MORGEN FREITAG – – – den „27 APRIL 2018“ – – – will „EU“ über DREI „BIENEN-GIFTIGE“ „PESTIZID-WIRKSTOFFE“ abstimmen lassen ///// „EFSA“ und „INDUSTRIE“ vereinigt in ‚EFSI‘ /////// BAYERN – SOWAS????!!!! – -„GROSS-ANGRIFF“ auf die NATUR – IN ZEITEN VON „INSEKTEN-STERBEN“ – ÖKOLOGIE – „BIODIVERSITÄT“

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Bienengifte: Werden genug EU-Länder mit Deutschland für ein Verbot stimmen?

26.04.2018

Biene
Fleißige Biene im Anflug (Foto: autan/Flickr.com)

 

Die Europäische Kommission will drei bienengiftige Pestizidwirkstoffe im Freiland verbieten. Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union sollen morgen darüber abstimmen. Deutschland wird die Verbote unterstützen. Ob das für eine Mehrheit reicht, ist offen.

Auf der Tagesordnung der morgigen Sitzung des Ständigen Ausschusses für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel stehen drei Verordnungsvorschläge der EU-Kommission zur Diskussion. Sie will den Einsatz der Wirkstoffe Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam im Freiland komplett verbieten und diese Insektizide nur noch für Gewächshäuser zulassen. Die drei Substanzen zählen zur Wirkstoffklasse der Neonikotinoide (Neonics) und gelten schon seit Jahren als extrem bienengiftig. Bereits 2013 hatte die EU ihren Einsatz deshalb eingeschränkt. Ende Februar 2018 legte die EU-Lebensmittelbehörde EFSA eine neue Bewertung vor, die zeigte, dass die drei Neonics für Honigbienen, Hummeln und Wildbienen gefährlich sind.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) teilte dem Bundestag mit, sie werde „in Brüssel dem Verbot der Freilandanwendung dieser Wirkstoffe zustimmen.“ Zur Begründung sagte sie: „Bienen sind systemrelevant, und was der Biene schadet, muss vom Markt.“ Laut Klöckner will Frankreich das Verbot ebenfalls unterstützen; auch Österreich signalisierte Zustimmung. Ob in Brüssel nach der Diskussion über die Verordnungen auch darüber abgestimmt wird, ist noch unklar. Bereits zweimal, im Dezember 2017 und im März 2018 wurde die geplante Abstimmung verschoben. Es wäre ein Kniefall vor privaten Interessen und eine Demonstration der Macht internationaler Agrarchemiekonzerne, wenn morgen wieder nicht entschieden würde, sagte Francesco Panella, Präsident der europäischen Imkerorganisation BeeLife.

Wollten die EU-Mitgliedsstaaten die Neonics verbieten, wäre eine qualifizierte Mehrheit von 16 Mitgliedsstaaten erforderlich, die 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren. Experten rechnen damit, dass mit Deutschland, Österreich und Frankreich insgesamt mindestens acht Länder gegen die Bienengifte stimmen werden. Um eine qualifizierte Mehrheit zu erreichen, müssten allerdings noch weitere bevölkerungsreiche EU-Länder hinzukommen.

Grüne und Umweltverbände bezeichneten das anstehende Verbot als längst überfällig. Es geht ihnen jedoch nicht weit genug: Ein breites Bündnis von mehr als 40 Umwelt-, Natur- und Tierschutzverbänden hat die Bundesregierung heute aufgefordert, sich nicht nur für ein EU-weites Verbot von drei Neonikotinoiden, sondern der gesamten Wirkstoffgruppe einzusetzen. Alternativ könnte sie die Wirkstoffe wie Frankreich national verbieten, heißt es in einem Forderungspapier zum Aktionsplan Insektenschutz. „Sonst können Landwirte einen Stoff leicht mit einem anderen, ähnlich gefährlichen, ersetzen“, erklärte BUND-Pestizidexpertin Corinna Hölzel. Sie warnte, Neonics seien langlebig und reicherten sich im Boden an. „Sie schädigen auch Bodenlebewesen wie Regenwürmer, Ameisen und Springschwänze.“

Leif Miller, Geschäftsführer des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) wies darauf hin, dass derzeit EU-weit noch vier weitere Neonikotinoide zugelassen sind, sowie mehrere ähnlich wirkende Insektizide. Der grüne Abgeordnete Harald Ebner forderte die Bundesregierung ebenfalls auf, alle Neonics vom Acker zu nehmen. Auch solle sie Importe von Saatgut stoppen, das mit nicht zugelassenen Neonikotinoiden behandelt sei.

Dem Protest des Bauernverbandes entgegnete Jan Plagge, Präsident von Bioland: „Der ökologische Landbau macht vor, dass es auch ohne Neonikotinoide geht: Ausgeklügelte Fruchtfolgen statt Monokulturen sowie die Förderung von Nützlingen sind Teil eines Systems, das ohne chemischsynthetische Pestizide erfolgreich wirtschaftet und die Artenvielfalt erhält.“ [lf/vef]

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siehe auch „Die WILD-BIENE STIRBT“ – „?DROHNE MAJA?“

https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2018-04/bienensterben-ursachen-pestizide-imker-klimawandel/komplettansicht

Bienensterben: Rettet die Bienen, aber nicht so!

