„MONSANTO“ macht krank – „GLYPHOSAT“ – „KREBS“ – Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) – „EU“ – Bericht spielt eine Schlüsselrolle in der Debatte um die mögliche Wiederzulassung des Herbizidwirkstoffs um weitere zehn Jahre /“Gentech-FOOD“/“Baumwolle – Glyphosat“/“Paprika-Patent“ – „Syngenta“/Patent“ – „Gentech-Kuh“/

„Monsanto“ macht krank –  Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat falsch informiert – „Syngenta“ – „Gentech-food“ –

ARD-Magazin FAKT – http://www.mdr.de/fakt/fakt-glyphosat-bfr-bewertung102.html

….Bei dem 123-seitigen Dokument handelt es sich um die abschließende Stellungnahme des BfR zur aktuellen Klassifizierung von Glyphosat durch die internationale Krebsforschungsagentur…

…In allen fünf ausgewerteten Tierstudien an Mäusen haben sich signifikante Steigerungen verschiedener Tumorarten gezeigt, und zwar sowohl Lymphdrüsen- und Blutgefäß-Krebs wie auch Nierentumoren…

incl. Video

Umstrittenes Pflanzenschutzmittel Glyphosat: Bundesinstitut hat falsch informiert

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat die Öffentlichkeit im Zusammenhang mit dem umstrittenen Pflanzengift Glyphosat jahrelang falsch informiert. Das haben Recherchen des ARD-Magazins FAKT ergeben. In einem der Redaktion vorliegenden Dokument vom August 2015 bestätigt das BfR Ergebnisse der Krebsforschungsagentur IARC, einer Einrichtung der WHO, die in Tierstudien mehrere signifikante Häufungen von Tumoren feststellte.

Bisher hatte das BfR lediglich einen signifikanten Anstieg von Tumoren in einer Studie bestätigt und diese Ergebnisse zudem als wenig relevant bezeichnet. Klar wird jetzt: In allen fünf ausgewerteten Tierstudien an Mäusen haben sich signifikante Steigerungen verschiedener Tumorarten gezeigt, und zwar sowohl Lymphdrüsen- und Blutgefäß-Krebs wie auch Nierentumoren.

Eine grüne Verpackung, auf der Text zum Inhalt steht. Unter anderem steht dort: Wirkstoff: Glyphosat 360 g/l.

Mehr als 5.000 Tonnen des Wirkstoffs Glyphosat werden jedes Jahr in Deutschland verspritzt.

Außerdem weist das Papier darauf hin, dass sich das BfR bei seiner Einschätzung der Wirkung von Glyphosat offenbar auf statistische Daten und Testauswertungen von Herstellerfirmen verlassen hat. Und diese Daten hätten demnach keine signifikanten Hinweise auf eine möglicherweise krebserregende Wirkung des Stoffs ergeben.

Bei dem 123-seitigen Dokument handelt es sich um die abschließende Stellungnahme des BfR zur aktuellen Klassifizierung von Glyphosat durch die internationale Krebsforschungsagentur. Solche Klassifizierungen von Pestiziden müssen in der Europäischen Union alle zehn Jahre vorgenommen werden. Das BfR wie auch die europäischen Behörden wollen jedoch diese Stellungnahme bis zum Abschluss der Entscheidung über die Bewertung von Glyphosat auf EU-Ebene unter Verschluss halten. Trotz vielfältiger Krebssignale in den Tierstudien will die deutsche Behörde bei ihrer Aussage bleiben, dass aus dem Pflanzenschutzmittel kein Krebsrisiko für Menschen resultiere.

Das IARC hatte auf Grundlage der Tierstudien erklärt, dass Glyphosat „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ und „sicher krebserregend bei Tieren“ sei.

In Deutschland werden jedes Jahr mehrere Millionen Liter an Pflanzengiften, die auf dem Wirkstoff Glyphosat beruhen, verspritzt. Sie enthalten mehr als 5.000 Tonnen des reinen Wirkstoffs. Folge ist unter anderem, dass sich in zahlreichen Lebensmitteln Rückstände von Glyphosat befinden – was nach bisheriger Ansicht der in der EU zuständigen Behörden – unter ihnen das deutsche BfRunbedenklich ist.

 „Behörde für Risiko-Bewertung“ falsche Informationen?! – „BfR“ – „ARD“ – „FAKT“ – In allen fünf ausgewerteten Tierstudien an Mäusen haben sich signifikante Steigerungen verschiedener Tumorarten gezeigt, und zwar sowohl Lymphdrüsen- und Blutgefäß-Krebs wie auch Nierentumoren.

Prof. Eberhard Greiser (Epidemiologe), Peter Clausing (Toxikologe), Prof Christopher Portier (IARC-Berater)

http://www.keine-gentechnik.de/nachricht/31204/

….“EU“ –  Bericht spielt  eine Schlüsselrolle in der Debatte um die mögliche Wiederzulassung des Herbizidwirkstoffs um weitere zehn Jahre….

…Hersteller und Behörden sind sich offenbar einig, dass unabhängige Studien im Zulassungsverfahren nicht zählen.“…

Glyphosat: Fehlende Transparenz

28.09.2015

Im Agrarausschuss des Bundestags konnten Wissenschaftler heute ihre Sicht auf den Herbizidwirkstoff Glyphosat erläutern. Näher kamen sie sich nicht: während das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) darauf beharrt, alle Studien zu Glyphosat ausgewertet und keine Hinweise auf erhöhtes Krebsrisiko gefunden zu haben, waren sich amerikanische Experten einig: die Gefahr besteht. Sie kritisierten das Vorgehen von Behörden und Industrie als nicht transparent.

