_term=cs

Neuigkeit zur Petition

Bayer versucht Bedeutung der Bienen-Studie herunterzuspielen – Ohne Erfolg.

Sven Giegold, Martin Häusling & Dr. Maximilian Fries

24. Okt. 2018 — 

Liebe Unterzeichnerinnen und Unterzeichner,

über 95.000 haben unsere Petition schon unterzeichnet. Und das zeigt Wirkung. Bayer ist in der Defensive und versucht auf Twitter die Bedeutung der neuen PNAS-Bienen-Studie herunterzuspielen (https://twitter.com/BayerPresse_DE/status/1045293771011887104 Erst kündigen sie an, eine Studie, die die PNAS-Ergebnisse angeblich widerlegen soll, per Post zu verschicken (https://twitter.com/BayerPresse_DE/status/1045688989255168000 dann fast zwei Wochen später gibt es doch einen Link zur Studie und Blogbeitrag dazu (https://twitter.com/BayerPresse_DE/status/1049919151295393792

In diesem Blogbeitrag führt Bayer dann eine so genannte “Tunnelstudie” (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4285224/ von Monsanto und anderen Pestizidherstellern als Beweis an, dass Glyphosat sicher für Bienen sei. Bei genauem Lesen wird aber klar: Der Versuchsaufbau lässt diese Schlussfolgerung nicht zu. Denn die neue Bienen-Studie hatte ja gezeigt, dass die Bienen durch Glyphosat anfälliger für Infektionen werden. Doch in der Monsanto-Tunnelstudie befinden sich die Bienenvölker geschützt vor Wetter und anderen Insekten in einem Gewächshaus (dem namensgebenden “Tunnel”) und sind vorher darauf getestet worden, dass sie gesund sind. Unter diesen künstlichen Bedingungen sind die Bienen daher ohnehin vor Infektionen weitgehend geschützt. Der Effekt von Glyphosat auf die Infektionsanfälligkeit konnte also gar nicht beobachtet werden.

Auch schweigt sich Bayer/Monsanto dazu aus, ob sie weitere Studien zu Bienen und Glyphosat haben, die sie bisher nicht veröffentlicht haben. Hier sagt Bayer, sie prüfen eine Veröffentlichung der Studien von Monsanto nach dessen Übernahme noch rechtlich. Wie lange das dauert, ist nicht klar.

Dieses Verhalten bestätigt unsere Kritik: Es darf nicht sein, dass ein Konzern selbst entscheidet, wann er welche Studien zu seinen Produkten veröffentlicht, deren Wirkung potenziell gefährlich für Mensch und Tier sind. Das ist Gutsherrenart und hat im 21. Jahrhundert nichts verloren.

Wir fordern, dass grundsätzlich alle Studien öffentlich zugänglich sind und von unabhängigen Wissenschaftler*innen geprüft (engl. peer-reviewed) werden. Die Konzerne sollen nicht mehr direkt Sicherheitsstudien durchführen oder in Auftrag geben können, sondern in einen Forschungs-Topf einzahlen, auf den nur die verantwortlichen EU-Behörden Zugriff haben und damit unabhängige Forschung finanzieren. Dafür streiten wir im Europaparlament und vor dem EuGH!

Bis das soweit ist: Zeigen wir Bayer und Co., dass wir diese Geheimnistuerei leid sind! Es fehlt nicht mehr viel.

Helft bitte kräftig mit und teilt den Link zu der Petition: www.change.org/bienen

Mit entschlossenen, grünen Grüßen,

Sven Giegold, Mitglied des Europäischen Parlaments
Martin Häusling, Mitglied des Europäischen Parlaments
Dr. Maximilian Fries, Krebsbiologe, MSc Biomedizin

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siehe auch „ZIVIL-PROZESS“ GEGEN GLYPHOSAT

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PETITION – – -PETITION – – -PETITION – – -PETITION – – -PETITION – – –

https://www.change.org/p/bundeslandwirtschaftsministerin-kl%C3%B6ckner-bienensterben-glyphosat-schadet-bienen-jetzt-muss-das-herbizid-erst-recht-vom-acker?recruiter=522200648&utm_source=share_petition&utm_medium=email&utm_campaign=undefined

Bienensterben: Glyphosat schadet Bienen – jetzt muss das Herbizid erst recht vom Acker!

Das Bienensterben ist eines der drängendsten Umweltprobleme unserer Zeit. Glyphosat war dabei schon länger im Verdacht, aber es fehlten die Beweise.

Aber jetzt ist klar: Glyphosat schädigt und tötet Bienen.

Jahrzehntelang wollte uns Monsanto weismachen, dass Glyphosat für Menschen und Tiere ungefährlich sei. Eine jetzt veröffentliche Studie im renommierten Fachjournal PNAS zeigt jetzt aber deutlich: Glyphosat wirkt direkt auf die Bakterien im Darm der Bienen und verändert deren genau balancierte Zusammensetzung. Diese bakterielle “Mikroflora” ist entscheidend für die Gesundheit der Bienen, sie hilft u.a. Infektionen abzuwehren und Nahrung zu verdauen. Bienen, die mit realistischen Mengen von Glyphosat gefüttert werden, denen sie auch auf den Feldern ausgesetzt sind, sterben viermal häufiger an einer Infektion als unbehandelte Bienen. Ähnliche Effekte sind auch für Säugetiere und den Menschen zu befürchten.

In der letzten Risikobewertung für Glyphosat wurden solche Effekte nicht berücksichtigt und Glyphosat als ungefährlich für Bienen eingestuft. Dass die neuen Ergebnisse jetzt kommen zeigt auch, wie wenig wir auch nach Jahrzehnten über Glyphosat wissen und wie gefährlich der großflächige Einsatz von Pestiziden ist, selbst wenn sie als vermeintlich sicher gelten.

Angesichts dieser neuen Erkenntnisse und der großen Gefahr, die vom Bienensterben ausgeht, fordern wir, die Unterzeichnenden:

An Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner:

1. Holen Sie Glyphosat endlich vom Acker! Nach Ihrer Ankündigung eines “Minimierungsplans” im April 2018, folgten nur Alibi-Maßnahmen. Wir fordern, den Totalausstieg aus Glyphosat bis spätestens 2020.

2. Erlassen Sie Sofortmaßnahmen zum Schutz der Bienen und der Bevölkerung:

  • Glyphosat darf nicht mehr in öffentlichen Parks, Gärten und Spielplätzen eingesetzt werden;
  • Glyphosat muss für den Privatgebrauch sofort verboten werden und auch der Online-Verkauf gestoppt werden;
  • Glyphosat darf grundsätzlich nicht mehr vor der Ernte eingesetzt werden.

3. Legen Sie eine echte Pestizid-Reduktionsstrategie vor, damit nicht auf andere Pestizide ausgewichen wird. Zukunftsfähige Landwirtschaft geht auch ohne Gift, setzen Sie sich dafür ein!

An die EU-Kommission, die EU-Mitgliedsländer und das Europaparlament:

4. Reformieren Sie das Zulassungsverfahren ohne Verzögerung noch vor der Europawahl. Transparenz und der Schutz der Bevölkerung müssen immer vor ökonomischen Interessen einiger weniger Unternehmen stehen.

Mit hoffnungsvollen Grüßen,

Sven Giegold, Mitglied des Europäischen Parlaments

Martin Häusling, Mitglied des Europäischen Parlaments

Maximilian Fries, Dr. in Krebsbiologie und M.Sc. mit Schwerpunkt Mikrobiologie

Weiterführende Informationen

PNAS-Studie: http://www.pnas.org/content/early/2018/09/18/1803880115

Einschätzung im Fachjournal Science:  https://www.sciencemag.org/news/2018/09/common-weed-killer-believed-harmless-animals-may-be-harming-bees-worldwide?utm_source=newsfromscience&utm_medium=twitter&utm_campaign=beeguts-21623

Auswirkungen von Glyphosat auf Darmflora von Ratten: https://sven-giegold.de/glyphosat-ramazzini-studien/

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http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/prozess-in-amerika-noch-mehr-glyphosat-klaeger-gegen-bayer-15888107.html

Prozess in Amerika

Noch mehr Glyphosat-Kläger gegen Bayer

  • Aktualisiert am

Bayers Werksgelände in Leverkusen Bild: dpa

9.300 Klägern steht Bayer wegen Glyphosat in Amerika inzwischen gegenüber, teilte der Pharma-Konzern bei der Vorstellung der Quartalszahlen mit. Die übertrafen die Erwartungen – auch wegen Monsanto.

Die Zahl der Klagen gegen die Bayer-Tochter Monsanto wegen des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat hat sich weiter erhöht. Bis zum 30. Oktober seien in Amerika Klagen von etwa 9.300 Klägern zugestellt worden,……………………

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https://taz.de/Glyphosat-Studien-und-Krebs/!5542638/

Glyphosat-Studien und Krebs

Die Tricks der Bayer-AG

Mehr als 800 Studien würden bestätigen, dass das Pestizid nicht Krebs verursache, behauptet Bayer. Doch nur rund 50 Analysen beschäftigen sich mit der Frage.

Getreidefeld mit Blumen im Sonnenuntergang

Es gibt hier nichts zu sehen Foto: dpa

BERLIN taz | Der Chemiekonzern Bayer trickst mit falschen Zahlen. Dem Unternehmen nach bestätigen „mehr als 800 wissenschaftliche Studien“, dass das Pestizid Glyphosat seiner US-Tochter Monsanto nicht krebserregend sei. In Wirklichkeit gehen nach taz-Recherchen jedoch nur rund 50 Analysen überhaupt auf diese Frage ein. Noch weniger zeigen, dass der Verdacht gegen das Unkrautvernichtungsmittel unbegründet ist.

Glyphosat ist der weltweit meistverkaufte Pestizidwirkstoff – und vor allem umstritten, weil die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation ihn 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft hat. Da die zuständigen Fachbehörden der Europäischen Union das Mittel jedoch für unbedenklich halten, haben die EU-Staaten Glyphosat Ende 2017 für weitere fünf Jahre zugelassen. Dennoch wird zum Beispiel in Deutschland dar­über diskutiert, glyphosathaltige Pestizide zu verbieten.

In den USA muss sich Bayer gegen rund 8.700 Klagen wegen mutmaßlich durch den Wirkstoff verursachte Erkrankungen verteidigen – und ist bereits in einem Fall erst­instanzlich zu Schadenersatz in Millionenhöhe verurteilt worden.

Der Leverkusener Konzern hat mehrmals versucht, Bedenken zu zerstreuen und auf eine angebliche Vielzahl von entwarnenden Untersuchungen hingewiesen. In seinem Zwischenbericht zum 2. Quartal behauptete Bayer: „Mehr als 800 wissenschaftliche Studien [….] sowie Aufsichtsbehörden weltweit haben bestätigt, dass Glyphosat bzw. Glyphosat-basierte Herbizide nicht krebserregend sind und dass die bestimmungsgemäße Anwendung sicher ist.“

Großes Medienecho

Bayer-Chef Werner Baumann sagte in einer Telefonkonferenz mit Aktionären am 23. August, „dass mehr als 800 wissenschaftliche Studien und Berichte und andere Quellen die Schlussfolgerung unterstützen, dass Glyphosat nicht Krebs verursacht.“ Fast gleichlautend äußerte sich Scott Partridge, Vizepräsident von Monsanto.

Zahlreiche Medien weltweit zitierten diese Aussagen, zum Beispiel CNN, BBC, New York Times und Neue Zürcher Zeitung. Die FAZ schrieb unter Bezug auf Baumann: „Wiederholt wies er auf 800 Studien in aller Welt hin, in denen kein Zusammenhang zwischen dem Gebrauch von Glyphosat und Krebserkrankungen hergestellt worden sei.“ Laut der Deutschen Presseagentur verwies Baumann auf „mehr als 800 wissenschaftliche Studien, die bestätigt hätten, dass Glyphosat nicht krebserregend sei“. In der Süddeutschen hieß es, Partridge zufolge „belegen mehr als 800 wissenschaftliche Studien und Bewertungen … den Befund“. Ähnliche Zitate erschienen in der taz, Wirtschaftswoche und bei der Nachrichtenagentur afp.

Helmut Burtscher-Schaden, Biochemiker„Das ist eine bewusste Irreführung der Öffentlichkeit. Bayer führt entgegen den Tatsachen Studien als Beweise an, dass Glyphosat nicht krebserregend sei“

Doch Belege für seine 800-Krebsstudien-Behauptung bleibt die Bayer-AG schuldig. Auch nach mehreren Bitten schickte Konzern-Sprecher Utz Klages der taz keine vollständige Liste der Untersuchungen zur Krebsgefährdung durch Glyphosat. Stattdessen mailte er etwa 1.000 Verweise auf Studien allgemein zu dem Wirkstoff. Rund 460 davon haben nach den Kapitelüberschriften der Literaturlisten nichts mit Krebs zu tun. Sie stehen zum Beispiel in Abschnitten mit den Titeln „Analytische Methoden“ zur Messung von Glyphosat, „Physikalische und chemische Eigenschaften“ wie dem Schmelzpunkt, „Verhalten in der Umwelt“, „Giftigkeit für die Umwelt“, etwa für Bienen oder Bodenorganismen.

Zieht man diese Studien ab, könnten also höchstens etwa 550 Studien belegen, dass Glyphosat keinen Krebs verursacht. Aber selbst unter diesen Untersuchungen, beispielsweise in den „Toxikologie“-Kapiteln, finden sich kaum Krebsstudien. Stattdessen befassen sich die meisten etwa damit, ob das Pestizid die Augen von Kaninchen reizt oder ob es akut toxisch auf Versuchstiere wirkt. Krebs ist aber eine chronische Krankheit.

Auf Nachfrage räumte der Bayer-Sprecher ein, dass beispielsweise die US-Umweltschutzbehörde EPA nur „mehr als 100 als relevant eingeschätzte Studien für ihre Einschätzung“ untersucht habe, dass Glyphosat „wahrscheinlich nicht krebserregend für Menschen“ sei. Damit sagt er nicht, dass sich alle 100 Studien auf Krebs beziehen würden.

Die Formulierung könnte auch bedeuten, dass die EPA bei ihrer Recherche 100 Studien allgemein zu Glyphosat gefunden hat, sich aber nur wenige davon auf Krebs bezogen. Klages blieb auch auf Bitten der taz eine Liste mit genauen Quellenangaben zu den 100 Titeln schuldig. Die taz solle sich doch bitte selbst an die EPA wenden, antwortete der Sprecher nur.

Wie viele Krebsstudien gibt es also wirklich? Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nennt auf Anfrage der taz nur rund 50 wissenschaftliche Berichte zu Glyphosat mit einem Bezug zu Krebs. Davon sind 16 „Originalprüfberichte einschließlich aller Rohdaten zu Kanzerogenitätsstudien in Versuchstieren“ sowie „34 Publikationen aus der wissenschaftlichen Literatur zu Beobachtungen am Menschen“.

Auch der Biostatistik-Professor Christopher Portier bestätigt der taz, es gebe schätzungsweise 50 Studien, die explizit die Frage behandeln, ob Glyphosat Krebs verursacht. Der prominente GlyphosatKritiker hat die Krebsforschungsagentur bei der Begutachtung des Pestizidwirkstoffs beraten.

Weiter Studienbegriff

Das BfR hat kein Interesse, eine zu niedrige Zahl zu nennen. Denn das Bundesinstitut hat für die EU bereits mehrmals die Sicherheit von Glyphosat überprüft – und kam immer wieder zu dem Schluss, der Stoff sei ungefährlich, wenn er korrekt angewendet wird. Die Behörde hat nach eigenen Angaben neben den Studien der Hersteller „alle verfügbaren, publizierten Studien und weitere Quellen in seine wissenschaftlichen Bewertungen einbezogen.“ Das hat Bayer auch nie bestritten.

Dazu kommt: Unter den etwa 50 Studien sind auch welche, die manche Experten sehr wohl als Hinweis auf ein mögliches Krebsrisiko durch Glyphosat interpretierten.

Dennoch erklärte Bayer-Sprecher Klages, dass die Behauptung im Quartalsbericht „keineswegs falsch“ sei. „Hinsichtlich der Studien haben wir uns ausweislich des Wortlauts sowohl auf solche bezogen, die sich dezidiert mit Krebsrisiken auseinandersetzen, als auch auf solche, die insgesamt die Sicherheit von Glyphosat bestätigen“, schrieb Klages der taz.

Er interpretierte den Sinn also um: Es soll „800 wissenschaftliche Studien“ zur Sicherheit insgesamt geben und nur ein Teil von ihnen beziehe sich auf die Krebsfrage. Aber die umstrittene Formulierung war eindeutig anders: Die 800 Studien hätten die Sicherheit „und“ das Nullrisiko in puncto Krebs bestätigt. So haben es ja auch die meisten Medien in Deutschland und im Ausland verstanden.

Schweigsame Investmentbanken

„Das ist eine bewusste Irreführung der Öffentlichkeit über die Krebsgefahr von Monsantos und jetzt Bayers Glyphosat“, sagte Helmut Burtscher-Schaden, Biochemiker des österreichischen Umweltverbands Global 2000, der taz. Damit setze Bayer eine Praxis fort, für die Monsanto in den USA im Prozess wegen der Krebserkrankung eines Glyphosat-Nutzers verurteilt worden sei. „Bayer führt entgegen den Tatsachen Studien als Beweise an, dass Glyphosat nicht krebserregend sei.“

Die Mehrheit der Studien, die nicht von der Industrie durchgeführt wurden, würden einen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Krebs oder einer Schädigung des Erbguts und der Exposition gegenüber Glyphosat nachweisen.

Die Investmentbanken JP Morgan, Exane und der Fondsverwalter Vanguard, die an der Bayer-Telefonkonzerenz zu Glyphosat teilgenommen hatten, ließen Bitten der taz um Stellungnahmen unbeantwortet. Auch Deutschlands größter Aktionärverband, die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), wollte sich nicht zu der Frage äußern, ob Bayer die Aktionäre mit falschen Zahlen irregeführt hat.

Der Aktienkurs von Bayer ist stark gefallen, nachdem ein US-Gericht im August festgestellt hatte, dass Glyphosat erheblich zur Krebserkrankung des Kaliforniers Dewayne Johnson beigetragen habe. Johnson hatte als Platzwart bis zu 30-mal pro Jahr Pestizide mit dem Wirkstoff auf dem Gelände von Schulen ausgebracht. Das Gericht in San Francisco verurteilte Bayers US-Tochter Monsanto dazu, dem Mann Schadenersatz in Millionenhöhe zu zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, da Bayer Widerspruch eingelegt hat.

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https://www.sueddeutsche.de/wissen/artensterben-die-insekten-verschwinden-aber-welche-1.4200489

Artensterben

Die Insekten verschwinden – aber welche?

Schwebfliegen zählen zu den Arten, die durch das Insektensterben seltener werden.(Foto: dpa)
  • Forscher präsentieren erste Erkenntnisse darüber, welche Arten besonders unter dem derzeitigen Insektensterben leiden.
  • Einzelne Spezies stechen bei der Analyse nicht heraus, vielmehr scheint das ganze Spektrum der Insekten betroffen zu sein.
  • Die Entomologen beobachten aber, dass Spezies, deren Larven in der Nähe von Wasser oder auf feuchtem Boden leben, besonders rasch verschwinden.
  • Dies könnte ein Hinweis sein, dass wasserlösliche Pestizide den Rückgang der Insekten mit verursacht haben.
Von Tina Baier

Vor ziemlich genau einem Jahr haben Wissenschaftler das Insektensterben in Deutschland erstmals nachgewiesen. Die sogenannte Krefelder-Studie, die im Oktober 2017 in der Fachzeitschrift Plos One erschien, belegte, dass die Masse der Insekten seit dem Jahr 1989 um durchschnittlich 76 Prozent zurückgegangen ist.

Um dem Insektensterben genauer auf den Grund zu gehen, versuchen Entomologen überall in Deutschland seitdem herauszufinden, welche Arten besonders leiden. Auf einer Internationalen Tagung in Bonn wurden jetzt erste Ergebnisse präsentiert: Demnach sind von dem Schwund nicht nur einige Spezies betroffen, sondern das gesamte Spektrum der Insekten. „Früher schon seltene Arten sind teilweise noch vorhanden, teilweise fehlen Nachweise in den neueren Proben ganz“, sagt Martin Sorg, Vorstandsmitglied des Entomologischen Vereins Krefeld, auf dessen Proben die Untersuchungen basieren. „Häufige Arten sind meist noch nachweisbar, allerdings überwiegend in deutlich geringeren Anzahlen.“

Insgesamt gibt es in Deutschland etwa 33 000 verschiedene Insektenspezies. Die vier artenreichsten Gruppen sind:

  • Fliegen und Mücken mit insgesamt etwa 10 000 Spezies.
  • Hautflügler, zu denen Wespen und Bienen gehören, mit etwa 9000 Spezies.
  • Käfer mit etwa 8000 Arten.
  • Schmetterlinge, die sich noch einmal in Tag- und Nachtfalter aufteilen.

Allerdings gibt es keinen Spezialisten, der sämtliche Insekten kennt und auseinanderhalten kann. Die Proben werden deshalb von Wissenschaftlern untersucht, die Expertise für bestimmte Gruppen von Insekten haben. Axel Ssymank, Fachgebietsleiter am Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Bonn, hat beispielsweise die Schwebfliegen in sechs Proben aus dem Wahnbachtal im Bergischen Land genauer analysiert. Erste Ergebnisse bestätigen den drastischen Schwund: 1989 verfingen sich in den sechs Fallen insgesamt 17 300 Individuen, 2014 waren es nur noch 2738.

Nachdem Ssymank die einzelnen Arten genauer bestimmt hatte, stellte sich heraus, dass auch die Artenvielfalt gelitten hat. In der Probe aus dem Jahr 1989 identifizierte Ssymank 140 verschiedene Spezies von Schwebfliegen, 2014 waren es nur noch 103. „Wir können daraus nicht schließen, dass die Spezies, die wir nicht mehr gefunden haben, ausgestorben sind“, sagt Ssymank. Es ist aber ein starker Hinweis darauf, dass nicht nur die Zahl der Insekten insgesamt zurückgeht, sondern auch die Artenvielfalt. Zumal die Experten, die Hautflügler, Käfer und Schmetterlinge untersuchen, ganz Ähnliches berichten.

Spezies, die in der Nähe von Wasser leben, sind besonders vom Schwund betroffen

Aufschlussreich wird es, wenn man sich anschaut, welche Arten besonders stark zurückgegangen sind. „Bei den Schwebfliegen sind das Spezies, deren Larven in Gewässern leben oder an feuchten Stellen auf dem Boden“, berichtet Ssymank. Das bekräftigt seiner Ansicht nach den Verdacht, dass wasserlösliche Pestizide und Saatgutbeizen zumindest eine der Hauptursachen für das Insektensterben sind. Der Wissenschaftler hat außerdem beobachtet, dass Schwebfliegen, die auf einer sehr begrenzten Fläche leben, deutlich stärker zurückgegangen sind, als Arten, die große Distanzen zurücklegen. „Das lässt vermuten, dass es irgendwo Orte gibt, an denen diese Insekten noch bessere Lebensbedingungen vorfinden als im Wahnbachtal“, sagt Ssymank.

Übereinstimmend berichten alle Experten, die sich mit der artspezifischen Auswertung der Proben befassen, dass sowohl kleine als auch große Spezies vom Schwund betroffen sind. Bei den Schwebfliegen reicht das Größenspektrum von einem Zentimeter bis vier Millimeter. In anderen Insektengruppen gibt es noch kleinere Arten, die oft mit bloßem Auge kaum zu sehen sind; selbst unter dem Mikroskop sind sie mitunter nur schwierig zu bestimmen. Aus vielen Expertengruppen ist zudem zu hören, dass für den Menschen nützliche Insekten genauso verschwinden wie Schädlinge. Von den 480 Schwebfliegenarten, die es in Deutschland gibt, sind die meisten für die Bestäubung von Pflanzen genauso wichtig wie Bienen. Wenn diese Insekten seltener werden, bekommen deshalb viele Pflanzen Schwierigkeiten – und irgendwann auch der Mensch.

Bis alle Daten vollständig ausgewertet sind, wird es noch zwei bis drei Jahre dauern. Die ersten Ergebnisse der artspezifischen Auswertung, die jetzt vorliegen, bestätigen aber das erschreckende Fazit aus dem vergangenen Jahr: Die Insekten verschwinden.

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https://www.sueddeutsche.de/wissen/insektensterben-wilde-schwestern-1.3966366

Umweltschutz

Wilde Bienen

Wildbienen scheuen weder Wind noch Pflanzenwechsel. Im Vergleich zu ihnen sind Honigbienen eher faul.(Foto: picture alliance / dpa)

Alle schauen auf die geplagte Honigbiene. Dabei leisten ihre wilden Schwestern oft viel mehr.

Von Tina Baier

Die Honigbiene ist eine Art Vorzeigeinsekt: Sie gilt als fleißig, nützlich und sozial. Sie sammelt Nektar und macht daraus leckeren Honig. Sie bestäubt Pflanzen und kümmert sich selbstlos um ihr Volk. Jeder kennt sie, und viele machen sich Sorgen wegen des Bienensterbens, das dieses vorbildliche Tier bedroht. Kaum jemand weiß dagegen, dass es neben der Honigbiene Apis mellifera noch etwa 570 weitere Bienenarten in Deutschland gibt. Diese Wildbienen sind mindestens genauso wichtig und sogar noch stärker bedroht als ihre bekannte Verwandte.

Sand-Steppenbienen sind mit einer Größe von drei bis fünf Millimetern die kleinste Vertreter dieser Insektengruppe in Deutschland. Sie entsprechen dem Bienenklischee so wenig, dass die meisten Menschen, sie für kleine Fliegen halten. Die größte Wildbiene ist mit einer Länge bis zu 25 Millimetern die Blauschwarze Holzbiene. Das schwarze Rieseninsekt wirkt bedrohlich, obwohl es in Wahrheit friedlich und sogar furchtsam ist. Gemeinsam ist den meisten Bienenarten, dass sie Nektar und Pollen sammeln und dabei Pflanzen bestäuben. Wildbienen sind darin mindestens genauso gut wie Honigbienen, oft sogar besser.

Die Rostrote Mauerbiene zum Beispiel transportiert die Pollen nicht verklebt wie ihre bekannte Verwandte, sondern in trockenem Zustand. Das macht die Bestäubung effektiver. Tatsächlich sind Honigbienen im Vergleich zu vielen ihrer wilden Verwandten eher faul. In Apfelplantagen zum Beispiel, in denen verschiedene Sorten in Reihen gepflanzt sind, bleiben die Tiere fast immer in derselben Reihe. Zwischen den Reihen hin- und herzufliegen ist ihnen schlicht zu mühsam. Für die Bestäubung ist das fatal, weil die meisten Apfelbäume Pollen einer anderen Sorte brauchen, um Früchte zu tragen.

Viele wilde Arten fliegen dagegen fleißig von einer Reihe zur anderen. Nebenher fungieren die Wildbienen auch noch als „Motivator“ für die trägen Honigbienen, indem sie sie manchmal von ihren Lieblingsbäumen vertreiben und dadurch zwingen, von ihrer eingefahrenen Route abzuweichen. „Studien haben gezeigt, dass die Erträge in Obstplantagen höher sind, wenn es dort neben den Honigbienen auch noch Wildbienen gibt“, sagt Alexandra-Maria Klein, Landschaftsökologin an der Universität Freiburg.

Sie vertreiben die Honigbienen von ihren Lieblingsbäumen, und zwingen sie so zu Mobilität

Dazu kommt, dass Honigbienen hoch gezüchtete, vom Menschen verzärtelte Geschöpfe sind. Bei schlechtem Wetter, wenn es regnet oder kalt und windig ist, denken sie gar nicht daran, ihren gemütlichen Stock zu verlassen und zu arbeiten. Derart unangenehme Arbeiten überlassen sie den Wildbienen. Hummeln zum Beispiel – der englische Begriff „Bumblebee“ drückt viel besser aus, dass diese Insekten ebenfalls zu den Bienen gehören – sind auch noch bei Temperaturen um den Gefrierpunkt unterwegs. „Bestäubung ist wie eine Orchesterleistung“, sagt Melanie von Orlow, Bienenexpertin beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Je mehr verschiedene Arten von Bestäubern da sind, umso besser funktioniert sie.

Das Hamburger Start-up Beesharing hat aus dieser Erkenntnis eine Geschäftsidee gemacht. Die Firma vermittelt und liefert verschiedene Bienenarten an Bauern, die ihre Pflanzen bestäuben lassen wollen. „Wir arbeiten in der Regel mit einem Bestäubungsmix aus Honigbienen, Erdhummeln und Mauerbienen„, sagt Nils Gerber, einer der Firmengründer. Die Arten werden getrennt voneinander angeliefert. Die Honigbienen kommen in der Regel von benachbarten Imkern. Die Hummeln werden dagegen im Labor gezüchtet. Sie übernehmen sozusagen die Frühschicht, wenn es morgens noch kalt ist und die Honigbienen ihren Stock noch nicht verlassen.

„Den ganzen Tag auszunutzen ist besonders wichtig bei Kulturpflanzen, die nur relativ kurz blühen, Kirschen zum Beispiel, sodass die Insekten nur wenig Zeit haben, alle Pflanzen zu bestäuben“, sagt Gerber. Die Mauerbienen überwintert die Firma zum Teil selbst als Puppen im Kokon in Kühlhäusern und liefert sie dann zum Preis von 30 Cent pro Kokon an die Landwirte. Es gibt auch ein „Leasing-Modell“, bei dem Beesharing jedes Jahr eine neue Startpopulation von Mauerbienen anliefert: 250 Stück für 57 Euro pro Jahr beziehungsweise 500 Stück für 109 Euro. Die Tiere schlüpfen vor Ort und machen sich dann an die Arbeit. „Wir haben zwei verschiedene Arten von Mauerbienen im Angebot“, sagt Gerber. Osmia cornuta, die Gehörnte Mauerbiene, ist natürlicherweise früh im Jahr unterwegs und eignet sich daher besonders gut für die Bestäubung von Frühblühern. Osmia bicornis, die Rostrote Mauerbiene, arbeitet dagegen am besten später im Jahr.

Auch in der Natur teilen sich Wild- und Honigbienen die Bestäubungsarbeit effektiv auf: Landschaftsökologin Klein hat das an blühenden Mandelbäumen beobachtet: „Die Honigbienen sitzen vor allem an den äußeren, von der Sonne beschienenen Blüten“, sagt sie. Die Wildbienen seien dagegen eher im schattigen Inneren des Baumes zu finden. Wo es keine Wildbienen gibt, fällt die Ernte deshalb geringer aus, da dann weniger Blüten bestäubt und zu Früchten werden. Eine ähnliche Arbeitsteilung gebe es auf jeder Blumenwiese, sagt Klein. „Manche Arten sammeln nur oben, andere tief in der Wiese.“ Es ist ein komplexes Zusammenspiel, in dem jede Art eine wichtige Funktion hat. Fällt eine Spezies weg, kann das dramatische Auswirkungen auf das ganze fein austarierte System haben.

Die Honigbiene ist nicht für alles gut

Selbst wenn es genug von ihnen gäbe, könnten Honigbienen nicht alle Aufgaben der Wildbienen übernehmen. Schon rein körperlich nicht. Für viele Blüten ist ihr Rüssel zu kurz, für andere sind sie zu schwer oder zu groß. „Es gibt auch Pflanzen, die Honigbienen schlicht nicht mögen und deshalb nicht anfliegen“, sagt Klein. Die Blüten des Wiesensalbeis beispielsweise werden fast ausschließlich von Hummeln bestäubt: Das Insekt steckt dabei seinen Rüssel in die Blüte, um den tief unten liegenden Nektar zu erreichen. Dadurch löst es einen Hebelmechanismus aus, der dazu führt, dass die Staubbeutel auf seinen Rücken gedrückt werden und die Pollen dort hängen bleiben. Honigbienen gelingt es meistens nicht, diesen Mechanismus auszulösen. Manchmal „betrügen“ sie deshalb die Pflanze, fliegen sie seitlich an, beißen sich durch den Blütenkelch und schlürfen ihren Nektar, ohne sie zu bestäuben.

Auch bei der Bestäubung von Tomaten versagt die Honigbiene. Die Pollen sind derart fest in den Staubbeuteln eingeschlossen, dass Apis mellifera sie nicht herausbekommt. Hummeln dagegen wissen genau, was zu tun ist, und dass sie die Pollen herausschütteln müssen. Sie krallen und beißen sich an den Staubgefäßen fest und bringen dann ihre Flugmuskulatur in Schwung. Bei einer bestimmten Frequenz öffnen sich die Staubbeutel und die Pollen rieseln heraus. Hobbygärtner, die Tomaten züchten, wissen, wie mühsam es sein kann, diese Pflanzen zu bestäuben, wenn keine Hummeln da sind.

Manche schwören auf das sogenannte Trillern, bei dem die Vibrationen der Hummeln mithilfe einer elektrischen Zahnbürste simuliert werden, die kurz oberhalb der Blüte angesetzt werden muss. Andere bestäuben ihre Tomaten per Hand, indem sie mit einem weichen Pinsel täglich erst über die Pollensäcke und dann über die Narbe streichen. Da das in kommerziellen Gewächshäusern mit vielen Tomatenpflanzen kaum praktikabel ist, werden dort oft extra zu diesem Zweck gezüchtete Hummelvölker zur Bestäubung der Tomaten eingesetzt.

Naturschützer sind überzeugt, dass der Verlust der Wildbienen aus ökologischer Sicht viel schwerer wiegen würde, als der Verlust der Honigbiene, um die sich wegen des Bienensterbens alle Sorgen machen. „Es gibt keine Wildpflanzen, die nur von Honigbienen bestäubt werden können, die also ohne Honigbienen aussterben würden“, heißt es beispielsweise auf einer Internetseite des Nabu zum Thema Wildbienen. Das beweise unter anderem die Tatsache, dass es im präkolumbianischen Nordamerika keine Honigbienen, aber trotzdem viele Blütenpflanzen gegeben habe. Erst nach und nach eroberte die europäische Honigbiene den Kontinent gemeinsam mit den europäischen Siedlern, die die Insekten mitgebracht hatten. Die Indianer bezeichneten sie deshalb als „Fliege des weißen Mannes“.

Die Pflanzen, die sie zum Überleben brauchen, gelten oft als Unkraut

Manche Naturschützer sprechen heute ähnlich abfällig über die Honigbiene. Auf einer Seite des Nabu Schleswig-Holstein etwa wird die Imkerei als „Form der landwirtschaftlichen Massentierhaltung“ bezeichnet. Honigbienen würden „durch das Land gekarrt“ und „auf z.B. Rapsfelder losgelassen“. Gefordert wird eine „honigbienenfreie Zonen um Schutzgebiete“, damit die vom Menschen gezüchteten Insekten den Wildbienen wenigstens dort Pollen und Nektar nicht vor dem Rüssel wegsammeln. „In einem natürlichen Ökosystem könnten Wildbienen die Bestäubung aller Pflanzen auch ohne Honigbienen sichern“, sagt auch Alexandra-Maria Klein.