Die EU verbietet Neonikotinoide – zum Schutz der Bienen. Damit bewegt sie sich zwar in die richtige Richtung, die größte Bedrohung sind aber nicht die Pestizide.
Bienensterben: Eine Biene
Eine Biene © Yasser al Zayyat/AFP/Getty Images

Was dem Menschen die Zigarette, ist der Biene das Insektizid: Neonikotinoide wirken auf Bienen ähnlich anziehend wie Nikotin auf die Menschen. Pflanzen, die mit den Insektiziden behandelt wurden, scheinen Bienen und andere Bestäuber regelrecht anzulocken – um sie dann zu schädigen. Unter anderem wird das Nervensystem der Bienen angegriffen, wodurch ihr Lernvermögen und ihre Orientierungsfähigkeit eingeschränkt werden (Plos One: Fischer et al., 2014). Neonikotinoide stehen unter dem Verdacht, für das Bienensterben mitverantwortlich zu sein.

Bereits seit 2013 dürfen Neonikotinoide in Europa deshalb nicht mehr bei Pflanzen eingesetzt werden, auf denen sich Bienen normalerweise niederlassen. Am heutigen Freitag hat ein EU-Ausschuss das Verbot verschärft: Der Freilandeinsatz von drei Stoffen – Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam – ist künftig europaweit verboten. Nach Einschätzungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) stellen die Insektengifte auch dann ein Risiko für Bienen dar, wenn die Blüten selbst nicht damit behandelt wurden. Es reiche, wenn der Boden, auf dem sie wachsen, kontaminiert sei. Mit dem Verbot bleibt ihre Verwendung künftig auf Gewächshäuser beschränkt. „Die Gesundheit der Bienen bleibt für mich von größter Bedeutung, weil sie Artenvielfalt, Lebensmittelproduktion und Umwelt betrifft“, sagte der EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis am Freitag.

Mit dem Verbot sei das Problem aber nicht gelöst, sagen Experten. „Jetzt hat die EU wieder Millionen Euro investiert, um zu zeigen, dass Insektizide Insekten schädigen. Das wissen wir doch schon seit den Sechzigerjahren„, sagt Peter Neumann, Tiermediziner und Leiter des Instituts für Bienengesundheit an der Universität Bern im Gespräch mit ZEIT ONLINE. Der Erfolg eines Totalverbots von Neonikotinoiden sei fraglich, denn Bauern würden notgedrungen auf andere Methoden und Mittel ausweichen. Die nächste Generation der Pestizide stehe schon bereit.

Das sieht der britische Entomologe Dave Goulson ähnlich. Er sagte dazu kürzlich im BBC-Radio: „In den 1940er Jahren hatten wir Organochlorpestizide wie das DDT. Nach deren Verbot gab es Pestizide auf Phosphorsäurebasis. Dann kamen die Neonikotinoide. Und als Nächstes wird wieder etwas Anderes, aber ähnlich Schädliches kommen. Wenn wir diesen Kreislauf nicht unterbrechen, sehe ich keine Hoffnung, dass sich etwas für die Umwelt verbessert.“

Der Verlust der Vielfalt setzt den Wildbienen zu

Um Bienen nachhaltig zu schützen, muss den Experten zufolge bei der grundlegenden Ausrichtung der Landwirtschaft und der Nahrungsmittelproduktion angesetzt werden. Wichtig dabei: Für Wild– und Honigbienen gelten unterschiedliche Rahmenbedingungen. Majas wilde Schwestern, etwa Hummeln, Mauerbienen, Sandbienen, Pelzbienen oder Hosenbienen, leiden am meisten unter dem Verlust der Vielfalt in unseren Landschaften. Sie leben einzeln oder in vergleichsweise kleinen Kolonien von höchstens einigen Hundert Tieren. Weltweit sind 20.000 Arten bekannt. Allein in Deutschland stehen mehr als die Hälfte der 569 Arten auf der Roten Liste.

Die Bedrohung der Wildbienen ist menschengemacht: Wir verwandeln unsere Gärten in Steinwüsten oder legen eine grüne Ödnis aus Rasen und Thujahecken an. Wir flurbereinigen Feldgehölze, fällen Bäume, begradigen Bäche und Flüsse, legen Moore trocken und pflügen Ackerrandstreifen. Blütenreiche Wiesen düngen und mähen wir, bis sich außer Löwenzahn und Gänseblümchen nichts mehr aus dem Boden wagt. Daneben überziehen wir unser Land großflächig mit Straßen, Parkplätzen, Gewerbe- und Neubaugebieten.

Insbesondere die Wildbienen trifft der Verlust geeigneter Nistmöglichkeiten und Futterpflanzen. Aber auch Honigbienen leiden unter einseitiger Ernährung, denn Pollen ist nicht gleich Pollen. Wenn die natürliche bunte Mischung durch Massentrachten wie Raps oder Sonnenblumen ersetzt wird, kann auch das die Bienen schwächen. An dieser Entwicklung ändere auch ein Verbot von Pestiziden nichts.

