Afghanistan – „Ärzte ohne Grenzen“ – „US“- Armee bombardiert Krankenhaus trotz Hilfe-Ruf der Ärzte

(< Es wird endlich  Zeit das solche „Vergehen“ nicht mehr verschleiert werden dürfen und als „Kollateralschaden“ benannt werden – eine sofortige vollständige AUFKLÄRUNG ist deshalb notwendig – zumal hier signifikante Merkwürdigkeiten passiert sind – wieso wurde bombadiert obwohl bekannt war das der ORT der Luft-Angriffe in der Nähe des Krankenhaus war??? – wieso wurde trotz „Hilferufe“ das Bombardement“ erst nach 30 Minuten eingestellt???>)

 

Hochkommissar für Menschenrechte der UN, Seid Al-Hussein, nennt den Angriff „unverzeihlich und wahrscheinlich ein Kriegsverbrechen“.

das Hauptgebäude des Krankenhauses beinahe im 15-Minuten-Takt „wiederholt sehr genau“ bombardiert worden wäre. Der Angriff fand Angaben zufolge über eine ganze Stunde hinweg statt.

 

rt-deutsch – US-Bombardement von MSF-Krankenhaus in Kundus – Pentagon wälzt Schuld auf afghanische Armee ab


Die USAverstricken sich in Widersprüche. Nach dem Luftschlag auf ein Krankenhaus im nordafghanischen Kundus und starker internationaler Kritik hat sich am Montag ein US-Kommandeur zu Wort gemeldet. Während es zunächst aus dem Pentagon hieß eigene Spezialeinheiten hätten die Luftunterstützung angefordert, soll es jetzt „nach neuesten Erkenntnissen“ die afghanische Armee gewesen sein.

undus: US-Militärs versuchen afghanischen Soldaten Verantwortung für Luftangriffe auf Krankenhaus zuzuschanzen

Quelle: S Kaiser/CC BY-SA 2.0

Tage zuvor hatten die US-Militärs noch erklärt, dass US-amerikanische Einheiten in Kundus von den Talibanheftig beschossen worden wären. Daher habe man Luftunterstützung angefordert. Ein Flugzeug vom Typ AC-130 wurde entsandt, auch „Kanonenboot“ genannt.

Am Montag jedoch legten sich die Umstände für den international scharf kritisierten Luftangriff bereits  ganz anders aus. Der General John Campbell behauptete gegenüber Reportern:

„Wir haben erfahren, dass afghanische Kräfte am 3. Oktober mitteilten, sie werden von feindlichen Positionen aus beschossen und erbaten Luftunterstützung von der US-Air Force.“

Die Luftunterstützung wurde entsandt und „die Taliban-Gefahr wurde eliminiert… Einige Zivilisten wurden versehentlich angegriffen“, führte der US-General aus.

Mehr lesen: Afghanistan: Taliban stürmen Gefängnis und befreien 150 ihrer Kämpfer

Nebulös gab Campbell an, dass die Anfrage an US-Spezialeinheiten gerichtet war, die die Afghanen beraten. Unklar ist, ob diese Einheiten an den Kämpfenaktiv beteiligt waren.

Der General, welcher die US-Einheiten in Afghanistan kommandiert, lehnte einen Kommentar über das Mandat, unter welchem US-Soldaten noch in Afghanistan operieren, ab.

Er versprach aber, dass der Vorfallumfassend und transparentaufgearbeitet werde:     (<von wem???!!!>)

„Wir werden all jene, die verantwortlich sind, ausfindig machen und Schritte einleiten, um sicherzustellen, dass Fehler nicht wiederholt werden.“

Ärzte ohne Grenzen (MSF) forderte „unter der Annahme, dass ein Kriegsverbrechen verübt wurde“, eine unabhängige Untersuchung des Luftangriffs.

Die Nothilfe-Organisation erklärte, dass trotz verzweifelter Anrufe bei Militäroffiziellen in Kabul und Washington das Hauptgebäude des Krankenhauses beinahe im 15-Minuten-Takt „wiederholt sehr genau“ bombardiert worden wäre. Der Angriff fand Angaben zufolge über eine ganze Stunde hinweg statt.

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums kritisierte am Montag:

„Wir finden es rätselhaft, dass der Luftschlag durchgeführt wurde, obwohl die internationale Koalition über die genauen Koordinaten des Krankenhauses informiert wurde.“

 

http://www.aerzte-ohne-grenzen.de/kundus-untersuchung-laut-genfer-konvention-gefordert

Afghanistan

Angriff auf Klinik in Kundus: Ärzte ohne Grenzen fordert unabhängige Untersuchung gemäß Genfer Konventionen

Unabhängige Untersuchung Laut Genfer Konventionen gefordert

Ärzte ohne Grenzen forderte heute auf einer Pressekonferenz in Genf die Staatengemeinschaft dazu auf, die durch die Genfer Konventionen geschaffene „Internationale Humanitäre Ermittlungskommission“ damit zu beauftragen, den Angriff der US-Luftwaffe auf das Krankenhaus in Kundus am Samstagmorgen zu untersuchen.

Diese Kommission wurde im Ersten Zusatzprotokoll zu den Genfer Konventionen geschaffen (Art. 90) und ist die permanente Instanz, die speziell zur Untersuchung von Verletzungen des humanitären Völkerrechts eingeführt wurde. 76 Staaten, darunter die Bundesrepublik Deutschland, haben eine Erklärung zur Zuständigkeit der Internationalen Humanitären Ermittlungskommission unterzeichnet.

Ärzte ohne Grenzen fordert die Unterzeichnerstaaten auf, eine Untersuchung des Angriffs in Kundus durch die Kommission zu beantragen, um den tatsächlichen Hergang unabhängig festzustellen und den geschützten Status von Krankenhäusern in Konflikten wiederherzustellen. Die Internationale Humanitäre Ermittlungskommission existiert seit 1991, wurde jedoch noch nie eingesetzt. Damit dies geschieht, muss einer der 76 Unterzeichnerstaaten eine Ermittlung beantragen.

Ärzte ohne Grenzen: „Selbst im Krieg gibt es Regeln“

Rede von Dr. Joanne Liu, Internationale Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen
7. Oktober 2015, Palais des Nations, Genf, Schweiz

Am Samstagmorgen kamen zu den zahllosen Menschen, die weltweit in Konfliktgebieten getötet und dann als „Kollateralschaden“ oder „unvermeidbare Konsequenz des Krieges“ abgetan wurden, auch Patienten und Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen. Im internationalen humanitären Völkerrecht geht es nicht um „Fehler“. Es geht um Absichten, Fakten und die Gründe dafür.

Der US-Luftangriff auf das Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Kundus war der Luftangriff mit den meisten Todesopfern, den es je auf unsere Organisation gab. Zehntausende Menschen in Kundus haben ausgerechnet jetzt keinen Zugang zu medizinischer Hilfe mehr, wenn sie diese am dringendsten bräuchten. Darum sagen wir heute: Es reicht. Selbst im Krieg gibt es Regeln.

Unsere Patienten in Kundus verbrannten in ihren Betten. Ärzte, Pflegepersonal und andere Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen wurden bei ihrer Arbeit getötet. Unsere Kollegen mussten einander operieren. Einer unserer Ärzte verstarb auf einem improvisierten Operationstisch – einem Bürotisch –, während ein Kollege sich bemühte, ihm das Leben zu retten.