Für die Landwirtschaft sei Apis mellifera allerdings unverzichtbar. Ohne sie würden es die Wildbienen nicht schaffen, große Monokulturen, etwa Raps, zu bestäuben. Zum einen, weil sich die meisten Wildbienen nur einige Hundert Meter von ihrem Nest entfernen. Honigbienen fliegen dagegen in einem Radius von mehreren Kilometern. Abgesehen davon gibt es in der Nähe landwirtschaftlich intensiv bewirtschafteter Flächen oft gar keine Wildbienen mehr. Sie finden dort weder Futter noch einen Platz, an dem sie ihr Nest bauen können. Die Pflanzen, die sie zum Überleben brauchen, gelten oft als Unkraut und werden mit Herbiziden am Wachstum gehindert. Auch lehmige oder sandige Böden und Abbruchkanten, an denen die Bodenschichten offen liegen gibt es in der intensiven Landwirtschaft, in der jeder Quadratzentimeter Boden ausgenutzt wird, nicht mehr.

Das alles hat zur Folge, dass es den Wildbienen tatsächlich schlechter geht als der Honigbiene. Nur redet niemand darüber. Nach Informationen des Nabu stehen in Deutschland 53 Prozent aller Wildbienen-Arten auf der Roten Liste. Es besteht also die Gefahr, dass sie aussterben, noch bevor den meisten Menschen überhaupt bewusst geworden ist, dass es sie gibt. Bei ihrem Kampf ums Überleben zählt jedes einzelne Individuum, denn anders als Honigbienen, die in Kolonien mit einer Königin und vielen Arbeiterinnen leben, sind die meisten Wildbienen „solitär“: Sie verbringen ihr Leben allein, außer während der Paarung. Jedes Weibchen ist gleichzeitig Königin und Arbeiterin: sie legt Eier und sammelt Pollen und Nektar für den Nachwuchs. Eine Honigbienen-Kolonie kann den Tod einer einzelnen Arbeiterin leicht ausgleichen, bei den Wildbienen bedeutet der Tod eines Weibchen dagegen zwangsläufig weniger Nachwuchs im Folgejahr.

Wildbienen sind auch deshalb gefährdeter, weil sie keine Lobby haben, sagt Klein. Anders als die Honigbiene, um die sich die Menschen kümmern. Imker behandeln die Völker zum Beispiel mit Substanzen, die die Varroamilbe abtöten, die einer der Hauptgründe für das Bienensterben ist. Aber der Honigbiene geht es doch trotzdem schlecht? „Das stimmt nicht“, sagt von Orlow. Im Gegensatz zu den meisten Arten von Wildbienen nimmt die Zahl der Honigbienen in Deutschland seit einigen Jahren sogar wieder zu.

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siehe auch „Crispr/CAS“ – „GENOME-EDITING“ – „Das Mikro-Biom“

https://www.keine-gentechnik.de/nachricht/33461/#gsc.tab=0

USA wollen Regelungen zu Genome Editing in der Welthandelsorganisation diskutieren

06.11.2018

Export Soja Hafen Transport
Export von Agrarrohstoffen (Foto: Oregon Department of Agriculture / flickr, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by/2.0)

Die USA haben zusammen mit zwölf anderen Staaten gemeinsame Eckpunkte für die gesetzliche Regulierung neuer gentechnischer Verfahren vorgestellt. Sie wollen Genome Editing in der Landwirtschaft möglichst schnell umsetzen und mögliche „Handelshemmnisse“, sprich strenge Regulierungen, verhindern. Dabei soll die Welthandelsorganisation WTO helfen.

Vorgestellt wurden die Eckpunkte im Rahmen der Welthandelsorganisation, wo sie als Input für die Arbeit des zuständigen Ausschusses dienen sollen. US-Landwirtschaftsminister Sonny Perdue beklagte bei der Präsentation, dass Technologien wie Genome Editing „zu oft durch regulatorische Blockaden ausgebremst werden, die auf Fehlinformationen und politischer Effekthascherei beruhen“. Gemeint – aber nicht ausgesprochen – war damit die EU und die strikte Auslegung des EU-Gentechnikrechts durch den Europäischen Gerichtshof. Perdue lobte seine Verbündeten, dass sie sich zusammen mit der USA unter dem Dach der Welthandelsorganisation zusammengefunden hätten und sich öffentlich für wissenschafts-basierte Regelungssysteme stark machten, die das riesige Potential dieser neuen Techniken erschließen könnten.

Wichtigstes Ziel der Eckpunkte ist es deshalb, sicherzustellen, dass die Regulierungsansätze für die neuen gentechnischen Verfahren wissenschaftsbasiert und international harmonisiert sein werden. „Regulatorische Assymetrien“ und sich daraus ergebende Handelshemmnisse sollen vermieden werden. In ihrem Papier begründen die Staaten dies mit der ihrer Meinung nach herausragenden Bedeutung des Genome Editing für Ernährungssicherheit und nachhaltige Landwirtschaft. Sie führen auch die Wünsche der Verbraucher nach gesünderen Lebensmitteln an und betonen die Bedeutung des Genome Editing für kleine und mittlere Unternehmen.

Das „Internationale Statement zur landwirtschaftlichen Anwendung von Präzisions-Biotechnologie“ genannte Papier entstand auf Betreiben amerikanischer Staaten, die gentechnisch veränderte Pflanzen in großem Stil anbauen: USA, Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay und Kanada. Unterschrieben haben es auch Australien, Jordanien, Vietnam, Kolumbien, Guatemala, Honduras und die Dominikanische Republik. Unterstützung kam ebenfalls von der Wirtschaftsunion der westafrikanischen Staaten.

Der Versuch der USA und anderer amerikanischer Staaten, die Gentechnik-Regulierung der EU über die Welthandelsorganisation auszuhebeln, ist nicht neu. Bereits 2003 beklagten sie sich bei der WTO offiziell über die Zulassungspraxis der EU. Sie sahen darin ein de facto Moratorium für Neuzulassungen von gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln. Der Konflikt zog sich einige Jahre lang hin und führte dazu, dass die EU ihre Zulassungspraxis für den Import von GVO als Lebens- und Futtermittel beschleunigte und gegen nationale Anbauverbote vorging. Der Streit mit Argentinien und Kanada wurde 2009 und 2010 beigelegt und ein ständiger Dialog etabliert. Im Streit mit den USA herrscht seit Jahren Funkstille. [lf]

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https://www.testbiotech.org/pressemitteilung/unzureichende-pr-fung-von-gentechnik-pflanzen-eu-b-rgerbeauftragte-startet

Unzureichende Prüfung von Gentechnik-Pflanzen: EU-Bürgerbeauftragte startet Untersuchung

Europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat keine Prüfkriterien für Gentechnik-Pflanzen mit veränderter Nahrungsmittelqualität
Freitag, 26. Oktober 2018

Das Büro der Europäischen Bürgerbeauftragten (EU-Ombudsfrau) hat bestätigt, dass es eine Untersuchung über die Zulassung von drei transgenen Pflanzen einleiten wird. Die Pflanzen sind in der Zusammensetzung ihrer Nährstoffe, insbesondere in ihrer Ölqualität, verändert und wurden für den Import und die Verarbeitung in Lebens- und Futtermitteln zugelassen. Die Beschwerde wurde von der Organisation GeneWatch UK eingereicht und wird von Testbiotech unterstützt.

Die drei Gentechnik-Sojalinien, von Monsanto (Bayer) und Pioneer (DowDuPont / Corteva), wurden 2015 von der EU-Kommission zugelassen. Die Organisationen hatten sich bereits damals gegen eine Zulassung ausgesprochen. Die EU-Kommission ging jedoch erst im Detail auf die Argumente ein, als sie 2018 ein Gerichtsverfahren gegen Testbiotech verlor. In der Beschwerde, die jetzt bei der EUOmbudsfrau einreicht wurde, legen die Organisationen dar, dass der Brief, den sie im Juli 2018 von der EU-Kommission erhalten haben, unzureichend ist, um ihre Bedenken auszuräumen und Mensch und Umwelt ausreichend zu schützen.

In der Beschwerde geht es insbesondere um folgende Punkte:
Die EFSA hat keine Richtlinien zur Prüfung von Gentechnik-Pflanzen, die in ihren Nahrungsmitteleigenschaften verändert sind.
• Die gesundheitlichen Risiken eines Verzehrs von Produkten mit verändertem Ölgehalt wurden im Detail nicht untersucht.
• Besonders empfindliche Bevölkerungsgruppen wie Kinder und Menschen mit gesundheitlichen Problemen wurden bei der Prüfung außer Acht gelassen.
• Entsprechende Produkte müssten mit einer speziellen Kennzeichnung versehen werden.

Testbiotech und GeneWatch UK erstellen im Rahmen des Projektes RAGES (Risk Assessment of Genetically Engineered Organisms in the EU and Switzerland) eine detaillierte Analyse der Probleme bei der Risikobewertung von Gentechnik-Pflanzen mit veränderter Nahrungsmittelqualität. Die Ergebnisse des Projektes sollen Anfang nächsten Jahres präsentiert werden und gehen über den Inhalt der Beschwerde bei der Ombudsfrau hinaus. Unter anderem werden dabei auch die Umweltauswirkungen der Einführung von neuen Nährstoffen in die Nahrungskette berücksichtigt.

Kontakt:

Christoph Then, Testbiotech Tel. 0151 54638040, info@testbiotech.org
Helen Wallace, Director, GeneWatch UK, Tel. +44-330-0010507; +44-7903-311584 (mobile); helen.wallace@genewatch.org

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siehe auch „GRIMMs Märchenwald BEDROHT“ – kriminelle sogenannte „erneuerbare ENERGIE-R“

siehe auch „Hambacher Forst“ und die „SCHEIN-HEILIG-KEIT“ der GRÜNEN

https://www.zeit.de/video/2018-10/5852700669001/braunkohle-wald-ist-nicht-gleich-wald

Braunkohle: Wald ist nicht gleich Wald

Nach der Braunkohleförderung forsten Energiekonzerne wie RWE Zehntausende Hektar wieder auf. Doch der Neuwald hat Nachteile.

Hambacher Forst – „Braun-Kohle“ – „Wald ist nicht gleich Wald“ –  ZEIT ONLINE

 

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https://www.spektrum.de/news/die-vernetzte-welt-der-pflanzen/1598658?utm_source=zon&utm_medium=teaser&utm_content=news&utm_campaign=ZON_KOOP

03.11.2018

Unterschätzte Botanik

Die vernetzte Welt der Pflanzen

Der Großteil der Landpflanzen ist unterirdisch über hauchdünne Pilzfäden mit benachbarten Pflanzen verknüpft. In diesem Netzwerk findet ein reger Handel mit Nährstoffen statt. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Pflanzen mittels des Pilzgeflechts auch kommunizieren – und einzelne Wissenschaftler ziehen bereits Parallelen zu neuronalen Netzwerken.
Netzwerk Wurzel

Hörst du, wie die Bäume flüstern? Insbesondere der Wald beflügelt die Fantasie von Märchenerzählern. Die Realität ist von ihren Geschichten allerdings weit entfernt. Oder doch nicht? Zumindest finden Wissenschaftler immer mehr Beweise dafür, dass Bäume – und Pflanzen im Allgemeinen – in einem ständigen Austausch miteinander stehen. Manche Pflanzen warnen sich etwa gegenseitig mit Duftstoffen vor Schädlingen, andere senden Botenstoffe über die Wurzeln aus, und fast alle tauschen Nährstoffe über ein riesiges, unterirdisches Pilzgeflecht. Speziell im Wald hat sich für dieses Netzwerk, das aus hauchdünnen Pilzfäden besteht, bereits der Name »Wood Wide Web« etabliert. Die Ausmaße sind beindruckend: Ein einziger Pilz kann sich über eine Fläche von mehreren hundert Quadratmetern ausbreiten und zahlreiche Bäume und andere Pflanzen miteinander verknüpfen. In einem Hektar Waldboden befinden sich bis zu sechs Tonnen Pilzfäden, die es zusammen auf eine unglaubliche Länge von mehr als 100 Milliarden Metern bringen können. Unter einem Quadratzentimeter liegen also Fäden, die aufsummiert mehr als 1000 Meter lang sind. Von diesem gigantischen Pilzgeflecht bekommt ein Spaziergänger im Wald in der Regel jedoch nur die oberirdischen Fruchtkörper zu Gesicht – jene vertrauten Teile, die mitunter auch zum Verzehr geeignet sind.

Die feinen Fäden der Pilze, die Hyphen, weben sich in die Spitzen der Pflanzenwurzeln ein und schließen sich zu einer so genannten Mykorrhiza zusammen. Das Wort ist ebenfalls ein Zusammenschluss, nämlich aus den beiden griechischen Wörtern für Pilz (mykes) und Wurzel (rhíza). Bei Mykorrhiza handelt es sich in der Regel um einen so genannten Mutualismus – eine spezielle Form zwischenartlicher Kooperation, von der beide Partner profitieren, bei der sie aber doch weitgehend getrennt voneinander leben. Im Fall der Mykorrhiza tauschen die beiden Nährstoffe aus: Die Pilze erhalten leicht verwertbaren Zucker, den die Pflanzen mittels Fotosynthese produzieren. Darauf sind die Pilze angewiesen, weil sie nicht die nötigen Enzyme mitbringen, um komplexe Kohlenhydratspeichermoleküle abzubauen. Die Pflanzen bekommen im Gegenzug Phosphor und Stickstoff geliefert, die die Pilze effektiv aus dem Boden holen können. Zudem schützt der Pilz die empfindliche Wurzelspitze etwa vor Schädlingen: So wird der Zusammenschluss zur Win-win-Situation. Mykorrhiza ist seit vielen Jahrzehnten bekannt – und weit verbreitet: Forscher schätzen, dass bis zu 90 Prozent aller Landpflanzen in Symbiose mit solchen Pilzen leben, zumindest aber die Voraussetzungen dafür erfüllen. Das Eingehen dieser Partnerschaft hängt dann letztlich auch von der Situation ab: Pflanzen in ungünstigen Umweltbedingungen streben eher nach Kooperation als solche, die gut versorgt sind.

Für schlechte Zeiten vorsorgen

Genaueres über den Zusammenhang von Kooperation und Umweltbedingungen hat die Botanikerin Rodica Pena von der Georg-August-Universität Göttingen erforscht: Gemeinsam mit ihren Kollegen konnte sie zeigen, dass Pflanzenwurzeln unter normalen Umständen Stickstoff auch ohne Mykorrhizapilze genauso gut aufnehmen wie in Symbiose. Herrscht jedoch Wassermangel, so helfen die Pilze den Wurzeln, den Stickstoff besonders effizient weiterzuleiten. Und bekommt die Pflanze kaum Licht ab, unterstützen die Pilze sie dabei, die Zuckerversorgung aufrechtzuerhalten. Demnach sichert sich die Pflanze gewissermaßen in guten Zeiten ab, indem sie die Pilze aushält, ohne dafür etwas zu verlangen. In schlechten Zeiten zahlt sich das dann aus.

Die Wissenschaftler konnten zudem demonstrieren, dass in diesem System nicht nur eine einzige Pilzart eine Rolle spielt: »Früher hat man oft alle Pilze in einen Topf geworfen. Wir konnten zeigen, dass unterschiedliche Pilzarten unterschiedliche Beiträge leisten«, erzählt Pena. Dazu kultivierten die Forscher ihre Versuchspflanzen jeweils mit anderen Pilzarten und entdeckten signifikante Unterschiede in der Funktion und Effizienz. Deshalb könne laut Pena nur eine hohe Pilzdiversität die Nährstoffversorgung auch unter schwankenden Umweltbedingungen sichern. Die Forscherin gibt jedoch zu bedenken, dass man schlichtweg noch nicht genug über die Symbiose wisse. Zum Beispiel spielt in dieser Partnerschaft noch ein dritter Akteur mit: Bakterien. »Offenbar sind bestimmte Bakterienkulturen assoziiert mit bestimmten Pilzarten«, so Pena. Die unterschiedlichen Funktionen der Pilze könnten also direkt mit Bakterien zusammenhängen – zumindest, da ist sich Pena ziemlich sicher, übernehmen sie eine wichtige Rolle.

Fürsorgliche Bäume

Aber nicht nur Pilze und Pflanzen interagieren intensiv, sondern auch benachbarte Pflanzen. Eine Forschergruppe um Suzanne Simard, Professorin für Waldökologie an der University of British Columbia, hat bereits vor der Jahrtausendwende gezeigt, dass große, alte Bäume, so genannte Mutterbäume, die jungen Schösslinge über das Pilznetzwerk mit Kohlenstoff versorgen. Interessanterweise fand dieses Verhalten sogar zwischen unterschiedlichen Baumarten statt. In weiteren Studien konnten Simard und Kollegen zeigen, dass diese Versorgungsstrategie von jungen Bäumen für ihre Entwicklung und ihr Überleben elementar ist.

Das Geben und Nehmen beschränkt sich nicht allein auf Kohlenstoff, wie man heute weiß: Viele weitere Nährstoffe sowie Wasser werden von unterschiedlichen Pflanzen geliefert oder eingetauscht. So können etwa Klee und andere Leguminosen Stickstoff an das Mykorrhiza-Netz abgeben, während Sträucher und Bäume Wasser beitragen, an das sie mit ihren langen Wurzeln besser herankommen als kleinere Pflanzen. Wieder andere steuern zum Beispiel Phosphor oder Zuckerverbindungen bei. Und in der Regel bekommt jeder für seinen Beitrag etwas zurück – das, was er eben braucht oder an was er nur schwer herankommt. Es herrscht also ein geschäftiges Treiben auf dem Basar der Pflanzen.

Was Forscher dabei auf diesem Marktplatz beobachteten, erinnert sie an ein »soziales Verhalten«. Bäume, die gerade viele Nährstoffe haben, geben diese etwa an kranke Bäume weiter, oder sterbende Bäume spenden Nährstoffe an umliegende Artgenossen. Andere Pflanzen profitieren wiederum von bestimmten Nachbarn, wie der Botanikprofessor Andreas Wiemken von der Universität Basel zusammen mit Kollegen entdeckte: Flachspflanzen etwa geraten mehr als doppelt so groß, wenn sie neben Hirsepflanzen wachsen und mit diesen durch Mykorrhizapilze unterirdisch verbunden sind. Kurz: »Die Hirse füttert den Flachs«, wie Wiemken im Buch »Mozart und die List der Hirse« zitiert wird.

Giftanschläge unter Pflanzen

So betrachtet lässt sich die Welt der Pflanzen leicht als harmonischer Ort idealisieren, in dem Organismen sich stets gegenseitig unterstützen. Der Molekularbiologe und Botaniker František Baluška von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn weist jedoch darauf hin, dass unter Pflanzen mitnichten immer alles friedlich abläuft: Es wird ausgebeutet, betrogen und sogar getötet; ein Kampf um Ressourcen, vor allem um limitierte. In diesem Kampf kann auch das Mykorrhiza-Netzwerk zur Waffe werden: Baluška nennt als Beispiel giftige Moleküle, die Pflanzen über die Pilzfäden an andere Pflanzen senden, um deren Wachstum zu bremsen. Wenn Stickstoff Mangelware ist, beginnt die Kooperation zwischen Pilzen und Pflanzen rasch zu bröckeln – falls denn beide Seiten vorher überhaupt profitiert haben. Denn tatsächlich beginnen manche Pilze oder Pflanzen eine »Partnerschaft« von vornherein nur, um sie auszunutzen: Die Beziehungen decken von Mutualismus bis hin zu explizitem Parasitismus die ganze Bandbreite der Möglichkeiten ab.

Auch die Biologin Pena betont, das Verhalten der Pflanzen sei nicht »weiß oder schwarz«, es könne beides sein. Und für Baluška zeigt genau diese Vielschichtigkeit, dass Pflanzen in gewisser Weise »soziale Lebewesen« sind. Ihm zufolge habe man schlichtweg lange ihre Fähigkeiten unterschätzt und tue das noch immer. Mittlerweile verdichten sich beispielsweise die Hinweise darauf, dass Pflanzen über das Pilznetzwerk auch Informationen austauschen. Bisher dachte man, es gebe lediglich ein eher unspezifisches Senden von Informationen in dem Sinne, dass Pflanzen Duftstoffe in die Luft entlassen oder bestimmte Signalmoleküle in den Boden absondern, die dann andere Pflanze eher durch Zufall detektieren. Mittels der Pilzfäden wäre jedoch die Weitergabe der Informationen zielgerichtet, effizienter und könnte in beide Richtungen geschehen. Und tatsächlich fanden Forscher bereits heraus, dass von Blattläusen befallene Ackerbohnen offenbar ihre Nachbarn über das Pilznetzwerk informieren. Gleiches beobachteten die Wissenschaftler bei schädlichem Pilzbefall der Blätter. Ähnlich wie mit Duftmolekülen werden so umstehende Pflanzen vor einer drohenden Gefahr gewarnt.

Ein vergleichbares Verhalten zeigen Tomaten, die von den Erregern der Dürrfleckenkrankheit, der Kartoffelfäule oder anderen Pflanzenpathogenen attackiert werden, wie chinesische Wissenschaftler zeigen konnten. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass über das Pilznetzwerk eine Kommunikation stattfinde, schreiben sie in ihrer Veröffentlichung. Bewiesen ist das noch nicht: Um das aber wirklich sicherzustellen, müsse ausgeschlossen werden, dass die warnenden Botenstoffe nicht in die Erde abgegeben werden, um von den Pilzen daraus aufgenommen zu werden, gibt die Botanikerin Pena zu bedenken.

Ein Gehirn in den Wurzeln?

Die Biologin Simard geht hier einige Schritte weiter. Im Buch »Memory and Learning in Plants« schreibt sie: »Diese Verhaltensweisen der Bäume haben kognitive Qualitäten und umfassen Fähigkeiten wie Wahrnehmung, Lernen und Gedächtnis (…)« Sie ist gar der Meinung, dass die Topologie von Mykorrhiza-Netzwerken denen neuronaler Netzwerke ähnelt. Mehr noch: Es gebe bestimmte Muster und Eigenschaften in diesen Strukturen, die auch für Intelligenz wichtig sind. Man erkenne zunehmend an, schreibt die Forscherin sinngemäß, dass Pflanzen Entscheidungen treffen und Handlungen ausführen und so Eigenschaften von Intelligenz aufweisen, wie es normalerweise nur Menschen oder vielleicht Tieren zugeschrieben wird.

Dass eine solche Sichtweise nicht abwegig ist, glaubt auch Baluška. Der Molekularbiologe erforscht die Wurzelspitzen von Pflanzen. Für ihn ist das der essenzielle Teil in diesem gesamten unterirdischen Netzwerk. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts hat Charles Darwin vorgeschlagen, dass die Wurzelspitze wie ein Gehirn eines niederen Lebewesens funktioniere. Und tatsächlich konnte Baluška gemeinsam mit Kollegen zeigen, dass sich in den Wurzeln eine neuronale Zone befindet, die ähnlich wie auch die Nervenzellen im Gehirn Signale verarbeitet und weiterleitet: die Wurzelspitzenzellen kommunizieren – wie ein neuronales Netzwerk von Tier und Mensch – über eine Art Aktionspotenzial miteinander. Manche Neurone oszillieren auf eine Art und Weise, wie man es auch im Gehirn des Menschen beobachtet hat.

Insgesamt sei das Prinzip der Funktionsweise natürlich trotzdem anders, betont Baluška – was unter anderem mit den Anforderungen zusammenhängt, denen die Wurzeln gerecht werden müssen: Ihre »offensichtliche Aufgabe ist es, Wasser und Nährstoffe zu finden«, sagt der Biologe. Zu diesem Zweck messen bestimmte Zellen in der Wurzelspitze ständig mindestens 20 verschiedene Parameter in der Umgebung, darunter Feuchtigkeit, Lichtstärke oder Sauerstoffgehalt. Und diese große Menge an sensorischen Informationen der Wurzelkappe müssen zum einen verarbeitet und gespeichert werden, damit die Pflanze reagieren kann, also zum Beispiel in eine geeignete Richtung wachsen. Daneben deute jedoch vieles darauf hin, so Baluška, dass die Wurzelspitze, insbesondere die neuronale Zone, für die zielführende Invasion der Pilze wichtig ist. Auch für die anschließende Wechselwirkung und Interaktion mit den Pilzen seien vermutlich diese Strukturen ausschlaggebend.

Baluška reichen die Erkenntnisse der letzten 20 Jahren, um mit gutem Grund sagen zu können, dass die Wurzelspitzen eine Struktur beheimaten, die einem Gehirn zumindest in manchen Punkten ähnelt und es den Pflanzen ermöglicht, aktiv zu agieren. Innerhalb der Wissenschaftsgemeinde stoßen solche Gedanke größtenteils noch auf Ablehnung. Baluška bedauert diesen Umstand. Das Wurzel-Pilz-Netzwerk würden die meisten weiterhin in erster Linie bezüglich des Austauschs von Nährstoffen erforschen. An seiner Meinung ändert das nichts: Der Molekularbiologe ist sich sicher, dass die Pflanzen darüber auch Informationen weitergeben. Bäume sprechen vielleicht nicht wie im Märchen – sie kommunizieren aber womöglich tiefgründiger, als wir zu wissen glaubten.

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https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2018-11/fehlbildungen-neugeborene-kindermedizin-frankreich-schwangerschaft-pestizide-umweltgifte/komplettansicht

Fehlbildungen bei Neugeborenen: Schädigen Pestizide die Babys schon im Bauch?

Drei Landstriche in Frankreich. Wenige Tausend Einwohner. Und seit Jahren immer wieder Neugeborene ohne Arme oder Hände. Erst jetzt fiel es auf – und alle sind ratlos.
Fehlbildungen bei Neugeborenen: Dieses Baby wurde gesund geboren. In Frankreich häufen sich seit Jahren in drei Départements Fälle, in denen Neugeborenen eine Hand oder die Arme fehlen.
Dieses Baby wurde gesund geboren. In Frankreich häufen sich seit Jahren in drei Departements Fälle, in denen Neugeborenen eine Hand oder die Arme fehlen. © Jessica Love/plainpicture

25 Neugeborene, denen mindestens eine Hand, ein Unterarm oder ganze Arme fehlen. Zur Welt gekommen innerhalb von 15 Jahren in Ain, Loire-Atlantique und Morbihan, drei der 101 Departements Frankreichs. Das klingt nach wenigen und zufälligen Einzelschicksalen und deckt sich eigentlich mit der normalen Fehlbildungsrate. Und doch spricht die französische Gesundheitsbehörde Santé publique France (SPF) nun von „statistisch auffälligen“ Häufungen.

Der Grund: Alle Mütter der betroffenen Neugeborenen wohnten nah beieinander, in kleinen Dörfern auf dem Land. Deshalb wird jetzt, Jahre nach den ersten Anzeichen, nach Gründen gesucht: Was könnte Babys schon im Mutterleib geschädigt haben? Waren es womöglich Pestizide von den Feldern, giftige Rückstände aus der Nahrung oder unsichtbare Schadstoffe aus der Luft?

Frankreichs Gesundheitsministerin Agnès Buzyn hat den Verdacht, ein Umweltgift könne die Ursache sein, nun durch öffentliche Aussagen geschürt: Die hohe Anzahl von Kindern mit fehlenden Armen oder Händen könne möglicherweise mit Mitteln in der Landwirtschaft zusammenhängen. Auf der Suche nach der Ursache wolle man keine Richtung ausschließen. Möglicherweise sei die Spur in der Umwelt zu suchen. „Vielleicht liegt es an etwas, das die Schwangeren gegessen, getrunken oder eingeatmet haben,“ sagte die Ministerin. Zum jetzigen Zeitpunkt wisse man das nicht.

Niemand weiß genau, wo Fehlbildungen wie oft auftreten

Erst kürzlich war bekannt geworden, dass allein in einem Umkreis von 17 Kilometern um das westfranzösische Dorf Druillat im Departement Ain in den Jahren 2000 bis 2014 18 Kinder zur Welt gekommen waren, denen mindestens eine Hand oder ein Arm fehlte. Ein weiterer Verdachtsfall aus Ain, den die Zeitung Le Monde öffentlich gemacht hatte, wird nach Behördenangaben noch geprüft. Hinzu kommen vier Fälle aus der kleinen Bretagneregion Morbihan (dort kamen die Kinder in den Jahren 2011 bis 2013 zur Welt) und drei aus der benachbarten Region Loire-Atlantique, geboren 2007 und 2008.

Bei dem Versuch, die aktuell bekannt gewordenen Fälle statistisch seriös einzuordnen, offenbart sich in Frankreich ein Problem, das in Deutschland ebenso besteht: Es fehlt eine landesweite zuverlässige und rasche Erfassung aller Neugeborenen mit Fehlbildungen. Nur mit so einem nationalen Register jedoch könnten bedenkliche Entwicklungen in bestimmten Regionen schneller entdeckt werden. Außerdem sind mögliche Schadstoffe in der Umwelt, die Föten im Mutterleib schädigen können, offenbar noch zu wenig erforscht.

Für den aktuellen Fall bedeutet das: Ganze zehn Jahre lang fiel den französischen Behörden die lokale Häufung der betroffenen Kinder nicht auf – bis ein Gynäkologe nach zwei Geburten von Säuglingen, denen Arme fehlten, das Registre des Malformations en Rhône-Alpes, kurz Remera, alarmierte. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieses öffentlich finanzierten Registers für kindliche Fehlbildungen allein für das Département Ain hatten schon 2015 einen Bericht für die in Paris ansässige nationale Gesundheitsbehörde (SPF) über sieben registrierte Fehlbildungen verfasst. Darin stand: „Die wahrscheinlichste Hypothese ist, dass die betroffenen Schwangeren einer „Substanz in der Landwirtschaft oder der Tiermedizin“ ausgesetzt wurden.

Ein Faktor, der bislang aber nicht untersucht wurde. Laut der betroffenen Eltern nahmen die Behörden nach der Geburt vor allem das Verhalten der Mütter unter die Lupe – etwa, welche Gesichtscremes sie während der Schwangerschaft benutzten, welche Putzmittel sie verwendeten und was sie gegessen hätten. Mögliche Schadstoffe aus der Umwelt seien zu wenig beachtet worden. „Wir fordern eine tiefergehende Untersuchung“, sagte Isabelle Taymans-Grassin im französischen Radio. Sie ist die Mutter eines Mädchens, das ohne linken Unterarm geboren wurde.

Ihre Tochter ist inzwischen sieben Jahre alt. Bis heute hat der französische Staat ihrer Fehlbildung keine besondere Beachtung geschenkt. So wie ihr ging es mehreren Familien in Frankreich. Doch die Eltern fingen an, sich zu vernetzen. Im Laufe der Jahre lernten sich Väter und Mütter in den entsprechenden Kommunen kennen – in den betroffenen Dörfern leben nur wenige tausend Menschen. Und sie stellten fest: Viele Schwangere wohnten oder wohnen noch heute an Feldern, auf denen Raps oder Sonnenblumen angebaut wurden. Als die Regierung schließlich Kündigungsbriefe an die Mitarbeiter von Remera verschickte und das lokale Register in diesem Herbst aus Spargründen geschlossen werden sollte, wehrten sich die Eltern öffentlich, wandten sich an Zeitungen, das Radio und ans Fernsehen. Erst dadurch wurden ihre Kinder neu gezählt und registriert. Plötzlich fand die Gesundheitsbehörde SPF elf weitere Kinder mit Fehlbildungen in der Region Ain. Und schließlich wurde auch die Gesundheitsministerin Agnès Buzyn aktiv. „Es ist inakzeptabel für die Eltern und unser Land, nicht zu wissen, warum Babys ohne Arme und Beine geboren werden“, hieß ihre neue Losung.

Alkohol oder Medikamente? In diesen Fällen ausgeschlossen

Tatsächlich wissen Forscherinnen und Forscher bei weniger als der Hälfte aller Fehlbildungen, warum sie entstanden sind. Der Wiesbadener Mediziner Klaus-Michael Keller gab 2015 auf einem Kongress des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte an, dass man bei rund 60 Prozent der sogenannten größeren Fehlbildungen nicht die Ursache kenne. Die restlichen 40 Prozent seien genetisch bedingt oder durch einen Virus ausgelöst. Genau diese erblichen oder viralen Ursachen wurden bei den französischen Eltern ausgeschlossen, ebenso wie Medikamente oder Alkohol.

Überraschenderweise werden weder in Frankreich noch in Deutschland Neugeborene mit Fehlbildungen übers ganze Land hinweg registriert. Dabei hätten beide Staaten aus der Geschichte lernen können: Die Schädlichkeit des Schlafmittels Contergan wurde auch erst offensichtlich, als die Fälle zusammengeführt wurden. In den Jahren von 1958 bis 1962 waren weltweit bis zu 10.000 Kinder mit Fehlbildungen geboren worden, nachdem ihre Mütter in der Schwangerschaft das Mittel genommen hatten.

Trotzdem decken heute in Frankreich sechs Register nur rund 19 Prozent des gesamten Landes ab – das ist aber noch mehr als in Deutschland. Hier gibt es offenbar nur in Sachsen-Anhalt eine eigene Meldestelle, also nur für rund zwei Prozent aller Neugeborenen.

Überraschung über Spekulationen

Vielleicht klafft diese Lücke auch, weil sich niemand wirklich zuständig fühlt. Das Berliner Gesundheitsministerium gibt zum Beispiel an, keine Informationen über die Anzahl der Betroffenen in Deutschland zu haben, eine landesweite Zählung gäbe es nicht – und verweist auf das Bundesumweltministerium. Dies wiederum sieht die Zuständigkeit beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Das Institut berät die Bundesregierung in Fragen zum gesundheitlichen Verbraucherschutz. ZEIT ONLINE bat das BfR auf Nachfrage dann aber um Verständnis dafür, dass man sich ohne ausreichende Hintergrundinformationen nicht an der öffentlichen Diskussion über mögliche Ursachen der Fälle in Frankreich beteiligen könne. Ähnlich der Tenor aus anderen Berliner Behörden und Ministerien: Man wolle sich derzeit nicht äußern und sei überrascht, dass sich die französische Ministerin so weit aus dem Fenster lehne und über mögliche Ursachen in der Landwirtschaft spekuliere.

In Frankreich immerhin soll es bald eine Karte für das ganze Land geben, auf der Fälle von Fehlbildungen erfasst und vermerkt werden. Und noch eine neue Untersuchung seitens der Behörden kommt hinzu, diesmal für Tiere. Denn inzwischen haben sich Veterinäre zu Wort gemeldet: Kälber und möglicherweise auch Hühnerküken ohne Gliedmaßen sollen auffällig häufig in den gleichen drei landwirtschaftlich genutzten Gebieten geboren worden sein, in denen die Mütter der betroffenen Kinder lebten. Die gehen längst in Kitas oder zur Schule, lernen von klein auf teils mit nur einer Hand, einem Arm oder allein mit ihren Füßen zu greifen, zu malen oder zu schreiben. Während sie mit ihrem Handicap längst groß werden, hat Frankreichs Staat gemerkt, dass sie überhaupt existieren.

Korrekturhinweis: In einer früheren Version des Textes wurden in den ersten beiden Absätzen irreführende statistische Vergleiche gezogen. Diese haben wir aus Gründen der Verständlichkeit vereinfacht. Die Redaktion

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http://www.faz.net/aktuell/wissen/leben-gene/wie-die-gefahren-der-kuenstlichen-befruchtung-verharmlost-werden-15872749.html?premium

Künstliche Befruchtung : Was soll hier schon schiefgehen?