Glyphosat war im Frühjahr von der Internationalen Krebsforschungsagentur IARC der WHO als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft worden. Seitdem ist Debatte in vollem Gange. Ein Mitglied der IARC-Expertengruppe, Ivan Rusyn von der texanischen A&M University, bekräftigte die Einstufung in die zweithöchste Gefahrenstufe. Das sei angesichts der Ergebnisse von toxikologischen Untersuchungen bei Labortieren und von epidemiologischen Studien zu Krebserkrankungen der Bevölkerung sogar „sehr konservativ“ gewesen. Dass das BfR einige Studien, bei denen bei Labortieren Krebserkrankungen festgestellt worden waren, wegen angeblich zu hoher Glyphosat-Mengen aussortiert habe, sei ihm so in seiner wissenschaftlichen Laufbahn noch nie begegnet.

Christopher Portier, der auf viele Jahre als Wissenschaftler bei USGesundheitsbehörden zurückblickt, pflichtete Rusyn bei. Er sieht vor allem ein Problem: mangelnde Transparenz. Die Industriestudien, auf denen die Zulassung von Glyphosat beruht, liegen zwar Behörden, nicht aber externen Wissenschaftlern und der Öffentlichkeit vor. Genauso sei es bei der Bewertung des Krebsrisikos von Glyphosat durch das BfR – auch der aktuelle Bericht der deutschen Behörde ist bislang nicht zugänglich. Dabei spielt dieser in der EU eine Schlüsselrolle in der Debatte um die mögliche Wiederzulassung des Herbizidwirkstoffs um weitere zehn Jahre.

Die brasilianische Wissenschaftlerin Karen Friedrich präsentierte vor allem Erkenntnisse aus ihrem Heimatland, in dem große Mengen Glyphosat auf herbizidresistente Gentechnik-Soja gesprüht werden. Auch sie hält, ebenso wie der Mediziner und Epidemiologe Eberhard Greiser von der Universität Bremen, die Nichtveröffentlichung von Industriestudien, auf die es oft ankommt, für nicht gerechtfertigt.

Der BfR-Präsident Andreas Hensel bekräftigte hingegen, seine Behörde halte manche der vom IARC herangezogenen Studien, die auf Krebs schließen lassen, für nicht relevant. Er plädierte dafür, die wissenschaftliche Debatte – in der unterschiedliche Meinungen an der Tagesordnung seien – den Wissenschaftlern zu überlassen und sie nicht in der Presse auszutragen. Er sei besorgt, dass seine Behörde „unter den Generalverdacht der Korruption“ gestellt werde.

Helmut Greim von der Technischen Universität München erklärte, bei den Bedingungen, unter denen in Deutschland Glyphosat angewendet werde, sei man von für den Menschen bedenklichen Giftmengen weit entfernt. Der Toxikologe, der auf Nachfrage einer Grünen-Abgeordneten mitteilte, von Monsanto für eine gemeinsame Aufbereitung von Glyphosat-Studien 3.000 Euro erhalten zu haben wobei es schwer gewesen sei, den Agrarkonzern zu überzeugen, alle wissenschaftlichen Informationen einfließen zu lassen – hält es angesichts hoher Standards für praktisch ausgeschlossen, dass bei Industriestudien geschummelt wird.

Einig waren sich alle Experten: es kommt auf die Interpretation wissenschaftlicher Daten an. Genau das ist der Job von Behörden wie dem BfR. Und den macht die Bundesbehörde nicht gut, findet der Toxikologe Peter Clausing, der früher für ein Pharmaunternehmen arbeitete. Im Auftrag des Pestizid-Aktionsnetzwerks (PAN) und der Kampagnenorganisation campact wertete er Dokumente des BfR aus. Die Behörde hat diese bei der EU eingereicht, veröffentlicht wurden sie bislang aber nicht. Clausings beklagt „Auslassungen und die Verdrehung von Fakten“, vor allem in den Kapiteln zur krebserzeugenden und erbgutschädigenden Wirkung von Glyphosat.

Über 40 Studien seien nicht berücksichtigt worden. „Die Mängel betreffen die Vernachlässigung und fehlerhafte Beschreibung wichtiger wissenschaftlicher Veröffentlichungen, fehlende Anwendung der gültigen statistischen Analysemethoden auf die von der Industrie eingereichten Daten und falsche Behauptungen bezüglich historischer Kontrolldaten, um so wichtige Ergebnisse aus Krebsstudien an Mäusen verwerfen zu können.“

Clausings harter Vorwurf: „Die Schlussfolgerung liegt nahe, dass das BfR die Beweislage gegen Glyphosat mit Absicht geschwächt hat.” Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) forderte die Politik auf, einzuschreiten. „Obwohl sie dem Verbraucher- und Umweltschutz verpflichtet sind, lassen die Zulassungsbehörden jede kritische Distanz vermissen. Sie handeln wie Dienstleister der Pestizidhersteller“, kritisierte BUND-Chef Hubert Weiger.