Wir würdigen heute jene, die bei diesem furchtbaren Angriff ihr Leben verloren haben. Und wir zollen jenen Mitarbeitern von Ärzte ohne Grenzen Tribut, die zusehen mussten, wie ihre Kollegen starben und ihr Krankenhaus in Flammen stand, und sich dennoch unbeirrt um Verletzte kümmerten.

Es handelt sich hier nicht nur um einen Angriff auf unser Krankenhaus, sondern um einen Angriff auf die Genfer Konventionen. Diese Konventionen halten die Regeln des Krieges fest und wurden zum Schutz von Zivilpersonen geschaffen – sie schützen Patienten, medizinisches Personal und medizinische Einrichtungen. Sie bringen etwas Menschlichkeit in eine ansonsten unmenschliche Situation.

Die Genfer Konventionen sind mehr als ein abstrakter Rechtsrahmen, für medizinische Teams an der Front machen sie den Unterschied zwischen Leben und Tod aus. Es sind die Genfer Konventionen, die unseren Patienten einen sicheren Zugang zu medizinischen Einrichtungen erlauben und uns ermöglichen, medizinische Hilfe zu leisten, ohne dabei angegriffen zu werden.

Gerade weil Angriffe auf Krankenhäuser in Kriegsgebieten verboten sind, gingen wir davon aus, geschützt zu sein. Doch 10 unserer Patienten, darunter 3 Kinder, und 12 unserer Mitarbeiter starben durch die Luftangriffe.

Die Umstände dieses Angriffs müssen unabhängig und  unparteilich untersucht werden, insbesondere wegen der Unstimmigkeit in den Aussagen von US-amerikanischer und afghanischer Seite in den vergangenen Tagen. Wir können uns nicht allein auf interne militärische Untersuchungen durch Einheiten der USA, Afghanistans oder durch die Nato verlassen.

Wir fordern heute die Untersuchung des Angriffs in Kundus durch die Internationale Humanitäre Ermittlungskommission. Diese Kommission wurde im Ersten Zusatzprotokoll zu den Genfer Konventionen geschaffen und ist die permanente Instanz, die speziell zur Untersuchung von Verletzungen des humanitären Völkerrechts eingeführt wurde. Wir fordern von den Staaten, die die Erklärung zur Zuständigkeit der Kommission unterzeichnet haben, diese zu aktivieren, um den tatsächliche

http://www.aerzte-ohne-grenzen.de/statement-luftangriff-krankenhaus-kundus

Afghanistan

Aktuelles Statement zum Luftangriff auf unser Krankenhaus in Kundus

luftangriff krankenhaus kundus afghanistan
In der Nacht zum vergangenen Samstag wurde unser Krankenhaus in Kundus, Afghanistan, mehrmals während anhaltender Bombardements getroffen. Dabei sind zwölf Mitarbeiter und zehn Patienten von Ärzte ohne Grenzen getötet worden. Der Luftangriff wurde von den Truppen der Internationalen Koalition durchgeführt.
„Die amerikanische Regierung hat zugegeben, dass es ein US-Luftangriff war, der unser Krankenhaus in Kundus getroffen hat. Im Krankenhaus waren nur Mitarbeiter, Patienten und deren Angehörige. Mindestens 37 Menschen wurden verletzt. Zwölf unserer Mitarbeiter und zehn Patienten – darunter drei Kinder – wurden bei dem Angriff getötet.
Wir trauern um unsere Kollegen und Patienten. Unsere Gedanken sind bei ihren Angehörigen und Freunden.
Die Bombardements waren eine schwere Verletzung des Humanitären Völkerrechts. Für diesen abscheulichen Angriff gibt es keine Rechtfertigung. Kein einziger unserer Mitarbeiter hat vor dem Luftangriff am Samstag von Kämpfen auf dem Gelände des Krankenhauses berichtet.
Das Hauptgebäude des Krankenhauses, in dem das medizinische Personal die Patienten versorgte, wurde bei dem eine Stunde andauernden Bombardement wiederholt und sehr präzise getroffen. Das restliche Gelände blieb nahezu unberührt.
Zunächst versuchte die US-Regierung die Angriffe als ‚Kollateralschaden‘ abzutun. Dann wurde von einem tragischen Zwischenfall gesprochen. Zuletzt gab sie die Verantwortung für die Bombardements an die afghanische Regierung weiter. In jedem Fall bleibt das US-Militär verantwortlich für die Ziele, die es trifft, auch wenn es Teil einer Koalition ist.
Wir fordern eine umfassende und transparente Untersuchung des Vorfalls durch eine unabhängige internationale Instanz. Es wäre völlig unzureichend, sich bei der Aufklärung ausschließlich auf eine interne Untersuchung durch einen in den Konflikt involvierten Akteur zu verlassen.“
Florian Westphal, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Deutschland

rt-deutsch – Kundus: US-Bombardement auf Krankenhaus – Zahl der Toten steigt auf 19 – drei davon Kinder


Eine „schwerwiegende Verletzung des humanitären Völkerrechts“ nennt die internationale Präsidentin von Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF), Dr. Joanne Liu, das US-Bombardement auf das MSF-Krankenhaus im afghanischenKundus. 12 Mitarbeiter und sieben Patienten, davon drei Kinder, sind nun tot. 37 Menschen, einschließlich 19 MSF-Mitarbeitern, wurden zum Teil schwer verletzt. In einer schriftlichen Stellungnahme der US-Botschaft in Afghanistan sowie in einer von US-Verteidigungsminister Ashton Carter wird von einem „tragischen Zwischenfall“ gesprochen. Glaubt man jedoch den Aussagen von „Ärzte ohne Grenzen“, wäre mindestens „grobe Fahrlässigkeit“ wohl eine treffendere Beschreibung, denn diese behaupten, dass sie allen Konfliktparteien vorsorglich die GPS-Daten ihrer Einrichtungen mehrfach übermittelt haben und das zuletzt erst am 29.09.2015. Dennoch wurde das Krankenhaus in der Nacht von Freitag auf Samstag mehrfach bombardiert und obwohl sofort Militärs in Washington und Kabul über den „falschen Treffer“ informiert wurden, ging das Bombardement für ganze 30 Minuten weiter. MSF fordert, dass dieser Angriff nicht als Kollateralschaden abgetan werden darf und Hochkommissar für Menschenrechte der UN, Seid Al-Hussein, nennt den Angriff „unverzeihlich und wahrscheinlich ein Kriegsverbrechen“.