Ganz hohe Kunst: Wenn gar nichts mehr klappt, muss ein einziges Spermium eben reichen Bild: SPL

Die Zeugung im Labor ist nahezu Routine geworden. Von Schäden beim Nachwuchs war bislang nicht die Rede. Erst jetzt fangen Mediziner an, genauer hinzusehen.

Einmal im Jahr kommt die Gemeinde der Fortpflanzungsmediziner beim Treffen der European Society of Human Reproduction and Embryology zusammen. Dieses Mal fand es Anfang Juli in Barcelona statt. 12.000 Teilnehmer konnten unter anderem ein Fertility Festival besuchen, einen Wohltätigkeitslauf hinter sich bringen, bei Fingerfood, Livemusik und Drinks bis zum Abwinken soziale Kontakte pflegen und mehr als tausend Vorträge und Präsentationen über sich ergehen lassen. Die mehr oder weniger ausnahmslos um die Frage kreisten: Wie können wir unsere Erfolgsquote noch steigern?

Jörg Albrecht

Verantwortlich für das Ressorts „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Man kann nicht sagen, dass das bislang misslungen wäre. Das erste Retortenbaby kam 1978 zur Welt. Seitdem sind mehr als acht Millionen Kinder mit Hilfe assistierter Reproduktionstechnik gezeugt worden. Die weitaus meisten von ihnen kamen gesund zur Welt. Aber es gab auch Komplikationen. Eine Studie australischer Mediziner gelangte vor vier Jahren zu dem Ergebnis, dass Retortenkinder im Vergleich zu anderen Neugeborenen doppelt so häufig eine Frühgeburt erleben; das Risiko einer Totgeburt steigt ebenfalls um das Zweifache, Missbildungen scheinen ähnlich gehäuft vorzukommen. Wie viele Schäden sich erst nach der Geburt und im späteren Leben manifestieren, weiß man nicht. Es existiert kein nationales und erst recht kein internationales Register, in dem das alles verlässlich erfasst würde.

In den Anfangsjahren war die Freude darüber, dass es im Reagenzglas klappt, zu lebhaft, als dass man sich groß Gedanken gemacht hätte. Erst als die Zahl der In-vitro-Fertilisationen in die Millionen ging, besann man sich und sammelte in nennenswertem Umfang Daten. Aber Langzeitstudien blieben rar, und bis heute fehlt es an statistisch gesicherten Erkenntnissen. Selbst ambitionierte Vertreter des Faches stellen sich gelegentlich die Frage, ob die Nachhilfe in Sachen Befruchtung, abgekürzt „ART“, tatsächlich schon eine Wissenschaft oder nicht vielmehr eine ärztliche Kunst geblieben ist, die nur mit etwas Glück zum Erfolg führt. Immerhin sind von zehn Versuchen, eine Schwangerschaft auf künstlichem Wege herbeizuführen, im Durchschnitt bloß drei oder vier von Erfolg gekrönt.

Das hört sich zunächst niederschmetternder an, als es ist. Selbst bei einer herkömmlichen Zeugung per Geschlechtsverkehr liegt die monatliche Chance für Paare ohne besondere Fruchtbarkeitsprobleme nur bei 25 Prozent. Kommt es dabei zur Konzeption, gehen schätzungsweise die Hälfte aller Embryonen in den ersten Wochen danach spontan verloren. Zu den häufigsten Ursachen von Frühaborten zählen Chromosomenstörungen, meist treten einzelne Chromosomen in Über- beziehungsweise Unterzahl auf. Solche massiven Anomalien im Erbgut sehen auch die Reproduktionsmediziner. Viele von ihnen ziehen daraus den Schluss, dass es kaum einen Unterschied gibt zwischen natürlicher und assistierter Fortpflanzung. Die unterschwellige Botschaft an die Eltern lautete bislang: Wenn etwas schiefgeht, liegt es an euch. An eurem Alter, an euren Genen, an der mangelnden Qualität der Samen- und Eizellen. Die Technik selbst, hieß es, habe praktisch keinen Einfluss auf das Wohlergehen der Laborkinder.

Gefahr von verdeckten Defekten

Man muss da freilich differenzieren. Die Methoden unterscheiden sich erheblich. Liegt eine Unfruchtbarkeit beim Mann vor, reicht das von der einfachen Insemination der Frau mit Spendersamen über die Vereinigung von Ei und Samen in vitro bis zur Intracytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI), bei der das Ei unter dem Mikroskop mit einer einzigen Samenzelle befruchtet wird. Die kann, falls der Mann nicht imstande ist, reifen Samen zu produzieren, auch in unreifem Zustand aus dem Hoden oder dem Nebenhoden gewonnen werden. Selbst unbewegliche Spermien, die noch keine Geißel besitzen, erhalten auf diesem Wege eine Zeugungschance. Inzwischen wird sogar mit Mikrorobotern experimentiert, die schlappe Samenzellen mittels Magnetkraft ins Ziel bringen sollen.

Derartige Kunststücke stoßen nicht nur auf Beifall. Die mit dem Büchnerpreis ausgezeichnete Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff beispielsweise erregte sich vor vier Jahren öffentlich über das gegenwärtige „Fortpflanzungsgemurkse“, das in ihren Augen zweifelhafte Geschöpfe produziert, „halb Mensch, halb künstliches Weißnichtwas“. Ein weniger hysterischer Einwand könnte lauten, dass die Mediziner tatsächlich dabei sind, Barrieren einzureißen, die von der Natur aus gutem Grund errichtet wurden. Wenn sich der ersehnte Nachwuchs partout nicht einstellen will, kann es ja sein, dass die Eltern Erbanlagen besitzen, deren Kombination zu schweren Entwicklungsstörungen führen würde. Bei der ICSI-Methode steht zudem die Frage im Raum, ob die Auslese geschwächter Spermien nicht versteckte Defekte ans Tageslicht befördert.

Als das Verfahren 1997 in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufgenommen werden sollte, verlangte der Gemeinsame Bundesausschuss, dass es zuvor drei Jahre lang auf Unbedenklichkeit überprüft werden müsse. Eine Studie der Universitätsklinik Lübeck kam damals zu dem Schluss, dass sich das relative Risiko einer Fehlbildung wahrscheinlich etwas erhöht, und zwar um gut ein Fünftel. Die Spermieninjektion wurde trotzdem 2002 amtlicher Bestandteil der Richtlinien über künstliche Befruchtung, die Ärzte wurden dazu verpflichtet, bei der Beratung von Ehepaaren auf mögliche Gefahren hinzuweisen.

Gefahr von Behinderungen neunmal höher

Indizien gab es bereits. Humangenetikern war aufgefallen, dass nach einer ICSI-Behandlung mehr Kinder mit dem seltenen Beckwith-Wiedemann-Syndrom geboren wurden, als statistisch zu erwarten gewesen wäre. Die Betroffenen leiden unter Riesenwuchs, der mit Organschäden und erhöhter Tumoranfälligkeit einhergeht. Auch gab es einige Fälle des Angelman-Syndroms, einer Krankheit, die nach dem britischen Kinderarzt Harry Angelman benannt ist und ebenfalls äußerst selten auftritt; die Patienten neigen zu unmotivierten Lachanfällen, sind geistig behindert und kaum imstande, sich sprachlich zu artikulieren. Beide Syndrome lassen sich auch durch genetische Mutationen erklären, die mit dem Prozedere der künstlichen Zeugung ursächlich nichts zu tun haben. Aber als man begann, genauer hinzusehen, stieß man auf einen zweiten möglichen Mechanismus. Ei- und Samenzellen durchlaufen vor der Befruchtung normalerweise mehrere Reifephasen, bei denen die Gene der Mutter und des Vaters unterschiedlich markiert werden. Bei diesem „Imprinting“ (Prägung) genannten Vorgang wird in der Regel jeweils eine Variante stillgelegt In den Spermien geschieht das relativ früh, Eizellen hingegen durchlaufen den Prägungsprozess bis zum Zeitpunkt der Empfängnis und darüber hinaus. Das alles vollzieht sich auf natürlichem Wege in einem Milieu, das darauf physiologisch exakt zugeschnitten und bei weitem noch nicht in allen Einzelheiten erforscht ist.

1978 in Oldham, Großbritannien: Louise Joy Brown, der erste durch In-Vitro-Fertilisation gezeugte Mensch, kurz nach ihrer Geburt. Bilderstrecke
Künstliche ’Befruchtung : Kinder aus der Retorte

Im Labor sieht das anders aus. Ei- und Samenzellen schwimmen in Nährmedien, deren Zusammensetzung von Klinik zu Klinik variiert, das Rezept wird von den Herstellern häufig geheim gehalten. Die empfindlichen Zellen werden mikrochirurgischen Manipulationen unterworfen, unter Umständen eingefroren und wieder aufgetaut, hohen Sauerstoffkonzentrationen und anderen Faktoren ausgesetzt, mit denen sie bei einer natürlichen Empfängnis niemals konfrontiert würden. Dass es in dieser artifiziellen Umgebung leichter zu Imprinting-Fehlern kommen kann, ist kein Wunder. Heute besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass die Mehrzahl der Beckwith- und Angelman-Syndrome nach einer IVF-Behandlung auf Pannen bei der Prägung des Erbgutes zurückzuführen ist. Soweit die Zahlen das überhaupt zulassen, schätzt man in diesen Fällen das absolute Risiko, ein behindertes Kind zur Welt zu bringen, auf eins zu viertausend, was etwa neunmal so hoch ist wie in der übrigen Bevölkerung, aber immer noch recht gering.

Damit könnten viele Eltern und wohl die meisten Fortpflanzungsmediziner leben. Doch nach den ersten Verdachtsfällen kam schon einmal die Befürchtung auf, man beobachte „möglicherweise nur die Spitze des Eisberges“, wie es seinerzeit im Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie hieß. Seitdem ist mehr als ein Jahrzehnt vergangen, und es existiert immer noch kein klares Bild. Eine Häufung schwerer Krankheitsbilder ist zwar ausgeblieben. Aber unterhalb des Radars könnten sich subtilere Schäden und Langzeitfolgen verbergen. Die erste Generation der Retortenkinder hat gerade mal das vierzigste Lebensjahr erreicht, die ICSI-Sprösslinge stecken großenteils noch in den Kinderschuhen oder in der Pubertät. Die Handvoll Studien, die den Anforderungen an evidenzbasierte Medizin halbwegs genügen, lassen sich an den Händen abzählen.

„Gefäßwände wie bei langjährigen Rauchern“

Eine davon geriet unlängst ins Sperrfeuer zwischen Experten und Öffentlichkeit. Der Schweizer Kardiologe Urs Scherrer vom Inselspital Bern hatte die Gefäße und den Blutdruck von Jugendlichen untersucht, die nach einer IVF-Behandlung zur Welt gekommen waren. Im Vergleich zu ihren auf natürlichem Wege gezeugten Altersgenossen wiesen sie signifikant schlechtere Werte auf. Bereits im Kindesalter hätten ihre Gefäßwände ausgesehen wie die von langjährigen Rauchern, sagt Scherrer, der die Entwicklung seit Jahren verfolgt. Die jüngste Arbeit seines Teams erschien Anfang September im Journal of the American College of Cardiology. Darin äußern die Autoren die Vermutung, dass die Ursache im Kulturmedium zu suchen sei, worin die befruchteten Eizellen tagelang heranwachsen, ehe sie in den Uterus verpflanzt werden.

Mehrere Medien berichteten darüber, teils in zugespitzter Form. Auch die F.A.Z. veröffentlichte im Oktober eine kritische Einschätzung. Als der Artikel online ging, stieß er auf ein ungewöhnlich großes Echo. Ein Online-Bericht der Zeit erntete mehr als sechshundert Leserzuschriften und Nachfragen besorgter Eltern. Die Redaktion sah sich veranlasst, ein Interview nachzureichen, das die ursprüngliche Darstellung relativierte. In Fachkreisen war man dennoch empört und sprach von unseriösem Sensationsjournalismus.

Nun ist es in der Reproduktionsmedizin nicht unüblich, Erfolgsmeldungen grundsätzlich zu begrüßen und negative Resultate sehr viel stärker in Frage zu stellen, als das eventuell angebracht wäre. Die assistierte Fortpflanzung ist nicht zuletzt ein Geschäft, von dem die Kliniken gut leben. Die vergleichsweise aufwendige und teure intracytoplasmatische Sameninjektion wird inzwischen in einem Ausmaß praktiziert, das jeder medizinischen Notwendigkeit Hohn spricht. Ursprünglich als letzter Ausweg in ansonsten hoffnungslosen Fällen gedacht, ist das ICSI-Verfahren fast zur Standardtherapie geworden. In Europa wird die Technik annähernd doppelt so häufig eingesetzt wie eine gewöhnliche In-vitro-Befruchtung, in Lateinamerika sechsmal so oft und in Israel beinahe zu hundert Prozent.

Dass sie Barrieren überwindet, die von Natur aus vorgegeben sind, kann man der modernen Medizin nicht zum Vorwurf machen. Der Impetus, auch scheinbar Unmögliches zu schaffen, ist wesentlich für den medizinischen Fortschritt gewesen, ohne ihn gäbe es keine Organtransplantationen und keine Hoffnung im Kampf gegen Krebs. Nur eines sollte immer ehrlich kommuniziert werden: Es gibt kein ärztliches Handeln ohne Nebenwirkungen. Wo es um das Schicksal kommender Generationen geht, wiegt diese Regel besonders schwer.

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siehe auch  „Jörg Spitz“  – „Vitamin D“ – „EPI-GENETIK“

e.com/watch?v=6Dxg4Z3Fslo

Das „Natur-Defizit Syndrom“ – Interview mit Prof. „Dr. Jörg Spitz“ | Folge #100

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om/watch?v=Mg0KbkQS40s

Endlich raus aus der Zuckersucht – Interview mit ZuckerMonster.com mit „Ilga Pohlmann“| Folge #122 

 

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Die „MONSATAN-MANIPULATIONs-MASCHINE“ STOPPEN

GEGEN das SCHWINDEN der VIELFALT des „MIKRO-BIOMs“ – – – – DAS „MIKRO-BIOM SCHÜTZEN“ – – – Das BEDEUTET: SOFORT „MONSATAN-BAYER“ ABSCHAFFEN das sind die Wahren  „ÜBEL-TÄTER“ und DIESE ENDLICH zur VERANTWORTUNG ZIEHEN LASSEN!!!!!!!!

siehe auch „Das MIKRO-BIOM“ – „Monika Krüger“ – „Es gibt ein ANTI-BIOTIKA“ namens „GLYPHOSAT“ – US 7771736 B2

aus dem TEXT: … sind schwere Darmentzündungen mit dem Erreger >>>>Clostridium difficile.<<<< Bei zahlreichen Patienten ist die Flora des Darms derart beschädigt, dass sie sich nicht mehr erholt und die Clostridien weiter wüten können. Erst ein neues Mikrobiom durch eine Fecal Microbiota Transplantation (FMT), zu Deutsch Kottransplantation, verschafft mit großer Wahrscheinlichkeit Heilung. ……………

https://www.sueddeutsche.de/wissen/mikrobiologie-forscher-arbeiten-an-der-globalen-kot-biobank-1.4200706

Mikrobiologie

Forscher arbeiten an der globalen Kot-Biobank

Die Kot-Biobank soll an einem geschützten Ort untergebracht werden, ähnlich wie die Saatgut-Bank Seed Vault auf Spitzbergen.(Foto: dpa)
  • Das Global Microbiome Conservancy (GMC) Projekt will das sogenannte Mikrobiom erforschen und erhalten.
  • Dazu haben die Forscher bereits Stuhlproben mit 11 000 verschiedenen Bakterienstämmen gesammelt.
  • Hintergrund ist, dass die mikrobielle Vielfalt im Inneren des Menschen schwindet, mutmaßlich verursacht durch westliche Ernährung und Lebensweise.
  • Ob mit der geplanten Biobank wie erhofft medizinische Fortschritte erzielt werden können, ist bislang unklar.
Von Kathrin Zinkant

Viele Bewohner der westlichen Hemisphäre dürften schon bei der Vorstellung dieser Situation pikiert sein: Da klingelt jemand an der Tür, hält einem eine kleine blaue Plastikschüssel hin – und bittet darum, das Behältnis mit etwas Kot zu befüllen.

Doch gibt es Menschen, in Ruanda oder Ghana zum Beispiel, die lachen drüber und kommen der Bitte um eine Probe ihrer festen Ausscheidungen tatsächlich nach. Sie leisten damit ihren Beitrag zu einem Projekt, das bald weltumspannende Dimensionen annehmen soll: Das Global Microbiome Conservancy (GMC) hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Vielfalt der bakteriellen Besiedlung menschlicher Därme – das sogenannte Mikrobiom – sowohl zu erforschen als auch zu erhalten.

Aus 34 Ländern und insbesondere aus Kulturen, die noch keinen industriellen Lebensstil pflegen, sollen Stuhlproben gesammelt, Bakterienstämme isoliert und genetische Analysen angefertigt werden, heißt es in einem Bericht des Wissenschaftsmagazins Science. 11 000 solcher Stämme aus sieben Ländern hat das GMC bereits beisammen.

Die Proben werden analysiert und konserviert. Was noch fehlt, ist ein Aufbewahrungsort

Als Grund nennen die beteiligten Wissenschaftler den bereits fortschreitenden Verlust von Biodiversität im Innersten des menschlichen Körpers, mutmaßlich verursacht durch westliche Ernährung und Lebensweise. Man will retten, was noch zu retten ist – auch um die Folgen des Verlusts genau untersuchen zu können. Das Mikrobiom des Menschen, das aus 100 Billionen Bakterien besteht, vornehmlich im Darm angesiedeltist und fast zwei Drittel zur Trockenmasse des menschlichen Stuhls beisteuert, ist in den vergangenen Jahren in den Fokus der Forschung geraten. Man vermutet, dass die heimlichen Bewohner erhebliche Bedeutung für die Gesundheit haben. Deshalb werden die Stuhlproben des GMC nicht nur gesammelt und analysiert, sondern auch dauerhaft konserviert, bei minus 190 Grad Celsius. Noch gesucht, aber geplant ist ein geschützter Ort, vergleichbar mit der in Spitzbergen angesiedelten Pflanzensamenbank Seed Vault, der das bakterielle Vermächtnis der Menschheit auf ewige Zeiten sichert.

Ob die Sammlung über reine Forschungsperspektiven hinaus einen medizinischen Nutzen haben wird, ist derzeit allerdings fraglich. Viele Hinweise darauf, dass die bakteriellen Bewohner des Darms einen neuen Zugang zu einer Vielzahl von Körperfunktionen oder sogar zur menschlichen Psyche bieten und diese sich via Mikrobiom verändern lassen, haben sich als nicht haltbar erwiesen. Die einzige Indikation, für die das Mikrobiom in seiner bodenständigsten Form tatsächlich Heilung verspricht, sind schwere Darmentzündungen mit dem Erreger Clostridium difficile. Bei zahlreichen Patienten ist die Flora des Darms derart beschädigt, dass sie sich nicht mehr erholt und die Clostridien weiter wüten können. Erst ein neues Mikrobiom durch eine Fecal Microbiota Transplantation (FMT), zu Deutsch Kottransplantation, verschafft mit großer Wahrscheinlichkeit Heilung. Inzwischen ist die FMT die bevorzugte Methode, um eine komplizierte Clostridieninfektion zu therapieren. Gegen alle anderen Leiden hilft sie nicht.

500 bis 1000 verschiedene Bakterienstämme

Dass die Forschung im Rahmen des Global Microbiome Conservancy daran noch viel ändern wird, bezweifeln Experten. „Für den Erkenntnisgewinn ist diese Bank ein tolle Sache, es gibt ja inzwischen viele Ansätze dieser Art, um das Zusammenspiel von Ernährung, Mikrobiom und Gesundheit zu erforschen“, sagt Paul Enck von der Universität in Tübingen. Der Darmexperte und Psychophysiologe sieht aber bislang kaum Anlass für die Hoffnung, das Mikrobiom in seiner Komplexität zu verstehen und dieses Wissen auch nutzen zu können. So hätten jüngste Forschungen gezeigt, dass Bakterienstämme einzeln betrachtet etwas völlig anderes mit Nahrungssubstraten anstellen als in einer Lebensgemeinschaft mit anderen Bakterien. „Wenn man bedenkt, dass in einem menschlichen Darm 500 bis 1000 verschiedene Bakterienstämme leben, kommt man auf eine astronomische Zahl von Kombinationen, die alle einzeln untersucht werden müssten, um zu erkennen, welche Zusammensetzung gesundheitlich von Vorteil wäre“, sagt Enck.

Die perfekte Bakterienbesiedelung des Bauchs gibt es wohl ohnehin nicht, und Fachleute raten auch dringend davon ab, selbst zur Tat zu schreiten. Do-it-yourself-Transplantationen mit Kochsalzlösung, Küchenmixer und dem Stuhl eines Verwandten – oder des Hadza-Stamms aus Tansania, der angeblich ein besonders gesundes „Ur-Mikrobiom“ besitzt – werden im Internet zwar angepriesen, beschrieben und propagiert. Sie sind jedoch medizinisch sinnlos und vor allem gefährlich. Ohne ärztliche Begleitung können fremde Stuhlproben aufgrund von krankmachenden Viren, Pilzen und unverträglichen Bakterien zu dramatischen gesundheitlichen Konsequenzen führen. Enck kann sich höchstens vorstellen, dass sich zum Beispiel Fernreisende Eigenstuhlproben einfrieren. Sollten sie sich unterwegs eine schwere Darminfektion einhandeln, wissen sie wenigstens, womit sie ihren Status quo von vor der Reise wiederherstellen.

Wie der Mensch von seinen Bakterien abhängt

Jeder von uns beherbergt Billionen Mikroben. Mehr und mehr zeigt sich, dass diese Untermieter nahezu alle körperlichen Regungen beeinflussen. Von Hanno Charisius mehr…

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ube.com/watch?v=XiBlkG_s4rc

Glyphosat tötet gesundheitsfördernde Bakterien ab

Rinder-Sterben

Prof „Monika Krüger“ – ab Minuten 7:00  – Clostridium botulinum – gesundheitsfördernde Bakterien werden abgetötet

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GLYPHOSAT wirkt „ANTI-BIOTISCH“ – US patent „7,771, 736 B2“ (2010) _“Hensel“ -„BfR“

Mikro-Biologin“ – „Monika Krüger“ – aus dem VIDEO unten: ab Minuten 26:44 –  Glyphosat – Hemmung des „Shikimate-Pathway“ (Shikimisäure-Stoffwechselpfad)„Pflanzen-Stoff-Wechsel“ (Bakterien, Pilze, Algen, Protozoen) und blockiert  somit die Bildung von  „Drei essentiellen Amino-Säuren“ (Tryptophane – Phenylalanine – Tyrosine z.B. „Vitamin E“) welche  Menschen und Tiere nicht selbst produzieren können  – „Mikro-Organismen“ die sich im „Magen-Darm-Trakt“ des Menschen befinden haben ebenfalls diesen „Stoff-Wechsel-Weg“ –  z.B. entsteht dadurch „Vitamin K – Mangel“ bei Rindern ist die Folge „Nasen-Bluten“

Link für die Unterlagen zu diesem Vortrag:   http://www.havelland.de/fileadmin/dateien/amt66/Bilder/Klimaschutz/Regionale_Aktivitaeten/Humustage_2016/Krueger_Glyphosat_2016_96dpi.pdf

Monika Krüger: Das Umweltgift Glyphosat und Glufosinat Herbizide mit Nebenwirkungen

Kraft-Futter ist mit „Gen-Tech“ kontaminiert – „chronischer Botulismus“„Ursachen-Forschung“ „Neuro-Toxin“ „Lähmung des Zwerchfells“
„chronischer Botulismus“: Tiere sterben verzögert
„Agro-Chemie“
Amino-Säure wird Phosphon-Säure
ab Minuten 26:00 – Glyphosat blockiert „Pflanzen-Stoff-Wechsel“ (Bakterien, Pilze, Algen, Protozoen) und blockiert  somit die Bildung von  „Drei essentiellen Amino-Säuren“ (Tryptophane – Phenylalanine – Tyrosine z.B. „Vitamin E“) welche  Menschen und Tiere nicht selbst produzieren können
„Chorismate“:  „Vitamin K-MANGEL“?!
Glyphosat – herbizider Wirkungsmechanismus – Hemmung des „Shikimate-Pathway“ (Shikimisäure-Stoffwechselpfad)Behindert alle Proteine und Wirkstoffe, die die „drei aromatischen Aminosäuren“ benötigen: Tannin, Lignin, Flavonoide etc, Wuchsstoffe
Vitamin-Mangel“ (auch Vitamin B 6/B12) wird durch Glyphosat verursacht
ab Minuten – 29:40 – Spuren-Element-Mangel wegen Glyphosat: – Glyphosatwirkung –  Starker Chelator (Fänger) , bindet zweiwertige Kationen –  bindet wichtige Spuren-Elemente wie: Mg, Ca, K, Zn, Co, Mn, Fe usw (Zink, Mangan, Kobalt ,Kupfer, Eisen usw.) – (bildet Komplexe mit Kationen ) – Kationen sind Spuren-Elemente (Mangel-Erscheinungen – Krankheiten)
Einfluss von Glyphosat auf Mikronährstoffaufnahme und Nährstofftranslokation in Pflanzen (Sonnenblumen)
„2013“: Einfluss von Glyphosat auf „Spuren-Element-Gehalt“ im Blutserum von Kühen (DK): Kobalt – Mangan (Aktivität der Mitochondrien) – Zink (z.B für Gehirn) – Selen

ab  Minuten 33:50 – Wirkung auf Mikro-Organismen
US patent „7,771, 736 B2“ (2010) – es wirkt Anti-Mikrobiell  – die „guten“ Bakterien werden vom Glyphosat attackiert (massive Störung des Gleich-Gewichts)

Bakterien besitzen 2 Formen von EPSPS
Klasse I: sensibel für Glyphosate in mikromolaren Konzentrationen
Sensibel
Lactobacillus spp.
Enterococcus spp.
Bifidobacterium spp
Bacillus spp
Klasse II: noch aktiv in Gegenwart von Glyphosat
Resistent
Salmonella Typhimurium
Salmonella Enteritidis
Salmonella Gallinarum
Clostridium tetani
Clostridium perfringens
Clostridium botulinum
Fusobacterium necropho
Einfluss von Glyphosat auf Boden-Mikro-Organismen – Fusarien

ab Minuten 48:37 – Toxizität von Glyphosat und Roundup auf HT29 – MTX Zellen – (48h) – Zytostatikum – „RoundUP“ ist 125 mal toxischer als der Wirkstoff „Glyphosat“

ab Minuten 55:30 – „USA“ extrem hohe Werte von Glyphosat im Urin (4mal bis 5mal so hohe Werte als in Europa) – „Kalifornien“

ab Stunden 1:09 – „Sri-Lanka“ hat Glyphosat verboten – USA „RoundUP“  – Thailand – „Brust-Krebs“ – „WHO“ –  „EPA“ (1985 Glyphosat krebseregend – 1991 wieder geändert?! )

ab Stunden 2:06 – ?POLITIK? – Deutschland – „MAIS-LANDSCHAFTEN“(BIO-GAS) – „MONO-Kulturen“ – „Futter-Mittel“ vom „Aus-Land“?! („?Gen-tech-Futter?“)

Glyphosat: Mangel an „aromatischen Aminosäuren“
1. Tryptophan: Serotonin – Melatonin
2. Tyrosin: Dopamin, Adrenalin, Melanin, Schilddrüsen-Hormon
3. Zerstörung der Cytochrome P450 (CYP)- Enzymen:
Aktivierung von Vitamin D, Abbau von Retinsäure (Abbauprodukt von Vit. A)
– Galleproduktion
– Detoxifizierung von Umweltgiften
– Stabilisierung von Blut (Hämorrhagien vs. Koagula)
Beeinflussung der Fruchtbarkeit
1. Aromatase ist ein CYP 450 Enzym, das Testosteron zu Östrogen
umwandelt (Fruchtbarkeit)
2. Spermien hängen von Cholesterolsulfat für Dekapitation und Fertilisation ab
3. Cholesterolsulfat-Synthese hängt von Cytochrom P450 (CYP)- Enzymen ab

4. Glyphosat zerstört die CYP-Enzymfunktion

Maßnahmen:

Bindung von Glyphosat durch „Huminsäuren“
Humin-Säuren: Natürliche Stoffe im Boden, die durch Abbau von Pflanzenmaterial sowie Metabolismus von Mikroorganismen entstehen
1. Langfristige Ziele
Wiederherstellung der Funktionalität der Kreislaufsysteme „Boden-Pflanze-Tier-Mensch“ durch Reduktion, besser Beseitigung der Glyphosat-Einträge in die Systeme.
2. Kurz-mittelfristige Ziele

Neutralisierung der G-Wirkung in den einzelnen Systemen durch geeignete Maßnahmen bei Tieren und Menschen (Einsatz von Huminsäuren/ Pflanzen – Kohle) Boden: Stoppen des G-Einsatzes, Ausbringen von Huminsäuren und PF-Kohle

 

„ÖKOLOGISCHE NAHRUNGs-MITTEL bevorzugen“

 

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https://www.diabetes-online.de/a/laubers-kolumne-glyphosat-ist-ein-antibiotikum-1858597

Hans Lauber

Lauber’s Kolumne

„Glyphosat ist ein Antibiotikum!“

Bild zu Lauber's Kolumne - „Glyphosat ist ein Antibiotikum!“ © Fotolia

Das umstrittene Pflanzengift wirkt wie Medikamente – und greift somit direkt in den menschlichen Stoffwechsel ein. Sagt der Arzt und Apotheker Dr. med. Siegfried Schlett im Gespräch mit unserem Autor Hans Lauber.

Hans Lauber: Was verstört Sie als Arzt und Apotheker an Glyphosat ganz besonders?

 

Dr. med. Siegfried Schlett: Das Herbizid hat sowohl eine Zulassung als Chelat-Bildner wie auch interessanterweise als Antibiotikum. Es handelt sich also ganz klar um ein Medikament, welches wir in unwahrscheinlich hohen Mengen von einigen tausend Tonnen auf den Äckern ausbringen mit unübersehbaren Konsequenzen für die Böden und das Grundwasser.

Was passiert?

 

Als Chelat-Bildner kann Glyphosat Metalle „einfangen“ und festhalten, was dazu führt, dass wichtige Nährstoffe und Spurenelemente wie Magnesium, Kobalt und Zink im Boden gebunden werden – was dann zu einer Mangelernährung bei den Pflanzen beitragen kann. Dramatisch sind auch die Glyphosat-Auswirkungen auf die Böden, die wir langfristig in ihrer Ökologie stören, was die Vielfalt an Arten dramatisch reduziert. Das hat auch gravierende Auswirkungen auf die Fauna, die Stichworte sind Bienensterben sowie ein Rückgang der Vogel- und Insektenpopulationen.

 

Sind auch die Menschen davon betroffen?

 

Aber ja, und das wird in der Diskussion massiv verdrängt, wenn so getan wird, das alles ginge nur die Bauern an. Denn auch wenn immer wieder behauptet wird, dass Glyphosat schnell abbaubar ist, so lässt es sich doch sehr wohl in vielen Lebensmitteln nachweisen – und über die gelangt es in den Körper, wo es auch nachweisbar ist. Somit wird das Gift Teil unseres Stoffwechsels, löst negative Reaktionen aus.

 

Welche?

 

Es gibt zwei Auswirkungen: Zuerst die Rolle als Chelat-Bildner. Das sind, um es noch einmal zu betonen, Arzneimittel. Es gibt viele Chelat-Bildner und manche werden auch in der ärztlichen Praxis eingesetzt. So gebe ich meinen Patienten DMPS, was steht für Dimercaptopropansulfonsäure, um etwa Quecksilber aus Amalganplomben aus dem Blut zu entfernen. Wenn nun aber etwa über das Bier illegal solche Chelat-Bildner in den Körper gelangen, können sie dort unkontrolliert wirken. Etwa Eisen auswaschen, was zu Blutarmut führen kann. Oder Mangan und Molybdän entfernen, was Entzündungen Vorschub leisten kann.

„Glyphosat kann zu Blutarmut und Entzündungen führen“

Die zweite Auswirkung?

 

Glyphosat ist ein Antibiotikum – also eines unserer wirkungsmächtigsten Medikamente. Nun wurde dieses Medikament aber in der Vergangenheit häufig viel zu sorglos eingesetzt, sodass es oft nicht mehr wirkt, dass sich Resistenzen gebildet haben. Deshalb hat in der Medizin ein massives Umdenken eingesetzt, werden die Antibiotika viel zurückhaltender verordnet. Ein Beispiel: Noch vor einigen Jahren waren diese Substanzen bei Blasenentzündungen das Mittel der ersten Wahl. Das ist heute ganz anders, da wird zuerst kräftig durchgespült, werden vielleicht Schmerzmittel verschrieben. Erst wenn das alles nicht mehr hilft, dann kommen Antibiotika zum Einsatz.

Das sind ganz wichtige Anstrengungen, die aber dadurch völlig zunichte gemacht werden, dass wir tonnenweise Antibiotika über die Felder kippen ein Vorgang, der durch nichts zu entschulden ist. Damit züchten“ wir doch die so gefürchteten Resistenzen geradezu. So haben jetzt Wissenschaftler der Universität von Florida herausgefunden, dass über sogenannte Kreuzresistenzen im Boden gegen Antibiotika resistente Bakterien entstehen. Sie können dann über die Nahrungsmittel, etwa Brot, zum Menschen gelangen.

 

Was meint der Gesetzgeber dazu?

 

Das ist ein besonders trauriges Kapitel. Als Landwirtschaftsminister Christian Schmidt gegen massive Bedenken der Wissenschaft den Einsatz von Glyphosat im vergangenen Dezember verlängert hat, da verlängerte er die Zulassung eines Medikamentes – und das gehört nun zuallerletzt in die Zuständigkeit eines Landwirtschaftsministers. Das ist ein klarer Fall von Kompetenzüberschreitung!

„Der Landwirtschaftsminister hat nicht die Zulassung für ein Herbizid verlängert, sondern für ein Medikament“

Löst Glyphosat Krebs aus?

 

Seriös lässt sich nicht beweisen, dass das Herbizid ein direkter Auslöser für Krebs ist. Aber es gibt indirekte Wirkungen: So können die heimlich aufgenommenen Stoffe permanente Entzündungen auslösen – und nach neuesten Untersuchungen sind diese chronischen Inflammationen zu rund 25 Prozent an der Entstehung von bösartigen Tumoren beteiligt.

Lassen sich andere Krankheiten mit dem Herbizid verbinden?

 

Da gibt es leider wenig gesicherte Erkenntnisse, weil das offensichtlich niemand wirklich so genau wissen will. Was mir in meiner Praxis aber auffällt, ist eine Häufung von erhöhten Nierenwerten, für die ich keine wirkliche Erklärung habe. Wie gefährlich Glyphosat für die Niere ist, zeigt ein Beispiel aus Sri Lanka. Dort gibt es Calcium- und Magnesiumreiches Grundwasser, was an sich unproblematisch ist. Aber der Chelat-Bildner Glyphosat hat diese Stoffe gebunden – und sie führten dazu, dass einige zehntausend Menschen daran gestorben sind.

Müssen Diabetiker besonders aufpassen?

 

Viele Menschen mit Diabetes leiden an einer geschwächten Nierenfunktion. Wenn da noch die Folgen von Glyphosat dazukommen, dann können echte Probleme auftreten.