-3:08
Momente – Bienenvölker im Biosphärenreservat Schaalsee Bienen tragen den ersten gesammelten Nektar des Jahres und Pollen in ihren Bienenstock

Kein Grund zur Entwarnung, kein Grund zur Panik

Unter den Honigbienen gibt es weltweit nur neun Arten, in Europa und Afrika sogar nur eine einzige, nämlich die Westliche Honigbiene (Apis mellifera). Für sie sind eingeschleppte Bienenkrankheiten und Parasiten, wie die Varroa-Milbe (Varroa destructor), momentan die größte Bedrohung. Die Milbe wurde vor gut 30 Jahren durch den Menschen aus Asien eingeschleppt. Die blutsaugenden Milben schwächen die Bienen nicht nur durch den direkten Befall, sondern übertragen dabei auch eine ganze Reihe an Krankheitserregern. Je nach Witterung müssen Imkerinnen und Imker über den Winter Völkerverluste zwischen 15 und 40 Prozent hinnehmen – trotz aufwändiger Behandlung der Völker mit Milbengift oder organischen Säuren.

Da sich Varroa-Milben in den Brutwaben der Bienen vermehren, sind warme Winter, in denen die Insekten fast durchgehend Brut aufziehen, ideal für den Parasiten. Auf dem Vormarsch sind außerdem der Kleine Beutenkäfer (Aethina tumida) – ein Parasit aus der Familie der Glanzkäfer, der sich aus Afrika bereits bis nach Süditalien verbreitet hat –, außerdem die bienenjagende Asiatische Hornisse (Vespa vetulina), die im Jahr 2014 in Deutschland das erste Mal nachgewiesen wurde, und der ebenfalls aus Asien stammende parasitische Einzeller Nosema ceranae. Alle diese Neubürger profitieren von der Klimaerwärmung und könnten der Honigbiene in Zukunft weiter zusetzen.

Obwohl Imkerinnen und Imker eine wertvolle Arbeit zur Erhaltung der Honigbiene leisten, sollten sie ihre Zunft kritisch hinterfragen, sagt Peter Neumann. Bienenköniginnen werden europa– und weltweit verfrachtet oder mit der Post verschickt, um Honigertrag, Sanftmütigkeit und andere von den Imkern gewünschte Zuchtziele zu optimieren. Dabei gehen lokale Anpassungen verloren, Krankheiten und Parasiten werden verbreitet; die natürliche Selektion wird durch Zucht außer Kraft gesetzt. Neumann wünscht sich von seinen Kollegen deshalb „keine Importe von Königinnen, sondern eine Imkerei, die sich etwas mehr an den Bedürfnissen der Bienen orientiert“.

Nicht alles ist schlecht

Was die Honigbiene angeht, gebe es seiner Meinung nach keinen Grund zur Entwarnung, aber auch keinen Grund zur Panik. Die Völkerverluste lägen zwar in manchen Regionen nach wie vor weit über den normalen Werten, aber noch gelinge den Imkern ein Ausgleich durch Nachzucht. Die Zahl der Honigbienenvölker in Deutschland und weltweit ist in den letzten Jahren sogar wieder leicht angestiegen.

Es ist eine zaghaft gute Nachricht. Doch Wissenschaft und Imker sind weiterhin gefordert, neue Wege zu gehen. So ist im Schweizer Emmental ein Experiment geplant, bei dem Honigbienenvölker ohne imkerliche Maßnahmen gegen die Varroa-Milbe gehalten werden, um auf diese Weise deren natürliche Widerstandskraft zu fördern. Was die Wildbienen angeht, wäre eine grundlegende Neuausrichtung der Landwirtschaft aus Sicht der Bienen wohl wichtiger als ein Pestizidverbot der EU-Kommission. Zumal es trotz der umfassenden Risikobewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit umstritten ist, wie sehr Pestizide schließlich dazu beitragen, sowohl wilde als auch Honigbienen zu gefährden.

„Der ruinöse Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen kann so nicht weitergehen„, sagt Peter Neumann und fasst damit das grundlegende Problem zusammen. Neue Gesetze können zwar helfen, doch die größte Hilfe für die Bienen könne nur aus der Gesellschaft kommen: „Was mir wirklich Hoffnung macht, ist, dass viele junge Leute anfangen, Bienen zu halten. Und ich das Gefühl habe, dass die Problematik in der Bevölkerung angekommen ist.“

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?GLYPHOSAT-VERBOT?: „KLÖCKNER – CDU“

CDU/CSU – MERKEL und ihr „GE-FOLGE“ sind AN SCHADENs-MAXIMIERUNG interessiert (MONSANTO-BAYER) hinsichtlich
„ANGRIFF“ AUF die „GESUNDHEIT“ und NATUR

 

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aus dem TEXT:..Wie der Infodienst Gentechnik berichtete, prüft das deutsche Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) aktuell, ob es >>>>> „36 glyphosathaltige“ <<<<<<<Spritzmittel in der Bundesrepublik neu zulässt. Das BVL ist eine Behörde des Agrarministeriums. >>>>>Hier kann und muss die Agrarministerin jetzt handeln!“<<<<<, fordert der grüne Bundestagsabgeordnete Harald Ebner….