Die Umweltorganisation legte heute einen eigenen Bericht vor. Sie glaubt, die Kriterien, die das BfR für die Bewertung anlegt, spielten der Industrie in die Hände. „Bei der Auswertung von Daten haben Pestizidhersteller einen gestalterischen Spielraum und können negative Effekte ihrer Wirkstoffe verschleiern”, so die BUND-Pestizidexpertin Heike Moldenhauer. „Die Hersteller treffen außerdem bei unabhängigen Studien eine Vorauswahl und beurteilen deren Relevanz. De facto diskreditieren die Hersteller alle unabhängigen Studien. Hersteller und Behörden sind sich offenbar einig, dass unabhängige Studien im Zulassungsverfahren nicht zählen.“ [dh]

„ARD“ – „FAKT“ – „Glyphosat“ – „KREBS“
„Kurt Straif“ (IARC-WHO)

http://keine-gentechnik.de/nachricht/31310/

…Die Behörde verweist darauf, dass die genaue Zusammensetzung von glyphosat-haltigen Herbiziden Geschäftsgeheimnis der Hersteller sind. Deshalb sei es schwierig, festzustellen, was genau zu DNA-Schäden führt……——keinblattvormmund:(<„krankmachende Geschäfts-Geheimnisse“ – „PROFIT vor Gesundheit“>)

 

Leak zu Glyphosat: Behörde gibt Hinweise auf Tumorbildung zu

22.10.2015

Also doch: es gibt ernstzunehmende wissenschaftliche Hinweise, dass das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat bei Mäusen Krebs auslöst. In einem geheimen Bericht, den das ARD-Magazin FAKT veröffentlicht hat, erkennt das nun auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) an. Trotzdem beharrt die Behörde darauf, bei „sachgerechter Anwendung“ bestehe für Menschen kein Krebsrisiko.

Aus dem Bericht wird klar, warum die deutsche Behörde und die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) mehrere Studien zu Glyphosat bislang unterschiedlich bewerteten. Während die IARC anerkannte Statistikverfahren einsetzte, um die Relevanz von Fütterungsstudien mit Labormäusen zu überprüfen, verließ sich das BfR zunächst auf die von den Autoren gemachten statistischen Angaben. So steht es unverblümt in dem Papier. Dabei werden solche Studien meist von der Industrie selbst durchgeführt.

Weil die Debatte über das meistverkaufte Herbizid jedoch kein Ende nahm, überlegte die deutsche Behörde es sich offenbar anders und bewertete die Studien noch einmal mit den gleichen statistischen Verfahren wie die IARC. Ergebnis: es gibt doch „positive Trends“ bei der Tumorbildung von Mäusen, denen im Labor Glyphosat verabreicht wird. Dem BfR fielen bei der gründlichen Auswertung sogar noch weitere Indizien für das Krebspotenzial der Chemikalie auf, über die zuvor noch gar nicht berichtet worden sei. „Die statistische Analyse der IARC wurde bestätigt und ausgeweitet“, bilanziert die Behörde in dem vertraulichen Papier von Ende August. Aufgrund der Datenlage und der unterschiedlichen Herangehensweise sei es „evident, dass beide Agenturen zu begründeten Schlussfolgerungen gekommen sind.“

Das klang vor einigen Monaten noch ganz anders: noch im Juni bemängelte das BfR unter anderem die Datenbasis der IARC. Allerdings bleibt die deutsche Behörde auch jetzt, nach der erneuten Überprüfung und Bestätigung der IARC-Einschätzung der Tierversuche, bei seinem Gesamtfazit: „Zusammenfassend ist festzustellen, dass auf Grundlage von elf validen Kanzerogenitätsstudien an Mäusen und Ratten gemäß dem ‚Weight of Evidenz‘ geschlussfolgert werden kann, dass bei sachgerechter Anwendung von Glyphosat als Herbizid kein Krebsrisiko für den Menschen besteht“, schreibt das BfR in seinem Vorwort zu dem geheimen Bericht, den es an die EU übermittelte. Denn, so die Begründung, man könne bei der Krebsbewertung „nicht nur eine statistische Signifikanz von Tumorinzidenzen (…) zum ausschlaggebenden Kriterium“ machen.

Interessant ist auch, wie sich die Behörde zu anderen Risiken von Glyphosat äußert. Die IARC hatte auf eine möglicherweise erbgutschädigende Wirkung hingewiesen. Das BfR teilte hingegen noch im Juni mit: „Die Anhaltspunkte für ein genotoxisches Potenzial von Glyphosat können aus dem von der IARC veröffentlichten Kurzbericht nicht nachvollzogen werden.“ Doch im Vorwort zu seinem Bericht von August empfiehlt die Behörde nun „ausdrücklich, dass zukünftig für alle PSM [Pflanzenschutzmittel, Red.] regulatorisch verwendbare Studien zum genotoxischen Potential durchzuführen sind.” Denn in einigen Studien mit Säugetieren, Fischen oder Amphibien stellte jetzt auch das BfR einen Zusammenhang von glyphosathaltigen Herbiziden und Ergbutschäden fest.

Zwei Studien hätten mit der Comet-Assay-Methode auch Auswirkungen von „Roundup Ultra“ auf Versuchstiere festgestellt. Allerdings, so das BfR, gebe es noch zu wenig Erfahrung im Umgang mit dieser Technik. Deshalb bleibe es „unentschieden“, ob die Ergebnisse für den Menschen relevant seien. „Roundup Ultra“ ist das Spritzmittel, mit dem Monsanto eine Verlängerung der EU-Zulassung von Glyphosat um zehn Jahre beantragt hat. Die Behörde verweist darauf, dass die genaue Zusammensetzung von glyphosat-haltigen Herbiziden Geschäftsgeheimnis der Hersteller sind. Deshalb sei es schwierig, festzustellen, was genau zu DNA-Schäden führt.