 

Quelle: Ruptly
klagemauer-tvhttp://www.kla.tv/index.php?a=showtodaybroadcast&blockid=6307&id=6848

USA bombardieren Krankenhaus – Medien messen mit zweierlei Maß 05.10.2015

Als am 30. September russische Kampfjets begonnen haben, im Kampf gegen den Islamischen Staat – kurz IS – erste Ziele in Syrien zu bombardieren, ging die antirussische Propaganda der westlichen Presse los. Sofort wurde Russland beschuldigt, Russland hätte es gar nicht auf Stellungen der IS abgesehen und bei seinen Luftangriffen gezielt Zivilisten getötet. Wieder einmal stand das vernichtende Urteil über Russland fest, bevor die Beschuldigungen überhaupt hinterfragt und unter Berücksichtigung der Stellungnahme der anderen Seite geprüft wurden. Ausführlich berichteten wir darüber in der Sendung vom 2. Oktober. [siehe http://www.kla.tv/6824 ] Keine Gelegenheit wird ausgelassen, um den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu verunglimpfen. Ganz anders berichten die Medien, wenn es um die USA oder den US-amerikanischen Präsidenten Barack Obama geht. So meldete das Schweizer Radio und Fernsehen, kurz SRF, am 4. Oktober 2015, dass bei einem Bombenangriff im afghanischen Kundus in einem Krankenhaus der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ 22 Menschen getötet worden seien. Zum Zeitpunkt des Luftangriffs am Samstag seien 105 Patienten, Angehörige und gut 80 Mitarbeiter in dem Gebäude gewesen. „Ärzte ohne Grenzen“ ziehe sich vorerst aus der Stadt zurück, da das Krankenhaus „nicht mehr nutzbar“ sei, so SRF. SRF sprach von einem mutmaßlichen US-Luftangriff. Die USA bestätigten Luftangriffe nahe der Klinik. Ziel seien Taliban-Kämpfer gewesen. In einer Erklärung der NATO war von einem möglichen „Kollateralschaden“ die Rede. Der militärische Fachbegriff Kollateralschaden, auch Begleitschaden genannt, bezeichnet in der Umgebung eines Ziels entstehende, an sich unbeabsichtigte oder eventuell „in Kauf genommene“ Schäden aller Art. Hier wird sehr deutlich, dass die Medien mit zweierlei Maß messen. Da wird ein von einer Hilfsorganisation geführtes Krankenhaus mit über 180 Personen über eine halbe Stunde regelrecht bombardiert – und es wird mit einem möglichen Kollateralschaden entschuldigt! Dass dies jedoch kaum als Entschuldigung gelten dürfte, macht folgende Erklärung von „Ärzte ohne Grenzen“ deutlich: Allen Konfliktparteien seien vorsorglich mehrfach die genauen Geodaten ihrer Einrichtungen übermittelt worden, zuletzt am 29. September. Nach Beginn des Angriffs habe man zudem das amerikanische und afghanische Militär erneut kontaktiert; dennoch habe das Bombardement noch mehr als 30 Minuten angehalten. Ferner sage der Taliban-Sprecher, ich zitiere: „Keiner unserer Kämpfer war zum Zeitpunkt des Angriffs ein Patient der Klinik“. Die US-Streitkräfte waren offensichtlich informiert, und rein technisch müsste es ein Leichtes gewesen sein, die Bombardierung des Krankenhauses zu vermeiden. Und trotz all diesen mehr als deutlichen Hinweisen – von denen SRF sowie der Rest der westlichen Presse weiß – gibt es kaum eine Kritik an den USA und kein schlechtes Wort über Barack Obama. Und es erfolgt schon gar keine Verurteilung, wie es die westlichen Medien auch mit weit weniger Indizien sehr wohl könnten. Dies zeigt das anfangs erwähnte Beispiel der Bombardierung Russlands auf Stellungen der IS. Ein weiteres Beispiel dieser einseitigen Berichterstattung der Medien unterstreicht der internationale Jugend-Kanal der Al Jazeera Mediengruppe, einem arabischen Nachrichtensender mit Hauptsitz in Katar. Dieser verglich die Beschuldigungen gegen Russland mit den Praktiken der USA. Russland schicke zwar Panzer, Flugzeuge und Militärberater, um Assads Verteidigung zu stärken, aber die USA seien bei weitem keine unbeteiligten Zuschauer. In den USA hergestellte Waffen würden massenweise in den Händen der IS und anderen Rebellengruppen landen. Doch darüber wird von den westlichen Leitmedien kaum etwas berichtet und schon gar nicht verurteilt. Deshalb empfehlen wir Ihnen unter nachfolgendem Link, die gut zweieinhalb-minütige Reportage des Jugend-Kanal der Al Jazeera anzusehen. Guten Abend.

Ärzte ohne Grenzen: Es war schrecklich!
„Ich habe keine Worte, um auszudrücken, wie schrecklich es war. Es ist unaussprechlich“ – Bericht aus Kundus

05. Oktober 2015 (von Ärzte ohne Grenzen) Unser Krankenpfleger Lajos Zoltan Jecs war in unserem Trauma-Krankenhaus in Kundus, während es am Samstagmorgen von einer Reihe von Luftangriffen getroffen wurde. Er beschreibt die schrecklichen Erlebnisse, die er und andere Teammitglieder und Patienten durchmachen mussten.

Luftangriff Kundus Krankenhaus Ärzte ohne Grenzen Mitarbeiter in Schock

Mitarbeiter in einem Gebäudeteil unseres Krankenhauses in Kundus, der nicht zerstört wurde.
Sie stehen nach den Luftangriffen unter Schock, wie auch unser Kollege Lajos Zoltan Jecs
es in seinem Bericht über die schrecklichen Stunden dort beschreibt.

 

„Es war absolut entsetzlich. Es war gegen zwei Uhr morgens, als ich vom Knall einer großen Explosion aufwachte. Ich schlief gerade in einem der sicheren Räume unseres Krankenhauses. Zunächst verstand ich nicht, was passierte. Während der ganzen Woche hatten wir immer wieder Bombardierungen und Explosionen gehört, aber die waren immer viel weiter entfernt. Aber diesmal war es anders, sehr nah und ohrenbetäubend laut.

Erst mal waren wir alle durcheinander, während der Staub sich zu legen begann. Während wir noch versuchten zu verstehen, was sich abspielte, gab es neue Einschläge. Nach 20 oder 30 Minuten hörte ich jemanden meinen Namen rufen. Es war eine unserer Pfleger aus der Notaufnahme. Er taumelte mit einer großen Wunde am Arm in den Schutzraum, er war blutüberströmt, überall am Körper hatte er Wunden.

Das Krankenhaus stand in Flammen

In diesem Moment konnte mein Gehirn nicht verstehen, was passierte. Einen Moment lang stand ich einfach still, schockiert. Er schrie um Hilfe. In dem Schutzraum haben wir eine kleine Notfallversorgung. Doch es gab kein Morphium, um seine Schmerzen zu stoppen. Wir haben für ihn getan, was wir konnten.

Ich weiß es nicht mehr genau wie lange das genau dauerte, aber wohl eine halbe Stunde später gab es keine Einschläge mehr. Ich ging mit unserem Projektleiter aus dem Schutzraum, um zu sehen, was passiert war. Wir sahen, wie das Krankenhaus in Flammen stand – zerstört. Ich weiß nicht mehr, was ich fühlte – ich war erneut unter Schock.

Wir fingen an nach Überlebenden zu suchen. Einige wenige hatten es zu den Schutzräumen geschafft. Nacheinander taumelten sie hinein, verwundet, Kollegen und Angehörige von Patienten.

Patienten inmitten totaler Zerstörung

Dann versuchten wir, einen Blick in das brennende Gebäude zu werfen. Ich kann eigentlich nicht beschreiben, was sich dort abspielte, es gibt keine Worte dafür, wie schrecklich es war: Auf der Intensivstation brannten sechs Patienten in ihren Betten. Wir suchten unsere Kollegen, von denen einige im Operationsraum sein sollten. Es war schrecklich. Ein Patient lag auf dem OP-Tisch, tot, inmitten der totalen Zerstörung. Wir konnten unsere Kollegen nicht finden. Glücklicherweise fanden wir später heraus, dass es ihnen noch gelungen war aus dem OP-Saal zu rennen und sich zu retten.