…… Die Expertin für Biodiversität, Silvia Bender, forderte darüber hinaus, die Vorerntebehandlung mit Glyphosat unverzüglich zu verbieten, da diese zu besonders hohen Rückstandsbelastungen führe. Um die biologische Vielfalt zu erhalten, müsse Glyphosat innerhalb von drei Jahren von deutschen Äckern verbannt werden, so Bender.

https://www.keine-gentechnik.de/nachricht/33147/

GroKo will weniger Glyphosat auf deutschen Äckern

17.04.2018

Glyphosat
Glyphosat auf EU-Äckern noch bis 2022? (Foto: Chafer Machinery/Flickr.com)

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) will die Anwendung des Unkrautvernichters Glyphosat in der Landwirtschaft stark einschränken. Das Totalherbizid solle auf deutschen Äckern nur noch in Ausnahmefällen eingesetzt werden, heißt es in einer geplanten Verordnung, die Klöckner heute in Berlin vorstellte. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) sprach von einem ersten Schritt zum gemeinsamen Ziel, den Einsatz von Glyphosat grundsätzlich zu beenden.

Nach den Plänen der Agrarministerin dürfen Landwirte Spritzmittel mit dem Wirkstoff Glyphosat künftig nur noch einsetzen, wenn es Hecken oder Blühstreifen an den Äckern gibt. Das Pflanzengift dürfe nur dann versprüht werden, wenn es absolut notwendig sei, wie bei erosionsgefährdeten Böden nach der Ernte. Auch hartnäckige Unkräuter wie Distel und Quecken dürfen Landwirte damit bekämpfen, so lange noch keine Alternative erforscht ist. Sollte in nassen Jahren der Verlust der gesamten Ernte drohen, soll eine Vorerntebehandlung mit Glyphosat erlaubt sein.

In öffentlichen Parks und Sportanlagen will Ministerin Klöckner glyphosathaltige Spitzmittel ganz verbieten. In privaten Gärten dürfen sie nur Gärtner mit einem Sachkundenachweis versprühen und auch nur dann, wenn es keine Alternative gibt. Den Mindestabstand von Gewässern will Klöckner bundeseinheitlich regeln, die ausnahmsweise Anwendung in Naturschutzgebieten abschaffen. Wie im Koalitionsvertrag vereinbart verfolge sie das Ziel, den Einsatz solcher Spritzmittel „so schnell wie möglich im europarechtlichen Rahmen zu beenden“, sagte die Agrarministerin.

Ob das Europarecht es den Mitgliedsländern erlaubt, Glyphosat komplett zu verbieten, ist umstritten. Als die EU-Kommission den Wirkstoff im Dezember 2017 erneut für fünf Jahre zuließ, hatte Gesundheitskommissar Andriukaitis argumentiert, die Mitgliedsländer könnten ja die entsprechenden Spritzmittel national beschränken. Gegen die Entscheidung des österreichischen Bundeslandes Kärnten, Glyphosat komplett zu verbieten, hatte die EUKommission im März allerdings „ernsthafte Bedenken“ geäußert, berichtete kurier.at. Die EUMitgliedsstaaten müssten das für jedes Spritzmittel individuell entscheiden, so die EU-Kommission.

Wie der Infodienst Gentechnik berichtete, prüft das deutsche Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) aktuell, ob es 36 glyphosathaltige Spritzmittel in der Bundesrepublik neu zulässt. Das BVL ist eine Behörde des Agrarministeriums. „Hier kann und muss die Agrarministerin jetzt handeln!“, fordert der grüne Bundestagsabgeordnete Harald Ebner.

Ein Sprecher der Bundesumweltministerin hat inzwischen ebenfalls europarechtliche Bedenken gegen ein Komplettverbot von Glyphosat eingeräumt. Das Statement von Svenja Schulze (SPD) lautete heute so: „Ich will, dass Pflanzenschutzmittel mit diesem Wirkstoff spätestens zum Ende der Legislaturperiode keine Rolle mehr spielen.“ Die Vorschläge der Agrarministerin seien „ein erster Schritt“. „Für unser gemeinsames Ziel, den Einsatz von Glyphosat grundsätzlich zu beenden, werden weitere Schritte folgen müssen“, sagte Schulze.

Für den Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sind Klöckners Pläne ebenfalls „ein erster Schritt in die richtige Richtung“. Die Expertin für Biodiversität, Silvia Bender, forderte darüber hinaus, die Vorerntebehandlung mit Glyphosat unverzüglich zu verbieten, da diese zu besonders hohen Rückstandsbelastungen führe. Um die biologische Vielfalt zu erhalten, müsse Glyphosat innerhalb von drei Jahren von deutschen Äckern verbannt werden, so Bender. [vef]

 

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https://www.testbiotech.org/node/2195

EFSA und Industrie vereinigt in ‚EFSI‘

Neue Publikation zeigt enge Kooperation zwischen ExpertInnen der EFSA und der GentechnikIndustrie

24. April 2018 / Eine neue wissenschaftliche Publikation erörtert die Risiken einer Ausbreitung der Gene von gentechnisch verändertem Mais in Spanien. Die Veröffentlichung beruht auf einer engen Kooperation zwischen ExpertInnen der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA und der GentechnikIndustrie. Um diese Art der Zusammenarbeit anzuprangern, schlägt Testbiotech einen neuen Begriff vor: European Food Safety Industry (‚EFSI‚).