Wie wird sich das in Zukunft entwickeln?

 

Die gravierenden Folgen der schleichenden Vergiftung werden sich erst noch zeigen. Ein Beispiel: Über die mit Glyphosat behandelten und abgeernteten Flächen werden Schafe getrieben. Die fressen die Giftrückstände – und schon kann es wieder passieren, dass ein an sich perfektes Naturprodukt wie Schaffleisch chemisch belastet ist.

Wie lässt sich etwas ändern?

 

Ein Großteil der Landwirte ist nicht belehrbar. Da helfen nur Verbote. Ein erster Schritt könnte ein Verbot der „Ernteabspritzung“ sein, denn gerade diese finalen Glyphosat-Hämmer gelangen besonders leicht in die Lebensmittel. Das wird nur gemacht, damit die Landwirte ein paar Arbeitsschritte einsparen, damit noch mehr zu noch geringeren Kosten produziert werden kann. Es muss wieder eine Landwirtschaft geben, die mit und nicht gegen die Natur arbeitet. Die auch wieder in Teilen handwerklich mit dem Pflug arbeitet, die wenigstens solche Mindeststandards wie Blühstreifen verwirklicht, damit sich wieder Bienen und Insekten ansiedeln können.

Was können die Verbraucher tun?

 

Sich endlich einmal davon verabschieden, immer nur das billigste zu kaufen. Endlich einmal auch konsequent zu handeln – und sich nicht immer nur über unmenschliche Bedingungen der Tierhaltung aufregen. Aber am nächsten Tag wieder das Billigschnitzel beim Discounter kaufen.

Ist Glyphosat an allem schuld?

 

Eine wichtige Frage! Denn ich sehe die Gefahr, dass irgendwann der Druck auf Glyphosat so groß wird, dass es tatsächlich verboten wird – wobei hoffentlich schon bald ein Verbot für die private Anwendung kommen muss. Aber damit sind eben nicht alle Probleme behoben. Wir dürfen nicht zulassen, dass dann andere, möglicherweise noch gefährlichere Substanzen, durch die Hintertür zugelassen werden. Wir werden erst Ruhe bekommen, wenn wir eine naturverträgliche Landwirtschaft haben. Und die wird nur kommen, wenn die Verbraucher sie auch tatsächlich wollen – und bezahlen!

Dr. med. Siegfried Schlett besitzt eine seltene Doppelqualifikation: Er ist Arzt und Apotheker. Bis 2014 war er stellvertretender Leiter einer großen Apotheke in München, wo er auch an der Entwicklung zahlreicher Rezepturen beteiligt war. Seit vier Jahren führt er eine Privatpraxis im Ärztlichen Naturheilkundezentrum Aschaffenburg. Seine Schwerpunkte sind biologische Therapiekonzepte, bioidentische Hormontherapien sowie die Integration der Nährstoffe in präventive Maßnahmen.

Der 63-jährige ist Herausgeber verschiedener Bücher rund um die Themen Nährstoffe und Lebensmittel. Ganz aktuell ist seine Arbeit als einer der drei Herausgeber an dem Maßstäbe setzenden Basiswerk „Das große Komplementärhandbuch für Apotheker und Ärzte“, das in der Wissenschaftlichen Verlagsgesellschaft Stuttgart erschienen ist.

 

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PATENT: MONSANTO-GLYPHOSAT-ANTI-BIOTIKA
Veröffentlichungsnummer US7771736 B2
Publikationstyp Erteilung
Anmeldenummer US 10/652,684
Veröffentlichungsdatum 10. Aug. 2010
Eingetragen 29. Aug. 2003
Prioritätsdatum 30. Aug. 2002
Gebührenstatus Bezahlt
Auch veröffentlicht unter US20040077608
Erfinder William Abraham
Ursprünglich Bevollmächtigter Monsanto Technology Llc
Zitat exportieren BiBTeX, EndNote, RefMan
Externe Links: USPTO, USPTO-Zuordnung, Espacenet
Glyphosate formulations and their use for the inhibition of 5-enolpyruvylshikimate-3-phosphate synthase
US 7771736 B2
Zusammenfassung
Protozoan parasites of the phylum Apicomplexa include some of the most important causative agents of human and animal diseases, in particular, malaria. The discovery that an organelle found inside parasites of this phylum probably stems from a plastid of plant origin has stimulated research on the effect of chemical herbicidal agents on Apicomplexa. Importantly, the growth of these parasites can be inhibited by the herbicide glyphosate, suggesting that the shikimate pathway will make a good target for the development of new anti-parasite agents. The present invention discloses the use of the herbicidal agent glyphosate in combination with the polyvalent anion oxalic acid for the prevention and therapy of these pathogenic infections…..
 
The importance of the shikimate pathway to cell viability is illustrated by experiments that result in the disruption of enzyme function. In plants, the shikimate pathway enzyme, EPSP synthase, has been targeted by a chemical inhibitor strategy that has resulted in the commercially successful, broad range, post-emergent herbicide called glyphosate. Glyphosate inhibits the shikimic acid pathway, which leads to the biosynthesis of aromatic compounds including amino acids, plant hormones, and vitamins. Specifically, glyphosate inhibits the conversion of phosphoenolpyruvic acid (PEP) and 3-phosphoshikimic acid to 5-enolpyruvyl-3-phosphoshikimic acid by binding to the enzyme 5-enolpyruvyishikimate-3-phosphate synthase (hereinafter referred to as EPSP synthase or EPSPS)….
Chelator Metal Ion Log K (Binding Constant)
Citric Acid Ca2+ 3.45
Mg2+ 3.45
Oxalic Acid Ca2+ 2.46
Mg2+ 2.76

………….Susceptible PathogensAll organisms that contain the enzyme EPSPS should be susceptible to the treatment method of the present invention. These organisms include, but are not limited to all species of the Phylum Apicomplexa, including but not limited to Toxoplasma gondii, Cryptosporidium parvum, Neospora caninum, Eimeria spp., Isospora spp., including but not limited to I. belli, Theileria spp., including but not limited to T. parva and T. annulata, Plasmodium spp., including but not limited to P. falciparum, P. vivax, P. malariae and P. ovale, and Babesia spp., including but not limited to B. microti, B. divergens, B. canis, B. bigemina, B. bovis, B. ovis, B. caballi, B. equi, B. gibsoni and B. felis.

Susceptible organisms include, but are not limited to all species of the Family Neisseriaceae, including but not limited to Neisseria meningitidis and Neisseria gonorrhoeae, Moraxella spp., including but not limited to M. lacumata, M. nonliquefaciens, M. urethralis, M. catarrhalis, and M. bovis, Klingella spp., including but not limited to K. dentrificans and K. kingae and Eikenella spp., including but not limited to E. corrodens.

Susceptible organisms include, but are not limited to all species of the Family Enterobacteriaceae, including but not limited to Escherichia coli and Edwardsiella ictaluri, Klebsiella spp., including but not limited to K. pneumonia and K. oxytoca, Salmonella spp., including but not limited to S. typhimurium, S. typhi, S. paratyphi, S. enteritidis and S. cholerasuis, Serratia spp., including but not limited to S. marcesans and S. liquifaciens, Shigella spp., including but not limited to S. dysenteriae, S. flexneri, S. boydii and S. sonnei, Yersinia spp., including but not limited to Y. enterocolitica, Y. pestis, Y. pseudotuberculosis and Y. ruckeri, Citrobacter spp., including but not limited to C. freundii and C. diversus, Enterobacter spp., including but not limited to E. aerogenes, E. agglomerans and E. cloacae, Morganella spp., including but not limited to M. morganii, Proteus spp., including but not limited to P. mirabilis and P. vulgaris and Providencia spp., including but not limited to P. alcalifaciens, P. rettgeri and P. stuartii.

Susceptible organisms include, but are not limited to all species of the Family Pasteurellaceae, including but not limited to Pasteurella multocida and Actinobacillus pleuropneumoniae, Haemophilus spp., including but not limited to Haemophilus influenzae, Haemophilus parainfluenzae, Haemophilus ducreyi, Haemophilus aphrophilus and Haemophilus aegyptius.

Susceptible organisms include, but are not limited to all species of the Family Mycobacteriaceae, including but not limited to Mycobacterium spp., including but not limited to M. tuberculosis, M. bovis, M. africanum, M. microtti, M. leprae, M. kansasii, M. aviumintracellulare, M. scrofulaceum, M. ulcerans and M. marinum.

Susceptible organisms include, but are not limited to all species of the Family Nocardiaceae, including but not limited to Nocardia spp., including but not limited to N. asteroides, N. brasiliensis and N. caviae.

Susceptible organisms include, but are not limited to all species of the Family Brucellaceae, including but not limited to Brucella spp., including but not limited to B. abortus, B. suis, B. melitensis and B. canis.

Susceptible organisms include, but are not limited to all species of the Family Trypanosomatida, including but not limited to Leishmania spp., including but not L. tropica, L. major, L. donovani, L. braziliensis and L. mexicana.

Susceptible organisms include, but are not limited to all species of the Family Streptococcaceae, including but not limited to Streptococcus spp., including but not limited to S. pneumoniae, S. pyogenes, S. agalactiae, S. mutans, S. milleri, S. sanguis, S. anginosus, S. bovis, S. equisimilis, S. salivarius and S. mitis.

Susceptible organisms include, but are not limited to all species of the Family Alcaligenaceae, including but not limited to Bordetella spp., including but not limited to B. pertusis, B. parapertusis, B. brochiseptica, B. avium and B. hinzii.

Susceptible organisms include, but are not limited to all species of the Family Micrococcaceae, including but not limited to Staphylococcus spp., including but not limited to S. aureus, S. epidermidis, S. saprophiticus, S. lugdunensis, S. haemolyticus, S. warneri, S. schleiferi and S. intermedius.

Susceptible organisms include, but are not limited to all species of the Family Trichocomaceae, including but not limited to Aspergillus spp., including but not limited to A. fumigatus, A. flavus, A. amstelodami, A. avenaceus, A. candidus, A. cameus, A. caesiellus, A. clavatus, A. glaucus, A. granulosus, A. nidulans, A. niger, A. oryzae, A. quadrilineatus, A. restrictus, A. sydowi, A. terreus, A. ustus and A. versicolor.

Susceptible organisms include, but are not limited to all species of the Family Bacillaceae, including but not limited to Bacillus spp., including but not limited to B. anthracis, B. subtilis and B. halodurans and Clostridium spp., including but not limited to C. perfringens, C. tetani, C. difficile and C. botulinum.

Susceptible organisms include, but are not limited to all species of the Family Chlamydiaceae, including but not limited to Chlamydia spp., including but not limited to C. trachomatis and C. pneumoniae and Chlamydophila spp., including but not limited to C. pneumoniae, C. abortus and C. psittaci.

Susceptible organisms include, but are not limited to all species of the Family Listeriaceae, including but not limited to Listeria spp., including but not limited to L. monocytogenes, L. innocua and L. ivanovii.

Susceptible organisms include, but are not limited to all species of the Family Pseudomonadaceae, including but not limited to Pseudomonas aeruginosa.

Susceptible organisms include, but are not limited to all species of the Family Enterococcaceae, including but not limited to Enterococcus faecalis and Enterococcus faecium.

Susceptible organisms include, but are not limited to all species of the Family Cardiobacteriaceae, including but not limited to Dichelobacter nodosus.

Susceptible organisms include, but are not limited to all species of the Family Campylobacteriaceae, including but not limited to Campylobacter jejuni.

Susceptible organisms include, but are not limited to all species of the Family Aeromonadaceae, including but not limited to Aeromonas hydrophila and Aeromonas salmonicida.

Susceptible organisms include Helicobacterpylori, Candida albicans and Pneumocystis carinii.……

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ISTClostridium difficile (CD)“  „GLYPHOSAT-RESISTENT???!!!?!


Clostridien-Durchfall durch Antibiotika

Antibiotika können eine Infektion mit dem gefährlichen Darmbakterium begünstigen. Die Folgen sind mitunter lebensbedrohlich. Aber es stehen immer mehr Therapieoptionen zur Verfügung

von Dr. Reinhard Door, 30.07.2018

Die Einnahme eines Antibiotikums kann zu einer Clostridieninfektion führen. Die Folgen sind blutige Durchfälle und Fieber


Eine Therapie, die eigentlich heilen und Leben retten soll, bewirkt genau das Gegenteil: Das kann bisweilen passieren, wenn Antibiotika eingesetzt werden. Denn diese wichtige Entdeckung der Medizin und eine scharfe Waffe gegen Krankheitserreger bereitet möglicherweise einem gefährlichen Bakterium den Weg. Die Mittel beschädigen die aus Trilliarden von Bakterien bestehende gesunde Darmflora – eine bisher unvermeidliche Nebenwirkung.

Einem Bakterium jedoch können Antibiotika oft nichts anhaben: dem Keim Clostridium difficile (CD). Bei manchen Menschen lebt er bereits unerkannt im Darm. Das ist nicht schlimm, solange ihn die anderen Bakterien in Schach halten. Doch wenn diese durch eine Antibiotika-Therapie absterben, kann sich CD breitmachen. 

CD-Infektionen führen zu blutigen Durchfällen und Fieber

Der gefährliche Keim scheidet Gifte aus, die die Darmwand durchlässig machen. Starker, manchmal blutiger Durchfall, Bauchkrämpfe und Fieber sind mögliche Folgen. Zudem kann sich der Darm extrem aufblähen, was mitunter zu Rissen in der Darmwand und zu Blutvergiftung führt. Dann besteht Lebensgefahr. Fast 2700 Todesfälle, die sich auf CD zurückführen lassen, registrierte das Statistische Bundesamt im Jahr 2015.

Eine aktuelle Untersuchung lässt vermuten, dass es noch mehr sein könnten. Vor allem ältere Menschen sind gefährdet, besonders wenn sie an weiteren Erkrankungen leiden oder eine Therapie durchlaufen, die ihr Immunsystem schwächt. Auch die Dauereinnahme von Medikamenten gegen Sodbrennen (Protonenpumpenhemmer) erhöht das Risiko. Wird dann ein Antibiotikum nötig, macht in etwa einem von hundert Fällen CD dem Patienten Probleme.

Die Zahl der CD-Infektionen in Kliniken steigt

Sehr häufig passiert das in Kliniken. Wo viele kranke Menschen auf engem Raum zusammenkommen, verbreiten sich Bakterien besonders leicht. Kürzlich zeigte eine Studie: Lag in einem Krankenhausbett ein CD-Infizierter, erhöht dies für den nachfolgenden Patienten das Ansteckungsrisiko. Denn die Keime überleben in verkapselter Form, übliche alkoholhaltige Desinfektionsmittel können ihnen deshalb nichts anhaben. Um die Erreger loszuwerden, benötigen Krankenhäuser spezielle Hygiene und entsprechend geschultes Personal. Weil das nicht ständig gewährleistet ist, kommt es dort immer wieder zu Ausbrüchen.

Seit gut zehn Jahren haben die Zahlen der CD-Infektionen und der Sterbefälle stark zugenommen – vor allem in den USA, aber auch in Europa. Die Ursache dafür ist die Verbreitung ­besonders infektiöser Stämme des Bakteriums. Ein Zusatzstoff in Lebens­mitteln hat womöglich dazu beigetragen: Die gefährlichen Stämme können im Gegensatz zu anderen den Zucker Trehalose als Energiequelle nutzen. Diesen setzt die Industrie seit Anfang des Jahrtausends ein – zum Beispiel als natürlichen Frostschutz in Tiefkühlkost, damit etwa Erdbeeren beim Auftauen nicht matschig werden.

Die bisherige Antibiotika-Therapie muss abgesetzt werden

Immerhin sei der besonders infektiöse Stamm 027 derzeit auf dem Rückzug, sagt Professorin Barbara Gärtner, Direktorin des Instituts für Hygiene an der Uniklinik des Saarlands. Gleichzeitig warnt sie: „Es können jederzeit neue gefährliche Stämme auftreten.“ Bei der Behandlung gilt es zunächst, die Antibiotika-Therapie zu beenden – sofern möglich.

Professor Lutz von Müller, Chefarzt für Labormedizin an den Christophorus-Kliniken in Coesfeld

„Bei milden Fällen kann die Infektion dann ganz natürlich ausheilen“, sagt Professor Lutz von Müller, Chefarzt des Instituts für Labormedizin, Mikrobiologie und Hygiene an den Christophorus-Kliniken im westfälischen Coesfeld.

Doch meist genügt das nicht. Dann kommen paradoxerweise wieder Antibiotika ins Spiel. Drei davon haben sich als wirksam erwiesen. Die Wahl richtet sich nach der Schwere des Krankheitsverlaufs. Trotz Medikamenten erleidet etwa jeder fünfte Betroffene einen Rückfall, bei einem kleinen Teil von Patienten wird der Verlauf chronisch. Ein Antikörper, der Anfang letzten Jahres auf den Markt kam, kann das mitunter verhindern. Doch er ist teuer, und seine Effektivität lässt zu wünschen übrig. „Das ist wirklich die letzte Wahl“, sagt Expertin Gärtner.

In schweren Fällen: Stuhlspende als Alternative zu Antibiotika

Eher setzen Ärzte inzwischen auf eine zunächst skurril anmutende Therapie: Sie übertragen den Stuhl eines gesunden Spenders in den Patienten, meist per Einlauf. Die Erfolgsrate beträgt über 90 Prozent, wie Studien belegen. Die Spende hilft, CD im Darm wieder durch gesunde Bakterien zu verdrängen.

Mehr als 50 Kliniken in Deutschland wenden diese Therapieform inzwischen an. Wissenschaftler haben mittlerweile zudem nachgewiesen, dass der Stuhl auch tiefgefroren gelagert werden kann. Und sie haben die darin enthaltenen Bakterien in Kapseln verpackt, die genauso wirksam sind. Davon müssen die Patienten freilich ein paar Dutzend schlucken.

Trotzdem ist die Stuhlspende keine Standardtherapie – sondern eine Option für Patienten mit wiederholten Rückfällen. Denn der Spenderstuhl wird zwar auf Krankheitserreger untersucht, aber ein Restrisiko bleibt. „Man kann zudem nicht ausschließen, dass Darmbakterien im Einzelfall auch chronische Krankheiten begünstigen“, sagt Lutz von Müller. „Da hat man vor allem bei jüngeren Menschen schon Skrupel vor einem unkritischen Einsatz.“

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be.com/watch?v=YjU_RlIOBNs

Gift im Darm – 100 Krankheiten, eine Lösung

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http://www.spektrum.de/news/erhoeht-ein-parodontose-bakterium-die-darm-und-leberkrebsgefahr/1521341?utm_source=zon&utm_medium=teaser&utm_content=news&utm_campaign=ZON_KOOP

23 November 2017

 

Mikrobiom von Tumoren: Erhöht ein Parodontose-Bakterium die Darm- und Leberkrebsgefahr?

Bestimmte Keime aus dem Mund siedeln verdächtig oft in Darmtumoren – und streuen bei fortgeschrittenem Krankheit mit dem Krebs in die Leber. Erhöhen sie die Krebsgefahr?

3-D-Computergrafik von Krebszellen vor blauem Hintergrund

© fotoliaxrender / stock.adobe.com
(Ausschnitt)
Auf das in unseren Mundhöhlen heimische Parodontose-Bakterium Fusobacterium nucleatum haben nicht nur Zahnärzte ein Auge: Der Keim siedelt sich bei geschwächter Körperabwehr gern auch in anderen Organen des Körpers an und kann dann für Probleme sorgen. Vor allem Krebsmedizinern bereitet das Kopfzerbrechen, weil die vermehrte Besiedlung durch Fusobacterium nicht nur etwa mit Mundhöhlenkrebs, sondern zum Beispiel im Darm auch oft mit Dickdarmkrebs einhergeht – wobei unklar ist, ob der Krebs Ursache oder Folge der Bakterienansiedlung sein könnte. Bisher hatten Wissenschaftler vermutet, dass Tumoren vielleicht nur einen besonders guten, weil sauerstoffarmen Lebensraum für die Keime bieten, der vor Attacken der Körperabwehr abgeschirmt ist. Möglich wäre aber auch eine aktive Rolle der Bakterien – eine Befürchtung, der ein Forscherteam in „Science“ nun nachgegangen ist.

Das Team um Susan Bullman von der Harvard Medical School konnte zeigen, dass Fusobacterium aus Darmtumoren sich auch in gestreuten Tochtertumoren wiederfindet, die bei schwerem Verlauf der Krankheit nach der Metastasierung der ursprünglichen Geschwulst in der Leber auftreten. Auffällig war, dass dabei stets die selben Stämme des Keims gefunden wurden – sehr wahrscheinlich stammten die Bakterien demnach wirklich aus dem ursprünglichen Darmtumor und wanderten nicht von anderswo ein, etwa aus dem Mund. Passend dazu fanden sich auch bei Patienten, deren Darmtumoren frei von Fusobacterium gewesen waren, später Keime in den Metastasen.

Das deute nicht nur darauf hin, dass das Bakterium aus dem primären Tumor in den Körper streue – es könnte auch bedeuten, dass der Erreger eine bisher unbekannte aktive Rolle im Geschehen spielt. Im Tierversuch half Mäusen mit Fusobacterium-Herden in Tumoren tatsächlich eine Antibiotikabehandlung. Die Krebsgeschwüre wuchsen dann deutlich langsamer. Denkbar wäre, spekulieren die Forscher, dass die Keime die Gefahr durch metastasierende Tumoren erhöhen: Sie wandern mit Metastasen durch den Körper und könnten deren Ansiedlung in anderen Geweben wie der Leber dann erhöhen. Vor Kurzem hatten Wissenschaftler Hinweise darauf gefunden, dass der Krebs in zunächst erfolgreich behandelten Patienten mit einer erhöhten Fusobacterium-Keimzahl im Körper häufiger später wieder auftritt. Die Auswirkung einer gegen die Keime gerichtete Antibiotikabehandlung sollten daher unbedingt genauer untersucht werden, meinen die Forscher.

© Spektrum.de

 

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https://de.wikipedia.org/wiki/Fusobacterium_necrophorum

Fusobacterium necrophorum

Fusobacterium necrophorum
Systematik
Abteilung: Fusobacteria
Klasse: Fusobacteriia
Ordnung: Fusobacteriales
Familie: Fusobacteriaceae
Gattung: Fusobacterium
Art: Fusobacterium necrophorum
Wissenschaftlicher Name
Fusobacterium necrophorum
(Flügge 1886) Moore & Holdeman 1969

Fusobacterium necrophorum ist ein gramnegatives, nicht sporenbildendes, obligat anaerobes fadenförmiges Bakterium, das wie andere Fusobakterien zur Familie der Fusobacteriaceae gehört. Wie alle zu dieser Familie gezählten Bakterien gehören sie zur normalen Flora des Menschen. F. necrophorum ist vor allem im Mund zu finden. Infektionsprozesse treten daher in der Regel endogen und meist in Form von Mischinfektionen auf. Monoinfektionen sind seltener, sind aber häufig durch schwere Verlaufsformen gekennzeichnet (z. B: Sepsis).

Medizinische Bedeutung

Beim Menschen werden sowohl die Angina Ludovici als auch das Lemierre-Syndrom vor allem durch Fusobacterium necrophorum hervorgerufen.

Bei Pferden verursacht es die Strahlfäule. Beim Rind hat der Keim neben der Auslösung multipler Leberabszesse und Infektionen der Geschlechtsorgane eine starke Bedeutung als Erreger von Klauenentzündungen und des Kälberdiphteroids, bei Schafen und Ziegen löst er die Moderhinke aus. Außerdem ist das Fusobacterium necrophorum Verursacher der Lumpy Jaw Disease des Kängurus, die häufigste und verlustreichste Erkrankung von in Gefangenschaft gehaltenen Kängurus.

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http://flexikon.doccheck.com/de/Fusobacterium_nucleatum

Fusobacterium nucleatum

1 Definition

Fusobacterium nucleatum ist ein gramnegatives, immobiles, nicht-sporenbildendes, obligat anaerobes Stäbchenbakterium. Sein Genom enthält rund 2,4 x 106 Basenpaare.

2 Einteilung

Gegenwärtig (2014) wird Fusobacterium nucleatum in 5 Subspezies unterteilt:

3 Vorkommen

Fusobacterium nucleatum kommt u.a. in der Mundhöhle des Menschen vor.

4 Klinik

Fusobacterium nucleatum ist eine der am häufigsten isolierten Bakterienarten in subgingivaler und supragingivaler Plaque. Das liegt daran, dass Fusobakterien die Fähigkeit haben, an viele verschiedene Arten von grampositiven und gramnegativen Bakterien wie z.B. Porphyromonas gingivalis zu ädhärieren. Es spielt deshalb eine große Rolle bei der Entstehung der Parodontitis.

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http://www.lg1.ch/textinhalte/analysen/konsilien/konsilium.lasso?-keyvalue=2172

Kurzinformation:Fusobacterium spp.
Arten Fusobacterium nucleatum
Fusobacterium necrophorum
Fusobacterium mortiferum
F. naviforme, F. necrogenes, F. periodonticum. F. prausnitzii, F. ulcerans, F. russii, F. varium

 

Bekannte Infektionen Abszesse, Sepsis, Endocarditis, Necrobacillosis (Lemierres’s Syndrom), Periodontitis.

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siehe auch „Monika Krüger“

das Fusobacterium nucleatum“ wird im Zusammenhang mit  KREBS gebracht (siehe oben) bei vermehrter Besiedelung –  die FRAGE stellt sich ist „Fusobacterium nucleatum“ auch „GLYPHOSAT-RESISTENT“???!!! das „Fusobacterium necrophorum“ istGLYPHOSAT-RESISTENT“ –   BEIDE SIEDELN in der MUNDHÖHLE des MENSCHEN und verursachen KRANKHEITEN (siehe oben)

siehe auch – „Kreide-ZÄHNE bei KINDERN“- „Solares GEO-ENGINEERING“

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https://www.welt.de/gesundheit/plus181822736/Fallbericht-Intervallfasten-hilft-Patienten-mit-Typ-2-Diabetes.html

Intervallfasten

Nach fünf Tagen brauchte der erste Patient kein Insulin mehr

 

Stv. Ressortleiterin Wissen
  Beim Intervallfasten legen Menschen regelmäßig Essenspausen von mehr als zwölf Stunden ein
Beim Intervallfasten legen Menschen regelmäßig Essenspausen von mehr als zwölf Stunden ein

Quelle: Getty Images/Westend61

Drei Männer litten seit Jahren unter Typ-2-Diabetes, als sie eine neue Behandlung ausprobierten: regelmäßige Essenspausen von 24 Stunden. Ihre Ärzte berichten nun von den erstaunlichen Erfolgen der Methode.

Es ist eine Geschichte, die fast zu gut klingt, um wahr zu sein. Sie handelt von drei Männern, die seit Jahren schwer krank waren, Leidensgenossen. Bis sie an einem Experiment teilnahmen, das einen nach dem anderen von diesem Leiden erlöste.

Es begann schon nach fünf Tagen. Da konnte der erste der Männer das Medikament, das bisher sein Überleben sichergestellt hatte, einfach weglassen. Der zweite benötigte es nach 13 Tagen nicht mehr. Nach 18 Tagen musste sich auch der dritte Mann kein Insulin mehr spritzen.

Alle drei Männer waren zuckerkrank, sie litten an Typ-2-Diabetes. Diese Krankheit kann man nur mit Medikamenten in den Griff bekommen, wenn sie einmal ausgebrochen ist, aber man kann sie nicht heilen, heißt es meist. Wie nennt man es dann, wenn man die Medikamente nicht mehr braucht?

Die drei Männer hatten kein neues Mittelchen ausprobiert, sich nicht operieren lassen. Sie hatten nur mit etwas begonnen, was auch viele Gesunde gerade ausprobieren. Mit einer Variante des Intervallfastens. Statt täglich zu etwa den gleichen Zeiten drei bis fünf Mahlzeiten zu essen, legten sie Essenpausen ein, die in ihren Fällen jeweils 24 Stunden dauerten.

Sie machten das unter ärztlicher Aufsicht und nach einem für sie angepassten Plan, erstellt in einer Ernährungsklinik in Toronto (Kanada). Ihre betreuenden Ärzte sprechen auch nicht von Intervallfasten, sondern von „therapeutischem Fasten“. In einem Fallbericht im British Medical Journal haben die Mediziner, ein Viererteam um Jason Fung, die erstaunliche Fallgeschichte nun veröffentlicht.

Die Leute sollen weg vom Insulin

Allerdings passt der Bericht zu einer Reihe neuer Studien. Die Ärzte in Toronto sind nicht die ersten, die versucht haben, Patienten mit strengen Diäten zu helfen. Die Leute sollen weg vom Insulin, wenn es irgendwie geht, das ist ein Ansatz, den einige Mediziner inzwischen verfolgen.

In Deutschland setzt sich Stephan Martin dafür ein, Chefarzt für Diabetologie am Verbund Katholischer Kliniken Düsseldorf. Er hat den Fallbericht aus Toronto gelesen und hält ihn für „absolut seriös“. Auch Martin hat Patienten, die binnen Tagen auf Insulin verzichten können, wenn sie unter seiner Aufsicht eine Diät beginnen.

Als Pionier der Methode gilt Roy Taylor, ein Mediziner aus Newcastle in Großbritannien. Er hat vor zwei Jahren eine Studie veröffentlicht, in der er seinen Versuch mit 30 Typ-2-Diabetikern beschreibt, die er auf eine Radikaldiät gesetzt hatte. Taylors Patienten durften acht Wochen lang nur Flüssignahrung und täglich 200 Gramm Gemüse zu sich nehmen, insgesamt nur 800 Kalorien am Tag.

Vor allem den Studienteilnehmern, die erst seit weniger als vier Jahren Diabetiker waren, half diese Kur. Sie brauchten hinterher keine Medikamente mehr, mussten aber weiter auf ihre Ernährung achten.

Die Männer in Toronto waren alle schon viel länger krank. Der jüngste der Leidensgenossen, erst 40 Jahre alt, war seit 20 Jahren Typ-2-Diabetiker. Der zweite Patient, 52 Jahre alt, litt sogar schon seit 25 Jahren an Typ-2-Diabetes und war zusätzlich chronisch nierenkrank. Der älteste Patient war 67 und seit zehn Jahren erkrankt. Alle drei hatten Bluthochdruck und zu hohe Cholesterinwerte.

Fasten unter ärztlicher Aufsicht

Die Ärzte stellten einfache Ernährungsregeln für sie auf: Die Männer sollten wenig Zucker und Kohlenhydrate essen, vor allem wenig „schlechte Kohlenhydrate“, wie sie in Weißbrot oder Kuchen stecken. Als Getränke waren fortan nur Wasser, Kaffee, Tee und Brühe erlaubt.

Trinken sollten die Männer auch an den Fastentagen viel. Aber an diesen Tagen sollten sie aber nicht mittags und abends eine Mahlzeit essen, sondern nur abends. Zwischen den beiden Abendessen sollten mindestens 24 Stunden Pause liegen. Die Ärzte rieten zu drei solchen Fastentagen pro Woche. Zwei der Männer entschieden sich sogar dafür, an jedem zweiten Tag zu fasten.

Er fühle sich „exzellent“ mit diesem Rhythmus, habe der 40-Jährige gesagt, berichten seine Ärzte. Auch der 52-Jährige habe sich beim Fasten prima gefühlt. Der 67-Jährige sagte, er habe anfangs noch eine Gier auf Kohlenhydrate verspürt, dann aber sei das Fasten einfach gewesen, er habe ganz neue Energie in sich wahrgenommen.

Die Patienten hatten den neuen Rhythmus sieben bis elf Monate durchgehalten – mithilfe einer Schulung zu Beginn, regelmäßiger Betreuung durch die Ärzte und viel eigener Willenskraft – als ihre Werte noch einmal erhoben wurden. Jeder der Männer hatte etwa zehn Kilo an Gewicht verloren, ihr Hüftumfang war um 13 bis 19 Zentimeter geschmolzen. Zwei Patienten nahmen nun gar keine Medikamente gegen Typ-2-Diabetes mehr. Einer nahm noch ein Medikament – vor der Umstellung hatte er vier benötigt.

Therapeutisches Fasten könne den Insulinspiegel positiv beeinflussen, schreiben die Ärzte aus Toronto. Das habe man vorher geahnt, die drei Fälle würden es nun zeigen. Es handele sich um den ersten systematischen Versuch einer solchen Behandlung.

Waren die drei Männer eine Ausnahme? Ihre Fälle nicht zu gut, um wahr zu sein – aber eben nur glückliche Einzelfälle? Das kann ein Fallbericht nicht klären, sondern nur einen Hinweis liefern, einen Anstoß zu Studien mit weitaus mehr Teilnehmern, die mit dem Intervallfasten beginnen.

Für andere Versuche, Typ-2-Diabetes mit Diäten in den Griff zu bekommen, liegen inzwischen neue, große Studien vor. Roy Taylor, der Arzt aus Großbritannien, hat seine Methode die Diät mit 800 Kalorien am Tag für acht Wochen – an 340 Patienten untersucht. Die Teilnehmer wurden in 40 Hausarztpraxen betreut und hatten seit höchstens vier Jahren einen Typ-2-Diabetes. Bei fast der Hälfte der Patienten, 46 Prozent, war die Krankheit nach der Diät verschwunden.

Man kann „trockener Diabetiker“ werden

Auch Stephan Martin, der Diabetologe aus Düsseldorf, hat vor wenigen Tagen eine Studie veröffentlicht. Seine Patienten bekommen anfangs eine proteinhaltige Flüssignahrung, 1200 Kalorien pro Tag, und stellen dann nach und nach ihre Ernährung um. Wenig Kohlenhydrate, viel Gemüse, gute Fette, außerdem sollen sie sich viel bewegen, so erklärt er seinen Ansatz.

In der Studie, erschienen im Journal „Nutrients“, hat er die Daten von 321 Patienten ausgewertet. Etwa die Hälfte der Teilnehmer machten eine sehr strenge Diät, die andere Hälfte stellte ihre Ernährung etwas langsamer um. In beiden Gruppen verbesserten sich die Gesundheitswerte der Teilnehmer, darunter Blutzucker, Blutdruck, Gewicht, nach schon zwölf Wochen signifikant.

„Wir müssen in der Behandlung von Typ-2-Diabetes umdenken“, sagt Martin. Es sei ein „gesundheitspolitischer Skandal“, dass in Deutschland immer noch vor allem auf die Gabe von Insulin gesetzt werde. Oft bekämen die Patienten den Stoff sogar schon, bevor andere Behandlungen überhaupt versucht würden. Dabei wisse man, dass ein Gewichtsverlust, egal wie man ihn auslöse, sich sehr günstig auf den Stoffwechsel von Typ-2-Diabetikern auswirkt.

Patienten, die sogar kein Insulin mehr benötigen, sind nicht geheilt, sagt er. Man spreche statt dessen von einer „Remission“ der Krankheit, einem Abklingen der Symptome. Es sei ähnlich wie bei Alkoholikern, die keinen Tropfen mehr trinken. Man könne von „trockenen Diabetikern“ sprechen.

Kann man das im Selbstversuch werden? Stephan Martin rät Patienten, die schon Insulin benötigen, davon dringend ab. Sie sollten nicht ohne ärztliche Betreuung mit einer großen Ernährungsumstellung beginnen. „Es ist ein harter Weg.“ Besser, man geht ihn nicht allein.