Gleich nebenan schauten wir in die Bettenstation, glücklicherweise nicht getroffen, wir checkten nur schnell, ob alle OK waren. Auch in einem Bunker nebenan waren alle wohlauf.

Danach fingen wir wieder mit der Arbeit an und rannten zum Büro – es war voll mit Patienten, schwer verletzt, schreiend, sie waren überall.

Das Büro wird zum Notoperationsraum

Es war verrückt. Wir mussten in unserem Büro die Versorgung von unzähligen Verwundeten organisieren, schauen, welche Ärzte noch am Leben waren. Wir führten noch eine Notfalloperation bei einem unserer Ärzte durch, doch leider verstarb er – auf einem unserer Bürotische. Wir taten unser Bestes, aber leider reichte es nicht.

Die ganze Situation war sehr heftig. Wir sahen, wie unsere Kollegen starben. Unser Apotheker, mit dem ich vergangene Nacht gerade noch die Planung unserer Vorräte besprochen hatte. Und dann starb er hier in unserem Büro.

Die ersten Momente waren nur Chaos. Genügend Mitarbeiter hatten überlebt, um denjenigen zu helfen, die behandelbare Verletzungen hatten. Aber es gab zu viele, denen wir nicht helfen konnten. Dabei war alles irgendwie schnell klar: Wir behandelten die Menschen, die eine Versorgung brauchten. Entscheidungen im üblichen Sinn trafen wir nicht – wie kann man inmitten solcher Angst und solchen Chaos Entscheidungen treffen?

Das Krankenhaus war die Gesundheitsversorgung für Kundus

Einige meiner Kollegen standen einfach unter zu großem Schock. Sie weinten und weinten. Ich versuchte, einige von ihnen zu ermutigen, zu helfen – auch, damit sie ihre Konzentration weg vom Horror auf etwas Konkretes verlagern konnten. Aber einige waren einfach nicht in der Lage, etwas zu tun. Es ist nicht leicht, erwachsene Männer, deine Freunde unkontrolliert weinen zu sehen.

Ich habe seit Mai hier gearbeitet und dabei viele sehr heftige medizinische Situationen erlebt. Aber es ist noch einmal völlig anders, wenn es um Kollegen geht, die deine Freunde sind.

Diese Leute haben seit Monaten hart gearbeitet, erst vergangene Woche ununterbrochen durchgearbeitet.* Sie sind nicht nach Hause gegangen, haben ihre Familien nicht gesehen, haben nur gearbeitet, um Menschen zu helfen … jetzt sind sie tot. Sie sind Freunde, enge Freunde. Ich habe keine Worte, um auszudrücken, wie schrecklich es war. Es ist unaussprechlich.

Das Krankenhaus war für mehrere Monate mein Arbeitsplatz und mein Zuhause. Ja, es ist nur ein Gebäude. Aber es ist so viel mehr. Es ist die Gesundheitsversorgung für Kundus. Die aber gibt es jetzt nicht mehr.

Mich bewegt in meinem Herzen sehr, dass das alles völlig inakzeptabel ist. Wie kann so etwas passieren? Ein Krankenhaus und so viele Menschenleben zu zerstören, für nichts. Ich habe keine Worte dafür.“

*Das Team des Krankenhauses hatte in den dem Angriff vorangegangenen Tagen etwa 400 Verletzte versorgt und rund um die Uhr gearbeitet.

 

Mehr Informationen:

„Am Morgen hörte ich Einschläge von Granaten und Schreie, mittags befand sich die Frontlinie bereits an unserem Krankenhaus“ – Bericht aus Kundus
http://www.aerzte-ohne-grenzen.de/article/am-morgen-hoerte-ich-einschlaege-von-granaten-und-schreie-mittags-befand-sich-die-frontlinie
Ärzte ohne Grenzen fordert Erklärung nach tödlichen Luftangriffen auf Krankenhaus in Kundus:
http://www.aerzte-ohne-grenzen.de/afghanistan-angriffe-krankenhaus-kundus

 

US-Armee bombardiert Krankenhaus trotz Hilfe-Ruf der Ärzte

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen ist am Samstag Opfer eines US-Luftangriffs auf Kundus geworden: Es gab neun Tote und dutzende Verletzte. Der Grund für den Angriff auf Zivilisten ist unklar: Die Lage des Krankenhauses war bekannt, die Ärzte sandten einen Hilferuf an die Amerikaner – doch diese stellten das Feuer erst eine halbe Stunde später ein.

Eine Operation in einem Teil des Krankenhauses in Kundus, der vom US-Angriff verschont geblieben war. (Foto: dpa)

Ein US-Angriff auf die afghanische Stadt Kundus hat in einer Klinik neun Mitarbeiter von „Ärzte ohne Grenzen“ getötet. Das Krankenhaus sei in der Nacht mehrmals getroffen worden, teilte die Hilfsorganisation am Samstag mit. Demnach gab es 37 Schwerverletzte, darunter 19 Mitarbeiter. Die US-Streitkräfte erklärten, es habe am frühen Morgen einen Luftangriff gegeben. Die US-Army reagierte routinemäßig: „Bei dem Angriff ist es möglicherweise zu einem Kollateralschaden bei einer nahe gelegenen medizinischen Einrichtung gekommen“, sagte ein Sprecher lediglich lapidar.

„Ärzte ohne Grenzen“ verurteilte die „schreckliche“ Attacke „mit den Schärfsten Möglichen Worten“ und erklärte, die genaue Lage der Einrichtung sei mit Koordinaten allen Konfliktparteien übermittelt worden, auch an die Regierungen in Kabul und Washington. Damit solle verhindert werden, dass das Krankenhaus unter Beschuss gerate. Der Angriff sei sogar noch eine halbe Stunde lang fortgesetzt worden, nachdem amerikanische und afghanische Behörden informiert worden seien. Zum Zeitpunkt des Angriffes hielten sich dort den Angaben zufolge knapp 200 Patienten und Mitarbeiter auf. Viele würden noch vermisst.

Es ist unklar, ob der Vorfall untersucht wird und die Verantwortlichenjemals bestraft werden. Die Ärzte ohne Grenzen fordern eine Untersuchung, die US-Armee hat eine solche angekündigt. Sie wird jedoch nicht von unabhängigen Dritten oder gar einem Gerichtdurchgeführt, sondern vom US-Militär selbst.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/kunduz-us-militaer-wusste-ueber-krankenhaus-bescheid-a-1056032.html

3 Oktober 2015 – „SPIEGEL“ – Luftangriffe in Kunduz: „Das US-Militär wusste, wo unser Krankenhaus liegt“

Während eines US-Luftangriffs in Kunduz wurde ein Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen getroffen, mindestens neun Menschen starben. Die Organisation sagt nun, die Koordinaten seien der Armee bekannt gewesen.