Der Hauptautor, Yann Devos, arbeitet für die EFSA; ein anderer Autor, Alan Raybould, für den Syngenta-Konzern, der das GentechnikSaatgut in Spanien verkaufen will. Weitere EFSA-ExpertInnen, wie die Leiterin der GentechnikAbteilung, Elisabeth Waigmann, waren am Artikel beteiligt. Monsanto, DuPont und Syngenta haben in der EU Anträge auf Anbau von GentechnikMais gestellt. Der GentechnikMais produziert Insektengifte (MON810, Bt11 und Mais 1507) und / oder ist resistent gegenüber den Herbiziden Glyphosat (GA21) und Glufosinat (Bt11 und Maize 1507).

Spanien ist in der EU das Hauptanbaugebiet für diesen Mais. Hier breitet sich seit einigen Jahren eine mit dem Mais verwandte Wildpflanzenart, die Teosinte, aus. Diese wird als die Ursprungspflanze des gezüchteten Mais angesehen. Wissenschaftler der ETH Zürich zeigten im Jahr 2017, dass es bei der in Spanien vorkommenden TeosinteUnterart bereits in der Vergangenheit zu einem Genaustausch mit Maispflanzen gekommen ist. Es ist anzunehmen, dass auch der transgene Mais in der Lage ist, seine Gene an die Teosinte weiterzugeben. So wäre es möglich, dass neue „Superunkräuter“ entstehen, die gegen Herbizide resistent sind und Insektengifte produzieren. Die entsprechenden Gene könnten dann von der Teosinte auch wieder auf die Maisfelder übertragen werden.

Die ‚EFSI‚-Autoren stellen diese Risiken als gering dar: Dabei gehen sie davon aus, dass die zusätzlich eingefügten Gene in der Teosinte nur die ursprünglich beabsichtigten Eigenschaften aufweisen. Diese ExpertInnen sehen Gene als eine Art Bauklötzchen an, die beliebig ein- oder ausgebaut werden können, ohne dass die Funktion von anderen Genen oder der Umwelt beeinflusst wird. Das ist falsch. So ist beispielsweise bekannt, dass das zusätzliche Enzym, das in Gentechnik-Pflanzen produziert wird, um sie gegenüber Glyphosat resistent zu machen, diesen gleichzeitig eine höhere biologische Fitness verleihen kann. Wenn der Gensprung auf natürliche Populationen gelingt, könnten die daraus entstehenden Nachkommen ihre Gene noch schneller in der Umwelt ausbreiten als vorher. Dieser Effekt ist auf die zusätzlich eingefügten Gene zurückzuführen. Er tritt auch dann auf, wenn kein Glyphosat angewendet wird. Unter Stressbedingungen wie Trockenheit und Hitze kann sich der Effekt noch verstärken.

“Die ‚EFSIignoriert, dass gentechnisch veränderte TeosinteMaishybride als neue, gentechnisch veränderte Pflanzen anzusehen sind, die nie auf ihre Risiken getestet wurden. Ihr Ausbreitung in der Umwelt kann deswegen grundsätzlich nicht zugelassen werden. Dabei ist es nicht entscheidend, ob diese Pflanzen innerhalb oder außerhalb der Felder wachsen“, sagt Christoph Then für Testbiotech.

Derzeit gibt es in der EU keine Leitlinien und keine Methoden, um die Risiken zu bewerten, die durch spontane Kreuzungen gentechnisch veränderter Pflanzen entstehen. Bisher bezieht sich die Risikoabschätzung meist auf Pflanzen, die nur für eine Anbauperiode auf den Feldern wachsen und jedes Jahr neu ausgesät werden müssen.

„Durch eine unkontrollierte Ausbreitung der Transgene können für Umwelt und Landwirte erhebliche Schäden entstehen“, erklärt Christoph Then von Testbiotech. „Bisher hat sich die EFSA nie ernsthaft mit dem Thema beschäftigt. Wenn die Behörde ihre Arbeit jetzt auch noch in Kooperation mit der Industrie durchführt, wer soll diese Risiken dann unabhängig bewerten?“

Testbiotech kritisiert ein grundsätzliches Problem mit der Unabhängigkeit der EFSA: Bis heute hat es die EFSA nicht geschafft, sich ausreichende Standards zu geben, um die Behörde gegen eine Einflussnahme von ExpertInnen zu schützen, die im Interesse der Industrie tätig sind.

Das Problem wird auch im aktuellen Fall deutlich: Die ‚EFSI‚-Publikation entstand ursprünglich 2017 auf einer Konferenz mit dem Titel “International Symposium on the Biosafety of Genetically Modified Organisms (ISBGMO)”. Diese Konferenz wurde von der “International Society for Biosafety Research” (ISBR) organisiert. Über die Finanzierung der ISBR gibt es kaum öffentliche Informationen. Es ist aber bekannt, dass Konferenzen der Organisation regelmäßig von Konzernen wie Monsanto, Bayer, Dow AgroSciences, DuPont und Syngenta sowie dem Dachverband CropLife International gesponsert werden. Zudem besteht das Management der ISBR weitgehend aus Mitarbeitern der Industrie. 2016 war Yann Devos, angestellter Experte der EFSA, als Programmdirektor für die ISBR tätig. Es gibt offensichtlich keine Beschränkungen, die eine Zusammenarbeit von Angestellten der EFSA mit ExpertInnen der Industrie wirksam beschränken.