Die drei Männer in Toronto waren etwa alle zwei Wochen bei ihren Ärzten, und das monatelang, um ihr Fasten durchzustehen.

Anmerkung: Der Text wurde nach der Veröffentlichung ergänzt. Neu sind u.a. die Einschätzungen von Stephan Martin, Diabetologe aus Düsseldorf.

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https://www.welt.de/gesundheit/article154940852/Die-strenge-Diaet-die-Diabetes-Typ-2-heilt.html

Blutzucker

Die strenge Diät, die Diabetes Typ 2 heilt

| Lesedauer: 7 Minuten

Wissenschaftsredakteurin
Neben Flüssignahrung essen die Patienten nur Rohkost
Neben Flüssignahrung essen die Patienten nur Rohkost

Quelle: Getty Images

Wer einmal Diabetes hat, muss für immer damit leben, dachte man bisher. Schließlich produziert der Körper das nötige Insulin irgendwann nicht mehr. Doch eine Studie zeigt: Er kann das wieder lernen.
Acht Wochen lang jeden Tag 43 Prozent Kohlenhydrate, 34 Prozent Proteine, 19,5 Prozent Fett, dazu Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente – als Flüssigdiät. Einzige feste Nahrung: 200 Gramm Gemüse, pur. Macht um die 700 Kalorien pro Tag. In den Ohren von Allan Tutty aus Sunderland, einer Hafenstadt im Nordosten Englands, klang das wie Folter.

Bei diesen Symptomen könnten Sie Diabetes haben

Allein in Deutschland sind 6 Millionen Menschen von Diabetes betroffen. Oft bleibt die Krankheit lange unerkannt, die Symptome sind diffus. Dabei sind die Ursachen der Wohlstandskrankheit hausgemacht.

Quelle: Die Welt

Sein Diabetes Typ 2 war dem Hausarzt vor drei Jahren bei einem Routinecheck aufgefallen. Tutty hatte es erst nicht glauben wollen. Es ging ihm gut, er hatte doch nur ein bisschen Bauch wie viele mit Ende fünfzig. Doch dann sah er Aufnahmen seiner Leber – und wie verfettet sie war. Als schließlich Roy Taylor von der Newcastle University vor ihm stand und erklärte, er könne seinen Diabetes mit dieser Diät wohl rückgängig machen, sagte Tutty zu.

350 Millionen Diabetiker gibt es der Weltgesundheitsorganisation zufolge derzeit, und diese Zahl wird sich in den kommenden 20 Jahren vermutlich verdoppeln. Auch in Deutschland steigen die Zahlen bislang rapide. Von 1998 bis jetzt war es ein Anstieg um 38 Prozent. Sechs Millionen Betroffene gibt es heute, bis 2030 werden es acht Millionen sein – wenn sich nicht drastisch etwas ändert.

95 Prozent leiden am Typ 2 wie Alan Tutty. Wer ihn einmal hat, konnte bisher damit rechnen, ihn nicht mehr loszuwerden. Diabetes gilt als Krankheit, die unaufhaltsam fortschreitet, die nicht heilbar ist. Erst gibt es eine Tablette, dann mehrere, am Ende steht die Insulintherapie. Doch Roy Taylor, der britische Mediziner, hat einen ganz anderen Ansatz: Er bringt mit einer radikalen Diät den Diabetes 2 nicht nur zum vorübergehenden Stillstand, sondern sogar zum völligen Verschwinden – ein Ansatz, der hierzulande noch fast unbekannt ist.

Mit Reis gegen den hohen Blutzuckerspiegel

Beim Diabetes, der von einem dauerhaft erhöhten Wert des Blutzuckers gekennzeichnet ist, reagiert der Körper auf das blutzuckersenkende Hormon Insulin nicht mehr. Die entsprechenden Zellen in der Leber werden unempfindlich. Dann, nach ein paar Jahren, stellen die Zellen in der Bauchspeicheldrüse, die Insulin herstellen, ihre Arbeit ein.

Dass diese zwei Prozesse nicht endgültig sind, sondern möglicherweise rückgängig gemacht werden können, diese Idee gab es unter Ärzten schon eine Weile. Nur getestet hatte sie noch niemand. Bekannt war aber, dass schon nach einer kurzfristigen Diät die Menge an Insulin, die man Diabetikern von außen zuführen muss, stark sinken kann.

Sybille Wunderlich zum Beispiel, Chefärztin der Klinik für Innere Medizin in den DRK Kliniken Berlin Westend, nutzt das auf ihrer Station manchmal. Sie verordnet den Diabetes-Patienten, die sehr hohe Dosen von Insulin brauchen, gelegentlich Reis-Tage: Dreimal am Tag gibt es dann nur Reis mit Apfelmus oder Reis gekocht in Tomatensuppe. Das macht keinem Spaß, aber nach drei Tagen, sagt sie, brauchen die Patienten nur noch ein Viertel der Insulinmenge, die sie vorher gebraucht haben.

Die Zellen nahmen ihre Arbeit wieder auf

Roy Taylor kam die Idee über einen anderen Weg: Er hatte vor einigen Jahren Studien über Operationen gelesen, Eingriffe am Magen, die starkes Übergewicht reduzieren sollten. Bei etwas mehr als 40 Prozent der Patienten verschwand in der Folge auch der Diabetes – und blieb bis zu drei Jahre danach auch weiterhin verschwunden.

2011 rekrutierte Taylor elf Diabetes-Patienten und verordnete ihnen eine achtwöchige Diät. Sie führte ihnen nur so viel Energie zu, wie Menschen nach einer Magen-Operation verdauen können: 800 Kalorien am Tag. Danach kehrten sie langsam wieder zu festem, aber recht gesundem Essen zurück.

Das Ergebnis war verblüffend. Bei allen elf Patienten verschwand der Diabetes nach acht Wochen und blieb es bei sieben von ihnen bis zur Nachuntersuchung drei Monate später. Taylor sah sich auch an, wie die Bauchspeicheldrüse reagierte: Ihr Fettgehalt sank von durchschnittlich acht auf normale sechs Prozent – und die insulinproduzierenden Zellen nahmen ihre Arbeit wieder auf.

Als wäre nie etwas gewesen

Braucht man also gar keine Operation, um Diabetes verschwinden zu lassen, sondern nur die radikale Diät? Gerade hat Roy Taylor die nachfolgende größere Studie im Fachjournal „Diabetes Care“ veröffentlicht. 30 Patienten hat er diesmal für seine Radikaldiät gewinnen können. 15 von ihnen hatten den Diabetes seit weniger als vier Jahren, weitere 15 hatten ihn aber schon länger als acht Jahre.

Wieder war die Bilanz sehr gut, vor allem für jene, die ihren Diabetes seit weniger als vier Jahren hatten: Zwölf von ihnen, also 87 Prozent, brauchten nach den acht Wochen keine Medikamente mehr – darunter Alan Tutty. Ihre Leber war nach gut einer Woche wieder insulinempfindlich geworden, ihre Bauchspeicheldrüse produzierte das Hormon wieder. Der Blutzucker hatte sich komplett normalisiert, als wäre nie etwas gewesen.

Bei diesen Symptomen könnten Sie Diabetes haben

Nach sechs Monaten waren die zwölf Patienten noch immer ohne Diabetes, ein dreizehnter Patient kam neu hinzu. Bei der Gruppe, die schon länger, zum Teil über 20 Jahre, mit Diabetes lebte, gelang es immerhin der Hälfte der Teilnehmer, ihren Blutzucker so herunterzuschrauben, dass die Diagnose Diabetes nicht mehr auf sie zutraf.

„Es ist also möglich, Diabetes rückgängig zu machen“, schlussfolgert Roy Taylor. Bis zu zehn Jahre nach der Diagnose sei seinen Daten zufolge die Chance groß, Diabetes zu einer solchen Remission zu bringen. Für alle anderen verbessere sich aber immerhin der Blutzuckerspiegel erheblich.

Es war egal, was die Patienten wogen

Taylor hat auch eine Theorie dazu, warum es möglich ist, Diabetes durch eine Radikaldiät verschwinden zu lassen. Er glaubt, dass jeder Mensch eine bestimmte Kapazität hat, Fett im Körper zu tolerieren – genetisch vorgegeben. Alles, was möglich ist, steckt er zunächst ins Unterhautfettgewebe.

Reicht das nicht, lagert sich das Fett in den Organen ab: in der Bauchspeicheldrüse etwa und in der Leber. Wenn das passiert, wird die Fähigkeit der Organe beeinträchtigt, Insulin zu produzieren und auf das Hormon zu reagieren.

Ist das Fett wieder weg, können auch die beiden Organe wieder normal arbeiten. Dazu passt auch, dass es für den Blutzuckerwert der Probanden in der Studie keine Rolle spielte, was sie vor und nach der Diät wogen: Wichtig war allein, dass sie genügend Gewicht verloren.

Diabetes – Typ 1 oder Typ 2?

Die Zahl der Diabetiker nimmt zu – auch in Deutschland. Ärzte und Betroffene werden oft erst aufmerksam, wenn der Diabetes schon weiter fortgeschritten ist. Mediziner unterscheiden zwei Formen der Erkrankung.

Quelle: Die Welt

Dirk Müller-Wieland vom Universitätsklinikum der RWTH Aachen und Sprecher der Deutschen Diabetes Gesellschaft findet das plausibel. Zwar wisse man, dass der Zusammenhang zwischen Übergewicht und Diabetes sehr stark sei. Nur sei er das nicht für alle gleichermaßen – warum, das habe man bis jetzt nicht genau verstanden.

Bis zu 20 Prozent der Menschen, die stark übergewichtig sind, bekommen dem Experten zufolge keinen Diabetes, und Menschen wie Alan Tutty, die nur ein wenig übergewichtig sind, entwickeln ihn manchmal trotzdem.

Die Theorie der genetisch festgelegten Fett-Toleranz könnte diesen Widerspruch aufklären. „Wann immer die persönliche Schwelle erreicht ist, lagert sich das Fett dann da ab, wo es nicht hingehört: in den Organen“, sagt Müller-Wieland.

Tödliche Krankheit

Diätprogramm für Diabetes-Patienten

Matthias Tschöp, Direktor des Helmholtz Diabetes Zentrums in München, findet, dass man die Ergebnisse der relativ kleinen Studie ernst nehmen, aber nicht überbewerten sollte. Schließlich könne man nicht davon ausgehen, dass alle Patienten ihr verringertes Körpergewicht langfristig halten könnten. „Andererseits können auch kurzfristige Verbesserungen das Risiko für Spätschäden verringern“, sagt er. In jedem Fall gebe die Studie den Patienten etwas, was für den Umgang mit der Krankheit sehr wichtig sei: Hoffnung.

Stephan Martin, Chefarzt für Diabetologie und Direktor des Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrums, ist einer der wenigen Diabetologen in Deutschland, die die Arbeit von Roy Taylor seit Jahren verfolgen. In jedem wissenschaftlichen Vortrag zitiere er dessen Studie von 2011, sagt er.

„Die meisten Ärzte hier haben aber noch nie etwas davon gehört.“ Die Diabetes-Behandlung sei in Deutschland sehr auf die Insulintherapie ausgerichtet – etwa doppelt so hoch sei die Pro-Kopf-Menge wie zum Beispiel im Nachbarland Österreich.

Martin will das ändern. Auch er hat ein Diätprogramm entwickelt, für Patienten, die schon länger als elf Jahre an Diabetes leiden. Und auch er hat sehr gute Ergebnisse erzielt.

Die Studie ist zur Veröffentlichung eingereicht, in der kommenden Woche präsentiert er erste Ergebnisse auf dem Diabetes-Kongress. 6000 Teilnehmer werden erwartet. Und sie werden hoffentlich zuhören.

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https://www.sueddeutsche.de/politik/malta-panama-papers-black-siemens-1.4203858

Korruption in Malta
Wem gehört 17 Black?

Valletta, European Capital Of Culture 2018

Blick über die Altstadt von Valletta(Foto: Getty Images)

In Malta schwelt ein Korruptionsskandal, in dessen Zentrum die zwei engsten Vertrauten des Premierministers stehen. Nun kommt neues Licht in die Affäre um eine rätselhafte Firma und ein Millionenprojekt, an dem auch Siemens beteiligt ist.

Von Mauritius Much, Hannes Munzinger und Bastian Obermayer, Valetta

Eine einfache Frage lässt den Stabschef des maltesischen Premierministers die Flucht ergreifen: „Wem gehört 17 Black?“ Es ist ein sonniger Nachmittag im Juni, und Keith Schembri, der Stabschef, rundlich, blauer Anzug, Haifischkragen, eilt durch die Gassen der Altstadt von Valletta, der Hauptstadt Maltas, flankiert von drei Männern. Auf seinen Fersen ein Reporter, der immer wieder diese Frage stellt, einmal, zweimal, am Ende zehnmal: „Wem gehört 17 Black?“

Schembri ist das sichtlich unangenehm, fast jeder kennt ihn hier, immerhin ist er einer der mächtigsten Männer des Landes. Und wenn er die Antwort auf die Frage des Journalisten weiß, könnte ihn das sein Amt kosten, oder sogar die Freiheit. Denn Schembris heimliche Briefkastenfirma sollte, laut einer Notiz in den Panama Papers, von einer rätselhaften Firma namens 17 Black eine Millionensumme bekommen. Dazu kam es am Ende nie, offenbar weil die Panama Papers dem Geschäft zeitlich zuvorkamen – aber Schembri konnte den Verdacht, dass seine Firma ursprünglich von dieser obskuren Firma Geld bekommen sollte, nie entkräften.

Seit über zwei Jahren schwelt in Malta ein Korruptionsskandal, in dessen Zentrum die zwei engsten Vertrauten des Premierministers Joseph Muscat stehen: Besagter Stabschef Schembri und Tourismusminister Konrad Mizzi.

Mizzi war bis 2016 Energieminister und setzte sich zusammen mit Schembri seit seinem Amtsantritt 2013 für ein 450 Millionen Euro schweres Kraftwerksprojekt ein. Den Auftrag bekam das Konsortium Electrogas – ein Zusammenschluss von Siemens, der staatlichen Ölgesellschaft Aserbaidschans und von maltesischen Investoren. Siemens ist bis heute an dem Projekt beteiligt.

Wem also gehört 17 Black? Nach Erkenntnissen der SZ und weiterer Medien könnte ausgerechnet einer der privaten Investoren des 450-Millionen-Projekts hinter der geheimnisvollen Firma stecken: Yorgen Fenech, einer der Vorstände des Electrogas-Konsortiums. Jener Fenech wird in einer Bank-Korrespondenz, die auch die SZ einsehen konnte, nämlich als 17-Black-Eigentümer genannt. Er war bis dahin nicht durch Expertise in der Energiewirtschaft aufgefallen; er betrieb Casinos und Hotels. Nachdem sein Familienunternehmen dann Gesellschafterin des Electrogas-Konsortiums wurde, zog er in den Vorstand ein.

Mehrere Quellen bestätigten diese Information den Reportern des Daphne-Projekts – einem Zusammenschluss von Investigativ-Journalisten, die unter Federführung der Organisation „Forbidden Stories“ die Recherchen der im vergangenen Jahr ermordeten maltesischen Journalistin Daphne Caruana Galizia fortführt. Auch die SZ ist Teil dieser Kooperation.

Mit den maltesischen Spitzenpolitikern Keith Schembri und Konrad Mizzi befasste sich Daphne Caruana Galizia seit Jahren: 2016 enthüllte sie, dass die beiden kurz nach der Regierungsübernahme der Sozialdemokraten 2013 Briefkastenfirmen in Panama eingerichtet hatten. In den Panama Papers fand sich dann eine E-Mail, die – scheinbar – deren Zweck aufdeckte: die Panama-Firmen sollten laut den Anlageberatern der Politiker monatliche Zahlungen in Höhe von 150 000 Euro erhalten – und zwar einer Firma namens 17 Black Limited, angesiedelt in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Seither fragt sich ganz Malta: Wem gehört 17 Black?

Auch Siemens muss sich Fragen gefallen lassen

Sollte Yorgen Fenech tatsächlich der Eigentümer sein, führt das gleich zur nächsten Frage: Warum rechnen die Berater der beiden Politiker damit, dass Fenechs Firma den beiden Geld überweisen will – noch dazu verdeckt, via Panama? Die demnach angedachten Zahlungen eines der Profiteure des 450-Millionen-Deals an beteiligte Politiker würden den zumindest den in Malta schon lange kursierenden Verdacht nähren, dass im Rahmen des Projekts Electrogas Schmiergeld gezahlt werden sollte.

Die Mittel dafür waren wohl vorhanden: Reporter des Daphne-Projektes erfuhren aus Bankenkreisen in den Vereinigten Arabischen Emiraten, dass zwischen 2014 und 2015 mindestens neun Millionen Euro über ein Konto von 17 Black bei der Noor Bank geflossen sein sollen. Auch heute verfüge die Firma auf dem Konto noch über bis zu drei Millionen Dollar. Die Bank habe das Konto aber im letzten Monat gesperrt und der nationalen Zentralbank wegen Geldwäscheverdacht gemeldet.

Yorgen Fenech bestreitet auf Nachfrage nicht ausdrücklich, dass ihm 17 Black gehört – wohl aber dass er je geplant habe, Politikern Gelder zu überweisen, oder das getan habe. Unklar bleibt weiterhin, ob überhaupt je Geld an die Panama-Firmen floss. Das Vorhaben, Konten für die beiden Briefkastenfirmen der Politiker zu eröffnen, wurde jedenfalls auf Eis gelegt, als die Panama-Papers-Enthüllungen begannen.

Keith Schembri und Konrad Mizzi trugen wenig zur Klärung des Sachverhalts bei. Schembri sagte der SZ und ihren Partnern, 17 Black sei nur ein potenzieller Geschäftspartner gewesen. Der ehemalige Energieminister Mizzi sagte, es habe keine Verbindung zu jener 17 Black Limited gegeben. Konfrontiert mit einem Screenshot der Panama-Papers-Email, zweifelt er die Authentizität der Dokumente an. Sowohl Mizzi als auch Schembri erklären nun, nicht zu wissen, ob Fenech der Eigentümer sei.

Durch die neuen Enthüllungen muss sich auch Siemens Fragen gefallen lassen: War dem Konzern bekannt, dass der örtliche Geschäftspartner Fenech Eigentümer einer Firma ist, von der Gelder an Briefkastenfirmen von maltesischen Politikern fließen sollten? Ausgerechnet an den Minister und den Stabschef, die sich zuvor für das Kraftwerksprojekt eingesetzte hatten? Auf all das hätte man gerne Antworten – allerdings weigerte sich Siemens, konkrete Fragen der SZ zum Thema 17 Black zu beantworten. Die Begründung: Siemens stehe „in keiner Geschäftsbeziehung zu diesem Unternehmen“

Die Verfolgungsjagd im Juni endete übrigens, als Schembri im Amtsgebäude des Premierministers verschwand. Auf die Frage warum er nicht antworten wolle, hatte er dem Journalisten noch zugerufen: „Ich beantworte Ihre dummen Fragen seit fünf Jahren“.

Lesen Sie mit SZ Plus: 

Tatort Europa

In der EU werden in nur einem Jahr zwei Journalisten ermordet, Daphne Caruana Galizia in Malta, Ján Kuciak in der Slowakei. Der Stand der Ermittlungen? Zum Fürchten. Von Lena Kampf und Bastian Obermayer mehr…

©SZ vom 10.11.2018/fued

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„SCHEIN-KRITIKER“: „Kramp-Karrenbauer“

https://www.sueddeutsche.de/medien/maybrit-illner-annegret-kramp-karrenbauer-kevin-kuehnert-tv-kritik-1.4203642

„Maybrit Illner“ zu Merkel-Nachfolge

Symptomatischer Mangel an Gehalt

Die Überschrift „Neue Bündnisse, alte Fronten – was folgt auf Merkel?“ klang angesichts der Tatsache, dass es fast nur um Kramp-Karrenbauer ging, ein wenig zu sehr nach Neutrum.(Foto: ZDF/Svea Pietschmann)

Annegret Kramp-Karrenbauer stanzt Bewerbungs-Worthülsen in die TV-Nacht, Kubicki gibt den Spötter vom Spielfeldrand. Die anderen Gäste sind nur Stichwortgeber. Über einen Abend ohne Erkenntnisse.

Von Hans Hoff

„Wir müssen hier einen Punkt machen und zwar ganz hurtig“, sagt Maybrit Illner nach einer Stunde, und schon steht die Frage im Raum, wohinter genau sie den Punkt denn gerne setzen würde. Hinter eine lockere Plauderrunde am Donnerstagabend, die mal eben die Probleme fast aller Parteien gestreift hat, ohne auch nur einmal unter die Oberfläche zu gehen? Hinter einen flügellahmen Schlagabtausch von Talkshowprofis, die ihre Statements mit bewundernswerter Routine herunterrattern? Oder hinter das Bewerbungsgespräch von Annegret Kramp-Karrenbauer?

Wenn die sich um den CDU-Bundesvorsitz bewirbt und im Dezember zur Nachfolgerin von Angela Merkel berufen werden möchte, braucht sie gar nicht erst zur Wahl anreisen. Sie schickt einfach die Aufzeichnung dieser jüngsten Maybrit-Illner-Talkshow an die Delegierten, dann wissen die Bescheid, wie die Generalsekretärin so tickt, was sie will und was sie kann. Sollten die Parteimitglieder keine Zeit haben, die ganze Sendung zu schauen, reicht auch ein Blick in die Twitter-Timeline der Show, denn dort finden sich akribisch aufgelistet die meisten der Aussagen von @_A_K_K_.

Mehr als zwei Dutzend ihrer Statements haut die Redaktion von Illner während der Sendung raus. Jeder halbwegs zitierfähige Satz findet sofort seinen Niederschlag und soll wohl Brisanz vortäuschen, wo doch eigentlich das Banale dominiert. „Ich habe mich einige Male mit Angela Merkel gestritten, und ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Sie kann auch äußerst laut werden.“ Dieser Satz taucht gleich doppelt auf. Potztausend: Die Kanzlerin kann auch mal laut werden. Hammernachricht. Bisher haben ja alle angenommen, Angela Merkel habe immer nur im Flüsterton regiert.

Und dann ist da noch das Bekenntnis, eine ganze Reihe von Wahlkämpfen hinter sich gebracht zu haben. „Am Ende wollen die Menschen jemand, der sie ernst nimmt. Und insofern schätze ich meine Chancen als nicht so schlecht ein.“ Das immerhin dokumentiert, dass es ihr an festem Willen nicht fehlt.

Vielleicht hätte man das von Anfang an wie einen Filmtitel über die Sendung schreiben sollen: „@_A_K_K_. Die will das wirklich.“ Dann hätte man sich auch den Widerspruch erspart zwischen der Hauptdarstellerin und der wirklich benutzten Überschrift. Die lautete „Neue Bündnisse, alte Fronten – was folgt auf Merkel?“ und klang angesichts der Tatsache, dass es fast nur um Kramp-Karrenbauer ging, ein wenig zu sehr nach Neutrum. Dabei will die Kandidatin doch sehr offenbar genau das abschütteln, dieses Übersachliche, dieses Buchhalterische, dieses Berechenbare, das Menschen dazu verleitet, sie für langweilig zu halten.

In dieser Hinsicht tut sich auch Illner schwer, ernsthaftes Interesse zu zeigen. Als Kramp-Karrenbauer ihre ersten Statements mit bewundernswerter Präzision, aber weitgehend emotionslos in den Raum gestellt hat, wird die Moderatorin angenehm keck. „Diesen Text kennen wir von ihnen. Jetzt werden wir mal konkreter“, sagt sie. Aber leider wird sie nicht wirklich konkreter. Eher allgemeiner, denn sie serviert ein Schlagwort nach dem anderen. Soli, Ankerzentren, Staatsversagen, Diesel und Mindestlohn, alles im Angebot. Keine Schwierigkeit für die Bewerberin. Die ruft ihre Repliken ansatzlos ab.

Da stören auch die restlichen Gäste kaum. Die werden nur als Anspielstationen für die Pausen im Gesprächsfluss zwischen Kramp-Karrenbauer und Illner gebraucht. Aber es wirkt nicht so, als interessiere sich die Gastgeberin wirklich für sie. Sie will immer nur wissen, wie es mit ihnen weitergeht, wenn es mit der CDU irgendwie weitergeht, wobei ja bekanntermaßen selbst die CDU noch nicht weiß, wie es weitergehen soll. Die Gefragten sagen dann, dass es davon abhänge, wie es weitergehe, dass man sich aber davon nicht abhängig machen wolle. Und dann ist wieder Kramp-Karrenbauer an der Reihe.

Ein gewisses Desinterese der Moderatorin

Man meint da zwischendrin durchaus ein gewisses Desinteresse an der Hauptfigur durchschimmern zu sehen, so als nehme niemand ihre Kandidatur wirklich ernst, so als richteten sich alle bereits darauf, dass einer der beiden anderen Kandidaten gewinnt.

Das ist natürlich nicht wirklich fair, aber wenn die Redaktion von Illner ruft, dann geht man halt hin, auch auf die Gefahr hin, nur ein paar Standpunkte verkünden zu können. Aber die kann man dann halt vor einem interessierten Publikum loswerden.

Da gibt Wolfgang Kubicki wie fast schon üblich den Spielfeldrandspötter von der FDP, Janine Wissler von der Linken prangert Ungerechtigkeit an, und der Politikberater Michael Spreng missversteht seine Rolle ein wenig und mischt sich ungefragt in die Moderation ein. Man merkt ihm an, dass er meint, es besser zu wissen. Was auch immer. Dabei geht der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert mit seiner bemühten Ernsthaftigkeit fast ein bisschen unter.

Symptomatisch für den Mangel an Gehalt steht ein kurzer Dialog, in dem es um die Zukunft der SPD geht. „Sie muss sich in der großen Koalition konsolidieren“, befiehlt Spreng, woraufhin Kubicki ein lockeres „Wie denn?“ einstreut und eine sehr lapidare Antwort bekommt: „Indem sie vernünftige Politik macht.“ Mensch, dafür braucht es den Spreng, dass der mal der SPD sagt, dass sie vernünftige Politik machen soll. Da wäre ja in der Partei selber nie jemand drauf gekommen.

Aber um diese Gäste geht es ohnehin nicht. Es geht um Annegret Kramp-Karrenbauer, deren Bewerbung die Moderatorin ein bisschen langweilig zu finden scheint. „Können Sie Kanzler?“, will sie irgendwann ein wenig schroff wissen, aber schon am Ende der Frage weiß sie, dass sie darauf niemals eine befriedigende Antwort bekommen wird.

Kurz vor Schluss gibt Kubicki dann den Partisanen. „Die Freien Demokraten fürchten weder Tod noch Teufel“, sagt er und gibt der SPD noch einen todsicheren Tipp mit auf den Weg: „Lieber aufrecht kämpfen als dahinsiechen.“

Spätestens an dem Punkt ist die Moderatorin wohl ganz froh, dass irgendwer an der Uhr gedreht hat und die Stunde Sendezeit rum ist. Illner schaut in die Kamera und sagt den finalen Satz. „Wir müssen hier einen Punkt machen und zwar ganz hurtig.“ Am Ende ist es Erlösung.

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„SCHEIN-KRITIKER“: „Friedrich Merz“

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/cdu-friedrich-merz-sichert-angela-merkel-unterstuetzung-zu-a-1237577.html

Kampf um CDU-Vorsitz

Merz sichert Merkel Unterstützung zu

Friedrich Merz hat nach SPIEGEL-Informationen ein vertrauliches Telefonat mit der Kanzlerin geführt. In interner Runde sagte der Kandidat für den CDU-Vorsitz zudem, er wolle nicht gegen Merkel arbeiten.

Friedrich Merz

Getty Images

Friedrich Merz

Friedrich Merz hat Kanzlerin Angela Merkel seine Unterstützung zugesagt, sollte er auf dem Parteitag Anfang Dezember zum neuen CDU-Chef gewählt werden.

In einem Telefonat mit Merkel, das nach SPIEGEL-Informationen Anfang der Woche auf Wunsch von Merz stattfand, signalisierte der ehemalige Fraktionschef der Kanzlerin, dass er sich um eine gute Zusammenarbeit bemühen werde, heißt es in CDU-Kreisen.

Auch bei einem Treffen mit CDU-Abgeordneten am Donnerstagmorgen in Berlin erklärte der Kandidat, dass er nicht gegen die Kanzlerin arbeiten werde. Dies gebiete schon die „staatspolitische Verantwortung“, sagte Merz.

Merkel hatte erklärt, dass sie bereit sei, auch unter einem neuen Parteichef bis zum Ende der Legislaturperiode als Kanzlerin zu arbeiten. Neben Merz gilt noch CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer als aussichtsreiche Kandidatin für die Merkel-Nachfolge.

Der ehemalige Verteidigungsminister Franz-Josef Jung sagte dem SPIEGEL, Merz habe die beste Chance, neuer CDU-Chef zu werden: „Würden die Mitglieder den nächsten Bundesvorsitzenden wählen, dann hätte Friedrich Merz jetzt schon gewonnen.“ Merz sei ein „Hoffnungsträger“ für die Basis.

Jung ist wie Merz Mitglied des „Andenpaktes“, des CDU-Männerbunds, der Merz ermuntert hat, sich für die Parteispitze zu bewerben.

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https://www.neopresse.com/legal/neue-zensurfalle-eu-will-upload-filter/

Neue Zensurfalle? EU will Upload-Filter

NEOPresse in D/A/CH

Die EU möchte offenbar die sogenannten UploadFilter schneller installieren und durchsetzen als gedacht. Nun hat laut einem Bericht der „Bild“-Zeitung die Chefin von YouTube die Anbieter von Videodateien angeschrieben, um in der aktuellen Diskussion um diese Filter bei der EU und in der Öffentlichkeit zu protestieren. Sie wies darauf hin, dass die Autoren sich über den „Artikel 13“ der avisierten Richtlinie zum Urheberrecht informieren sollten und „sofort handeln“.

Aufruf erfolgreich

Dieser Aufruf ging Ende Oktober an diverse Autoren, da die Unternehmenslenkerin einen vierteljährlichen Brief an ihre Zielgruppe verfasst. Derzeit weist Youtube unter den hauseigenen Charts auf, dass unter den besten 10 Videos gleich vier mit diesem Thema befasst seien. Darin werde vor dem Ende von Youtube gewarnt. Es werde gewarnt, „warum es Youtube“ im kommenden Jahr nicht mehr gebe etc.

 

Inhaltlich will die Richtlinie nach den bisherigen Fassungen, die zuletzt im September vom Parlament der EU verabschiedeten worden waren, dass sich die Plattformen von Online-Angeboten sogenannte „Lizenzen“ sichern müssen, die Rechteinhaber, hier also etwa Videoproduzenten, ihnen gewähren könnten. Sollte es Urheberrechtsverletzungen geben, dann müssten die Betreiber solcher Plattformen dafür wiederum haften.

Das wiederum führt nach Meinung der Unternehmensmanagerin dazu, dass Plattformen wie etwa YouTube darüber nachdenken müssten, lediglich auf Inhalte der großen Unternehmen zurückzugreifen. Die dahinterstehende Logik: „Kleine“ Anbieter sind von solchen Plattformen hinsichtlich der Lizensierung gar nicht zu kontaktieren. Das bedeutet auch nach Meinung dieser Redaktion, dass die großen Verlagshäuser mit hoher Sicherheit massiv bevorteilt werden. Dies soll mit einiger Wahrscheinlichkeit auch der Grund für das vorliegende Gesetz sein. Dies ist noch nicht gültig, sondern wird nun vom „EU-Ministerrat“ verhandelt.

Eine äußerst geschickte Form der Zensur, meinen wir. Ade, freies Internet, wenn große Plattformen sich die Veröffentlichung faktisch nicht mehr leisten können und wollen.

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WIR HABEN ein GLOBALES PROBLEM und das ist „RAFF-GIER“

das FALSCHE „GROSS-MAUL“ MACARONI SOLL erst MAL sein GELD abgeben und ALL die ANDEREN „RAFF-ZÄHNE“

Man wundert sich oder auch wieder nicht  dass „MERKEL-MONSATAN-GLYPHOSAT“ überhaupt noch zu sehen ist denn ist ihre ZEIT nicht angeblich ABGELAUFEN –  WENN es nach den WÄHLERN ginge!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

 

https://www.welt.de/wirtschaft/bilanz/article183816328/Neustart-fuer-Europa-Deutschland-muss-lernen-seinen-Wohlstand-zu-teilen.html

 

Neustart für Europa

Deutschland muss lernen, seinen Wohlstand zu teilen

Frankreichs Staatspräsident Macron warnt in seiner Rede vor einem Rückfall in den Nationalismus. Manche Gäste in Paris könnten diese Worte als Kritik empfunden haben.

Quelle: WELT / Achim Unser

Autoplay
Die Rede des französischen Präsidenten Emmanuel Macron zum 100-jährigen Ende des Ersten Weltkrieges muss alle aufrütteln, die an Europa zweifeln. Es gibt Hoffnung, auch im Angesicht der spaltenden Populisten.

Die Feierlichkeiten zum Ende des Ersten Weltkriegs in Frankreich waren beeindruckend. Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron hat vor rund 70 Regierungschefs eine visionäre Rede (mit Übersetzung) gehalten, die man im Original hören muss. Kern seiner Rede war der Satz: „Nationalismus ist Verrat am Patriotismus.“

Und weiter solle niemand sagen: „Unsere Interessen zuerst, und wir sind besser als alle anderen. Das kann keine Nation von sich behaupten: Was uns groß macht, sind die moralischen Werte … Die Lehre kann nicht sein, dass man ein Volk gegen das andere aufbringt.…>>>(WER sind   denn die HETZER und SPALTER?!:  die „EU“-_MACRON – MERKEL usw???!!!)<<<

Deutschland muss lernen, seinen Wohlstand zu teilen...

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„UN-HEIL“ BAHNT sich an mit „MERKEL-MACRON“ –  in Wahrheit will MACRON das „SCHULD-GELD“ für die BANKSTER ein-TREIBEN!!!!!

PFUI PFUI PFUI „RAFF-ZAHN“ MACARONI – ein SUPER-REICHER STINKER

http://www.spiegel.de/politik/ausland/emmanuel-macron-im-bundestag-liebeserklaerung-an-deutschland-a-1239102.html

Besuch in Berlin

Macrons Liebeserklärung an Deutschland <<<WERs GLAUBT!!!!!….>>>>

„Frankreich liebt Sie“: Vor dem Bundestag hat Präsident Macron den Deutschen einen Heiratsantrag gemacht. Das war kein sentimentaler Ausrutscher – sondern ein Angebot, das man nur einmal im Leben bekommt……

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https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2018/11/17/eine-tote-und-200-verletzte-bei-massen-demos-frankreich/

17. November 2018

Eine TOTE und 200 VERLETZTE bei MASSEN-DEMO in FRANKREICH

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Das VOLK – „Gelbwesten gegen MACRON <<<PARALLELEN sind hier zu sehen in  DEUTSCHLAND“ und MERKEL!!!!!!!!<<<

http://www.spiegel.de/politik/ausland/frankreich-emmanuel-macrons-soll-wegen-benzinsteuer-zuruecktreten-a-1239052.html

Landesweite Proteste in Frankreich

Ein Volk sieht Gelb

Die Geringverdiener in Frankreich begehren auf gegen die Politik von Emmanuel Macron, den sie für einen Präsidenten der Reichen halten. Ihre Wut ist unorganisiert, radikal – und ein unkalkulierbarer politischer Gegner.