Ärzte ohne Grenzen hat schwere Vorwürfe gegen die US-Armee erhoben, nachdem ein Hospital der Organisation während eines Luftangriffs in der nordafghanischen Stadt Kunduz schwer beschädigt wurde und mehrere Menschen starben. „Wir haben das US-Militär nach den ersten Luftschlägen in der Umgebung unseres Hospitals über unsere Position informiert, um sie zu warnen“, sagte Jason Cone, Sprecher von Médecins Sans Frontières (MSF). Trotzdem sei der Beschuss weitergegangen, sagte er SPIEGEL ONLINE.Cone betonte, dass MSF die Information weitergegeben habe, bevor das Hospital gegen 2 Uhr in der Nacht auf Samstag getroffen worden sei. „Wir haben unsere Kontakte bei der US-Armee informiert, die wir auch schon zuvor über die genauen GPS-Daten des Hospitals, unseres Büros und einer Unterkunft in Kunduz in Kenntnis gesetzt hatten“, sagte Cone. „Das US-Militär wusste, wo unser Krankenhaus liegt.“

Laut den letzten Erkenntnissen seien in der Nacht neun afghanische Ärzte und Helfer von MSF getötet worden. 37 weitere Personen seien teilweise schwer verletzt worden. Cone forderte eine detaillierte Aufklärung der Ereignisse, vorerst habe man alle internationalen Mitarbeiter aus Kunduz ausgeflogen…….

 

http://www.spiegel.de/politik/ausland/kunduz-uno-verurteilt-us-angriff-auf-krankenhaus-a-1056061.html

3 Oktober 2015 – „SPIEGEL“ – Kampf um Kunduz: Uno nennt US-Angriff auf Krankenhaus „unentschuldbar“

Zerstörtes Krankenhaus: Verdacht auf Kriegsverbrechen

Zerstörtes Krankenhaus: Verdacht auf Kriegsverbrechen

Bei einem Luftangriff starben in einem Krankenhaus in Kunduz mindestens 19 Menschen, die Uno spricht von einem möglichen Kriegsverbrechen. Das Pentagon bedauert den Vorfall, vermeidet aber ein Schuldeingeständnis.

Die Vereinten Nationen haben den möglichen US-Luftangriff auf ein Krankenhaus im nordafghanischen Kunduz scharf verurteilt. Der Vorfall sei „absolut tragisch, unentschuldbar und vielleicht sogar kriminell“, erklärte der Uno-Hochkommissar für Menschenrechte, Seid al-Hussein. Seid forderte eine transparente Untersuchung des Angriffs. Sollte dieser sich vor einem Gericht als vorsätzlich herausstellen, „könnte ein Luftangriff auf ein Krankenhaus ein Kriegsverbrechen darstellen“. Bei dem Angriff auf das von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (Medecins sans Frontiers, MSF) geführte Krankenhaus kamen mindestens 19 Menschen ums Leben. Es handele sich um zwölf MSF-Mitarbeiter und sieben Patienten, darunter auch drei Kinder, sagte MSF-Sprecherin Christiane Winje am Samstag in Berlin. Weitere 37 Menschen, darunter 19 Mitarbeiter, wurden ihren Angaben zufolge verletzt.

Die US-Armee erklärte Stunden nach dem Vorfall ihr Bedauern über die Toten in der Klinik, vermied aber ausdrücklich eine Entschuldigung und damit auch ein Schuldeingeständnis. US-Verteidigungsminister Ashton Carter sprach von einem „tragischen Vorfall“. „Während wir noch herauszufinden versuchen, was genau passiert ist, möchte ich allen Betroffenen sagen, dass ich ihnen meine Gedanken und Gebete widme“, hieß es in einer schriftlichen Mitteilung.

„Eine volle Untersuchung des tragischen Vorfalls ist in Abstimmung mit der afghanischen Regierung im Gange“, erklärte Carter weiter. „Zu diesem schwierigen Zeitpunkt werden wir weiterhin mit unseren afghanischen Partnern zusammenarbeiten, um zu versuchen, die andauernde Gewalt in und um Kunduz zu beenden.“

Der Chef der US-Mission in Afghanistan, der zur Zeit in den USA ist, telefonierte am Nachmittag mit dem afghanischen Präsidenten Ashraf Ghani, drückte ebenfalls sein Beileid aus und kündigte eine umfassende Untersuchung an.

Laut einer Mitteilung seines Hauptquartiers in Kabul waren Spezialeinheiten der US-Armee in der Nacht mit afghanischen Soldaten in der Nähe des Krankenhauses unterwegs, dann wurden sie von Taliban-Kämpfern direkt beschossen und forderten Luftunterstützung an. Bei dem anschließenden Beschuss zur Abwehr des „direkten Angriffs auf US-Soldaten“ könne es zu zivilen Opfern in der nahe gelegenen Klinik gekommen sein, so das US-Militär.

In Militärkreisen und unter westlichen Diplomaten in Kabul war am Samstag von einem „tragischen Unfall“ die Rede. Demnach habe sich die US-Luftwaffe offenbar zum Abschuss von mehreren Granaten durch ein Flugzeug des Typs AC-130 entschieden, das die Kämpfe aus großer Höhe beobachtete.

Granaten oder Schrapnell?

Das Hospital sei allerdings nicht von den Granaten getroffen worden, hieß es über die ersten Erkenntnisse, möglicherweise aber von herumfliegendem Schrapnell. Die wenigen Bilder von der Klinik jedoch zeigen zumindest an einigen Stellen Hinweise auf direkte Treffer.

In den Militärkreisen wurde betont, dass ein bewusster oder fahrlässiger Beschuss der Klinik ausgeschlossen sei, da die Koordinaten der MSF-Einrichtung bekannt gewesen und bei den Luftschlägen berücksichtigt worden seien. Gleichwohl zeige der tragische Vorfall, wie schwierig der Kampf gegen die Taliban in der Stadt Kunduz sei, da sie sich in Wohngebieten und eben auch nahe an Krankenhäusern verschanzten.

Ein MSF-Sprecher schloss aus, dass sich Taliban-Kämpfer in der Klinik verschanzt haben könnten. „Die Tore waren geschlossen, so dass niemand außer dem Personal und den Patienten in der Klinik waren“, sagte Jason Cone SPIEGEL ONLINE. Afghanische Sicherheitskräfte hatten behauptet, die Taliban hätten in der Klinik eine Stellung errichtet.

Ärzte ohne Grenzen verurteilte den Vorfall aufs Schärfste. „Diese Attacke ist eine abscheuliche und schwere Verletzung internationalen humanitären Rechts“, sagte MSF-Präsident Meinie Nicolai. „Wir können es nicht hinnehmen, dass dieser schreckliche Verlust von Menschenleben einfach als „Kollateralschaden“ abgetan wird.“

MSF: USA hatten Koordinaten des Krankenhauses

Alle Anzeichen deuteten darauf hin, dass die Bombardierung durch das Bündnis der internationalen Streitkräfte erfolgt sei. MSF-Sprecher Cone betonte, dass sich bisher niemand, weder das US-Militär noch die Regierung, bei der Organisation gemeldet oder eine Zusammenarbeit bei der Aufklärung angeboten habe.

Nach Angaben von MSF wurden allen Konfliktparteien, vor allem aber dem US-Militär, die genauen Geodaten ihrer Einrichtungen vorsorglich mehrfach übermittelt, zuletzt am 29. September. Nach Beginn des nächtlichen Angriffs habe man zudem das amerikanische und afghanische Militär erneut kontaktiert, dennoch habe das Bombardement noch mehr als 30 Minuten angehalten.