Kontakt:
Christoph Then, Tel. 0151 54638040, info@testbiotech.org

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„URSACHEN-FINDUNG“ STATT „SYMPTOM-HERUM-DOKTOREI“ – – – URSACHEN sind z.B. MONSANTO – BAYER und CO

WER PROFITIERTGIFT?!

http://www.spiegel.de/spiegel/sollen-insektizide-gegen-schwammspinner-raupen-eingesetzt-werden-a-1204330.html

Schwammspinner-Raupen

Großangriff auf die deutsche Eiche

Millionen Schwammspinner-Raupen rüsten sich in diesem Frühjahr zum Kahlfraß. Forstbehörden wollen vorsorglich Insektizide verspritzen Naturschützer warnen vor dem Gifteinsatz. Wer hat recht?

Raupe des Schwammspinners: Bei kräftigem Wind lassen sie sich davonwehen wie Pusteblumen

imago

Raupe des Schwammspinners: Bei kräftigem Wind lassen sie sich davonwehen wie Pusteblumen

Bald sollen Hubschrauber aufsteigen über den Wäldern der Fränkischen Platte. An Bord haben sie Tanks, gefüllt mit Insektengift. Auf den Flugkarten der Piloten sind gut 60 Zielgebiete eingetragen.

Die Gegner haben sich konzentriert in der Gegend um Schweinfurt, Kitzingen, Uffenheim. Dort sitzen sie in den Bäumen, kaum zentimetergroß und bewaffnet nur mit Kauwerkzeugen: die haarigen Raupen des Schwammspinners, eines unscheinbaren Schmetterlings.

Es sind hübsche Krabbler, in den kommenden Wochen werden sie sich mit blauen und roten Wärzchen schmücken. Wenn sie Schrecken verbreiten, dann durch ihre Zahl. Zu Abermillionen treten die Raupen mitunter auf den Plan – und sie lieben Eichen. Gefräßig wie der Schwammspinner ist, kann er ganze Wälder entlauben.

Die Bayerische Forstverwaltung will das unbedingt verhindern. Deshalb ist für Mai in Franken ein großer Helikoptereinsatz geplant. Insgesamt rund 1300 Hektar sollen aus der Luft besprüht werden. Auf diesen Flächen, heißt es, seien die Eichen in höchster Gefahr.

Der Schmetterling lebt über Jahr und Tag weitgehend unauffällig. Er mag es warm und trocken, die lichten Eichenmischwälder Frankens sagen ihm von jeher zu. Aber wenn die Lage besonders günstig ist, kann die Population binnen drei, vier Jahren stetig zunehmen – bis sie am Ende schier explodiert. Dann wimmelt es im Wald von hungrigen Raupen. Eine jede von ihnen vertilgt einen Quadratmeter Eichenlaub.

Zu Fuß kommen die Krabbler nicht weit, aber bei kräftigem Wind lassen sie sich einfach davonwehen wie Pusteblumen. Dank ihrer langen, feinen Haare schweben sie oft über Hunderte Meter. Zudem können sie Fäden als Hilfssegel spinnen.

So manches haarige Flugobjekt erreicht, mit Glück, eine noch unberührte Eiche. Auf diese Weise kann der Schwammspinner beträchtliche Areale abweiden.

Vor allem in Süddeutschland kommt es gelegentlich zu einer Massenvermehrung. In Bayern steht das Spektakel offenbar kurz bevor. Aber im Zuge des Klimawandels dürfte der Laubfresser weiter nach Norden vordringen.

Früher oder später stellt sich dann überall, wo es Eichen gibt, eine Grundsatzfrage: Darf der Wald mit Insektiziden eingenebelt werden wie ein Maisfeld? Und zwar einfach so, nur zur Sicherheit?

Denn nach jeder Massenvermehrung bricht die Population von selbst wieder zusammen. Gesunde Eichen überleben den Kahlfraß in der Regel, sie treiben wenig später neu aus. Sofern es zu Schäden kommt, sind diese schwer zu beziffern.

Waldbesitzer und Forstbehörden befürchten dennoch hohe Verluste. Naturschützer dagegen verurteilen den chemischen Präventivschlag als Überreaktion; sie empfehlen Gelassenheit.

Nicht immer ist das einfach. Die erste Großattacke des Schwammspinners ereignete sich 1993, nach vier warmen Frühsommern in Folge. Millionen Raupen überfielen die Wälder in Bayern, Hessen und Baden-Württemberg, sie fraßen großflächig die Eichen kahl. Von „Horrorraupen“ orgelte damals die „Bild„-Zeitung: „Schwammspinner rotten die deutsche Eiche aus.“

Als die Bestände geplündert waren, marschierten hungrige Raupen in benachbarte Weinberge ein. Nahe Ebelsbach im Maintal lag ein Zentrum der Massenvermehrung; die Feuerwehr hob dort Abwehrgräben gegen die Invasoren aus. Die Raupen machten sich über Gärten her, krochen an Fassaden empor, vereinzelt drangen sie sogar in Häuser ein: „Jetzt greifen sie auch Menschen an. Sie kriechen dir in die Hosen, du hast sie in den Haaren“ („Bild„).