Eine Analyse von , Paris

SPIEGEL ONLINE

Auch als es dunkel wird, wollen die Demonstranten am liebsten noch unter dem Triumphbogen in Paris verweilen. Man erkennt sie jetzt deutlicher als am Tage. Sie tragen gelbe Warnwesten – und sie leuchten grell im Schein der Straßenlaternen. Dunkel uniformierte Polizeitruppen mit Schutzschilden und Schlagknüppeln versuchen nun die leuchtenden Menschen in die Nebenstraßen zu drängen. Einige Protestler zünden bengalische Feuer. Im Hintergrund glüht – wie immer am Abend – der Eiffelturm.

Es könnte eine ganz normale Pariser Protestszene sein, doch es ist der Beginn von etwas Neuem: Keine Gewerkschaft und kein schwarzer Block, keine Partei und keine Berufslobby, nicht einmal der Bauernverband oder die Lastwagenfahrer, die in Frankreich immer so gerne auf die Straße ziehen, haben an diesem 17. November zum Demonstrieren aufgerufen.

Dennoch ist das Land von den Pyrenäen bis zum Rhein, von der Bretagne bis zu den Alpen mit Protesten überzogen. Mehr als 280.000 Menschen, meldet am Abend das französische Innenministerium, haben den ganzen Tag lang an Straßenkreuzungen, Autobahnzahlstellen und anderen Verkehrsknotenpunkten demonstriert.

Das Volk ist aufgestanden.

Überall im Land verursachten sie kilometerlange Staus. Die Pariser Périphérique, der Autobahngürtel um die Hauptstadt, kam zum Stillstand. Autobahnen nach Spanien waren nicht mehr passierbar. Der Mont-Blanc-Tunnel musste freigeräumt werden – dieses Mal von Menschen und nicht vom Schnee.

„Macron, tritt zurück!

Das Symbol der Demonstranten sind diese gelben Westen, deshalb nennen sie sich Gelbwesten. Ihre Forderung: Rücknahme der Benzinsteuererhöhung. Ihr häufigster Ruf an diesem Tag: „Macron, tritt zurück!“ Doch damit ist die neue Bürgerbewegung nicht exakt beschrieben. Das hier ist etwas anderes. Auf den Straßen scheint sich ein neues Bewusstsein der Unterschichten und der unteren Mittelschicht zu spiegeln. Eines, das noch unerprobte demokratische Organisationsformen sucht. Wogegen genau protestiert wird, ist nicht ganz klar. Doch es geht um weit mehr als um eine höhere Spritsteuer.

Emmanuel Macron

AP

Emmanuel Macron

Was erstaunt: Sämtliche Demonstrationen kamen an diesem Tag ohne Redner und Podien aus. Es wurden Treffpunkte in den sozialen Medien verabredet, das reichte. Meist waren es die für Frankreich typischen Kreisel vor einer Ortseinfahrt oder Supermärkten. Etwa 3000 Straßenblockaden fanden statt. Dabei rauchte man viel, zündete Feuer an oder sonnte sich – wie auf der Autobahn von Nizza.

„Wütender Gallier“ hatte sich ein Demonstrant in Paris auf die Weste geschrieben. Ein anderer trug ein handgemaltes Plakat, auf dem stand: „Macronien hat sich vom Volk getrennt!“ Eine ältere Demonstrantin erzählte, dass ihr Sohn jeden Tag 150 Kilometer zum Arbeitsplatz fährt, 2000 Euro verdient, und spätestens am 20. jeden Monats sein Essen nicht mehr zahlen kann. Sie stand an einer Polizeisperre, wenige hundert Meter vom Élysée-Palast entfernt, wo Präsident Emmanuel Macron keinen leichten Tag verbrachte. „Sehen Sie nicht das Volk, Herr Präsident! Ich gehe nicht fort!“ ruft die Demonstrantin.

„Präsident der Reichen“

Historische Vergleiche sind schwierig. Schon 1983 zogen Millionen Franzosen gegen ihren neuen Links-Präsidenten François Mitterrand auf die Straße. Anlass war sein Ansinnen, Privatschulen zu verbieten. Doch dahinter stand damals die Angst, mit Mitterrand könnte tatsächlich der Sozialismus einziehen. Eine völlig unbegründete Sorge, wie sich bald herausstellte.

Die heutigen Sorgen sind weniger politisch motiviert, aber sie sitzen tiefer. Es sind Ängste vorm Verlust des Wohlstands, die in Frankreich von keiner demokratischen Kraft mehr eingefangen werden. „Vor einem Monat fand in Paris ein Marsch fürs Klima statt, bei dem viel weniger Demonstranten waren, aber dessen Forderungen auf eine bessere Welt zielten“, sagte Wirtschaftsberater Ludovic Bu im französischen Fernsehen. „Heute sind viel mehr auf den Straßen, aber sie wollen nur ihre Existenz verteidigen. Das ist eine gefährliche Stimmung.“

Präsident Macron wird dieser Wut am Volkstrauertag diesen Sonntag mit einer Reise nach Berlin entkommen, wo er vor dem deutschen Bundestag spricht. Doch die Gelbwesten sind ihm von nun an auf den Fersen, sie können zu seinem entscheidenden politischen Gegner heranwachsen. Schon hängt Macron der Spitzname „Präsident der Reichen“ an, seitdem er nicht nur die Benzinsteuern erhöhte, sondern auch Vermögensteuern und Gewinnsteuern für Unternehmen beschnitt. Was vor allem Wohlhabende begünstigt.

REUTERS

Normalerweise vertritt Macron diese Maßnahmen offensiv, als für alle wirtschaftlich notwendig. Doch am Tag der Gelbwesten war von ihm nichts zu hören. Nur Innenminister Christophe Castaner trat auf. Angesichts des tragischen Todes einer Demonstrantin und mehreren Verletzten mahnte er, die Straßenblockaden im Dunkeln nicht mehr fortzusetzen. Am späten Abend aber waren an 200 Knotenpunkten im Land die Straßen noch immer von den Gelbwesten gesperrt. So etwas könnte bald häufiger vorkommen.

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https://www.neopresse.com/europa/diese-verfassungsbeschwerde-kann-unser-aller-zukunft-bestimmen/

Diese Verfassungsbeschwerde kann unser aller Zukunft bestimmen

NEOPresse in Europa

Das Chaos in der EU nimmt sichtlich zu. Der Brexit beschäftigt uns stündlich mit immer neuen Meldungen. Dabei rücken andere Probleme in der EU in den Hintergrund. Faktisch jedoch gibt es am 27. November eine sehr wichtige Verhandlung vor dem Bundesverfassungsgericht, die Sie kennen sollten. Es geht um eine Beschwerde des Professors Markus C. Kerber.

Beschwerde wegen gemeinsamer Haftung und Verhalten des Bundestags
Die Beschwerde hat die EU-Verordnungen zum Gegenstand, bei denen es um die „Aufsicht über systemrelevante Banken“ durch die EZB geht, die künftig kommen wird. Und sie richtet sich gegen den sogenannten Abwicklungsmechanismus bei Banken mit einem Abwicklungsfonds, der EU-weit gelten wird.

 

Die Eingriffe in die gesellschaftliche Ordnung sind weitreichend. Dennoch hat der Bundestag nach Auffassung des Beschwerdeführers die Verordnungen durchgewinkt und dabei unterlassen, die rechtlichen Voraussetzungen zu prüfen. So ist die Übertragung der Bankenaufsicht auf die Zentralbank EZB im Jahr 2014 vorgenommen worden. Kaum jemand in Deutschland dürfte dies auch nur hinreichend bemerkt haben. Dabei war die Intransparenz nahezu vollkommen. Denn die EZB zeigte der Öffentlichkeit nur eine Zusammenschau der Zahlen aller Banken. Dies ist insofern bedauerlich und rechtlich fragwürdig, als das Risiko, das italienische Banken derzeit mit sich führen, kaum sichtbar wurde.

Besonders fraglich ist es dann, wie der Bundestag die Vorgänge einfach „durchwinken“ konnte. Am 27. November wird das Bundesverfassungsgericht noch keinen Beschluss zu dieser Beschwerde verkünden, so steht zu vermuten. Dennoch dürfte gerade die Reaktion der Richter zeigen, ob das Verfassungsgericht die Bedenken teilt. Es gibt an sich keinen sichtbaren Grund, die Sorgen und die Mängel nicht zu beachten. Dann wiederum müsste sich selbst die Merkel-Regierung wieder um das beschlossene Paket kümmern. Denn die Regierung darf keine Verordnungen umsetzen, denen die Rechtsgrundlage fehlt.

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Das ist eine SCHANDE – WER ist DAFÜR NUR VERANTWORTLICH???!!!?!

http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/studie-soziale-risiken-fuer-kinder-und-jugendliche-in-deutschland-a-1238344.html

Gesundheit, Bildung, Lebenschancen

Wie Armut unsere Kinder belastet

Fast jedes sechste Kind in Deutschland ist von Armut bedroht. Und das hat Folgen: Die Betroffenen essen ungesünder, machen weniger Sport und haben schlechtere Bildungschancen.

Kinderarmut

Getty Images

Kinderarmut

Gesundheit, Bildung, Lebenschancen: Je ärmer das Elternhaus, desto größer ist das Risiko für Kinder und Jugendliche. Wer aus einem sozial schwächeren Umfeld stammt, hat schon als Minderjähriger ein deutlich erhöhtes Risiko etwa einer psychischen Erkrankung. Konkret von Armut bedroht ist fast jedes sechste Kind.

Auch auf den Bildungsweg wirkt sich die Herkunft aus: Über die Hälfte der Hauptschüler in Deutschland lebt bei Eltern, die selbst einen Hauptschulabschluss (42 Prozent) oder gar keinen allgemeinbildenden Abschluss (14 Prozent) haben. Bei den Gymnasiasten ist es genau andersherum: Im Jahr 2017 hatte mit 65 Prozent die überwiegende Mehrheit dieser Schüler Eltern mit Abitur oder Fachhochschulreife.

Die Zahlen stammen aus dem „Datenreport 2018„, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Die Studie untersucht die Lebenssituation insbesondere von Kindern in Deutschland aus zahlreichen Blickwinkeln: Die familiären Verhältnisse und die wirtschaftliche Situation wurden ebenso betrachtet wie das Freizeitverhalten, die eingeschlagenen Bildungswege und das gesellschaftliche Engagement von Kindern und Jugendlichen.

Details zum Datenreport
Ergebnisse der amtlichen Statistik wurden für den Report mit empirischen Befunden der Sozialforschung kombiniert. Es handelt sich also um eine neue Auswertung bereits erhobener Daten. Genutzt werden beispielsweise Ergebnisse des sozio-oekonomischen Panels (SOEP).

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Die Zahl der Minderjährigen ist in den vergangenen zwanzig Jahren um 14 Prozent gesunken. 1997 lebten noch 15,7 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland, 2017 waren es nur noch rund 13,4 Millionen.
  • Zwar hat sich die gesundheitliche Situation der Kinder insgesamt verbessert – sie hängt im Einzelfall aber stark von der wirtschaftlichen Situation der Eltern ab. „Das beginnt schon vor der Geburt„, schreiben die Forscher: „Etwa 30 Prozent der Mütter mit niedrigem sozioökonomischem Status rauchen während der Schwangerschaft; bei Müttern mit hohem sozioökonomischem Status sind es nur 2 Prozent.“
  • Die gesundheitlichen Ungleichheiten setzen sich dann im weiteren Leben fort. So haben Minderjährige aus ärmeren Elternhäusern öfter psychische Probleme oder sind verhaltensauffällig. Außerdem treiben sie seltener Sport, ernähren sich ungesünder und sind häufiger übergewichtig. „Eltern, die über ein hohes Einkommen verfügen, tun sich leichter, eine gesunde Lebensweise zu finanzieren“, sagt Mareike Bünning vom Wissenschaftszentrum Berlin: „Außerdem besitzen sie in der Regel auch einen höheren Bildungsstand und damit ein größeres Wissen über gesundheitsförderliches Verhalten.“
  • Wie stark sich Schüler belastet fühlen, hängt stark von der Schulform ab, die sie besuchen. Rund die Hälfte der Schüler fühlt sich nach dem Unterricht „meistens erschöpft“. Insbesondere Hauptschüler empfinden die Schule als besonders belastend und haben hier am wenigsten Spaß.

„Die Lebensverhältnisse der Kinder in Deutschland sind hochgradig unterschiedlich“, sagt Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung: Was Kinder im Leben erreichen könnten, hänge von zahlreichen Faktoren ab – von zentraler Bedeutung sei aber „nach wie vor der sozioökonomische Status der Eltern“. Dass fast jeder sechste Minderjährige von Armut bedroht sei, sei „gerade für eine reiche Volkswirtschaft wie Deutschland ein mehr als beschämender Befund.“

Armut in der Schule: „Ich habe mich so geschämt“
  • DPA

    Klassenfahrten, Theaterkurse, Bücher, Ranzen, Stifte – Bildung kostet Geld. Doch was ist, wenn Familien das nicht aufbringen können? Sieben Betroffene erzählen.

Bei der Armutsbekämpfung seien in den vergangenen Jahren „kaum Fortschritte gemacht worden“, kritisieren die Autoren der Studie – im Gegenteil: Im Vergleich zu 2008 stagniere der Anteil der von Armut bedrohten Kinder. Kinder und Jugendliche mit alleinerziehenden Eltern seien dabei am stärksten gefährdet. Ein weiterer Risikofaktor sei ein Migrationshintergrund der Familie.

„Steigende Kinderarmut erschwert kulturelle, soziale und politische Teilhabe“, schreiben die Forscher und warnen: „Materieller Mangel kann zu sozialer Stigmatisierung führen.“ Dies habe dann wiederum Auswirkungen auf die weiteren Bildungschancen – ein Teufelskreis.

Video: Kinderarmut in Deutschland

SPIEGEL TV
Hartz IV: Mehr als eine Million Kinder beziehen Stütze für Schuldbedarf

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„Spenden-Affäre“ – MERKEL – QUANDT – BMW

https://www.neopresse.com/unkategorisiert/cdu-kassiert-knapp-700-000-euro-parteispenden-von-bmw/

CDU kassiert knapp 700.000 Euro Parteispenden – Von BMW

Die Bundesregierung verhindert strengere Abgasnormen für Autos. Kurz zuvor erhielt die CDU eine saftige Parteispende von knapp 700.000 Euro von BMW, berichtet das „Handelsblatt“. Die „Spende“ erhielt die CDU aus der Familie Quandt, eine bekannte Industriellenfamilie, die einen großen Teil der Aktien des Autokonzerns BMW besitzt. Die CDU veröffentlichte die Parteispende mit dem Hinweis, dass die Familie Quandt bereits seit Jahren zu den wichtigsten Unterstützern der CDU gehöre.

Die „Spende“ sorgte für Aufsehen, da Deutschland eine Einigung über strengere Abgasnomen für den Bau und die Zulassung von Kfz bei uns in Europa bei der Zusammenkunft der insgesamt 28 Umweltminister der EU verhinderte. Der bereits getroffene Kompromiss wurde auf Drängen Deutschlands wieder geändert. Von der Verschärfung der Abgaswerte wären in erster Linie die Autobauer von Oberklassenlimousinen betroffen gewesen. Wie die von BMW.

Die Familie Quandt wies einen Zusammenhang zwischen der kurz zuvor getätigten Parteispende und der nachträglichen Änderung der Entscheidung der Bundesregierung zur Abgasnorm jedoch zurück. Die Spende sei eine „Anerkenntnis, für die sehr erfolgreiche Arbeit der Bundeskanzlerin bei der Bewältigung der Euro-Krise“, so ein sogenannter „Sprecher der Familie“ gegenüber der „FAZ“.

 

Umweltminister Johannes Remmel aus Nordrhein-Westfalen fordert Merkel auf, Stellung zu der Großspende zu nehmen, die kurz vor der Entscheidung über strengere Abgasnormen in Europa bei der CDU eingetroffen sei. Es müsse geklärt werden, ob es einen direkten Zusammenhang zwischen den Spenden und der Änderung zu den strengeren Abgasnormen für Autos gebe. Der Verdacht, dass eine politische Entscheidung „gekauft“ wurde, müsse korrigiert werden, sagte Remmel dem „Handelsblatt“. Der Vorgang werfe auch einen Schatten auf mögliche Sondierungsgespräche zwischen der Union und den Grünen. Die Bundesregierung könne nicht für Klimaschutz eintreten und sich gleichzeitig für einen Rückzieher „bezahlen“ lassen, wenn es darauf ankomme, diesen umzusetzen.

Fraktionsvize der Linkspartei Klaus Ernst sagte, „BMW habe Merkel im Sack“. Das sei der „krasseste Fall von gekaufter Politik seit langem“, so Ernst. So offen habe das noch niemand gemacht und das könne sogar ein parlamentarisches Nachspiel haben, sagte Ernst in der „Leipziger Volkszeitung“. Die „Republik der gekauften Parteien“ müsse gestoppt und Parteispenden aus Wirtschaft und Verbänden verboten werden. Auch die Grünen-Abgeordnete Höhn sagte, dass ihre Fraktion der „Sache nachgehen werde“. Die Frage stehe im Raum, ob es sich bei der Parteispende „um Zufall“ handle. Der Finanzexperte der Grünen im EU-Parlament, Sven Giegold, hält Parteispenden generell für kritisch. So hohe Parteispenden legten immer den Schluss nahe, dass politische Entscheidungen von Konzernen, Privatpersonen oder Institutionen gekauft würden. Hohe Parteispenden passten nicht in die Demokratie, so Giegold.

Die CDU wies alle Vorwürfe zurück und bleibt dabei: Die Spenden hätten in keinerlei Zusammenhang mit politischen Entscheidungen gestanden. Die Familie Quandt unterstütze die CDU schon seit vielen Jahren.

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http://www.spiegel.de/fotostrecke/cartoon-des-tages-fotostrecke-142907.html

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<<<<Wie HEUCHLERISCH der SPIEGEL doch ist – WIESO wird nicht über die CDU-SPENDEN-AFFÄRE  über 700.000 berichtet???!!!?!  MERKEL???!!!?!>>>>

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http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/diginomics/jetzt-stehen-die-bedingungen-fuer-das-superschnelle-mobilfunknetz-fest-15893940.html

Zukunftstechnik 5G 

So sollen die Deutschen superschnelles Internet erhalten

Bald auch in Deutschland? Ein vernetztes Auto mit 5G-Technologie an Bord. Bild: dpa

Autonom fahrende Autos, das Internet der Dinge, sich selbst steuernde Fabriken – der neue Mobilfunkstandard 5G gilt als Basistechnik für die digitale Welt von morgen. Nun gehen die Vorbereitungen auf das neue Supernetz in ihre entscheidende Phase: Die Bundesnetzagentur hat einen „finalen Entwurf“ für die Versteigerung vorgelegt, bei der im kommenden Frühjahr die 5G-Frequenzen vergeben werden sollen.

Helmut Bünder

Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

 

Auf Drängen der Politik werden die Versorgungsauflagen darin deutlich verschärft. Um Funklöcher auch im ländlichen Raum zu beseitigen und einen schnelleren Ausbau des 5G-Netzes voranzubringen, sollen die Mobilfunkkonzerne weit mehr Sendemasten aufstellen als bisher geplant. Neben Autobahnen, Bundesstraßen und Schnellzügen soll schnelles mobiles Internet bis Ende 2024 auch an allen Landstraßen und an allen übrigen Schienenwegen verfügbar sein.

Die Zusatzkosten dafür werden nach ersten Schätzungen der Unternehmen in die Milliarden gehen. Deshalb kommt die Netzagentur den Mobilfunkkonzernen bei den Auktionsbedingungen entgegen: Die Mindestgebote werden gesenkt, und die Bieter bekommen mehr Zeit, den Kaufpreis zu bezahlen. Gleichzeitig stärkt die Netzagentur die Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit zwischen den Mobilfunkern beim Aufbau der teuren Infrastruktur.

Nationale Roaming

Ob dieser Kompromiss genügen wird, um den Streit beizulegen, ist mehr als fraglich. Die großen Mobilfunkkonzerne Deutsche Telekom, Vodafone und der O2-Anbieter Telefónica Deutschland hatten bereits mit Klagen gedroht, sollten die Versorgungsauflagen zu scharf ausfallen.

Highspeed-Internet : 5G soll alles schneller machen

Video: Deutsche Welle, Bild: dpa

Andererseits bleibt die Netzagentur ein gutes Stück hinter dem zurück, was viele Politiker und Verbraucherschützer verlangt haben: nämlich 5G möglichst schnell überall in die Fläche zu bringen. Am 26. November wird sich ihr politischer Beirat mit dem 178 Seiten dicken Papier befassen, das heute  Vormittag an die Politik versandt worden ist. „Wir haben unseren Entwurf im Lichte der zahlreichen Stellungnahmen überarbeitet. Dabei hatten wir im Blick zu halten, was technisch, wirtschaftlich und rechtlich möglich ist“, sagte Netzagenturpräsident Jochen Homann gegenüber FAZ.NET. Durch die verbesserten Kooperationsmöglichkeiten und eine gegenseitige Anrechnung der Versorgungspflichten „kann die wirtschaftliche Belastung für die Unternehmen im Rahmen gehalten werden“.

Eines ist jetzt schon klar: Für 5G brauchst es mehr Sendemasten
Eines ist jetzt schon klar: Für 5G brauchst es mehr Sendemasten : Bild: dpa

Erste Reaktionen aus der Politik fielen sehr kritisch aus. Die Grünen wiesen das das Papier als völlig unzureichend zurück. „Letztendlich hat die Netzagentur den ländlichen Raum beim Mobilfunkausbau aufgegeben. De facto gibt es keine wirksamen Auflagen“, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Oliver Krischer. Aus seiner Sicht fehlt es an abschreckenden Bußgeldern, die die Konzerne zwingen, wirklich zusammenzuarbeiten und die Versorgung zu verbessern.

In  Gebieten, wo sich der Ausbau durch einen einzelnen Netzbetreiber nicht lohnt,  ist eine enge Zusammenarbeit vorgesehen. Dazu sollen die Unternehmen sich über Roaming-Vereinbarungen auch gegenseitig Zugang zu ihren Netzen gewähren. Die Bedingungen dafür sollen sie untereinander aushandeln, wobei die Netzagentur als Schiedsrichter auftreten soll.

Über diesen Weg könnte auch ein Newcomer, der bei der Auktion zum ersten Mal Frequenzen für ein eigenes Mobilfunknetz erwirbt, sich Zugang zu den bestehenden deutschen Mobilfunknetzen verschaffen (National Roaming).  Der Internetkonzern United Internet hat bereits sein Interesse angemeldet.

Mehr Wettbewerb erhofft sich die Netzagentur durch eine Stärkung von Mobilfunkdiscountern, die wie Freenet oder 1&1  ebenfalls bestehende Netze mitnutzen. Sollten sich Deutsche Telekom, Vodafone und der O2-Anbieter Telefónica Deutschland fairen Verhandlungen über eine Öffnung ihrer Netze verweigern, droht ihnen die Netzagentur mit der Verhängung von Zwangs- und Bußgeldern.

Und das sind die konkreten Auflagen für die Bieter:

1. Mindestens 98 Prozent der Haushalte in jedem Bundesland sollen bis Ende des Jahres 2022 mit einer Übertragungsrate von mindestens 100 Megabit pro Sekunde versorgt werden.

2. Autobahnen sollen mit mindestens 100 Megabit pro Sekunde bis Ende 2022 versorgt werden, wichtige Bundesstraßen mit mindestens 100 Megabit pro Sekunde bis Ende 2022, alle übrigen Bundesstraßen mit mindestens 100 Megabit pro Sekunde bis Ende 2024.

3. Alle Land– und Staatsstraßen sollen mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde bis Ende 2024 versorgt werden.

4. Schienenwege mit mehr als 2000 Fahrgästen pro Tag müssen bis Ende des Jahres 2022 mit mindestens 100 Megabit pro Sekunde ausgestattet sein, alle übrigen Schienenwege mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde bis Ende des Jahres 2024.

5. Jeder Netzbetreiber muss 1000 Basisstationen für 5G-Anwendungen im Bereich 3,6 GHz grundsätzlich bis Ende des Jahres 2022 aufrüsten. Wird geeignete 5G-Technik erst später verfügbar, verschiebt sich die Frist auf das Jahr 2024.

6. Jeder Netzbetreiber muss 500 Basisstationen für den ländlichen Raum mit einer Übertragungsrate von mindestens 100 Megabit bis Ende des Jahres 2022 aufbauen. Die Auswahl der Standorte erfolgt auf Anforderung der Bundesländer.

Bild: DPA

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/watch?v=7HNSYZ1Xadg

Dringende Warnung vor 5G (von Hans-U. Jakob, Präsident Gigaherz.ch.) | 31.08.2018 | http://www.kla.tv/12947

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aus dem TEXT: …Angela Merkels Offenheit und Hilfsbereitschaft in der Flüchtlingskrise haben ihn hingegen überrascht…. (VORSICHT!!! …DIESE PERSONMERKEL“ ist zu „126669“ PROZENT durchtrieben!!!!) siehe auch „KINDER-ARMUT“ in DEUTSCHLAND

https://www.welt.de/politik/deutschland/plus183513386/Hans-Soellner-Liedermacher-will-Buergermeister-von-Bad-Reichenhall-werden.html

Hans Söllner „Hör mir auf mit den Grünen“

Liedermacher und Bürgermeisterkandidat Hans Söllner in Bad Reichenhall, fotografiert von Frédéric Schwilden bei seiner Plattenfirma in München-Giesing
Liedermacher Hans Söllner will Bürgermeister werden: „Dann sitzen wir in Bad Reichenhall nicht mehr in der Kneipe und saufen uns zu“

Quelle: Frédéric Schwilden

In seinem Gesicht steht die ganze Geschichte des modernen Freistaats. Der bayerische Liedermacher Hans Söllner sitzt mit uns in der Küche seines Münchner Plattenlabels Trikont in Giesing. Ein Altbau, kleiner, gedrungener als die Altbauten in Berlin.

Das liegt vor allem daran, dass in den Münchner Altbauen bis heute mehr gehandwerkt als geträumt wird. Hohe Decken brauchen nur die Träumer. Söllner will nichts trinken, keinen Kaffee, kein gar nichts. Lieber sofort losreden. Die Herbstsonne scheint durch die alten Fenster auf seine Haut, die ledrig ist. Er trägt eine beige Jacke, für die das Wort „Anorak“ erfunden wurde, einen groben Baumwollpullover und eine Jeans. An Heiligabend wird er 63.

Hans Söllner, für alle, die ihn nicht kennen, veröffentlicht seit 1983 Platten. Dabei singt er auf Bayerisch und spielt Gitarre. Häufig ist da ein bisschen Reggae mit drin. Aber eigentlich ist das urbayerische Volksmusik, die meistens sehr hart mit der Regierung, also fast ausschließlich mit der CSU, ins Gericht geht. Wegen seiner Texte und Ansagen auf Konzerten und wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz (immer Marihuana) musste Söllner laut Eigenauskunft in seinen 35 Jahren Karriere 300.000 Euro an Strafe zahlen. Auf seinen Konzerten schrieben Zivilpolizisten seine Ansagen mit und erstatteten Strafanzeige.

Angeklagt wegen Besitzes von Marihuana: Söllner im Februar 1998 im Landgericht München
Angeklagt wegen Besitzes von Marihuana: Söllner im Februar 1998 im Landgericht München

Quelle: pa/dpa/Jan_Nienheysen

„I bin ja scho lang der Meinung, dass es Regierungen gibt, da sitz’n lauter Wichser. Da is der Herr Strauß scho a bisserl weiter, gell, der lässt wichsen. Ned umsonst is da Stoiber sei rechte Hand“, kostete damals zum Beispiel 8000 Mark.Beckstein ist praktisch a Sondermüll, der müsste eigentlich bei den Castortransporten dabei sein, so wie der red’ über die Leut, auf derer Welt“ war noch teurer, 140.000 Mark. Aber das ist schon lange her.

Das Bayern, in dem Söllner sein Leben lang gelebt hat, das Land, das er gleichermaßen liebt wie hasst, hat sich verändert in den vergangenen Jahren. So wie sich ja alles verändert – kleinteiliger, undurchschaubarer, heterogener wird. Bayern hat das am wenigsten und am stärksten zugleich getroffen. Am stärksten, weil die CSU nicht mehr alleine regieren kann. Bei der Landtagswahl vor vier Wochen hat sie ihre Mehrheit für wahrscheinlich lange Zeit eingebüßt. In ihren besten Jahren kam die CSU auf 62 Prozent, übrig geblieben sind jetzt 37,2.

Und am wenigsten hat das Bayern getroffen, weil Bayerns Stärke schon immer die Fähigkeit war, sich konstant zu verändern. Vom Agrarstaat zum Technologiestandort. Von tiefschwarz zu hellgrün.

Die Grünen sind zweitstärkste Kraft in Bayern geworden. Und man denkt natürlich, Hans Söllner, der Liedermacher, dessen bekannteste Textzeile „Mei Papa hat an Marihuanabaum/ Seitdem ist der Typ wieder völlig normal“ lautet, müsste sich freuen. „Hör mir auf mit den Grünen. Die waren am Anfang für mich bedeutend. Ich hab mit den ursympathiert“, schießt es im Söllner-Dialekt aus ihm raus. „Was heute der Hambacher Forst ist, das waren ja die Grünen früher. Natur und nicht alles hinnehmen. Aber spätestens seit Fischer mit Schröder da war, ist es den Bach runtergegangen. Das waren solche Versager. Da hab ich mir gedacht, die können mich auch am Arsch lecken.“ Er haut auf den Tisch.

Da ist dieser Trotz in ihm. Diese bayerische Dickköpfigkeit, diese Wut, die Söllner mit Strauß, mit Söder, ja mit allen bayerischen Großpolitikern der CSU teilt. Sie könnten fast alle Geschwister sein. So unähnlich sind sich die Biografien auch gar nicht. Strauß’ Vater war Metzger, Söder wurde als Sohn eines Maurermeisters in Nürnberg geboren, Söllners Vater war Bauarbeiter. Nichts weckt, das gilt in Bayern wie anderswo, mehr den Provokateur als ein grundsolides Elternhaus.

Ohne CSU auch keine Grünen und kein Söllner

Wenn Söder sein Kreuz in den Amtsstuben aufhängen will, steckt darin die gleiche Geste wie in Söllners Textprovokationen. Auf Söllners vor zwei Wochen erschienenem Album „Genug“ dichtet er zur Zupfgitarre: „Biff Baff, holladrio/ fängt alles wieder von vorn an a/ Mir ist wurscht, wie man nennt, i hab bloß an Söder kennt/ des war der dümmste Hund/ sucht allweilen nur nach am Grund.“ Egal ob Söder oder Söllner, beiden geht es darum, ein Drahtseil über den Marktplatz zu spannen, über den Köpfen der Leute zu balancieren, mal die Nase zu zeigen, mal einfach nur zu tanzen und am Ende doch herunterzukommen zu ihnen. Zu den Wählern, zu den Fans. Sie sind beide auf ihre Art Till Eulenspiegel.

Und sie brauchen sich. So wie Gott den Teufel braucht, um zu existieren. Sie sind gegenseitiges Kontrastmittel, Daseinsberechtigung. Und da kommen wir zum Erfolg der Grünen. Denn ohne die CSU und ihr Weltbild und ihre Inszenierung wäre der Aufstieg der Grünen gar nicht möglich gewesen. An was hätte man sich denn reiben sollen? Ohne CSU keine Grünen. Ohne CSU auch kein Söllner.

In der Person Söllner also steckt der Fade-out der Deutungshoheit der CSU und das Anschwellen der grünen Hoffnung, die aber durch eine eigene Enttäuschung wieder gedämpft wird. Das ist auch so bayerisch. Keine Euphorie für Dinge teilen. Bisschen nörgeln, aber eigentlich zufrieden sein.

Wie damals zur Zeit des Bosnienkrieges hat Söllner 2015 wieder zwei Migranten aufgenommen. Er tut das gern. Und doch stört ihn da was. Vom Landratsamt bekommt er für die beiden 1000 Euro im Monat. „Für meine eigenen Kinder krieg ich 180 Euro Kindergeld.“ Er will aber nicht mehr Geld für seine Kinder. Es geht ihm darum, dass dadurch Leute regelrecht Geld machen, indem sie Migranten aufnehmen. „Die quartieren da in ihren alten, verschimmelten Gasthäusern welche ein und kassieren 40.000 Euro im Monat. Das geht nicht. Die Gier wird uns mal das Genick brechen.“ Die CSU nennt er immer noch Rassisten. >>>Angela Merkels Offenheit und Hilfsbereitschaft in der Flüchtlingskrise haben ihn hingegen überrascht.<<<

Söllner sitzt komplett geerdet im Münchner Altbau. Er hat alles gesehen. Saumäßig viel Geld verdient mit seiner Musikmischung aus Kabarett und Reggae. Saumäßig viel bezahlt für die Beleidigungen. Auch was gezahlt für die zwei Scheidungen, die er hinter sich hat. Er könnte abgeklärt sein. Aber mit 63 ist da immer noch der Bub, der wieder was Neues will. „Genug“ soll sein letztes Album sein. Er ist auf so viele Bühnen gestiegen, er hat so viele Witze gemacht. So viele Songs gespielt. Als Nächstes will er Bürgermeister seines Heimatortes Bad Reichenhall werden. 2020 ist die Wahl.

„Als Bürgermeister von Bad Reichenhall mach ich eine Feuerstelle auf. Da grillen wir dann einmal im Monat Maiskolben. Und von 16 bis 20 Uhr kann jeder kommen und reden und gehört werden.“ Seine Idee in einer internationaler werdenden Welt: eine Politik der unmittelbaren Lokalität. Nur wenn im Kleinen Dinge geändert werden, ziehen auch die Großen mit. Söllner will zurück zur Direktdemokratie. „Da leben ja 17.000 Menschen in Bad Reichenhall. Das ist noch eine Größe, in der jeder beteiligt werden kann.“

„Davon könnte ich ganz Bayern zuplakatieren“

Ein wirkliches Programm außer der Beteiligung hat Söllner bisher noch nicht. „Farben,“ sagt er dann, „alles Pastell, jedes Haus. Dann sitzen wir in Bad Reichenhall nicht mehr in der Kneipe und saufen uns zu, sondern wir machen den Ort wirklich bunt. Nicht nur als Metapher. Dann kommt das Smilen schon zurück.“ Seine Politik soll durch „Vernunft, Freundlichkeit und Liebe“ die Stadt Bad Reichenhall verändern.

Und da fällt ihm dann auch was Konkretes ein. Da ist so ein Parkplatz in Bad Reichenhall, der habe 20 Jahre funktioniert. „Aber jetzt kommt da so ein Trottel da drauf, einen Balken und Schilder aufzustellen. Jetzt darf man nur noch in einer Richtung reinfahren und das Ganze kostet auch noch 20.000 Euro.“ Söllner will so viel Geld lieber anders nutzen. An Bedürftige verteilen. Ihm schwebt da ein unbürokratischer Topf für Nachbarschaftshilfe vor zum Beispiel.