Die Organisation veröffentlichte Bilder von der in Flammen stehenden Klinik und den massiven Schäden. Auf einem Foto kümmern sich Ärzte in einem überfüllten kleinen Raum um verletzte Patienten und Mitarbeiter. „Die Bomben schlugen ein und dann hörten wir, wie die Maschine Kreise flog“, wurde der Leiter der MSF-Mission in Nordafghanistan, Heman Nagarathnam, in einer Mitteilung zitiert. „Dann gab es eine Pause und dann schlugen noch mehr Bomben ein. Das passierte immer weiter.“

Seit Montag wurden nach Angaben von MSF in der Klinik 394 Verletzte behandelt. Zum Zeitpunkt des Luftangriffs seien 105 Patienten, Angehörige und gut 80 Mitarbeiter in dem Gebäude gewesen.

Die Klinik wird ausschließlich aus Spenden finanziert und behandelt jeden – unabhängig von Herkunft oder Religion. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid sagte: „Keiner unserer Kämpfer war zum Zeitpunkt des Angriffs ein Patient der Klinik.“


Zusammengefasst: Die Uno zweifelt an der Darstellung des Pentagon, der Beschuss des Krankenhauses in Kunduz sei ein bedauerliches Versehen. Sie forderte eine Untersuchung des Vorfalls. US-Verteidigungsminister Ashton Carter sprach den Hinterbliebenen der Opfer sein Mitgefühl aus, vermied aber jeden Satz, der als Eingeständnis der Schuld gewertet werden könnte.

 

http://www.spiegel.de/politik/ausland/afghanistan-augenzeuge-berichtet-von-angriff-auf-krankenhaus-a-1056070.html

3 Oktober 2015 – „SPIEGEL“ – US-Angriff auf Krankenhaus in Kunduz: „Die Patienten brannten in ihren Betten“

Krankenhaus in Kunduz: "Es war komplett zerstört"

Krankenhaus in Kunduz: „Es war komplett zerstört“

Der Krankenpfleger Lajos Zoltan Jecs hatte Glück. Als sein Krankenhaus in Kunduz während eines US-Luftangriffs getroffen wurde, war er in einem Bunker. Hier beschreibt er die schrecklichen Szenen danach.

Nach dem US-Luftangriff auf das Krankenhaus der Organisation Ärzte ohne Grenzen (Médecins Sans Frontières, MSF) in der nordafghanischen Stadt Kunduz äußert sich erstmals ein Augenzeuge. In einem schriftlichen Bericht, den MSF veröffentlicht hat, beschreibt der Krankenpfleger Lajos Zoltan Jecs die Momente, als das Krankenhaus am frühen Samstagmorgen mehrfach aus der Luft getroffen wurde.

„Es war absolut entsetzlich. Ich schlief gerade in einem unserer sicheren Räume in dem Krankenhaus. Es war gegen 2 Uhr morgens, als ich vom dem Knall einer großen Explosion aufwachte. Erstmal verstand ich nicht, was passierte. Über die letzten Tage hatten wir immer wieder Explosionen gehört, aber die waren immer viel weiter entfernt. Diese war anders, sie war sehr nah und ohrenbetäubend laut.Erstmal waren wir alle durcheinander, doch dann legte sich die Aufregung. Als wir versuchten, zu verstehen, was sich abspielte, gab es neue Einschläge. Nach 20 oder 30 Minuten hörte ich jemanden meinen Namen rufen. Es war eine unserer Pfleger aus der Notaufnahme. Er stolperte mit einer großen Wunde am Arm in den Schutzraum, er war blutüberströmt, überall am Körper hatte er Wunden.

In diesem Moment konnte mein Gehirn nicht verstehen, was passierte, ich stand einfach still, schockiert. Er schrie um Hilfe. In dem Schutzraum haben wir eine kleine Notfallversorgung, aber kein Morphium, um seine Schmerzen zu stoppen. Wir haben für ihn getan, was wir konnten.

Ich weiß es nicht mehr genau, aber wohl eine halbe Stunde später gab es keine Einschläge mehr. Ich ging mit unserem Projektleiter aus dem Schutzraum, wir wollten sehen, was passiert war. Wir sahen, wie das Krankenhaus in Flammen stand, es war komplett zerstört. Ich weiß nicht mehr, was ich gefühlt hatte, ich war wie taub, in einem Schockzustand.

Wir wollten nach Überlebenden suchen. Einige wenige hatten es zu den Schutzräumen geschafft. Nacheinander taumelten sie hinein, verwundet, dabei waren einige unserer Kollegen und Pfleger der Patienten.

Dann versuchten wir, einen Blick in das brennende Gebäude zu werfen. Ich kann eigentlich nicht beschreiben, was sich dort abspielte, es gibt keine Worte für so etwas: Auf der Intensivstation brannten sechs Patienten in ihrem Betten. Wir sahen nach unseren Kollegen, die im Operationsraum sein sollten. Es war schrecklich. Ein Patient lag auf dem OP-Tisch, tot, inmitten der totalen Zerstörung. Wir konnten unsere Kollegen nicht finden. Glücklicherweise fanden wir später heraus, dass sie noch fliehen und sich retten konnten.Gleich nebenan schauten wir in die Bettenstation, glücklicherweise nicht getroffen, wir checkten nur schnell, ob alle OK waren. Auch in einem Bunker nebenan waren alle wohlauf.

Danach fingen wir wieder mit der Arbeit an und rannten zum Büro – es war voll mit Patienten, schwer verletzt, schreiend, sie waren überall.“

 

http://www.spiegel.de/politik/ausland/kunduz-aerzte-ohne-grenzen-spricht-von-kriegsverbrechen-a-1056120.html

 

Interessante Information (siehe Spiegel – Beitrag) ——–-Wie MSF-Sprecherin Christiane Winje mitteilte, kamen 22 Menschen ums Leben. Es handelt sich ihren Angaben zufolge um zwölf MSF-Mitarbeiter und zehn Patienten, darunter drei Kinder.———-Von 2.08 bis 3.15 Uhr Ortszeit sei die Klinik in Intervallen von etwa 15 Minuten beschossen worden. Das zentrale Krankenhausgebäude mit Intensivstation und Notfallräumen sei wiederholt „sehr präzise“ getroffen worden. „Gleichzeitig blieben umliegende Gebäude fast unberührt“, erklärte MSF.-——

4 Oktober 2015 – „SPIEGEL“ – US-Luftangriff in Kunduz: Ärzte ohne Grenzen spricht von Kriegsverbrechen

Zerstörte Klinik in Kunduz: Fataler Fehlschlag

Die Zahl der Toten nach dem Luftangriff auf eine Klinik der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (Médecins Sans Frontières – MSF) in Kunduz steigt weiter. Wie MSF-Sprecherin Christiane Winje mitteilte, kamen 22 Menschen ums Leben. Es handelt sich ihren Angaben zufolge um zwölf MSF-Mitarbeiter und zehn Patienten, darunter drei Kinder.

Der fatale Luftangriff in der nordafghanischen Stadt sorgt weltweit für Entsetzen – und bringt dem US-Militär harsche Kritik ein. Der Präsident der Hilfsorganisation, Meinie Nicolai, sprach von einem „schweren Bruch des Völkerrechts“. MSF-Generaldirektor Christopher Stokes nannte den Angriff ein Kriegsverbrechen und forderte eine unabhängige internationale Untersuchung.

Die US-Luftwaffe hatte die Klinik in der Nacht zum Samstag offensichtlich aus Versehen bombardiert. US-Präsident Barack Obama beklagte eine „Tragödie“, sprach den Opfern sein Beileid aus und versprach Aufklärung. Das US-Militär kündigte eine multinationale Ermittlung an. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon drang auf eine rasche, umfassende und unvoreingenommene Untersuchung. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg drückte seine Bestürzung aus.