Aus Sicht der FAKT-Journalisten ist nach Durchsicht der vertraulichen Dokumente klar: „Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat die Öffentlichkeit im Zusammenhang mit dem umstrittenen Pflanzengift Glyphosat jahrelang falsch informiert.“ Der Grünen-Politiker Harald Ebner kommentierte: „Das Addendum macht die Tragweite des Skandals deutlich. Kein Wunder, dass das BfR das Dokument lieber komplett unter Verschluss halten wollte. Es muss dort notgedrungen zugeben, dass die Hinweise auf eine krebserregende Wirkung von Glyphosat noch viel klarer sind als von der IARC dargestellt.“ [dh]

http://www.testbiotech.org/node/1355

Glyphosat-Daten: EU-Kommission setzt weiter auf Geheimhaltung

…„EU-Kommission will grobe Mängel im Bericht des Bundesinstitut für Risikobewertung vertuschen.“….

5. Oktober 2015 Die Akten zur Risikobewertung des Spritzmittels Glyphosat sollen weiterhin geheim bleiben. Dies teilte die EU-Kommission jetzt in einem Schreiben an Testbiotech mit. Testbiotech hatte einen Antrag auf Einblick in den Bericht des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) gestellt, den die deutsche Behörde schon vor einigen Monaten an die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA geschickt hatte. Die Kommission teilt jetzt mit, dass sie nur bereits existierende Dokumente herausgeben könne. Der finale Bericht des BfR existiere aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch gar nicht. Vielmehr werde der Bericht erst fertiggestellt, sobald die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA ihre Bewertung des Spritzmittels Glyphosat abgeschlossen habe. Dann würde auch eine überarbeitete Version des BfR-Berichtes veröffentlicht.

Der Bericht des BfR ist die wichtigste Grundlage für die Bewertung der Risiken des Glyphosat (Handelsname u.a. Roundup) in der EU. Er ist bisher offiziell nicht veröffentlicht, wurde aber von verschiedenen Experten bereits heftig kritisiert. Die renommierte Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheits­organisation WHO ist zu der Einschätzung gekommen, dass Glyphosat wahrscheinlich krebserregend ist. Dagegen behauptet das BfR in seinem Bericht, dass das Spritzmittel für den Menschen unbedenklich sei.

Die Kommission hatte einen Antrag von Testbiotech auf Offenlegung des BfR-Berichtes bereits im August abgelehnt, und war dabei zu dem Schluss gekommen, dass dieses Dokument streng geheim sei. Zugleich wurde aber die Möglichkeit eingeräumt, die Entscheidung erneut überprüfen zu lassen. Daraufhin hatte Testbiotech in einem weiteren Schreiben Zugang zur Glyphosat-Akte gefordert und auf das große öffentliche Interesse verwiesen. Am 17. September wurde Testbiotech dann mitgeteilt, dass sich die Prüfung des Verfahrens noch hinziehe, da man noch nicht alle nötigen Unterlagen beschaffen konnte. Nachdem die offizielle Frist bereits abgelaufen war, wurde Testbiotech jetzt darüber in Kenntnis gesetzt, dass man den Antrag aus formalen Gründen gar nicht prüfe. Ein Grund dafür sei, dass noch gar kein endgültiger Bericht des BfR vorliege.

„Die Spitzfindigkeiten der EU-Kommission sind nicht glaubwürdig. Wir haben den Eindruck, dass man einfach um jeden Preis versucht den Zugang zum Bericht des BfR zu verhindern. Dafür könnte es ein einfaches Motiv geben: Die EU-Kommission will grobe Mängel im Bericht des Bundesinstitut für Risikobewertung vertuschen“, sagt Christoph Then für Testbiotech. „Wenn es Unklarheiten in unserem Antrag gab, hätte man dies wie auch in anderen Fällen jederzeit per Rückfrage klären können. Daran hatte die Kommission aber offensichtlich kein Interesse.“

http://www.keine-gentechnik.de/nachricht/31176/

Glyphosat-Bewertung: Vorsätzliche Täuschung?

22.09.2015

Ein Mediziner und Epidemiologe der Universität Bremen wirft deutschen Behörden vor, den Herbizidwirkstoff Glyphosat systematisch zu verharmlosen. Er analysierte – wie er betont ohne Auftrag oder Bezahlung – wie unterschiedlich hiesige Stellen und die Krebsforschungsagentur der WHO das Ackergift bewerten. Es gehe um einen „beispiellosen gesundheitspolitischen Skandal“.

So habe das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das innerhalb der EU die federführende Rolle bei der Bewertung von Glyphosat spielt, Inhalte kritischer Studien bewusst falsch wiedergegeben. Dabei habe die Behörde, so wirft ihr der Bremer Wissenschaftler Eberhard Greiser vor, die Qualität von Studien anhand einer Checkliste geprüft, die 1997 von Mitarbeitern des Chemie-Konzerns BASF entworfen worden war.