Eichenwald in Bayern: "Da wird ein Geschäft mit der Angst betrieben"

Johannes Voith / Bayerisches Landesamt für Umwelt

Eichenwald in Bayern: „Da wird ein Geschäft mit der Angst betrieben

Auch der Frankfurter Stadtwald fiel damals an die haarigen Heerscharen. Auf Spaziergänger rieselten Kotkügelchen herab, groß wie Pfefferkörner. Die Medien sprachen von einer biblischen Plage.

Im Zuge dieses Naturschauspiels ließen die Förster allein in Bayern auf rund 23.000 Hektar Gift spritzen, das sind 230 Quadratkilometer. Angeblich ging es um die „Rettung der Bestände“. Umweltschützer waren empört, Insektenforscher organisierten eine Unterschriftenaktion.

Seit damals kokelt der Konflikt um den Schwammspinner. Für die Bayerische Forstverwaltung steht auch heute noch außer Frage, dass gespritzt werden muss. In diesem Jahr kommt das Fraßgift Mimic zum Einsatz. Nimmt die Raupe es auf, wird sie quasi chemisch umprogrammiert. Sie hört auf zu fressen, beginnt sich vorzeitig zu häuten und geht daran zugrunde.

Das Mittel der Wahl hieß bisher Dimilin, es bewirkte, dass die Raupen aufplatzten. Aber die Zulassung des Dimilin lief 2014 aus, an einer Verlängerung ist der Hersteller nicht interessiert. Nun bleibt den Forstleuten nicht mehr viel – außer dem berüchtigten Karate Forst, das aber wohl niemand ernsthaft erwägt, weil es praktisch alle Insekten vernichtet.

Und eben Mimic. Dieses Mittel kommt aus dem Obst- und Weinbau, es soll nun gegen den Schwammspinner eingesetzt werden. Was es im Wald auf großer Fläche anrichtet, ist noch gar nicht untersucht worden.

Sicher ist nur: Das Gift wirkt gegen sämtliche Schmetterlingsraupen – keine gute Nachricht für die seltenen Arten, die sich den Lebensraum mit dem Schwammspinner teilen: den Eschenscheckenfalter, den Heckenwollafter, das WaldWiesenvögelchen, die Spanische Flagge.

All diese Raritäten sind heimisch in den lichten Eichenmischwäldern Frankens. Dieses Biotop ist ein artenreiches Schmetterlingsparadies. „Um die 400 Nachtfalter sind hier schon beobachtet worden“, sagt der Insektenkundler Matthias Dolek. „Und von den Tagfaltern stehen an die 40 Arten auf der Roten Liste.“

Wenn deren Raupen gerade in der besprühten Zone fressen, haben sie Pech gehabt. Zudem soll auch in ausgewiesenen FaunaFloraHabitaten gespritzt werden, die nach EU-Recht geschützt sind. Die Forstleute versichern aber, das Gift sei so gering dosiert, da würden schon genügend Exemplare überleben. „Das ist ein Spiel mit dem Feuer“, widerspricht Dolek. Er befürchtet, dass „mit jedem Spritzen einzelne Arten verloren gehen“.

Auch Wolfgang Weisser, Ökologe an der TU München, sieht das Risiko. Er findet aber, dass die Naturschützer es sich zu einfach machen. Auch wer einen Wald bewirtschafte, müsse das Recht haben, seinen Bestand zu schützen. „Oder man entschädigt ihn“, sagt Weisser, „falls er zugunsten der Artenvielfalt auf Spritzmittel verzichtet.“

Den Forscher wundert, wie unterschiedlich Wald- und Landwirtschaft behandelt werden. „Ein Bauer kann zwischen rund 300 erlaubten Pflanzenschutzmitteln wählen“, sagt er. „Dem Förster bleiben gerade mal zwei oder drei. Und deren Anwendung ist genau reguliert.“

Die Landwirtschaft, fürchtet Weisser, habe man als Naturraum wohl schon aufgegeben. Umso dringender nun das Bedürfnis, den Wald als reines Refugium zu verklären. So komme es, dass Naturschützer kategorisch jedes Insektizid im Wald ablehnen. „Die Forstwirtschaft wiederum kämpft um das Recht zu spritzen an sich“, sagt Weisser. Es gehe also, typisch für den Wald, wieder mal ums Prinzip. Viel Interesse an Details und Fakten sei da nicht zu erwarten: „Beide Seiten wissen ja schon vorher Bescheid.“

Die zuständige Forstbehörde warnt vor einem regelrechten Eichensterben, sollte der Schwammspinner über mehrere Jahre in Folge angreifen. Einmaligen Kahlfraß würden die meisten Eichen noch überstehen. Sie treiben dann neu aus, nur ihr Zuwachs fällt in dem Jahr geringer aus. Bereits geschwächte Bäume jedoch seien in Gefahr – zumal wenn Folgeprobleme wie etwa der Eichenmehltau ihnen zusetzen.

„Wir wissen vorher nicht, wie es kommt“, sagt Ralf Petercord von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF). „So ein Risiko können wir nicht eingehen.“ Werde gar nicht gespritzt, seien letzten Endes die gesamten befallenen Eichenbestände bedroht – und damit auch der Lebensraum vieler seltener Arten.