Seit dem überraschenden Taliban-Angriff auf die nordafghanische Stadt Kunduz am Montag versuchen Regierungstruppen mit Hilfe der Nato, die Stadt wieder komplett unter Kontrolle zu bekommen.

Aus Sicht von Ärzte ohne Grenzen steht außer Zweifel, dass die US-geführte Militärkoalition die Klinik bombardiert hat, wo sich nachts 105 Patienten, Angehörige und gut 80 Mitarbeiter aufhielten. Der Nato-Sprecher in Afghanistan, Sernando Estreooa, erklärte, US-Streitkräfte hätten zur fraglichen Zeit einen Luftangriff nahe der Klinik durchgeführt. Dort hätten einzelne Personen die Truppen bedroht. Der Sprecher der US-Streitkräfte in Afghanistan, Brian Tribus, räumte ein, dabei könnte versehentlich die medizinische Einrichtung getroffen worden sein.

Nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen wurden allen Konfliktparteien die genauen Geodaten ihrer Einrichtungen vorsorglich mehrfach übermittelt, zuletzt am 29. September. Nach Beginn des nächtlichen Angriffs habe man zudem das amerikanische und afghanische Militär erneut kontaktiert; dennoch habe der Beschuss noch mehr als 30 Minuten angehalten.

Von 2.08 bis 3.15 Uhr Ortszeit sei die Klinik in Intervallen von etwa 15 Minuten beschossen worden. Das zentrale Krankenhausgebäude mit Intensivstation und Notfallräumen sei wiederholt „sehr präzise“ getroffen worden. „Gleichzeitig blieben umliegende Gebäude fast unberührt“, erklärte MSF. Nach dem Luftangriff zog sich Ärzte ohne Grenzen aus Kunduz zurück.

Das afghanische Verteidigungsministerium erklärte, „eine Gruppe von Terroristen mit leichten und schweren Waffen“ sei in der Klinik gewesen. Die Hilfsorganisation wies die Vorwürfe zurück, islamistische Taliban hätten in der Klinik Unterschlupf gefunden. Außer Mitarbeitern und Patienten sei niemand in der Klinik gewesen. Zudem sei jeder Patient – auch verwundete Taliban-Kämpfer – nach dem humanitären Völkerrecht ein nicht-kämpfender Zivilist. „In keinem Fall kann die Bombardierung eines funktionierenden Krankenhauses gerechtfertigt sein“, hieß es.

 

http://www.spiegel.de/politik/ausland/beschuss-von-hospital-in-kunduz-afghanen-forderten-fatalen-fehlschlag-an-a-1056313.html

5 Oktober 2015 -„SPIEGEL“ – Beschuss von Hospital in Kunduz: Afghanen forderten fatalen Luftschlag an

Die Zerstörung einer Klinik in Kunduz ist offenbar auf eine Fehlinformation der afghanischen Armee zurückzuführen. Soldaten hatten den US-Luftangriff angefordert mit der Behauptung, in dem Gebäude hätten sich Taliban eingenistet.

Der fatale US-Luftschlag, der in der Nacht zum Sonntag ein Hospital der Organisation Ärzte ohne Grenzen fast völlig zerstört hat, wurde von afghanischen Sicherheitskräften angefordert. Auf einer eilig anberaumten Presskonferenz in Washington korrigierte der Kommandeur der US-Truppen in Afghanistan die bisherigen Darstellungen über den Vorfall, bei dem mindestens 22 Menschen, darunter Ärzte und Pfleger der Hilfsorganisation, getötet worden waren.

Die Aussagen bestätigten erstmals, dass das Hospital durch den US-Beschuss getroffen wurde. „Wir haben erfahren, dass am 3. Oktober afghanische Soldaten meldeten, dass sie beschossen würden, und Luftunterstützung angefordert haben“, sagte General John Campbell, der sich für Briefings vor dem US-Kongress in den USA aufhält. „Ein Luftschlag wurde angefordert, um die Taliban-Bedrohung zu eliminieren, dabei wurden mehrere Zivilisten versehentlich getroffen“, so Campbell.

Bisher hatte die US-Armee behauptet, der Luftschlag sei durch US-Spezialeinheiten angefordert worden, da diese gemeinsam mit afghanischen Soldaten am Boden unter Feuer der Taliban geraten waren. Zudem hieß es bisher, das Krankenhaus sei nicht direkt beschossen worden, sondern vermutlich durch herumfliegende Splitter getroffen und so in Brand geraten. Mit den Aussagen allerdings übernahm Campbell indirekt die Verantwortung für einen fatalen Fehler.

Die neuen Details werfen viele Fragen auf. So müssen sich die Verantwortlichen im US-Hauptquartier in Kabul fragen lassen, warum sie der Aufforderung der Afghanen für einen Beschuss des Krankenhauses oder der direkten Umgebung der Klinik folgten. Ärzte ohne Grenzen hatte die US-Armee wiederholt, zuletzt am 29. September, über die genaue Position der Klinik unterrichtet, um mögliche Luftangriffe auf sie in der umkämpften Stadt Kunduz zu verhindern.

Als der Beschuss begann, setzte die Organisation eindringliche Hilferufe an die US-Armee ab, trotzdem wurde weiter gefeuert. Die US-Armee wägt nach eigenen Angaben vor jeder Luftunterstützung, auch „Close Air Support“ (CAS) genannt, genau ab, ob Zivilisten Schaden nehmen könnten. Nach der Anforderung durch die Afghanen muss also klar gewesen sein, dass das Hospital durch den Beschuss mehr als gefährdet war. Alle US-Luftschläge müssen in Kabul genehmigt werden.

Schlechte Erfahrungen mit afghanischen Anforderungen

Campbell versprach in Washington schnelle Aufklärung. Er persönlich hatte schon am Tag nach dem Vorfall dem afghanischen Präsidenten Ashraf Ghani kondoliert, auch US-Präsident Barack Obama wendete sich an die Opfer des Beschusses. Mit den neuen Aussagen allerdings wird ein Fehlverhalten der US-Armee immer deutlicher. Am Wochenende hatte Ärzte ohne Grenzen bereits von einem möglichen Kriegsverbrechen der Amerikaner gesprochen.

Dass afghanische Soldaten Luftunterstützung anfordern, ist grundsätzlich nichts Ungewöhnliches, allerdings erfüllte die US-Armee solche Wünsche nach dem Ende der Kampfmission der Nato vor rund einem Jahr nur noch sehr selten. Grundsätzlich sind die US-Soldaten wie die Bundeswehr nur noch für eine Trainingsmission im Land, am Kampfgeschehen nimmt man nicht mehr teil. Gleichwohl unterstützte die US-Armee die Afghanen in Kunduz auch aktiv.

Mit afghanischen Anforderungen hatten die Amerikaner in Afghanistan schon mehrmals schlechte Erfahrung gemacht, immer wieder war es in den vergangenen Jahren nach Hilferufen der Afghan National Army (ANA) zu fatalen Fehlschlägen auf Zivilisten gekommen. Deswegen wägt man solche Unterstützung eigentlich sehr kritisch ab. Campbell und seine Offiziere werden nun erklären müssen, warum dies im Fall von Kunduz nicht geschah.