Doch die beziehe sich gar nicht auf epidemiologische Studien, die die Gesundheit der Bevölkerung im Blick haben, sondern auf Versuche mit Labortieren. Dennoch habe das BfR glyphosat-kritische Studien anhand dieser Checkliste aussortiert, so Greisers Vorwurf. Kein Einzelfall, meint der Professor. Bei der Vorstellung seiner Analyse vor Journalisten, die auf Einladung der Grünen-Abgeordneten Bärbel Höhn und Harald Ebner in den Bundestag gekommen waren, verwies Greiser auf weitere Studien zu Glyphosat, die es nicht in die BfR-Auswahl geschafft hatten.

Insgesamt beruhe die Krebsrisiko-Bewertung der Behörde, die bei Glyphosat im Gegensatz zur Internationalen Krebsforschungsagentur der WHO Entwarnung gibt, auf 61 Quellen – zehn davon seien jedoch „Geheim-Studien der Chemie-Industrie“, die die Öffentlichkeit leider nicht prüfen könne, so Greiser. Hersteller von Pestiziden und Gentechnik-Organismen geben solche Untersuchungen kaum an externe Wissenschaftler – angeblich, weil sonst Geschäftsgeheimnisse bedroht seien.

Der Grünen-Politiker Ebner warf dem BfR eine „Pfusch- und Verwirrungsstrategie“ vor. Noch im Agrarausschuss des Parlaments habe der Präsident der Behörde erklärt, Glyphosat sei nicht gefährlicher als Kochsalz oder Kaffee. Ebner forderte die Bundesregierung auf, aufzuklären, wie das BfR zu seinen Ergebnissen komme. Notfalls müsse es auch „personelle Konsequenzen“ geben, so der Abgeordnete. Das EU-Verfahren, in dem zurzeit geprüft wird, ob Glyphosat weitere zehn Jahre lang angewendet werden darf, müsse nun erst mal gestoppt werden.

Doch würde ein Moratorium auf die Anwendung des meistverkauften Herbizidwirkstoffs, wie es die Grünen fordern, nicht dazu führen, dass die Landwirte auf andere, vielleicht noch giftigere Mittel ausweichen? Bärbel Höhn, die Vorsitzende des Umweltausschusses des Bundestags, forderte von der Regierung eine „Pestizidreduktionsstrategie“. Die Landwirtschaft müsse wegkommen von der Chemiespritze. Der Mediziner Greiser fügte hinzu: es gebe für krebserregende Stoffe keine akzeptable Dosis – jede Menge, die davon in den Körper gelange, sei zu viel.

Der Streit um Glyphosat hatte dieses Frühjahr neue Fahrt aufgenommen, nachdem die Krebsforschungsagentur IARC das Spritzmittel als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft hatte. Mittlerweile wurde bekannt, dass auch eine weitere, von der WHO eingerichtete Expertengruppe empfiehlt, das Herbizid neu zu bewerten. Das BFR, das an der Gruppe beteiligt war, begrüßte das. Auf die eigene Glyphosat-Bewertung und das laufende EU-Verfahren habe das aber keinen Einfluss. „Alle von der IARC zitierten Studien zum Wirkstoff Glyphosat wurden vom BfR im Addendum des überarbeiteten Bewertungsberichts (RAR) zu Glyphosat bereits vollständig geprüft.“

Die Qualität der eigenen Arbeit sei nicht in Frage gestellt, betonte die Behörde. Es gehöre schließlich „zum Alltag der Risikobewertung und ist Teil der wissenschaftlichen Arbeit, dass verschiedene Gremien aufgrund unterschiedlicher Informationen und Einschätzungen von epidemiologischen Daten und experimentellen Prüfungen Sachverhalte unterschiedlich einschätzen.“ [dh]

+++ UPDATE 23.09.15 +++ Das BfR veröffentlichte gestern eine weitere Stellungnahme zur Glyphosat-Bewertung. Darin heißt es: „Im derzeit laufenden EU-Wirkstoffverfahren für Glyphosat hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) alle verfügbaren Studien wissenschaftlich fundiert geprüft und bewertet. Dazu gehören auch die epidemiologischen Studien, die die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) in ihrer Monographie zitiert hat. Sowohl das BfR als auch die Bewertungsbehörden der EU und anderer Länder sowie die Internationale Agentur für Krebsforschung IARC kommen zu der Schlussfolgerung, dass diese Studien nur begrenzte Hinweise auf die Kanzerogenität von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln (Gemischen aus Wirkstoff und Beistoffen) erbracht haben.“

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/10/28/eu-parlament-stoppt-freiheit-der-mitgliedsstaaten-bei-gen-futter/

EU-Parlament stoppt Freiheit der Mitgliedsstaaten bei Gen-Futter

Zahlreiche EU-Länder hatten in den vergangenen Wochen von dem Recht Gebrauch gemacht, den Anbau von Genmais auf nationaler Ebene zu verbieten. Diese Entscheidung der nationalen Regierung ist nun nichtig. Das EU-Parlament lehnte diesen Vorschlag der EU-Kommission ab.

Genmais und Gensoja darf nicht mehr von nationalen Regierungen untersagt werden. (Foto: dpa)

Genmais und Gensoja darf nicht mehr von nationalen Regierungen untersagt werden. (Foto: dpa)

Das EU-Parlament ist gegen eine Entscheidungsfreiheit der Mitgliedsländer beim Import von genetisch veränderten Futtermitteln. Mit großer Mehrheit lehnten die Abgeordneten am Mittwoch den Vorschlag ab, dass die EU-Länder selbst darüber befinden können, ob sie den Verkauf und die Verwendung von genetisch verändertem Soja und anderen Futtermitteln verbieten, auch wenn diese in der EU bereits genehmigt sind. Nach der Ablehnung durch das Parlament muss die EU-Kommission nun entscheiden, ob sie einen neuen Vorschlag vorlegt.