Söllner hat noch einen Termin. Wir verlassen das Büro der Plattenfirma. Wir treten auf die Silberhornstraße. Da hängen Plakate, auf denen sich Markus Söder für das in ihn gesetzte Vertrauen bedankt. Daneben ist auch eins mit dem ehemaligen CSU-Schlachtross Peter Gauweiler drauf.

Gauweiler wollte in den 80er-Jahren Zwangs-Aids-Tests für Prostituierte und Fixer einführen. Söllner nannte ihn damals einen verkappten Schwulen. „Plakate“, sagt Söllner, „die brauch ich auch. Die macht dann mein Team. Aber von dem Geld, das ich damals für die Sätze gegen den Gauweiler zahlen musste, könnte ich ganz Bayern zuplakatieren.“

Söllner verschwindet im Münchner Stadtbild. Der Himmel ist blau-weiß. Der Wahlkampf kann beginnen.

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Zivil-Prozess „Monsanto-GLYPHOSAT“ – „US“-Urteil bestätigt: „Glyphosat verursachte Krebs“ /// „Flüssig-GAS“ – FRACKING – „LNG“-Terminals in Deutschland /// „CUM-EX“ – DÄNEMARK

 

aus dem TEXT:.Die Jury war nach mehreren Verhandlungstagen im Sommer zu dem Ergebnis gelangt, dass Johnsons Krebserkrankung durch das glyphosathaltige Herbizid Roundup der Bayer-Tochter Monsanto verursacht worden war, und >>>>dass der Konzern um die Krebsgefahr seines Produktes wusste und sie verheimlichte.…<<<<<

https://www.keine-gentechnik.de/nachricht/33436/#gsc.tab=0

US-Urteil bestätigt: Glyphosat verursachte Krebs

23.10.2018

Gericht Justiz
Foto: Morgan4uall / pixabay, CC0 Public Domain

UPDATE +++ Eine Richterin in Kalifornien hat das Urteil einer Geschworenenjury bestätigt, dass der Unkrautvernichter Glyphosat für die Krebserkrankung eines Hausmeisters verantwortlich ist. Nach Medienberichten lehnte sie den Antrag des Chemiekonzerns Bayer ab, den Prozess neu aufzurollen. Allerdings reduzierte sie die Schadenersatzsumme von knapp 290 Millionen Dollar auf 78 Millionen Dollar.

Bereits nach einer mündlichen Verhandlung am 10. Oktober hatte Richterin Suzanne Ramos Bolanos gesagt, sie finde die von der Jury im August festgelegten 39 Millionen Dollar Ersatz für persönlichen Schaden (etwa Verdienstausfall, Arztkosten und Schmerzensgeld) und 250 Millionen Dollar Strafschadenersatz für den am Non-Hodgkin-Lymphom erkrankten Kläger zu hoch. Da der Strafschadenersatz unverhältnismäßig sei, reduzierte sie ihn nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters am Montag (Ortszeit) auf 39 Millionen Dollar. Bolanos erklärte, die kalifornische Verfassung erlaube keine höhere Strafzahlung. Kläger Dewayne Johnson, der nicht mehr lange zu leben hat, muss bis zum 7. Dezember mitteilen, ob er diesen Richterspruch akzeptiert. Andernfalls muss der Schadenersatz in einem neuen Prozess festgelegt werden. Bayer hat bereits angekündigt, in der nächsten Instanz vor dem California Court of Appeal dafür streiten zu wollen, dass das ganze Verfahren neu aufgerollt wird. Der Konzern bestreitet ein erhöhtes Krebsrisiko durch Glyphosat. Experten rechnen mit einem Urteil frühestens in zwei Jahren.

Ursprünglich hatte Richterin Bolanos dem Antrag des Chemiekonzerns auf einen neuen Prozess am 10. Oktober vorläufig stattgegeben. Damals hatte sie gesagt, sie teile die Entscheidung der Geschworenenjury nicht. Sie hatte das zum einen damit begründet, dass die Klägerseite keine „klaren und überzeugenden Beweise“ für vorsätzliches Fehlverhalten von Monsanto vorgelegt habe. Außerdem sei fraglich, ob Roundup wirklich die Ursache für Johnsons Krebs sei, und die ihm persönlich zugesprochene Entschädigung in Höhe von 34 Millionen Euro angemessen sei. Der 46-jährige Dewayne Johnson hatte als Platzwart eines Schulzentrums über mehrere Jahre mit dem glyphosathaltigen Unkrautvernichter Round Up der Bayer-Tochter Monsanto gearbeitet, bevor er erkrankte.

Wie der San Francisco Chronicle berichtet, hatten nach Bolanos‘ Äußerungen am 10. Oktober mehrere Geschworene an sie appelliert, die einmütige Entscheidung der Jury zu respektieren. Ein Mitglied schrieb ihr, die Jury habe sich im Verfahren strikt an die Erläuterungen und Vorgaben der Richterin gehalten. Sollte diese jetzt die Entscheidung kassieren, „würde das unser Rechtssystem schwächen und mein Vertrauen in dieses System erschüttern.“ Im US-Recht wird der Prozess vor einer Laien-Jury von einer Berufsrichterin geleitet, die den Geschworenen auch Leitfragen für die Verhandlung an die Hand gibt. Am Ende muss die Richterin den Spruch der Jury bestätigen oder ihre Einwände geltende machen. Wie das Handelsblatt berichtet, kann sie die Entscheidung der Jury aber nur unter sehr engen Voraussetzungen wieder kippen. Normalerweise beschränkt sich ihre Kontrolle auf die Verhältnismäßigkeit. Die Jury war nach mehreren Verhandlungstagen im Sommer zu dem Ergebnis gelangt, dass Johnsons Krebserkrankung durch das glyphosathaltige Herbizid Roundup der Bayer-Tochter Monsanto verursacht worden war, und dass der Konzern um die Krebsgefahr seines Produktes wusste und sie verheimlichte.

Für Bayer geht es um Milliarden. Nach Angaben des Chemiekonzerns machen aktuell 8.700 US-Bürger Roundup für ihre Krebserkrankung verantwortlich. Da die Klage von Dewayne Johnson wegen seines schlechten Gesundheitszustands vorgezogen wurde, hat sie Modellcharakter für die folgenden Verfahren. Diese wurden in Sammelklagen zusammengefasst. Die nächsten Jury-Verhandlungen sind für den 5. Februar 2019 in St. Louis und für den 25. Februar 2019 in San Francisco terminiert.

Wegen des enormen finanziellen Risikos reagiert die Börse sehr empfindlich auf die Entscheidungen der Gerichte. Schon der Spruch der Jury Anfang August hatte den Kurs der Bayer-Aktie massiv einbrechen lassen. Nachdem Richterin Bolanos angekündigt hatte, den Prozess möglicherweise neu aufzurollen, stieg der Kurs der die Bayer-Aktie um zeitweise fünf Prozent. Heute nun wieder die Kehrtwende: Kurz nach Börseneröffnung brach die Bayer-Aktie um mehr als 8,3 Prozent ein und war damit der schlechteste Wert im Dax.

Auch auf längere Sicht scheint dem Papier die Übernahme von Monsanto nicht gut zu bekommen. Nach Bayers Beschluss im September 2016, den amerikanischen Saatgutgiganten zu kaufen, stieg die Aktie zwar bis Mitte 2017 von 85 auf 120 Euro. Doch seit die mit Monsanto im Juni 2018 eingekauften Risiken immer deutlicher werden, geht es bergab. Heute liegt der Kurs der Bayer-Aktie bei knapp 70 Euro. Nach Angaben des Portals finanzen.net ist der Börsenwert des Chemiekonzerns seit der Jury-Entscheidung im August um mehr als 20 Milliarden Euro abgesackt. Aktuell liegt er noch bei rund 66 Milliarden Euro. „Die Monsanto-Übernahme entpuppt sich immer mehr als schwere Bürde für die Glaubwürdigkeit des einstigen Gesundheitskonzerns“, analysiert der Glyphosat-Experte der Grünen im Bundestag, Harald Ebner. „Jetzt rächt sich, dass Bayer den Beipackzettel zu Risiken und Nebenwirkungen der bitteren Pille Monsanto vor dem Schlucken ignoriert hat.“ Er fordert den Konzern auf, das Urteil zu akzeptieren, auf die Geschädigten zuzugehen und die Glyphosatrisiken gründlich zu untersuchen. [vef/lf]

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http://www.faz.net/aktuell/finanzen/finanzmarkt/glyphosat-urteil-gegen-monsanto-und-bayer-bleibt-bestehen-15851843.html

Reduzierte Strafzahlung : GlyphosatUrteil gegen Monsanto und Bayer bleibt bestehen

  • Aktualisiert am

Das von Monsanto entwickelte Glyphosat zählt zu den am meisten eingesetzten Unkrautvernichtungsmitteln in der Landwirtschaft. Bild: AP

Rückschlag für Bayer: Die Richterin hat den Antrag auf einen neuen Prozess zurückgewiesen. Gleichzeitig wurde die Strafe reduziert. Das Urteil ist wegweisend für viele weitere Fälle. Bayer kündigt Berufung an. Die Aktie bricht deutlich ein.

Es sieht nicht gut aus für Bayer im Monsanto-Prozess in Amerika. Der Antrag des Saatgutherstellers Monsanto auf einen neuen Prozess wurde am Montag (Ortszeit) von der zuständigen Richterin Suzanne Ramos Bolanos zurückgewiesen. Falls der Kläger sich mit der geringeren Entschädigungssumme begnügt, werde der Fall nicht neu aufgerollt, heißt es in dem entsprechenden Gerichtsdokument.

Gleichzeitig soll die Millionen-Strafzahlung gegen den Saatguthersteller Monsanto drastisch reduziert worden. Die Richterin erklärte am Montag, der gegen das Tochterunternehmen des deutschen Chemiekonzerns Bayer verhängte Schadenersatz solle von 289 Millionen Dollar auf 78 Millionen Dollar verringert werden. Die Richterin reduzierte dabei den sogenannten „Punitive Damage“ (Strafschadenersatz) von 250 Millionen Dollar auf 39 Millionen Dollar.

Bayer-Aktie verliert kräftig

Da das Urteil aber wegweisend für weitere Klagen wegen Glyphosat ist, dürfte die Reduktion der Strafzahlung ein schwacher Trost für Bayer sein. Das sehen auch die Anleger so: Der Bayer-Aktienkurs verliert im frühen Handel im Vergleich zum gestrigen Schlusskurs über 8 Prozent.

Nach eigenen Angaben ist Bayer in Amerika mit rund 8700 Klagen wegen Glyphosat konfrontiert. Bei dem Prozess in Kalifornien handelte es sich um das erste Verfahren in Amerika, das sich mit der Frage befasst, ob das Mittel Krebs verursachen kann.

Bayer kündigt Berufung an

Dementsprechend kündigte Bayer an, gegen das revidierte Schadenersatzurteil Berufung einzulegen. Die deutliche Reduzierung des Strafschadenersatzes durch das Gericht sei „ein Schritt in die richtige Richtung“, doch sei Bayer nach wie vor überzeugt, dass das Urteil im Widerspruch zu den im Prozess vorgelegten Beweisen stehe, teilte der Dax-Konzern am Dienstag in Leverkusen mit. Daher sei geplant Berufung beim California Court of Appeal einzulegen.

Bayer hatte Monsanto für rund 63 Milliarden Dollar übernommen. Das von dem amerikanischen Agrarchemiekonzern entwickelte Glyphosat zählt zu den am meisten eingesetzten Unkrautvernichtungsmitteln in der Landwirtschaft.

Monsantos Unkrautvernichter Roundup

Krebs durch Glyphosat : Monsanto muss Millionen zahlen

Video: afp, Bild: AFP

Im August hatte die Geschworenenjury des Gerichts in San Francisco Monsanto zu einer Schadenersatzzahlung von insgesamt 289 Millionen Dollar (251 Millionen Euro) an den an Lymphdrüsenkrebs erkrankten Kläger Dewayne „Lee“ Johnson verurteilt. Der ehemals als Platzwart an einer kalifornischen Schule tätige Dewayne Johnson hatte bis zu 30 Mal im Jahr Glyphosat eingesetzt und Monsanto vorgeworfen, durch das Mittel an Lymphdrüsenkrebs erkrankt zu sein.

Die Laienrichter sahen es als erwiesen an, dass Monsanto-Produkte mit dem Wirkstoff Glyphosat krebserregend sind und der Hersteller davor nicht ausreichend gewarnt und die Risiken verschleiert hat. Bayers Tochter Monsanto legte daraufhin Berufung ein und forderte, dass der Fall wegen unzureichender Beweise neu verhandelt wird.

Bayer bestreitet, dass Glyphosat Krebs verursacht. Das Urteil der Jury stehe im Widerspruch zu über 40 Jahren praktischer Erfahrung und umfangreichen wissenschaftlichen Daten und Analysen, erklärte der Konzern. Es habe zudem eingehende Überprüfungen durch die Regulierungsbehörden in Amerika und der EU gegeben. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte die Chemikalie allerdings 2015 als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ eingestuft.

 

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PETITION – – -PETITION – – -PETITION – – -PETITION – – -PETITION – – –

https://www.change.org/p/bundeslandwirtschaftsministerin-kl%C3%B6ckner-bienensterben-glyphosat-schadet-bienen-jetzt-muss-das-herbizid-erst-recht-vom-acker?recruiter=522200648&utm_source=share_petition&utm_medium=email&utm_campaign=undefined

Bienensterben: Glyphosat schadet Bienen – jetzt muss das Herbizid erst recht vom Acker!

Das Bienensterben ist eines der drängendsten Umweltprobleme unserer Zeit. Glyphosat war dabei schon länger im Verdacht, aber es fehlten die Beweise.

Aber jetzt ist klar: Glyphosat schädigt und tötet Bienen.

Jahrzehntelang wollte uns Monsanto weismachen, dass Glyphosat für Menschen und Tiere ungefährlich sei. Eine jetzt veröffentliche Studie im renommierten Fachjournal PNAS zeigt jetzt aber deutlich: Glyphosat wirkt direkt auf die Bakterien im Darm der Bienen und verändert deren genau balancierte Zusammensetzung. Diese bakterielle “Mikroflora” ist entscheidend für die Gesundheit der Bienen, sie hilft u.a. Infektionen abzuwehren und Nahrung zu verdauen. Bienen, die mit realistischen Mengen von Glyphosat gefüttert werden, denen sie auch auf den Feldern ausgesetzt sind, sterben viermal häufiger an einer Infektion als unbehandelte Bienen. Ähnliche Effekte sind auch für Säugetiere und den Menschen zu befürchten.

In der letzten Risikobewertung für Glyphosat wurden solche Effekte nicht berücksichtigt und Glyphosat als ungefährlich für Bienen eingestuft. Dass die neuen Ergebnisse jetzt kommen zeigt auch, wie wenig wir auch nach Jahrzehnten über Glyphosat wissen und wie gefährlich der großflächige Einsatz von Pestiziden ist, selbst wenn sie als vermeintlich sicher gelten.

Angesichts dieser neuen Erkenntnisse und der großen Gefahr, die vom Bienensterben ausgeht, fordern wir, die Unterzeichnenden:

An Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner:

1. Holen Sie Glyphosat endlich vom Acker! Nach Ihrer Ankündigung eines “Minimierungsplans” im April 2018, folgten nur Alibi-Maßnahmen. Wir fordern, den Totalausstieg aus Glyphosat bis spätestens 2020.

2. Erlassen Sie Sofortmaßnahmen zum Schutz der Bienen und der Bevölkerung:

  • Glyphosat darf nicht mehr in öffentlichen Parks, Gärten und Spielplätzen eingesetzt werden;
  • Glyphosat muss für den Privatgebrauch sofort verboten werden und auch der Online-Verkauf gestoppt werden;
  • Glyphosat darf grundsätzlich nicht mehr vor der Ernte eingesetzt werden.

3. Legen Sie eine echte Pestizid-Reduktionsstrategie vor, damit nicht auf andere Pestizide ausgewichen wird. Zukunftsfähige Landwirtschaft geht auch ohne Gift, setzen Sie sich dafür ein!

An die EU-Kommission, die EU-Mitgliedsländer und das Europaparlament:

4. Reformieren Sie das Zulassungsverfahren ohne Verzögerung noch vor der Europawahl. Transparenz und der Schutz der Bevölkerung müssen immer vor ökonomischen Interessen einiger weniger Unternehmen stehen.

Mit hoffnungsvollen Grüßen,

Sven Giegold, Mitglied des Europäischen Parlaments

Martin Häusling, Mitglied des Europäischen Parlaments

Maximilian Fries, Dr. in Krebsbiologie und M.Sc. mit Schwerpunkt Mikrobiologie

Weiterführende Informationen

PNAS-Studie: http://www.pnas.org/content/early/2018/09/18/1803880115

Einschätzung im Fachjournal Science:  https://www.sciencemag.org/news/2018/09/common-weed-killer-believed-harmless-animals-may-be-harming-bees-worldwide?utm_source=newsfromscience&utm_medium=twitter&utm_campaign=beeguts-21623

Auswirkungen von Glyphosat auf Darmflora von Ratten: https://sven-giegold.de/glyphosat-ramazzini-studien/

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siehe auch „Letzte GLYPHOSAT-ABSTIMMUNG“ – „27 November 2017“

https://www.neopresse.com/politik/glyphosat-so-funktioniert-lobby-arbeit-in-der-bundesregierung/

Glyphosat: So funktioniert Lobby-Arbeit in der Bundesregierung

NEOPresse in D/A/CH

Sie erinnern sich? Am 27.10.2017 stimmte der ehemalige Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) im Alleingang für Deutschland für die Verlängerung des Glyphosat-Einsatzes in der Europäischen Union. Damals fragte man sich, weshalb der Agrarminister diesen Schritt gegangen ist und warum er dafür auch noch Rückendeckung von der Kanzlerin bekam. Sogar von einem Putsch gegen Merkel war die Rede. Doch die Dinge liegen ganz anders.

Obwohl die damalige Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) gegen die Verlängerung der Zulassung des krebserregenden Pflanzenpestizids Glyphosat um weitere fünf Jahre in der EU war, stimmte Ex-Agrarminister Schmidt dafür. Im Alleingang. Mit dieser Abstimmung gab die Union mit der Stimme für Deutschland den entscheidenden Ausschlag für den weiteren Einsatz des Giftes in der EU. Damals teilte Schmidt Hendricks lapidar per SMS mit, „in Brüssel habe es an den Vertreter des EU-Landwirtschaftsministeriums eine andere Weisung gegeben, als es zwischen Schmidt und Hendricks abgestimmt war“.

Damit war die Union dem Koalitionspartner SPD in den Rücken gefallen. Schon damals mutmaßte man, dass Schmidt mit der Agrar-Lobby zusammenarbeitete. Obwohl die Mehrheit der Bevölkerung in der EU gegen den weiteren Einsatz von Glyphosat ist und Umwelt- sowie Gesundheitsverbände, Bürgerinitiativen, Ärzte, Patienten und unabhängige Gutachter und Forscher seit Jahren vor den katastrophalen Auswirkungen des Giftes warnen, verlängerte die EU die Zulassung. Ein ungeheuer undemokratisches Vorgehen.

 

Die Rechtfertigung von Ex-Agrarminister Schmidt damals ließ an Spott für die Interessen der Bürger nichts zu wünschen übrig: Er habe lediglich für eine Verlängerung von nur fünf, anstatt von zehn Jahren gestimmt, da die „Rolle der Biodiversität und des Tierschutzes gestärkt werden müsse“. Mit der Zulassung um weitere fünf Jahre konnten „wichtige“ Bedingungen durchgesetzt werden, so Schmidt. „Wichtige Bedingungen“ ist richtig, jedoch nicht für die Biodiversität und den Tierschutz, sondern für die Lobby, die hinter Schmidt stand.

Denn wie jetzt herausgekommen ist, wird Ex-Landwirtschaftsminister Schmidt bald Aufsichtsratsmitglied bei der DB AG, dem größten Abnehmer und Einzelverbraucher für Glyphosat in Deutschland. Zufall? Wohl kaum. Die Deutsche Bahn AG setzt Glyphosat großflächig auf dem gesamten Schienennetz der Bundesrepublik ein, um die „Schotterbette“ der Schienen frei von Unkraut zu halten. Der Konzern verbraucht 75 Tonnen Glyphosat im Jahr. Die Bahn spritzt einen Bereich von sieben Metern um die Bahntrassen herum mit Glyphosat. Dafür schickt die Bahn spezielle Spritzzüge auf allen Gleisen des Landes aus. Auf den massenhaften Einsatz des Umweltgiftes angesprochen sagte ein Sprecher der Bahn: „Ich sehe derzeit nicht, wie das ohne Auswirkungen auf Ökologie und Streckenverfügbarkeit möglich sein sollte. Wir suchen dennoch permanent nach alternativen Möglichkeiten“.

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https://www.keine-gentechnik.de/nachricht/33452/#gsc.tab=0

Versteckte Gesundheitsgefahren: Ein Gentech-Entwickler packt aus

25.10.2018

Kartoffel Vielfalt
Kartoffel-Vielfalt

Ein überzeugter Gentechnik-Ingenieur bekommt nach 15 Jahren Zweifel an seiner Arbeit und steigt aus. Fünf Jahre hält er still, doch jetzt warnt er öffentlich vor möglichen Gesundheitsgefahren der Produkte, die er selbst entwickelt hat: Gentech-Kartoffeln.

Caius Rommens begann seine Gentechniker-Karriere bei Monsanto und wechselte 2001 zum Unternehmen J.R. Simplot, einem der größten Kartoffelverarbeiter der USA. Dort entwickelte er gentechnisch veränderte Kartoffeln, darunter einige Sorten, die keine braunen Flecken bekommen. Diese sind inzwischen in den USA, Kanada und Japan als Lebensmittel zugelassen. 2013 verließ Rommens das von ihm geleitete Entwicklungslabor bei Simplot und arbeitet seither als konventioneller Kartoffelzüchter. Die wachsenden Zweifel an seiner Arbeit beschreibt er in dem kürzlich in den USA erschienenen Buch Pandora’s Potatoes und parallel dazu in mehreren ausführlichen Interviews.

Darin kritisiert Rommens Behörden wie die US-amerikanische Lebensmittelbehörde FDA, die seine Kartoffeln nur auf der Grundlage von Firmenangaben zuließen. „Natürlich war ich voreingenommen. Ich war überzeugt davon, dass meine Kartoffeln perfekt waren“, sagte Rommens dem Portal Sustainable Pulse. Er verglich sich und seine Kollegen mit glücklichen Eltern, für die ihr Baby das Größte ist. Neben dieser emotionalen Befangenheit gebe es noch den wirtschaftlichen Druck, erfolgreich zu sein. „Wir haben unsere GentechKartoffeln getestet, um ihre Sicherheit zu bestätigen, nicht, um sie in Frage zu stellen.“ Deshalb habe man mit den Zulassungsunterlagen Massen an unwichtigen Daten abgeliefert, aber unbeabsichtigte Effekte kaum erwähnt.

Einer dieser Effekte sei, dass Gentech-Knollen ohne braune Flecken Giftstoffe entwickeln, die schädlich für die menschliche Gesundheit seien, sagte Rommens dem Portal GMWatch. Das resultiere daraus, dass die vorgenommene gentechnische Veränderung zu unerwünschten Nebeneffekten führe. Diese seien im Labor oft kaum festzustellen, sondern zeigten sich erst, wenn die gv-Pflanzen im Freiland angebaut würden und dem üblichen Stress ausgesetzt seien. Hinzu komme, dass die braunen Flecken bei normalen Kartoffeln eigentlich eine Warnung seien, diesen Teil der Knolle nicht zu verzehren. Die gentechnische Veränderung verhindere nur das Bräunen, verberge also die verdorbenen Stellen, so dass diese mitgegessen würden – mitsamt den darin enthaltenen Giftstoffen. Aus seiner eigenen Erfahrung heraus plädiert Rommens dafür, die Sicherheit von Gentech-Pflanzen von unabhängigen Wissenschaftlern kontrollieren zu lassen, die darin trainiert sind, unerwünschte Nebeneffekte zu finden.

In einer Reaktion auf Rommens Buch hat sein ehemaliger Arbeitgeber Simplot versucht, ihn als Wissenschaftler zu diskreditieren, mit Verweis auf eine Arbeit von 2004, deren Veröffentlichung er acht Jahre später zurückzog, weil ihm darin ein Fehler unterlaufen war. Rommens konterte, er habe für Simplot mehr als 60 Patente eingereicht und die Gentech-Produkte entwickelt, die das Unternehmen jetzt vermarkte. Die Vorwürfe in dem Buch gingen nicht an das Unternehmen, sondern an ihn selbst als Gentechnik-Entwickler, weil er die Nebenwirkungen der Produkte, die er entwickelte, nicht gesehen habe. [lf]

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https://www.testbiotech.org/pressemitteilung/erlaubt-die-eu-kommission-den-import-von-baysantos-neuem-mais-monster

Erlaubt die EU-Kommission den Import von Baysantos neuem ‚Mais-Monster‘?

Der gentechnisch veränderte Mais ist superresistent gegenüber Herbiziden und produziert sechs Insektengifte
Montag, 22. Oktober 2018

Heute stimmen die Mitgliedsländer der EU über die Zulassung einer gentechnisch veränderten (GV) Maislinie ab, die eine Super-Resistenz gegenüber den Herbiziden Glyphosat und Glufosinat aufweist und sechs verschiedene Insektengifte produziert. Der Mais ist eine Kreuzung aus fünf verschiedenen GV-Pflanzen. Die Zulassung für den Import und die Verwendung in Lebens- und Futtermitteln wurde vom Bayer-Konzern beantragt. Die möglichen gesundheitlichen Auswirkungen dieser speziellen Kombination verschiedener Giftstoffe wurden nicht untersucht.

Der GV-Mais wurde ursprünglich von Monsanto produziert, gehört aber jetzt dem Bayer-Konzern, der Monsanto aufgekauft hat. Der Mais ist Teil einer Geschäftsstrategie, die darauf beruht, patentiertes Saatgut und Herbizide im Doppelpack zu verkaufen: Das Erbgut der Pflanzen weist einen doppelten Satz von Resistenzgenen sowohl gegen Glyphosat als auch Glufosinat auf und kann daher mit höheren Dosierungen dieser Unkrautvernichtungsmittel gespritzt werden. In der Folge kann auch die Ernte dieser Pflanzen höhere Rückstandsmengen der Herbizide aufweisen. Hinzu kommen die in den Pflanzen produzierten Insektengifte.

Die möglichen gesundheitlichen Auswirkungen eines Verzehrs von Lebens- und Futtermitteln, die von diesen Pflanzen stammen, wurden nicht in Fütterungsversuchen getestet. Die EU-Kommission und die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA vertreten die Auffassung, dass Untersuchungen derartiger kombinatorischer Wirkungen grundsätzlich nicht nötig seien.

„Wenn dieser Mais zum Import zugelassen wird, wäre das ein weiteres Beispiel für einen unverantwortlichen Umgang mit den Risiken. Anstatt dem Schutz von Gesundheit und Umwelt Priorität einzuräumen, gibt es freie Bahn für internationalen Handel und die Interessen der Konzerne“, sagt Christoph Then für Testbiotech. „Obwohl die Mehrheit der EU-Mitgliedsländer der EU gegen eine Zulassung ist, ist es wahrscheinlich, dass die EU-Kommission doch grünes Licht geben wird.“

In einer ersten, vorläufigen Abstimmung waren 14 EU-Staaten gegen die Zulassung, weitere drei enthielten sich der Stimme. Bereits in der Vergangenheit hat die EU-Kommission den Import von Gentechnikpflanzen mit einer Kombination von potentiell gesundheitsschädlichen Substanzen erlaubt, ohne deren gesundheitliche Auswirkungen zu untersuchen. Frühere Beispiele sind die Soja “Intacta” und ein Mais namens “SmartStax”, der durch Kreuzung von vier GV-Maispflanzen erzielt wurde.

Testbiotech hält es für notwendig, sich verstärkt mit diesen Problemen zu befassen: Letzten Mittwoch hat der Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofes seine Stellungnahme zu einer Klage (C-82/17P) vorgelegt, die von Testbiotech und anderen Organisationen eingereicht wurde. Das Ziel der Klage ist es, eine wesentlich genauere Untersuchung der Risiken derartiger Pflanzen verpflichtend zu machen. Geht es nach der Ansicht des Generalanwalts, werden diese Bemühungen allerdings scheitern. Falls diese Einschätzung vom EU-Gericht bestätigt wird, sieht Testbiotech die Notwendigkeit, noch mehr öffentliche Aufmerksamkeit für diese Probleme zu schaffen. „Es könnte sich als ziemlich schwierig erweisen, den Richtern spezielle wissenschaftliche Lücken in der Risikobewertung von GV-Pflanzen zu erklären. Trotzdem müssen die Probleme gelöst werden“, fasst Christoph Then die Situation zusammen.

Kontakt:
Christoph Then, Tel. 0151 54638040, info@testbiotech.org

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FRACKING – „ENERGIE-R“ auf KOSTEN der NATUR

https://www.welt.de/wirtschaft/article182596990/Energie-Merkel-kommt-Trump-im-Gas-Streit-entgegen.html

Wirtschaft

Energieversorgung

Merkel kommt Trump im Gas-Streit entgegen

Korrespondent

Die Bundesregierung hat sich nun offenbar entschieden, den Bau eines LNG-Terminals finanziell zu unterstützen. Damit würde der Import von Flüssig-Gas im großen Stil zum Beispiel aus den USA ermöglicht werden.

Quelle: WELT/ kevin Knauer

Autoplay
Die Bundesregierung will offenbar den Bau eines LNG-Terminals unterstützen, um Gasimport aus den USA zu ermöglichen. Dahinter könnte ein Entgegenkommen gegenüber US-Präsident Trump im Streit um Gaslieferungen aus Russland stecken.
Die Bundesregierung will offenbar den Bau des ersten großen LNG-Terminals in Deutschland finanziell unterstützen. Nach Informationen des „Wall Street Journal“ hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gegenüber einer Gruppe von Politikern in Berlin gesagt, die Regierung habe sich dazu entschlossen.

Dahinter steckt scheinbar das Motiv, dass die Kanzlerin US-Präsident Donald Trump entgegenkommen will. Trump hatte zuletzt vehement gegen den Ausbau der Gaslieferungen aus Russland nach Deutschland gewettert und Sanktionen angedroht. Mit dem Neubau einer LNG-Anlage würde sich Deutschland erstmals in großem Umfang für Gaslieferungen aus amerikanischer Förderung öffnen.

Um den Bau der LNG-Anlage bemühen sich die norddeutschen Hafenstandorte Stade an der Elbe und Brunsbüttel am Nord-Ostsee-Kanal. Die Investition für einen derartigen Terminal werden auf mindestens 500 Millionen Euro geschätzt. In welcher Form der Staat den Neubau fördern will – über Kredite, Subventionen, Kreditgarantien oder Verlustübernahmen –, ist dem Bericht zufolge noch völlig offen.

Beide Standorte, Stade und Brunsbüttel, haben sich um staatliche Förderungen und Genehmigungen beworben. Das Konsortium in Stade soll bereits mit LNG-Lieferanten in den USA Verhandlungen begonnen haben. Experten rechnen jedoch damit, dass zunächst nur ein LNG-Projekt umgesetzt werden wird. Ziel ist es, eine Kapazität für rund 15 Prozent der deutschen Versorgung mit Erdgas zu erreichen. Das Flüssiggas LNG (englisch: liquefied natural gas) kann unter anderem aus den USA nach Deutschland importiert werden……..

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FÜR WEN ein GROßartiger DEAL???!!!?!

http://www.taz.de/!5523561/

Handelsstreit zwischen EU und USA

Fracking und Soja statt Eskalation

Beim Treffen mit Trump hat EU-Kommissionspräsident Juncker wenig Konkretes erreicht. Doch neue Strafzölle soll es vorerst nicht geben.

Trump und Juncker sitzen nebeneinander; Trump legt Juncker seine Hand aufs Knie

Ein Muster zeichnet sich ab: Erst entwirft Trump apokalyptische Szenarien, dann tritt er als Retter auf Foto: dpa

NEW YORK taz | Donald Trump und Jean-Claude Juncker haben einen „Deal“. Der US-Präsident hat wochenlang den Handelskonflikt geschürt, der EU „unfaire Handelsformen“ vorgeworfen und sie zuletzt sogar als „Feind“ bezeichnet. Am Mittwochnachmittag, am Ende des Treffens mit dem EU-Kommissionspräsidenten, war von alldem keine Rede mehr. Stattdessen schwärmte Trump von einem „großen Tag für den freien und fairen Handel“ und von einer nun beginnenden „Phase von enger Freundschaft und starkem Handel“. Wenig später twitterte er ein Foto, das ihn in enger Umarmung und bei einem Wangenkuss mit dem Luxemburger zeigt. „Dies war ein gutes und konstruktives Treffen“, sagte Juncker: „Danke, Donald.“

Bei der Pressekonferenz im Rosengarten hinter dem Weißen Haus, bei der aber keine Journalisten-Fragen zugelassen waren, erklärten die beiden Männer, dass sie vorerst keine weiteren Zölle einführen wollten. Die von Trump angedrohten 25 Prozent für importierte Autos, die vor allem deutsche Unternehmen getroffen hätten, sollen während der anstehenden Verhandlungen vorerst nicht erhoben werden. Trump kündigte Gespräche an, deren Ziel es sei, Zölle und Handelshemmnisse auf beiden Seiten abzuschaffen und gegen globale unfaire Handelspraktiken vorzugehen. Damit meint Trump vor allem China.

Ein großer Streitpunkt im Handelskonflikt sind die bereits seit Wochen existierenden hohen Zölle auf Stahl und Aluminium aus der EU sowie die gegen die USA gerichteten Gegenmaßnahmen. In dem Abschlusskommuniqué heißt es hierzu lediglich vage: „Wir wollen diese Dinge lösen“.

Das Kommuniqué listet zwar Ziele für die Handelskooperation auf. Unklar bleibt aber, wie weit die angekündigten Gespräche gehen werden. Mehrere Produkte für den Abbau der Handelshemmnisse sind in dem Papier genannt: Dienstleistungen, Chemikalien, Arzneimittel, medizinische Produkte und Sojabohnen. Erwähnt ist auch eine sogenannte strategische Kooperation im Energiebereich: „Die EU will mehr Flüssiggas (LNG) aus den USA importieren, um ihre Energieversorgung zu diversifizieren“.

Geradezu euphorisch reagierte Trump auf Angebote von Juncker, mit denen er nun bei seiner Wählerbasis punkten kann: „Die Vertreter der EU haben mir gesagt, dass sie ab sofort Sojabohnen von unseren großen Farmern kaufen werden“, twitterte er direkt nach dem Treffen. „Außerdem werden sie riesige Mengen Flüssiggas LNG kaufen“, so der US-Präsident.

Sojabohnen exportieren die USA bislang hauptsächlich als Viehfutter nach China. Doch Trumps Handelskonflikt mit China hat die US-Sojafarmer zu Opfern von Pekings Vergeltungszöllen gemacht. Um die Farmer im Mittleren Westen, eine seiner Kernwählergruppen, nicht zu verlieren, hat Trump in dieser Woche bereits zwölf Milliarden US-Dollar hohe Subventionen aus Steuergeldern für Soja-Farmer in Aussicht gestellt. Doch einige Farmer reagierten mit dem Einwand, sie wollten freien Handel und keine Regierungshilfen.