Afghanen bleiben dabei: Beschuss war richtig

Die afghanischen Sicherheitskräfte legten sich nach dem Beschuss bereits fest, dass in dem Hospital Taliban-Kämpfer ihr Kommandozentrum aufgebaut hätten, deswegen sei es richtig gewesen, dieses zu bekämpfen. Ärzte ohne Grenzen widersprach energisch. Zwar behandeln die Ärzte jeden Verletzten, also auch Taliban, doch nur, wenn diese unbewaffnet dort eingeliefert werden. In der Klinik seien jedoch keine Kämpfer der Islamisten gewesen, als sie unter Feuer geriet.

In Kunduz begann eine Delegation aus Kabul mit den Untersuchungen des tragischen Fehlers. Kommandeur Campbell beauftragte US-General Richard Kim mit den Recherchen, in wenigen Tagen erwartet er einen ersten Bericht. „Wenn Fehler gemacht wurden, werden wir sie zugeben“, sagte Campbell. „Wir werden die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen und sicherstellen, dass solche Fehler nicht wiederholt werden“, versprach er.

Zeugen des Angriffs berichteten nach der Attacke in der Nacht von Samstag auf Sonntag, die Klinik sei mehr als eine Stunde lang beschossen worden. Dabei wurden der Operationssaal und die Intensivstation völlig zerstört.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-10/kundus-krankenhaus-aerzte-ohne-grenzen-bombenangriff

3 Oktober 2015 – „Die ZEIT“ – Ärzte ohne Grenzen: UN halten Angriff für „unentschuldbar und vielleicht sogar kriminell“

Ein AC-130-Flugzeug der US-Armee hat möglicherweise die Klinik im afghanischen Kundus bombardiert und 19 Menschen getötet. Ärzte ohne Grenzen erhebt schwere Vorwürfe.
Brennende Ruine des Krankenhauses in Kundus nach dem Angriff Samstagnacht
Brennende Ruine des Krankenhauses in Kundus nach dem Angriff Samstagnacht © EPA/MSF HANDOUT

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen war schon in vielen Kriegen im Einsatz, sie kennt die Risiken. Daher teilt sie immer allen Konfliktparteien mit, wo genau sich ihre Hilfszentren befinden. Das hat Ärzte ohne Grenzen auch in Kundus getan, mehrfach in den vergangenen Monaten und mit genauen GPS-Koordinaten aller Gebäude. Trotzdem wurde das Krankenhaus der Hilfsorganisation bei einem Bombardement der amerikanischen Armee gleich mehrmals getroffen. Selbst nachdem amerikanische und afghanische Militärs in Kabul und in Washington über einen ersten Treffer informiert wurden, sei der Bombenangriff auf die Gebäude noch mehr als 30 Minuten lang weitergegangen, teilte die Organisation mit. Sie verlange Aufklärung, was genau passiert sei und wie es zu diesem furchtbaren Ereignis habe kommen können.

Bei dem Angriff in der Nacht zum Samstag wurden nach neuen Angaben der Organisation 19 Menschen getötet. Bei den Toten handelt es sich um zwölf Mitarbeiter der Klinik und sieben Patienten, drei von ihnen Kinder. Weitere 37 Menschen wurden teilweise schwer verletzt, 19 von ihnen sind Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen.

„Diese Attacke ist eine abscheuliche und schwere Verletzung internationalen humanitären Rechts“, sagte Meinie Nicolai, die Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen, in einer Mitteilung. „Wir können es nicht hinnehmen, dass dieser schreckliche Verlust von Menschenleben einfach als ‚Kollateralschaden‘ abgetan wird.“

Bei den mehrfachen Angriffen ist das Krankenhaus zum großen Teil zerstört worden. Die USA haben die Gegenoffensive der afghanischen Armee in Kundus unter anderem mit Luftangriffen unterstützt.

Ein Sprecher des amerikanischen Militärs hatte erklärt, bei dem Angriff der US-Luftwaffe auf Taliban-Kämpfer sei es „möglicherweise zu einem Kollateralschaden bei einer nahe gelegenen medizinischen Einrichtung gekommen“. Inzwischen wird untersucht, ob ein Flugzeug der US-Armee vom Typ AC-130 Gunship dafür verantwortlich ist, zitierte der Sender CNN eine anonyme Quelle aus dem Militär. Diese umgebauten Transportflugzeuge sind fliegende Artilleriestellungen und verschießen großkalibrige Granaten. Eine dieser Maschinen war an den Kämpfen gegen die Taliban beteiligt.

Der amerikanische Verteidigungsminister Ashton Carter sprach in einer am Samstag veröffentlichten schriftlichen Mitteilung von einem „tragischen Vorfall“. Eine „volle Untersuchung“ sei in Abstimmung mit der afghanischen Regierung im Gange. „Während wir noch herauszufinden versuchen, was genau passiert ist, möchte ich allen Betroffenen sagen, dass ich ihnen meine Gedanken und Gebete widme.“

Der „Kollateralschaden“ ist erheblich. Nicht nur, dass 16 Menschen starben, auch das Krankenhaus wurde fast vollständig zerstört. Adil Akbar, einer der dort arbeitenden Ärzte, sagte der Nachrichtenagentur AP, der Operationssaal, die Notaufnahme und andere Bereiche seien getroffen worden. Zur Zeit des Angriffs behandelte das Krankenhaus 105 Patienten, mehr als 80 Mitarbeiter versorgten sie.

Die Vereinten Nationen haben den Bombenangriff kritisiert. „Krankenhäuser, in denen sich Patienten und medizinisches Personal befinden, dürfen niemals zum Angriffsziel werden“, sagte der UN-Sondergesandte für Afghanistan, Nicholas Haysom. „Das internationale humanitäre Recht verbietet außerdem die Nutzung medizinischer Einrichtungen für Militärzwecke.“

Der Vorfall sei „absolut tragisch, unentschuldbar und vielleicht sogar kriminell“, erklärte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Seid al-Hussein. Al-Hussein forderte eine transparente Untersuchung des Angriffs. Sollte dieser sich vor einem Gericht als vorsätzlich herausstellen, „könnte ein Luftangriff auf ein Krankenhaus ein Kriegsverbrechen darstellen“.

US-Botschaft bedauert „Zwischenfall“

In einer Stellungnahme der US-Botschaft in Afghanistan hieß es, man trauere um die Menschen, die von dem „tragischen Zwischenfall“ in dem Krankenhaus betroffen seien, sowie um deren Familien. „Wir sind zutiefst über die anhaltende Gewalt in Kundus besorgt sowie über die schwierige humanitäre Lage, mit der die Einwohner zu kämpfen haben.“

Der für humanitäre Hilfe zuständige EU-Kommissar Christos Stylianides sprach den Familien und Kollegen der Opfer sein Beileid aus und würdigte die „unter sehr schwierigen Bedingungen“ stattfindende Arbeit der Organisation in dem Land. Medizinische Einrichtungen und humanitäre Helfer müssten geschützt werden, sagte er.

Die USA sollten sich nach Ansicht des Grünen-Politikers Omid Nouripour entschuldigen. Die Bundesregierung müsse innerhalb der Nato bei den USA zudem auf eine Entschädigung der Opfer drängen, forderte der außenpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag. „Das Letzte, was die afghanische Regierung nun braucht, um die Köpfe und die Herzen der Menschen zurückzuerobern, sind Bomben auf Krankenhäuser.“

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