In der Europäischen Union werden laut EU-Kommission pro Jahr 36 Millionen Tonnen Sojabohnen für die Fütterung landwirtschaftlicher Nutztiere benötigt. Davon werden nur 1,4 Millionen Tonnen in der EU erzeugt, die komplett nicht genverändert sind. Der Rest kommt fast ausschließlich aus Brasilien, Argentinien, den USA und Paraguay, wo jeweils der Anteil von genverändertem Soja bei rund 90 bis 100 Prozent liegt.

Der Anbau von genetisch veränderten Organismen (GVO) kann in der EU bereits von den Mitgliedsländern eigenmächtig verboten werden, auch wenn die EU-Kommission für die Anpflanzung grünes Licht erteilt haben sollte. Deutschland hatte vor wenigen Wochen von diesem Recht Gebrauch gemacht und den Anbau von Genmais verboten.

 

3-sat – mediathek – „Christoph Then“ zur Gentechnikhttp://www.3sat.de/mediathek/index.php?display=1&mode=play&obj=34626

„Christoph Then“http://www.testbiotech.org/node/1340

Ausbreitung von Gentechnik-Organismen: Außer Kontrolle

Neuer Bericht gibt Übersicht über aktuelle und drohende Fälle

Montag, 21. September 2015

Testbiotech veröffentlicht heute einen Bericht, der einen aktuellen und globalen Überblick über Fälle der unkontrollierten Ausbreitung vermehrungsfähiger gentechnisch veränderter Organismen in der Umwelt gibt. Der Bericht soll auch im Rahmen eines Workshops vorgestellt werden, der vom 21. bis 25. September im Rahmen des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD) in Montreal, Kanada stattfindet.

Die Fälle, in denen eine Ausbreitung und Vermehrung in der Umwelt bereits nachgewiesen ist, betreffen u. a China (Reis), Mexiko (Mais und Baumwolle), Japan (Raps) Südkorea (Baumwolle und Mais), die Schweiz (Raps) und die USA (Gräser). Weitere mögliche Kandidaten, bei denen eine unkontrollierte Ausbreitung zu befürchten ist, sind Auberginen in Indien und Bangladesch, Bäume wie Eukalyptus und Kiefern in Nord- und Südamerika sowie gentechnisch veränderte Insekten in Brasilien und Panama.

Zusätzlich drohen in der Zukunft erhebliche Risiken durch neue Verfahren der Synthetischen Gentechnik. Mithilfe neuer gentechnischer Verfahren können beispielsweise Insekten mit sogenannten „Gene-Drives“ ausgestattet werden. Die Vererbungsmechanismen sind bei diesen Organismen so verändert, dass sich synthetische Gene wesentlich schneller in natürlichen Populationen ausbreiten.

„Wir stehen vor einer grundlegenden Weichenstellung. Die unkontrollierte Ausbreitung und Vermehrung gentechnisch veränderter Organismen in der Umwelt bedeutet eine neue Dimension der Gefährdung für die Biodiversität und damit für die Zukunft des Planeten“, warnt Christoph Then von Testbiotech. „Alle nachfolgenden Generationen müssen mit Risiken und Langzeitfolgen leben, die heute durch kurzfristiges Gewinnstreben und politische Nachlässigkeit verursacht werden.“

Die Folgen einer Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen, deren Ausbreitung nicht kontrolliert werden kann, lassen sich nicht verlässlich prognostizieren. Evolutionäre Prozesse führen dazu, dass sich auch Ereignisse mit geringer Wahrscheinlichkeit realisieren können. Das macht eine seriöse Risikoabschätzung unmöglich. Deswegen müssten derartige Freisetzungen grundsätzlich verboten werden.

Testbiotech gehört zu den Initiatoren eines internationalen Aufrufs, in dem gefordert wird, dass die Vertragsstaaten des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) aktiv werden, um gesetzlich bindende nationale und internationale Regelungen zu erlassen, welche die Freisetzung gentechnisch veränderter oder synthetischer Organismen generell verbieten, wenn diese sich in der Umwelt ausbreiten und vermehren können.

 

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/10/26/krebserregendes-monsanto-gift-in-op-material-nachgewiesen/

Krebserregendes Monsanto-Gift in OP-Material nachgewiesen

Eine argentinische Studie hat das Pflanzengift Glyphosat in zahlreichen Baumwoll-Produkten nachgewiesen. Der als krebserregend eingestufte Stoff fand sich in allen getesteten Wundverbänden. Die Forscher warnen, das Gift könne über offene Wunden direkt in den Blutkreislauf gelangen.