„Das ist völlig abwegig“, widerspricht der Forstökologe Jörg Müller von der Universität Würzburg. Es gebe keinerlei Hinweise auf existenzielle Gefahren durch Raupenfraß. „Hier geht es rein um wirtschaftliche Interessen. Um die Zukunft unserer Eichenmischwälder mache ich mir überhaupt keine Sorgen.“

Müller wirft der LWF vor, sie wolle mit dem Schreckgespenst des Schwammspinners eine „Drohkulisse“ aufbauen: „Da wird ein Geschäft mit der Angst betrieben.“

In der Tat geht es bei der Bekämpfung nur nach der gefühlten Gefahr. Gesicherte Fakten gibt es kaum. Niemand kann sagen, inwieweit der Wald Schaden nähme, wenn weniger gespritzt würde – oder auch gar nicht.

Unbestritten ist, dass die Invasionen des Schwammspinners früher oder später von selbst zusammenbrechen. Wo die Nahrung knapp wird, fallen neu geschlüpfte Tiere eher klein und kränklich aus – leichte Beute für diverse Bakterien, Pilze und vor allem Viren. Die meisten Schwammspinner werden von Epidemien hinweggerafft.

Den Rest erledigen Fressfeinde. Mehr als 150 Arten von Raubparasiten lauern auf die nahrhaften Raupen. Brackwespen und Raupenfliegen legen ihre Eier in die Leiber oder zwischen die Haare. Der Große Puppenräuber, ein Laufkäfer, kann in einer einzigen Saison Hunderte Krabbler vertilgen.

In normalen Zeiten halten diese Gegenspieler den Schwammspinner gut in Schach. Gelingt ihm alle paar Jahre eine Massenvermehrung, dann ist er seinen Verfolgern quasi nur für kurze Zeit entwischt. Aber das Glück durch Überzahl hält nicht lange an: Bald schwillt – etwas zeitversetzt – auch die Menge der Feinde bedrohlich an. Diese profitieren von der nun überreich verfügbaren Beute.

Kurz nach dem Höhepunkt seiner Vermehrung blickt der Schmetterling also schon wieder in den Abgrund: Seuchen gehen um, die Eichen sind allesamt kahl gefressen und ringsum eine Übermacht von Gegnern. Myriaden von Raubparasiten suchen nun den Wald ab, sie spüren die Raupen auf bis in die letzten Winkel.

So wird der Schwammspinner verheerend dezimiert – und auf Jahre hinaus großflächig geschwächt.

Was bewirkt es da, wenn der Mensch frühzeitig mit Spritzmitteln eingreift? Macht er dadurch vielleicht sogar alles noch schlimmer? Denn mit den gefräßigen Raupen zerstört er ja auch die gerade anlaufende Konjunktur ihrer Gegenspieler – umso schneller könnte sich die überlebende Population der Schwammspinner wieder regenerieren.

Das klingt plausibel, aber mangels Daten ist es bislang nur eine Theorie. In dieser Lage helfen allein Experimente weiter. Grundlegende Fragen wären zu klären: Welchen Effekt hat das Spritzen? Und was geschieht mit den Eichen, wenn man sie einfach dem Kahlfraß überlässt?

Auch der Würzburger Forstökologe Müller fordert, die klaffende Forschungslücke endlich zu schließen. Es wäre keine Hexerei. Man müsste paarweise eine Reihe von geeigneten Flächen bestimmen: ökologisch jeweils vergleichbar und gleich stark befallen. Die einen behandelt man, die anderen nicht.

„Und wenn dabei herauskommt, dass der Einsatz von Insektiziden sinnvoll ist“, sagt Müller, „dann wäre ich der Letzte, der dagegen ist.“ Es gehe aber nicht an, bei derart wackeliger Evidenz die Schmetterlinge in den Eichenmischwäldern mit fragwürdigen Mitteln wegzuspritzen: „Das ist einer der artenreichsten Lebensräume, die wir in Deutschland noch haben.“

Die Forstbehörde sei für solche Studien im Prinzip offen, sagt LWF-Experte Petercord. Geschehen ist aber in den vergangenen Jahrzehnten nichts dergleichen.

So bleibt wohl vorerst alles beim Alten. Der Hubschraubereinsatz im Mai wird wieder Steuergelder kosten; hinzu kommt der Aufwand der laufenden Kontrollen: Förster suchen mühsam ihre Eichen ab, Stamm für Stamm, und zählen die Gelege des Schwammspinners.

Der Forstökologe Müller hätte eine bessere Verwendung für das viele Geld, das der Abwehrkampf verschlingt: „Man könnte damit die Waldbesitzer entschädigen“, sagt er, „falls ihnen doch mal ein paar Eichen eingehen.“

Als im August vorigen Jahres der Sturm „Kolle“ viele Fichten im Bayerischen Wald umwarf, bekamen die geschädigten Waldbesitzer unbürokratisch 100 Millionen Euro an Soforthilfe zugesprochen. „Und das für eine Risikobaumart, bei der jeder weiß, dass sie mit unserem Klima Probleme bekommt“, sagt Müller. „Da sollten uns auch die Eichenmischwälder mit ihrer Vielfalt an Insekten ein bisschen mehr Geld wert sein.“

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