Sojabohnen aus den USA sind ernährungstechnisch nicht unproblematisch: Sie stammen zu 90 Prozent von genmanipulierten Pflanzen, deren Anbau in der EU verboten ist. Auch das Flüssiggas aus den USA ist wegen den mit seiner Förderung einhergehenden Umweltschäden umstritten. Es stammt aus den Fracking-Bohrungen, die in verschiedenen Regionen der USA boomen und dort unter anderem zu Vergiftungen des Grundwassers und der Häufung von Erdbeben führen.

Fracking-Betreiber können sich freuen

Trump hat den Fracking-Betreibern seine Unterstützung und die Ausdehnung des Bohrlandes versprochen. Zugleich betreibt er im Ausland die Vermarktung der US-Frackingproduktion. Das tat er auch, als er Angela Merkel vor dem Nato-Gipfel wegen des Baus der „Nord Stream 2“-Gaspipeline aus Russland kritisierte. Bislang verfügt die EU zwar nicht über genügend Terminals, um Flüssiggas in größerem Umfang zu importieren. Doch mehrere Terminals sind im Gespräch – darunter auch in der Nord- und Ostsee.

Die Eskalation der letzten Wochen in dem transatlantischen Handelskonflikt folgt einem typischen Muster von Trump. Dabei schafft der US-Präsident mit verbalen Attacken und Drohungen Konflikte und tritt anschließend als Retter auf, der diese mit großen Gesten löst. Die erste Phase dieser Trump’schen Dramen richtet sich in der Regel an seine eigene, radikale Basis. Die zweite geht an die Adresse des Establishments seiner Partei sowie an große Unternehmen und ihre Lobbies in den USA.

Diesmal war es Juncker, der gute Miene zu Trumps Spiel machte

Diesmal war es Juncker, der gute Miene zu Trumps Spiel machte. Kurz zuvor hatte EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström, die ebenfalls an dem Treffen teilnahm, den USA mit weiteren Vergeltungszöllen in Höhe von 20 Milliarden US-Dollar gedroht. Doch dann half Juncker Trump nicht nur mit Sojabohnen und Flüssiggas, sondern wiederholte bei der gemeinsamen Pressekonferenz auch Punkt für Punkt dessen Vorwürfe gegen China.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat die Vereinbarungen zwischen Trump und Juncker begrüßt. Es sei „gut, dass nicht nur die Autozölle vom Tisch sind, sondern dass wir auch verabredet haben, gemeinsam gegen unfaire Handelspraktiken und für eine Reform der WTO zu arbeiten“, erklärte Maas am Donnerstag während eines Besuchs in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul.

Europa hat Geschlossenheit signalisiert

Maas unterstrich die Geschlossenheit, die die EU mit dem Besuch Junckers in Washington gezeigt habe: Europa habe „bewiesen, dass es sich nicht spalten lässt“, hob Maas hervor. „Wenn Europa geeint auftritt, hat unser Wort Gewicht“.

Juncker habe gezeigt, das es am Ende darum gehe, „reale Lösungen“ anzubieten statt lediglich starke Sprüche. Maas erklärte, auch die Wähler Trumps spürten bereits, „dass auch amerikanische Farmer und Industriearbeiter nur verlieren können, wenn wir uns gegenseitig mit immer irreren Strafzöllen überziehen“.

Dagegen hält der EU-Handelspolitiker Bernd Lange den europäischamerikanischen Handelskompromiss für substanzlos. „Das war kein Erfolg, was Herr Juncker dort erreicht hat“, sagte der SPD-Politiker am Donnerstag. Er warf Juncker vor, Trump einseitig entgegengekommen zu sein. Zudem beklagte er, dass die angedrohten US-Autozölle immer noch nicht vom Tisch seien. „Die Drohkulisse bleibt bestehen“, sagte Lange dem Deutschlandfunk.

(Mit afp und reuters)

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http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/die-kniffelige-sache-mit-dem-fluessiggas-15709416.html

Amerika gegen Europa : Die kniffelige Sache mit dem Flüssiggas

  • Aktualisiert am

In Rotterdam steht ein europäisches Terminal für Flüssiggas. Bild: dpa

EU-Kommissionschef Jean-Claude Junker hat mit Donald Trump über höhere Gaslieferungen gesprochen. Sind die überhaupt möglich?

Deutschland könnte nach Einschätzung des Energiebranchenverbandes BDEW trotz eines bislang fehlenden LNG-Terminals Flüssiggas aus den Vereinigten Staaten und anderen Regionen über Anlagen im europäischen Ausland beziehen. „Grundsätzlich ist auch für Deutschland der Zugang zu LNG über benachbarte Staaten wie Belgien (Zeebrügge) oder die Niederlande (Rotterdam) gewährleistet“, sagte der Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Stefan Kapferer.

Europa befinde sich in einer komfortablen Situation: „Wir haben sowohl eine gut ausgebaute LNG-Infrastruktur an den europäischen Küsten als auch sehr gut ausgebaute Erdgastransportnetze, die bis zu den großen Gasfeldern reichen.“ Der amerikanische Präsident Donald Trump und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hatten während ihres Gesprächs über den Handelsstreit in der Nacht abgesprochen, dass die Vereinigten Staaten mehr Flüssiggas nach Europa liefern werden. „LNG kann zu einer weiteren Diversifizierung und Flexibilisierung der Importquellen für Erdgas in Europa beitragen. Mit seiner logistischen Flexibilität sorgt LNG auch für eine Stärkung der weltweiten Versorgungssicherheit“, betonte Kapferer.

„Sojabohnen sind dem Präsidenten plötzlich ganz wichtig“

Ob und in welchem Umfang Flüssiggas in Europa zum Einsatz komme, werde aber vor allem durch die Preise an den Großhandelsmärkten bestimmt. Hier stünden Pipelinegas und Flüssigerdgas im Wettbewerb. „Derzeit ist Pipelinegas in Europa oftmals deutlich günstiger. Flüssigerdgas wird daher vorwiegend nach Asien geliefert. In dieser Weltregion sind höhere Preise für LNG erzielbar, da es im asiatischen Raum zumeist keine engmaschigen Erdgasleitungsnetze gibt.“ Die Führung des Versorgers EnBW äußerte sich denn auch deutlich skeptischer. Flüssiggas aus Amerika sei „aktuell im Vergleich zu anderen Gasquellen für uns nicht wettbewerbsfähig“, konstatierte EnBW-Finanzvorstand Thomas Kusterer.

Gemeinsamer Kurs vereinbart : Handelskrieg vorerst abgewendet?

Video: afp, Bild: EPA

Nach Einschätzung des Energiekonzerns Uniper wird Amerika künftig auch für die Gasversorgung in Europa
eine wichtige Rolle spielen. „Die Vereinigten Staaten werden in absehbarer Zeit voraussichtlich der größte Gasproduzent und  -exporteur sein“, teilte der Versorger mit. Auch amerikanisches Flüssiggas werde seinen Weg finden. „Da der europäische Gasmarkt für amerikanisches LNG aufgrund der relativ kurzen Transportwege der am kostengünstigsten zu erreichende Absatzmarkt ist, kommt dem amerikanischen LNG in Europa zukünftig eine besondere Bedeutung zu.“ Uniper hat schon einen 20 Jahre laufenden Liefervertrag über LNG aus den Vereinigten Staaten abgeschlossen. Die Belieferung soll im nächsten Jahr starten. Das Gas muss allerdings nicht unbedingt nach Deutschland kommen. Denn auch Uniper dürfte es dort verkaufen, wo die besten Preise zu erzielen sind, etwa in Asien.

Wie weit die Vereinbarung trägt, wird sich insgesamt auch erst noch zeigen. „Die Kuh ist noch nicht endgültig vom Eis“, sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Immerhin: Solange die Regierung in Washington und die EU-Kommission miteinander reden, wollen sie von neuen Zöllen absehen. Damit sind die von Trump angedrohten Abgaben auf aus Europa importierte Autos erst einmal von der tagespolitischen Agenda genommen worden und ebenso die schon in der Schublade liegende EU-Vergeltungsliste. Gänzlich vom Tisch sind diese weitreichenden Schritte aber damit nicht. Ferner gelten die vor einigen Wochen in Kraft gesetzten amerikanischen Stahlzölle und Aluminiumzölle sowie die daraufhin verhängten Gegenzölle der Europäer auf Bourbon-Whiskey, Jeans und Motorräder „made in USA“ weiterhin. Ob sie zurückgenommen werden, muss sich erst noch erweisen.

Das Thema Sojabohnen, für die Trump dringend Käufer in der Welt sucht, hat die europäische Öffentlichkeit offenbar unterschätzt. „Sojabohnen sind dem Präsidenten plötzlich ganz, ganz wichtig. Wir dachten immer, Autos wären das“, wunderte sich Ifo-Handelsexperte Gabriel Felbermayr. Offenbar habe die EU-Drohung, im Falle von Autozöllen ähnlich wie schon  China mit Gegenabgaben auf amerikanische Soja zu reagieren, Wirkung gezeigt, mutmaßte er. Schließlich sind die Soja-Farmer eine entscheidende Wählergruppe für Trump. Diese wird bereits durch Zölle des Großkunden Chinas massiv getroffen, und zwar so stark, dass sich die amerikanische Regierung zu Milliarden-Subventionen gezwungen sieht.

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Jahrhundertcoup: Angriff auf Europas Steuerzahler | Panorama | NDR

?OLAF SCHOLZ? SPD

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https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-10/cum-ex-betrug-daenemark-deutschland-europa

Cum-Ex: Dänemark verlangt Aufklärung von Deutschland

Die dänische Regierung will wissen, ob sie den Cum-Ex-Betrug im eigenen Land hätte stoppen können – wenn Deutschland sie rechtzeitig informiert hätte.
Cum-Ex: Der dänische Steuerminister Karsten Lauritzen
Der dänische Steuerminister Karsten Lauritzen © Ole Jensen/Corbis/Getty Images

Dänemarks Steuerminister Karsten Lauritzen fordert in der Cum-Ex-Affäre Antworten von der Bundesregierung. „Die dänische Bevölkerung braucht und verdient Klarheit, ob wir bei rechtzeitiger Warnung aus Deutschland den Betrug hätten stoppen können“, sagte Lauritzen.

Martin Schirdewan, Europaabgeordneter der Linksfraktion, warf der Bundesregierung vor, ihre EU-Partner nicht informiert zu haben, obwohl sie seit Jahren von der Praxis gewusst habe. Andere Europaabgeordnete haben die EU-Kommission aufgerufen, die Betrugsfälle zu untersuchen und dafür zu sorgen, dass sie sich nicht wiederholen.

Das System des automatischen Datenaustauschs unter den Steuerbehörden der EU-Staaten müsse auf die Kapitalertragssteuer ausgedehnt werden, verlangte der CSU-Abgeordnete Markus Ferber. Der für Steuern zuständige EU-Kommissar Pierre Moscovici habe dies aber noch vor Kurzem abgelehnt.

Der deutsche Grüne Sven Giegold sagte, die EU-Kommission müsse nun die nationalen Aufsichtsbehörden auffordern, eine Untersuchung einzuleiten. Die österreichische Sozialdemokratin Evelyn Regner forderte ein „europäisches FBI“ zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung. Der grüne Bundestagsabgeordnete Gerhard Schick hatte bereits eine europäische Finanzpolizei gefordert.

EU-Kommissar Moscovici erinnerte daran, dass bereits eine Reihe von Vorschriften beschlossen wurde, um solche Steuervermeidungen in der EU zu unterbinden. Dazu gehöre der automatische Austausch bestimmter Steuerdaten. Die EU-Staaten müssten sich aber auch an die neuen Vorschriften halten. Zwar seien nicht alle Probleme beigelegt, räumte der EU-Kommissar ein. Aber Steuervermeidung werde dank der neuen Vorschriften für Unternehmen nun schwieriger.

Betrüger erbeuteten 55 Milliarden Euro Steuergelder

ZEIT ONLINE, DIE ZEIT und andere Medien hatten berichtet, dass die Behörden in Deutschland seit 2012 wussten, dass auch Dänemark im Fokus der Steuerbetrüger war. Eine Warnung erhielten die Dänen allerdings nicht. Bis 2015 soll so ein Schaden von rund 1,7 Milliarden Euro entstanden sein. Erst ein Hinweis der Bank of England führte 2015 dazu, dass der Betrug aufgedeckt wurde.

Dem Bundesfinanzministerium und dem Bundeszentralamt für Steuern sind in der Cum-Ex-Affäre bisher für Deutschland Fälle mit einem Volumen von 5,7 Milliarden Euro bekannt. Auf Nachfrage will das Haus von Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) aber nicht sagen, wann genau welche Länder über das Schlupfloch informiert wurden. Nach jüngsten Medieninformationen sollen Betrüger verschiedene Staaten insgesamt um bis zu 55 Milliarden Euro gebracht haben. 2012 wurde das Steuerschlupfloch in Deutschland geschlossen. Die Cum-Ex-Geschäfte sorgen europaweit für Aufsehen.

Das Ministerium kommuniziert weiterhin lediglich, man habe diverse Staaten, „auch auf deren Nachfrage hin, über die Verfahrensweise bei ‚Cum-Ex‘-Geschäften informiert“. Die Frage nach dem Zeitpunkt der Informationen, auch im Falle Dänemarks, blockt es mit Verweis auf die Vertraulichkeit gegenüber EU-Partnern ab.

 

Cum-Ex: Die infizierte Bank

Der Cum-Ex-Skandal, Teil 2: Wo der Griff in die Steuerkassen Europas begann, der die Bürger viele Milliarden Euro gekostet hat.
Cum-Ex: Wie ein Virus haben sich die steuergetriebenen Aktiengeschäfte durch die Finanzwelt verbreitet.
Wie ein Virus haben sich die steuergetriebenen Aktiengeschäfte durch die Finanzwelt verbreitet. © Daniel Stolle für DIE ZEIT

In der Londoner Zentrale der Investmentbank Merrill Lynch tippen die Kollegen von John Baker in einem fort auf ihren Handys herum. Die Aktienhändler tun es, wenn sie im Handelsraum vor ihren Monitoren sitzen, wenn sie sich Kaffee holen, auf dem Weg zur Toilette. Erst schreiben sie SMS, später, so beobachtet es Baker, wechseln sie zu Snapchat, dem Kurznachrichtendienst, den sonst vor allem Teenager benutzen. Das Besondere: Nachdem der Empfänger eine Nachricht gesehen hat, verschwindet sie innerhalb von Sekunden.

Offenbar, so vermutet John Baker, tauschen die Kollegen geheime Informationen aus. Er fragt sie direkt, doch ihre Antworten sind verwirrend: Die Händler sprechen mit Geldgebern und Zwischenhändlern Preise von Wertpapieren ab. Nur ergeben die Deals nach den üblichen Maßstäben keinen Sinn, weil die Händler keine Kursgewinne machen. Dafür, vermutet Baker, kann es nur einen Grund geben: Die Geschäfte haben einen anderen Zweck.

Wann genau Baker diese Dinge beobachtet hat, ist unklar. Aber er schildert sie in einer anonymen Anzeige, die er am 3. Februar 2012 bei der amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde SEC in Washington stellt. Bis heute weiß die SEC nicht, wer der anonyme Whistleblower ist. John Baker heißt er nur in diesem Artikel. Baker glaubt, so geht aus seiner Anzeige hervor, dass die Bank „enorme Einnahmen aus einer betrügerischen Form des Handels mit Steuergutschriften“ erzielt, der weit über die üblichen Formen steuerlicher Tricks hinausgehe. Dazu habe die Bank Steuersysteme mehrerer europäischer Länder ausgenutzt. Es handelt sich, so wird sich herausstellen, um jene Geschäfte, die in Deutschland unter den Namen Cum-Ex und Cum-Cum bekannt geworden sind. Sie dienen einzig und allein dazu, die Steuerkassen auszunehmen.

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Kurz erklärt – Wie der Cum-Ex-Steuerskandal abgelaufen ist Es ist der wohl größte Steuerskandal der deutschen Geschichte. Wie Banken und Anwälte Milliarden entwendeten, zeigen wir in diesem Video. © Foto: Kerstin Welther

Dass die amerikanische Börsenaufsicht von der Beteiligung Merrill Lynchs an diesen Geschäften wusste, war bislang nicht bekannt. Und es wirft Fragen auf: Wie kam es dazu, dass eine der größten Investmentbanken der Welt in Steuerkassen griff? Und was haben die amerikanischen Aufseher unternommen, um das Geld der europäischen Steuerzahler zu schützen?

Ein Jahr lang hat ein Team von 19 Medienpartnern aus zwölf Ländern, koordiniert vom Recherchezentrum Correctiv, vertrauliche Akten, interne Gutachten von Banken und Kanzleien sowie E-Mails ausgewertet. Bereits in der vergangenen Woche berichteten die ZEIT, ZEIT ONLINE und das ARD-Magazin Panorama im Zuge der Kooperation, dass nicht nur Deutschland, sondern mindestens zehn weitere Staaten aus Europa Opfer der Finanzjongleure wurden, dass der Schaden bei mindestens 55 Milliarden Euro liegt.

Bei den Recherchen, die weltweit als „Cum-Ex-Files“ veröffentlicht werden, spielen Banken eine wichtige Rolle. Die steuergetriebenen Geschäfte haben sich in den Instituten wie ein Virus verbreitet und mit der Zeit immer mehr Banken infiziert.

Wann ein Virus wo entstanden ist, lässt sich nur schwer ermitteln. Ein Infektionsherd aber ist Anfang der 2000er-Jahre die Investmentbank Morgan Stanley, ein Konkurrent von Merrill Lynch. Mehrere Beteiligte erzählen, dass die Cum-Ex-Geschäfte dort ein Zufallsfund waren. Ein Angestellter ist demnach auf einen großen Geldbetrag gestoßen, als er Buchungen eines Aktiengeschäfts kontrollierte. Das Erstaunliche: Niemand wollte das Geld haben. Es war irgendwie übrig geblieben. Der Angestellte meldete seinen Fund den Händlern, die den Deal gemacht hatten. Und eine kleine Gruppe von Bankern erkannte sofort, dass sich aus dem Zufall ein System machen ließe.

Ashley W. ist ein junger Mann mit rotblonden Haaren und grünen Augen, reserviert im Auftreten, sehr smart. Er hat bei Morgan Stanley als Rechnungsprüfer begonnen und sich zum Aktienhändler hochgearbeitet. Raj P. hat einen Job an einer unbedeutenden Stelle im Backoffice der Bank, ist aber ebenfalls in den Deal involviert und voller Ehrgeiz. Sylvan C., ein bulliger Typ, der ein bisschen aussieht wie Sylvester Stallone, ist der Ranghöchste der Truppe. So beschreiben es mehrere Personen, die alle drei gut kennen.

Die Händler versuchen, das Zufallsergebnis noch einmal zu erzielen. Wieder ist der Profit höher als ursprünglich gedacht. Also machen sie weiter. Ihre Vorgesetzten lassen sie gewähren. Morgan Stanley will sich dazu auf Nachfrage der ZEIT nicht äußern.

Warum handelte die Börsenaufsicht nicht?

2006 wechselt Sylvan C. zu Merrill Lynch. Bald darauf heuern auch Ashley W. und Raj P. dort an. Die Geschäfte auf Kosten des Steuerzahlers lassen sich dort noch größer aufziehen, weil die Kultur bei Merrill Lynch besonders risikofreudig ist.

Die City of London ist eines der wichtigsten Zentren im globalen Wertpapierhandel – der ideale Nährboden für das Virus. Zwischen gläsernen Bürotürmen und viktorianischen Prachtbauten hat sich dort auch Merrill Lynch niedergelassen. Durch den Haupteingang betreten die drei Händler, so lässt es sich aus Aussagen früherer Kollegen rekonstruieren, ein weites Atrium, das von einem Glasdach überwölbt wird. Ein Aufzug trägt sie in den dritten Stock. Lange Tische ziehen sich quer durch den Raum, darauf Wände aus Monitoren, bis zu zehn Bildschirme pro Arbeitsplatz. An den Wänden kleben Warnschilder: Handys verboten! Kommuniziert werden darf nur über die bankeigenen Systeme. Nichts soll der Kontrolle entgehen.

Als Sylvan C. zu Merrill Lynch wechselt, haben in einer ruhigen Ecke dieses Büros auch die Händler der SEFT-Abteilung ihren Platz. SEFT steht für Structured Equity Finance and Trading, komplizierte Finanz- und Handelsgeschäfte. Wer hier arbeitet, gehört zu den geschicktesten Finanzjongleuren der Bank.

Das Virus wandelt sich ständig

Selbst für Fachleute ist es nicht einfach, steuergetriebene Aktiengeschäfte zu erkennen. Sie verbreiten sich nämlich nicht nur wie Viren, sie verändern sich auch ständig wie sie. Es gibt schon unzählige Varianten. Sie haben alle den gleichen Stamm, im Bankjargon „Dividendenarbitrage“ genannt. Binnen weniger Tage werden riesige Aktienpakete hin- und hergeschoben. Danach lassen sich die Beteiligten Kapitalertragsteuer auf Dividenden erstatten, die ihnen eigentlich nicht zusteht. Für Geschäfte, bei denen die Steuer nur einmal ausgezahlt wird, hat sich der Begriff Cum-Cum etabliert. Das Virus kann aber auch zu Cum-Ex mutieren. Dann wird eine Steuer einmal abgeführt, aber sogar doppelt oder noch öfter vom Fiskus zurückgefordert.

Anfang 2008 wird bei Merrill Lynch eine interne Präsentation mit dem Titel Ein global koordinierter Ansatz herumgereicht. Darin erklären die Autoren, wie man Kunden von den lukrativen Cum-Cum-Deals überzeugen kann und in welchen Ländern Merrill Lynch die Geschäfte machen möchte: in Österreich, Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, in Italien, Norwegen, Portugal, Spanien, Schweden und der Schweiz. Also in halb Europa.

Wie funktioniert ein Cum-Cum-Geschäft?

Vereinfachte Darstellung eines Geschäfts auf Kosten des Staates, bei dem eine einfache Steuerrückerstattung ergattert wird

© ZEIT-Grafik

Die Händler, die die Deals konstruieren, verdienen bei Merrill Lynch viel Geld. Zum Beispiel Raj P., der morgens mit einem Lamborghini vorfährt. Zu seiner Hochzeit lädt er die anderen Händler nach Indien ein, inklusive Elefantenritt. P. steigt immer weiter auf, bis er die Abteilung leitet, die Cum-Ex- und Cum-Cum-Geschäfte macht. Mitarbeiter, die bei Merrill Lynch solche steuergetriebenen Geschäfte abwickeln, haben intern bald eine eigene Bezeichnung: tax traders – Steuerhändler.

Drei Jahre später, im März 2015, geht eine weitere anonyme Whistleblower-Anzeige bei der SEC ein. Ihr Absender soll hier Bill Smith heißen. Auch Smith entdeckt einen zweifelhaften Deal. Ende 2012 schildert er seine Bedenken zunächst über die interne Ethik-Hotline von Merrill Lynch. Fast eine Stunde lang berichtet Smith dem Mann an der Hotline seinen Verdacht, warnt vor falschen Konten und fiktiven Transaktionen. Der Deal wird ausgesetzt, ein halbes Jahr später dann aber doch abgewickelt. „Die Kultur bei Merrill Lynch ist nicht so, dass es willkommen wäre, solche Sorgen zu äußern“, schreibt Smith später frustriert der SEC.

Smiths Anzeige ist sehr präzise. Sie nennt die Namen von 29 Personen, die in die Deals involviert sind. Und sie erinnert daran, dass die USA solche Geschäfte im eigenen Land unterbunden haben. Die Steuerhändler von Merrill Lynch sitzen zwar in London. Doch das Personal wechselt ständig zwischen Großbritannien und dem Hauptsitz in Amerika. So viele verschiedene Leute in New York und London seien involviert, dass es unmöglich sei zu trennen, wer was nach britischem oder amerikanischem Recht gehandelt habe, schreibt Smith.

Die SEC reagiert nicht auf die Anzeigen, weder auf die von John Baker 2012 noch auf jene von Bill Smith 2015. Warum sie nicht handelte, will die Börsenaufsicht auf Nachfrage nicht kommentieren. Die Steuerdeals laufen weiter wie gehabt.

Der 29. Mai 2013 ist ein Mittwoch. Einige der Steuerhändler sind nach New York gereist. Sylvan C., der Mann, der ein bisschen aussieht wie Sylvester Stallone, ist mit dabei. Die amerikanischen Chefs der Steuerhändler machen sich Sorgen um die Reputation der Bank. Die Steuerhändler wiederum wollen ihnen klarmachen, warum die Geschäfte wichtig für die Bank sind und fortgesetzt werden müssen. So berichtet es Bill Smith.

Das Virus erreicht Deutschlands große Geldinstitute

Ihre Pläne präsentieren die Steuerhändler Thomas Montag. Er gehört zum Vorstand der Bank of America, die Merrill Lynch 2009 übernommen hat. Montag weiß nicht recht, was er von den Geschäften halten soll. Weil die Risikokontrolle in New York keine Einwände hat, dürfen die Steuerhändler am Ende aber weitermachen.

Der Whistleblower hat seiner Anzeige eine interne Präsentation beigelegt, die zeigt, dass Merrill Lynch 2012 Aktien im Wert von 25 Milliarden US-Dollar gehandelt hat und diese Summe 2013 noch übertreffen will. 45 Transaktionen sollten in 27 Ländern vorgenommen werden. Welchen Anteil daran Cum-Ex-Geschäfte haben, geht aus der Präsentation nicht hervor. Jedoch werden in ihr die Risiken der Geschäfte beschrieben: die Ermittlungen deutscher Staatsanwaltschaften in Sachen Cum-Ex. Und die Gefahr, in der Öffentlichkeit als Steuervermeider dargestellt zu werden.

Ob Thomas Montag die betrügerische Natur der Deals klar geworden ist, lässt sich der Whistleblower-Anzeige nicht entnehmen. Doch Bill Smith erhebt einen schweren Vorwurf: „Der Bank of America waren diese Transaktionen bis in die höchsten Ebenen bekannt.“

Nervöse Banker

Ein Jahr später, im März 2014, meldet sich eine Delegation der amerikanischen Zentralbank in London an. Es ist ein Routinebesuch. Die Banker von Merrill Lynch bitten die Delegation in den sechsten Stock. Von dort blickt man direkt auf die vergoldete Statue der Justitia, die die Kuppel des zentralen Londoner Strafgerichtshofs Old Bailey ziert. Die Zentralbanker bringen eine lange Liste an Fragen mit, zur Unternehmensstrategie, zum Risikomanagement – und zum steuergetriebenen Aktienhandel. So berichtet es einer, der dabei war. Auf Anfrage wollte die amerikanische Zentralbank zu dem Vorgang keine Stellung nehmen.

Offenbar macht dieser Besuch die Chefs von Merrill Lynch nervös. Jedenfalls reagiert die Bank trickreich: Sie streicht den Begriff SEFT Desk einfach aus ihrem Organigramm – und ordnet die Händler einer anderen Einheit zu. So berichtet es das Wall Street Journal 2016. Ein weiterer Insider, der noch heute bei der Bank arbeitet, erzählt, dass die steuergetriebenen Aktiengeschäfte bis heute weiterliefen. Weder Merrill Lynch noch die Bank of America antworteten auf Fragen der ZEIT.

Wie funktioniert ein Cum-Ex-Geschäft?

Vereinfachte Darstellung eines Geschäfts auf kosten des Staates, bei dem eine doppelte Steuerrückerstattung ergattert wird

© ZEIT-Grafik

In der Zwischenzeit haben sich die Geschäfte von Merrill Lynch aus verbreitet. 2009 schon wechselt Ashley W. zur britischen Investmentbank Barclays, die auf Nachfrage bestätigt, an Cum-Ex-Geschäften auf Kosten des deutschen Steuerzahlers beteiligt gewesen zu sein. Die „Cum-Ex-Files“ zeigen, dass Hunderte von Bankern in London gelernt haben, wie das System funktioniert. Und sich große Banken aus aller Welt an den Geschäften beteiligen, darunter die spanische Santander, die französische BNP Paribas oder die australische Bank Macquarie.

Schließlich erreicht das Virus auch Deutschlands große Geldinstitute. Einer der Überträger, Paul Mora, ein 1,90 Meter großer Banker, arbeitet ebenfalls zunächst für Merrill Lynch. Ursprünglich kommt er aus Neuseeland. Dort hat er Jura studiert und als Anwalt gearbeitet. 1997 beginnt er bei Merrill Lynch und kümmert sich dort mehr als vier Jahre um „maßgeschneiderte Kundenlösungen“ zu Fragen der Einkommen- und Kapitalertragsteuer.

Als das Dreigestirn Sylvan C., Ashley W. und Raj P. zu Merrill Lynch kommt, hat Mora die Bank schon verlassen. Aber er hat dort einen anderen Mann kennengelernt, mit dem er später Cum-Ex-Geschäfte machen wird: Martin Shields, Fachmann im Aktien- und Derivatehandel und einer der besten Mathematiker, die Großbritannien je hervorgebracht hat. Bereits in seiner Schulzeit wurde Shields, der später in Oxford studierte, mehrfach wegen außerordentlicher Leistungen ausgezeichnet. So berichtet es ein Aktienhändler, der ihn gut kannte, gegenüber deutschen Staatsanwälten.

Mora verlässt Merrill Lynch 2004 und wechselt nach einer Zwischenstation bei Credit Suisse zum Londoner Ableger der bayerischen HypoVereinsbank (HVB). Dort wird er Chef der Eigenhandelsabteilung und macht den Handel mit der Kapitalertragsteuer, also den Griff in die Staatskasse, zum Kerngeschäft. Die HVB teilt auf Anfrage mit, „dass wir uns zu etwaigen Mitarbeitern grundsätzlich nicht äußern“.

Die Abwicklung der Deals überlässt Mora Martin Shields, den er 2004 von Merrill Lynch abgeworben hat. Mora und Shields sind ein ideales Paar: der joviale Kommunikator, der mit Banken, Anwälten und Privatinvestoren verhandelt, und der detailversessene Planer der komplexen Deals, ohne dessen mathematische und technische Finesse die Beute am Ende nicht zwischen den Beteiligten aufgeteilt werden könnte.

Der neue Trick

Geschickt passen sie ihre Methoden 2007 an die unzureichenden Versuche des deutschen Finanzministeriums an, die Cum-Ex-Geschäfte zu stoppen. Dann jedoch erlebt die Bankenwelt ein existenzbedrohendes Ereignis: die globale Finanzkrise. Die US-Bank Lehman Brothers bricht zusammen, auch andere Investmentbanken stehen am Rande des Abgrunds. Überall auf der Welt rufen Institute den Staat um Hilfe. Der springt ihnen bei, schickt aber zugleich seine Kontrolleure los. Die Vorstände der Banken versuchen deshalb, alle Geschäfte loszuwerden, die als anstößig wahrgenommen werden könnten.

Nicht jedoch die steuergetriebenen Aktiengeschäfte. Damit sie in der Bank nicht entdeckt werden, gibt es einen neuen Trick. Die Geschäfte werden outgesourct. Das ist im Sinne von Mora.

Es ist 2008, der Crash ist gerade in vollem Gange, und Mora ist sauer. Die HVB hat ihm zwischen 2004 und 2008 jährliche Boni von bis zu 890.000 Euro gezahlt. Doch Mora findet, die Boni seien zu gering. Also beschließen er und Shields, ihre eigene Firma zu gründen: Ballance Capital, ein Konglomerat aus vielen einzelnen Gesellschaften, die ihren Sitz in Großbritannien, auf den Kaimaninseln, Gibraltar oder den britischen Jungferninseln haben. Über Ballance fädeln Mora und Shields nun ihre eigenen Deals ein. Sie handeln mit allem, was der deutsche Aktienmarkt hergibt: Allianz, BASF, Bayer, Daimler, Lufthansa, E.on, Metro.

Dafür brauchen sie viel Geld.

„Sehr wahrscheinlich“ beteiligt

Die Deutsche Bank hat zur selben Zeit ein Problem. Händler ihrer Londoner Niederlassung haben sich 2008 mit hoher Wahrscheinlichkeit in mindestens drei Fällen an Cum-Ex-Geschäften beteiligt. Das hat die Wirtschaftskanzlei Freshfields 2015 festgestellt. Nun will die Bank diesen Handel reduzieren und trotzdem im Geschäft bleiben. So beschreibt es ein weiteres Gutachten von Freshfields aus demselben Jahr. Da kommt ihr Ballance gerade recht.

Das Gutachten hat die Deutsche Bank in Auftrag gegeben, um herauszufinden, inwieweit ihr Londoner Ableger nach der Finanzkrise noch an Cum-Ex-Geschäften beteiligt war. Aus ihm geht hervor, dass zwei Mitarbeiter der Deutschen Bank 2009 zu Ballance gewechselt und dort neben Mora und Shields Gesellschafter geworden sind: Simon P. und Joseph P. Ihr neues Unternehmen steht in engem Kontakt zu ihrem alten Arbeitgeber. In der Branche gilt Ballance bald als „Equity-Finance-Arm der Deutschen Bank“. So geht es aus E-Mails hervor, die sich die Aktienhändler untereinander schreiben.

Die beiden Gutachten beschreiben detailliert, wie Ballance und die Deutsche Bank bis 2011 zusammenarbeiten. Abschließende Beweise dafür, dass die Mitarbeiter der Deutschen Bank wussten, um was für Geschäfte es ging, finden die Anwälte nicht. Aber sie halten es für „(sehr) wahrscheinlich“, dass die handelnden Mitarbeiter „sich bewusst an den Cum-Ex-Geschäften Dritter beteiligten“. Die Deutsche Bank selbst teilt auf Nachfrage mit, sie habe zwar nicht als Aktienkäufer oder -verkäufer bei Cum-Ex-Geschäften agiert, sei jedoch „teilweise in Cum-Ex-Geschäfte von Kunden“ eingebunden gewesen. Dies aber bedeute „in keinem Fall, dass die Deutsche Bank die Kontrolle über den Handel dieser Kunden hatte“.

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat im September 2017 gegen Mora und Shields Anklage vor dem Landgericht Wiesbaden wegen Cum-Ex-Deals erhoben. Sie wirft den Männern vor, den Finanzbehörden aus „grobem Eigennutz“ über steuerlich erhebliche Tatsachen unrichtige oder unvollständige Angaben gemacht und dadurch Steuervorteile in großem Ausmaß erlangt zu haben. Mora wird außerdem vorgeworfen, Hilfe bei gemeinschaftlicher versuchter besonders schwerer Steuerhinterziehung geleistet zu haben. Noch wird die Anklage vom Gericht geprüft. Auch die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen der Geschäfte von Mora und Shields. Die Fragen der ZEIT ließen beide unbeantwortet.

Ashley W., der Mann, der mit Sylvan C. und Raj P. aus einem Zufallsfund ein großes Geschäft auf Kosten des Staates machte, kann auf eine steile Karriere zurückblicken. Von Merrill Lynch wechselte er auf eine leitende Position bei Barclays. Heute ist er Manager bei der Deutschen Bank in London und entspannt sich nach Feierabend in seinem Anwesen im Südwesten der Stadt. Raj P. arbeitet immer noch für Merrill Lynch. Und Sylvan C. ist in die USA zurückgekehrt. Er lebt in Florida direkt am Strand.

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