Das Monsanto-Gift gelangt über die offene Blüte in die Pflanze und somit in zahlreiche Baumwollprodukte. (Foto: dpa)

Monsantos Pflanzengift Glyphosat ist nicht nur in der Nahrung, sondern auch in Baumwollprodukten wie Kleidung, Hygiene-Artikeln und Wundverbänden: Eine Studie der argentinischen Universität La Plata hat Glyphosat nun in zahlreichen Baumwoll-Produkten nachgewiesen. Das als krebserregend eingestufte Gift fand sich in ausnahmslos allen getesteten Wundverbänden, Mullbinden und Baumwolltupfern. Zudem waren 85 Prozent der getesteten Tampons mit dem Gift verseucht, so ein Bericht über die Studienergebnisse in argentinischen Medien…..

http://www.keine-gentechnik.de/nachricht/31311/

Paprika
Noch unpatentiert? Paprika im Visier der Agrar-Konzerne (Foto: Lucas Cobb / flickr, creativecommons.org/licenses/by/2.0)-+-

Wieder Paprika-Patent für Syngenta

23.10.2015

Schon wieder erteilt das Europäische Patentamt ein Patent auf eine konventionell gezüchtete Gemüsepflanze, schon wieder profitiert einer der großen Saatgut-Konzerne. NGOs schlagen Alarm: „Die Patentierung von Nahrungspflanzen ist ähnlich problematisch wie die Privatisierung von Wasser und erfordert eine klare Reaktion der Politik.“

Wie „Keine Patente auf Saatgut!“, ein Zusammenschluss von Organisationen aus mehreren Ländern, gestern mitteilte, erhielt der Schweizer Agrarmulti Syngenta ein Patent auf die Paprika-Pflanzen, das Saatgut, Anbau und Ernte des Gemüses, aber auch – so heißt es in der Patentschrift – auf die „Verwendung einer von einer Paprikapflanze (…) produzierten samenlosen Frucht als Frischprodukt, als frisch geschnittenes Produkt oder für die Verarbeitung wie zum Beispiel die Konservenindustrie.“

Dabei hat Syngenta die Paprika nicht mittels Gentechnik entwickelt – dann wäre eine Patentierung als Erfindung laut Europäischem Patentübereinkommen rechtens. Der Konzern nutzte hingegen Paprikasorten, die die gewünschten Eigenschaft – keine Samen – aufweisen und kreuzte sie. So entstand die „verbesserte Paprikapflanze“.

Aus Sicht von NGOs ignoriert das Europäische Patentamt – eine Nicht-EU-Institution mit Sitz in München – mit solchen Patenten immer wieder die rechtlichen Vorgaben. Die schließen geistiges Eigentum an Pflanzen und Tieren aus konventioneller Zucht aus. Eigentlich. Aber das Amt, das von den Gebühren der Konzerne profitiert, gewährt es trotzdem. „Schritt für Schritt übernehmen die Saatgutkonzerne die Kontrolle über unsere Nahrungsmittel. Sollen wir in Zukunft erst um Erlaubnis fragen, bevor wir eine Paprika aufschneiden?“, kritisierte Christoph Then von Keine Patente auf Saatgut!. „Auf jeden Fall kann Syngenta Andere daran hindern, diese Paprika anzubauen, zu ernten, als Nahrungsmittel zu verkaufen oder für die weitere Züchtung zu nutzen, wenn die Firma das will.“

Auch der deutsche Bio-Dachverband sieht solche Patente kritisch, sie behinderten Innovation in der Züchtung. „Das bestehende Sortenschutzrecht reicht völlig aus, um die geistige Leistung zu schützen, die in dieser Arbeit steckt. Patente blockieren die Weiterentwicklung, auf die wir in der Landwirtschaft weltweit dringend angewiesen sind“ warnte Peter Röhrig, der Geschäftsführer des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft. Er forderte die Bundesregierung auf, beim Patentamt zu intervenieren. „Aktiv geworden sind bisher weder Justizminister Heiko Maas noch Landwirtschaftsminister Christian Schmidt“, so Röhrigs Kritik in Richtung der Minister aus SPD und CSU. Dabei hatten die Regierungsparteien das Engagement gegen solche Patente sogar im Koalitionsvertrag vereinbart.

Der Grünen-Europaabgeordnete Martin Häusling kritisierte das Gemüsepatent ebenfalls: „Es ist wichtig, dass genetische Ressourcen für Züchter und Landwirte frei zugänglich bleiben. Strategische Patente, die Zucht- und Marktmonopole verstärken, bringen keine Innovation für Europa, sondern behindern sie.“ [dh]

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/10/27/syngenta-erhaelt-lebensmittel-patent-auf-paprika/

Syngenta erhält Lebensmittel-Patent auf Paprika

Das Europäische Patentamt (EPA) hat dem Agrarkonzern Syngenta ein Patent auf eine Paprikasorte erteilt. Wer die kernlose Gemüse-Sorte züchten, anbauen, ernten oder verkaufen will, muss künftig Syngenta um Erlaubnis fragen. Damit setzt sich das Amt zum wiederholten Mal über ein EU-Abkommen hinweg, das biologische Züchtungen von geistigem Eigentum explizit ausschließt.

Wer die kernlose Paprika-Sorte züchten, anbauen, ernten oder verkaufen will, muss künftig Syngenta um erlaubnis fragen. (Foto: dpa)

Wer die kernlose Paprika-Sorte züchten, anbauen, ernten oder verkaufen will, muss künftig Syngenta um Erlaubnis fragen. (Foto: dpa)

Der Schweizer Agrarkonzern Syngenta hat zum wiederholten Mal ein Patent auf Paprika-Pflanzen erhalten. Das europäische Patentamt genehmigte ein Patent auf das Saatgut, den Anbau und die Ernte einer kernlosen Form des Gemüses, sowie auf die „Verwendung einer von einer Paprikapflanze (…) produzierten samenlosen Frucht als Frischprodukt, als frisch geschnittenes Produkt oder für die Verarbeitung wie zum Beispiel die Konservenindustrie“, zitiert die Organisation „Keine Patente auf Saatgut“ aus der Patentschrift.

Die Patentierung von Lebensmitteln ist höchst umstritten und eigentlich nur dann erlaubt, wenn die Pflanze mittels Gentechnik entwickelt wurde und damit laut Europäischem Patentübereinkommen als Erfindung gelten kann. Allerdings ist die betroffene kernlose Paprikasorte rein durch natürliche Züchtung bei der Kreuzung von Natur aus kernloser Pflanzen entstanden. Das Abkommen schließt geistiges Eigentum an Pflanzen und Tieren aus konventioneller Zucht explizit aus – das Patent dürfte also eigentlich gar nicht vergeben werden.

Dennoch ist es nicht das erste Mal, dass sich das Patentamt über diese Vorschriften hinwegsetzt. Christoph Then von „Keine Patente auf Saatgut“ kritisiert seit langem das unrechtmäßige Vorgehen der Behörde mit Sitz in München, die immer wieder die rechtlichen Vorgaben ignoriere. Das Amt profitiere demnach von den Gebühren der Konzerne – diese übernähmen dadurch Schritt für Schritt die Kontrolle über unsere Nahrungsmittel. „Sollen wir in Zukunft erst um Erlaubnis fragen, bevor wir eine Paprika aufschneiden?“, so Christoph Then von „Keine Patente auf Saatgut“. Demnach könne Syngenta nun Andere daran hindern, diese Paprika anzubauen, zu ernten, als Nahrungsmittel zu verkaufen oder für die weitere Züchtung zu nutzen.

Kritik an dem Patentamt kommt auch von den Grünen: „Diese sogenannten strategischen Patente, die Konzerne anmelden, um den Saatgutmarkt unter ihre Kontrolle zu bekommen, müssen endlich unterbunden werden.  Wenn Pflanzen patentiert werden, dann wird das für konventionelle Züchtungen vorgesehene Sortenschutzrecht umgangen. Andere Züchter haben keinen Zugriff mehr auf das Genmaterial“, so der Grüne Europa-Abgeordnete Martin Häusling.

Vor drei Jahren hatte das Europäische Parlament mit großer Mehrheit eine Resolution verabschiedet, in der das EPA aufgefordert wird, die Patentierung in der konventionellen Tier- und Pflanzenzucht zu beenden. Allerdings ist das Patentamt keine offizielle EU-Institution, sondern eine NGO mit Sitz in München – und laut Kritikern fest in Hand der Lobbyisten. Auch habe die EU-Kommission bereits vor über einem Jahr eine Arbeitsgruppe zu der Problematik eingerichtet, die meisten Beobachter gingen jedoch nicht davon aus, dass die eher industriefreundliche EU-Kommission in nächster Zeit weitreichende Änderungen durchsetzen werde, so die Koalition „Keine Patente auf Saatgut“.

Die deutsche Regierungskoalition hatte demnach ein Engagement gegen solche Patente in den Koalitionsvertrag geschrieben – bisher haben sich jedoch weder Justizminister Maas noch Landwirtschaftsminsiter Schmidt groß für das Thema eingesetzt.

 

Patent auf Gentechnik-Kuh zurückgezogen – „PATENT-KUH“ – „PATENT“ – „……“

12.10.2015

Kuh mit Horn, ohne Gentechnik
Kuh: am besten ohne Gentechnik, aber mit Horn (Foto: Frank Lindecke/ flickr, creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0)-+-

Ein Patent auf Gentechnik-Milchkühe wurde vom Inhaber zurückgezogen. Der Bundesverband deutscher Milchviehalter (BDM) und seine Mitstreiter werten diesen Schritt als Erfolg ihrer Klage, die sie bei der Beschwerdekammer des Europäischen Patentamts eingereicht hatten. Sie befürchteten: noch mehr Abhängigkeit von Agrar-Konzernen.

Vor acht Jahren reichten der BDM, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), MISEREOR, das Gen-ethische Netzwerk (GeN), die „Initiative Kein Patent auf Leben!“ und Greenpeace Einspruch gegen ein Milchkuh-Patent (EP1330552) ein. Neben dem gentechnischen Verfahren hatten sich die „Erfinder“ aus Belgien und Neuseeland auch die Kühe mit der veränderten DNA schützen lassen.

Der Titel des Patents, das das Europäische Patentamt in München 2007 gewährte, lautete: „Marker-Unterstützte Auswahl von Rindvieh für verbesserte Milchproduktion unter Verwendung des Diacylglycerin-Acyltransferase-Gens DGAT1“.

Thorsten Sehm, Geschäftsführer des BDM, wirft der Politik Untätigkeit vor. Sie müsse eingreifen, um weitere Patente auf Tiere und Pflanzen zu verhindern – diese werden nicht nur auf Gentechnik-Organismen, sondern auch auf konventionell gezüchtete vergeben. „Wir werden den Druck auf die Bundesregierung deutlich erhöhen, wenn es nicht bald ernsthafte Vorstöße gibt“, sagte auch Georg Janßen von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL).

„Das Problem ist uns zu wichtig, wir werden nicht zulassen, dass es einfach ausgesessen wird und die Konzerne ein Patent nach dem anderen erhalten. Wir müssen den Ausverkauf unserer Lebensgrundlagen stoppen“, so Janßen. [keh]

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s